mini|hochkant=1.5|Größenvergleich verschiedener Billardkugeln, von links: Russisches Billard (68 mm), Karambolage (61,5 mm), Poolbillard (57 mm), Snooker (hier: 54 mm, Standard ist jedoch 52,5 mm), Blackball (51 mm) Billard ([], österreichisch auch [] oder []Duden online: Billard.) ist ein Spiel, bei dem zwei Personen oder zwei Teams gegeneinander spielen, indem sie versuchen, Kugeln auf einem Tisch in bestimmte Positionen zu bringen.

Mit dem Queue werden die Billardkugeln (oft auch Bälle genannt) auf einem mit Billardtuch bespannten Billardtisch gestoßen. Dabei stößt der Spieler mit dem Queue nur die weiße Kugel (Spielkugel), die ihrerseits andere Kugeln (Objektkugeln) anstoßen kann. Die Kugeln bestehen heute meist aus einem hochwertigen Phenolharz.

Beim Billard unterscheidet man bis zu 35 Spielarten. Die populärsten davon sind Poolbillard, Snooker, Karambolage, Kegelbillard, Russisches Billard und English Billiards. Im Billard sind zahlreiche Fachbegriffe gebräuchlich (siehe Billard-Terminologie).

Wortherkunft und Schreibweise mini|Ausschnitt aus dem Frontispiz in Charles Cottons Buch The Compleat Gamester, 1674. Man sieht eine frühe Form von Billard mit gekrümmten Schlägern und Schikanen auf dem Tisch (Hindernis und Bogen).

Das französische Wort billard ist schon seit 1399 belegt.O. Bloch, W. von Wartburg: Französisches Etymologisches Wörterbuch (FEW). Presses Universitaires de France, Paris 1932, ISBN 2-13-044065-7. Es bedeutete ursprünglich „kleiner Holzstamm, Holzstab“Französisch billard im englischen Wiktionary. oder genauer „krummer Stab“,Duden online: Billard, siehe Herkunft. was sich auf den damals gekrümmten Schläger bezog (vgl. das Bild rechts und das Bild unten mit König Ludwig XIV. am Billardtisch).

Das Wort billard entstand aus französisch bille durch Anfügung des Worbildungselements -ard, in diesem Fall als Diminutiv-Endung.Englisch billiards im Online Etymology Dictionary.

Französisch bille waren eigentlich zwei Wörter mit verschiedener Herkunft und verschiedenen Bedeutungen: zum einen „gefällter Holzstamm“ oder „Wellholz“,Französisch bille (2) (Bedeutung: „gefällter Holzstamm; Wellholz“) im englischen Wiktionary. wovon billard primär