Die kanadische Rugby-Union-Nationalmannschaft (; ) ist die Nationalmannschaft Kanadas in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Die Mannschaft trägt die Spitznamen und . Die organisatorische Verantwortung trägt der 1974 gegründete Verband Rugby Canada (RC). Kanada wird vom Weltverband World Rugby in die zweite Stärkeklasse (second tier) eingeteilt und gilt als die drittbeste Nationalmannschaft auf dem amerikanischen Doppelkontinent (nach Argentinien und den Vereinigten Staaten). Bisher wurden zwei kanadische Nationalspieler in die World Rugby Hall of Fame aufgenommen.
Das erste Test Match fand 1932 gegen Japan statt. Kanada qualifizierte sich für neun der bisher zehn ausgetragenen Weltmeisterschaften und verpasste nur das Turnier 2023; bei der Austragung 1991 erreichte es das Viertelfinale. Von 2003 bis 2011 nahm die Mannschaft am Churchill Cup teil, seither beteiligte sie sich mehrmals am Pacific Nations Cup, wo sie gegen Fidschi, Japan, Samoa, Tonga und die USA antritt. Seit 2016 nimmt Kanada an der jährlichen Americas Rugby Championship teil, zusammen mit der zweiten Mannschaft Argentiniens, Brasilien, Chile, Uruguay und den USA. Traditionell spielt Kanada in roten Trikots mit weißen Farbakzenten, weißen Hosen mit roten Streifen und roten Socken mit weißen Streifen – also in den Farben der Flagge Kanadas.
Organisation
Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Kanada ist Rugby Canada (RC). Der Verband wurde 1974 gegründet und 1987, kurz vor der ersten Weltmeisterschaft, Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Rugby Canada ist außerdem Gründungsmitglied der North America and West Indies Rugby Association (NAWIRA; heute Rugby Americas North, RAN), die 2001 entstand, als Kanada und die USA der West Indies Rugby Association (WIRA) beitraten.
Zwischen 2019 und 2023 beteiligte sich mit den Toronto Arrows ein kanadisches Team an der Major League Rugby, einer professionellen Liga in den Vereinigten Staaten. Ein Großteil der für die Nationalmannschaft antretenden Spieler speist sich aus dieser Liga, weitere Spieler sind vor allem in Frankreich als Profisportler tätig. Daneben existieren die Amateurmeisterschaften der zehn Provinzverbände, wobei jene in British Columbia am stärksten einzustufen ist. Von 2009 bis 2018 existierte mit der Canadian Rugby Championship eine gesamtkanadische Amateurmeisterschaft, in der vier regionale Auswahlteams gegeneinander antraten.
Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft Rugby Canada weitere Auswahlmannschaften zusammen. Canada A bildet die zweite Mannschaft Kanadas und nahm bis 2016 an der Americas Rugby Championship teil, bevor man zur World Rugby Americas Pacific Challenge wechselte. Wie andere Rugbynationen verfügt Kanada über eine U-20-Nationalmannschaft, die an der World Rugby U20 Trophy teilnimmt. Hinzu kommt Canada Sevens, die Nationalmannschaft für Siebener-Rugby. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung.
Geschichte Einführung und Verbreitung von Rugby mini|Rugbyspiel zwischen Harvard und McGill, 1874 Ab 1823, als William Webb Ellis an der englischen Rugby School die Sportart erfunden haben soll, verbreiteten britische Einwanderer, Garnisonstruppen und Angehörige der Royal Navy relativ rasch frühe und weitgehend nichtkodifizierte Formen des Rugbyspiels in ostkanadischen Städten wie Halifax, Montreal und Toronto, wobei die Grenzen zum Fußball fließend waren. 1864 veröffentlichte das Trinity College in Toronto das erste kodifizierte Regelwerk in Kanada und im darauf folgenden Jahr fand in Montreal das erste nachweisbare Rugbyspiel nach heutigem Verständnis statt, als britische Offiziere und Zivilisten (hauptsächlich Studenten der McGill University) gegeneinander antraten.
Ab etwa 1870 entstand in Montreal eine Hybridform aus Fußball und Rugby. Einen besonderen Einfluss auf die weitere Entwicklung hatte die McGill University, deren Team am 15. Mai 1874 in Cambridge (Massachusetts) gegen die Harvard University antrat. Da ihre Regelwerke sich unterschieden (beide Universitäten bezeichneten ihr Ballspiel als Rugby football), entschloss man sich dazu, je eine Partie nach den jeweiligen Regeln durchzuführen. Durch die gegenseitige Inspiration entwickelten sich daraus mit der Zeit allmählich zwei neue Gridiron-Varianten, American Football und Canadian Football. In Kanada entstanden in der Folge zahlreiche Vereine, die Rugby football spielten. In vielen Fällen war jedoch nicht klar ersichtlich, ob sie das herkömmliche Rugby oder das sich noch in der Entwicklung befindliche Canadian Football betrieben, da beide Varianten sich zu Beginn noch sehr ähnelten. Zur anfänglichen Verwirrung trug auch bei, dass mehrere neu gegründete Provinzverbände die Bezeichnung „Rugby Football Union“ oder „Rugby Union“ in ihrem Namen trugen, jedoch die Football-Regeln anwendeten. Der 1884 gegründete gesamtkanadische Verband für Football hieß zunächst Canadian Rugby Football Union und ab 1891 Canadian Rugby Union. Erst 1967 benannte er sich in Canadian Amateur Football Association um; seit 1986 nennt er sich Football Canada.
Zur Hochburg des Rugby im herkömmlichen britischen Sinne (in Kanada lange Zeit als English ruggerRugby Union and Rugby League. In: Encyclopedia Canadiana, Band 8, S. 113. oder British rugby bezeichnet) entwickelte sich die Provinz British Columbia ganz im Westen des Landes – nicht zuletzt wegen des milden Klimas und des dort stark ausgeprägten britischen Traditionsbewusstseins. Das erste Spiel auf Vancouver Island wurde 1876 zwischen Seeleuten der Royal Navy und Garnisonssoldaten ausgetragen, das erste Spiel in Vancouver folgte zehn Jahre später. 1889 entstand mit der British Columbia Rugby Union (BCRU) der erste Verband, der sich tatsächlich mit Rugby Union befasste. Kurz darauf folgten zwei weitere Verbände für die Seeprovinzen und Manitoba. Mangels Interesse ließ die Gründung weiterer Verbände und insbesondere eines nationalen Verbandes hingegen lange auf sich warten.
Erste internationale Begegnungen Im Oktober und November 1899 fanden die ersten internationalen Spiele statt, als die irische Nationalmannschaft eine Tour im Osten Kanadas unternahm. Sie tat dies auf Einladung eines irischstämmigen Unternehmers, der dort den Rugbysport fördern wollte. Die vier Wochen dauernde Tour umfasste elf Spiele, von denen die Iren zehn gewannen; die einzige Niederlage erlitten sie gegen eine Auswahl aus Halifax. 1902/03 besuchte eine kanadische Auswahl das Vereinigte Königreich und Frankreich, wobei sie innerhalb von 56 Tagen 22 Spiele gegen Vereine und regionale Teams bestritt. Die Mannschaft umfasste neun Rugbyspieler aus British Columbia und den Seeprovinzen sowie elf Footballspieler aus Ontario und Québec. Da die Regeln beider Sportarten sich damals noch sehr ähnelten, konnte dennoch ein gemeinsames Team gebildet werden. Die Gastgeber lobten die Kanadier für ihre Hartnäckigkeit, Athletik und Schnelligkeit, stellten aber auch fest, dass ihre technischen Fähigkeiten und ihr Teamwork uneinheitlich waren. Die von Mannschaftskapitän James McClure in den britischen Medien geäußerte Hoffnung, dass beide Sportarten dank der Tour wieder näherrücken würden, erfüllte sich nicht: 1903 führte die Ontario Rugby Football Union die Burnside Rules ein, mit denen sich der Canadian Football deutlich von den Rugbyregeln entfernte.
In den Jahren danach war es ausschließlich die BCRU, die international aktiv war. Eine Verbandsauswahl reiste im Februar 1906 nach Kalifornien, um dort gegen die tourenden All Blacks aus Neuseeland anzutreten. Die australischen Wallabies waren im Februar 1909 und im November 1912 zu Gast in British Columbia, die All Blacks im November 1913. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges führte fast zum Erliegen des Spielbetriebs, nur in British Columbia und Nova Scotia konnte er halbwegs regelmäßig durchgeführt werden. 1919 beteiligte sich eine Auswahl der Canadian Expeditionary Force am King’s Cup, einem in England ausgetragenen Wettbewerb der Streitkräfte verschiedener Commonwealth Realms. Die heimkehrenden Soldaten waren in Europa verstärkt mit Rugby Union in Berührung gekommen und sorgten vor allem in Ontario und Québec für eine Renaissance (auch wenn Canadian Football stets populärer blieb). Im Februar 1925 tourten die All Blacks durch British Columbia, vier Jahre später die New South Wales Waratahs (in Vertretung der damals inaktiven Wallabies). Das allgemein größere Interesse am Rugbysport führte 1929 zur Gründung des ersten nationalen Verbandes, der Rugby Union of Canada.
Im September 1930 unternahm die japanische Nationalmannschaft eine Tour nach British Columbia, die mehrere Spiele gegen Vereine und Auswahlteams umfasste. Knapp anderthalb Jahre später stellte die RUC eine offizielle Nationalmannschaft zusammen. Als Teil einer von der kanadischen Bundesregierung finanzierten Handelsdelegation stattete sie Japan einen Gegenbesuch ab. Am 31. Januar 1932 fand in Higashiōsaka das erste offizielle Test Match mit kanadischer Beteiligung statt, es endete mit einem knappen 9:8-Sieg der Japaner. Elf Tage später mussten sich die Gäste in Tokio mit 5:38 geschlagen geben. Die Kanadier führten ihre Niederlagen auf „übermäßige Unterhaltung, zu viele Spiele in einem kurzen Zeitraum und die inspirierte Spielweise der Japaner vor dem versammelten Hochadel“ zurück.Richards: A Game for Hooligans: The History of Rugby Union. S. 143. Dem nationalen Verband gelang es nicht, weitere Touren zu organisieren und er löste sich 1939 auf. Während des Zweiten Weltkrieges konnte Rugby mangels geeigneter Spieler erneut nur in begrenztem Umfang ausgeübt werden, aktive Provinzverbände existierten nur in British Columbia, Ontario und Québec.
Pause und Wiederbelebung In der Nachkriegszeit war es erneut die BCRU, die dafür sorgte, dass internationale Mannschaften zumindest nach British Columbia kamen. Die Wallabies waren im Februar 1948 und im März 1958 zu Gast, die All Blacks im März 1954. Angesichts des guten Abschneidens der Provinzauswahl beim Besuch der British Lions (Auswahl der vier Home Nations) im September 1959 gab es Überlegungen der Provinzverbände, zumindest informell wieder eine kanadische Nationalmannschaft zu bilden und selbst auf Tour zu gehen. 1960 gründeten sie zu diesem Zweck das Rugby Tours Committee. 1962 besuchte eine kanadische Mannschaft, die überwiegend Spieler aus British Columbia umfasste, das Vereinigte Königreich und Irland, traf jedoch nicht auf Nationalmannschaften. Die Rugby Union of Canada wurde 1965 neu gegründet und benannte sich 1967 in Canadian Rugby Union um; heute tritt der nationale Verband unter dem Namen Rugby Canada auf. Durch die Neugründung nahm die Anzahl der Touren und Besuche anderer Teams deutlich zu.
1966 sorgten die Kanadier für Aufsehen, als sie gegen die British Lions, die auf ihrem Heimweg aus Australien und Neuseeland einen Zwischenstopp in Toronto einlegten, lange Zeit gut mithielten und lediglich mit 9:18 verloren. Ein Jahr später tourte die die englische Nationalmannschaft durch Kanada. Das erste Test Match der reaktivierten kanadischen Nationalmannschaft fand am 28. November 1970 in Burnaby gegen Fidschi statt und ging mit 17:35 verloren. 1971 unternahmen die Kanadier eine Tour nach Wales, 1973 luden sie die walisische Nationalmannschaft zu einem Gegenbesuch ein. Mit einem 17:6-Erfolg in Burnaby über die Vereinigten Staaten begann am 21. Mai 1977 die bis heute andauernde Rivalität mit dem südlichen Nachbarn; es handelte sich auch um den ersten Test-Match-Sieg Kanadas überhaupt. 1978 trafen die Kanadier erstmals auf Frankreich, 1980 auf Neuseeland, 1981 auf Argentinien und 1983 auf Italien. Schließlich war Australien im Jahr 1985 die erste traditionelle Rugbynation, die Kanada den Test-Match-Status zugestand.
Die ersten Weltmeisterschaften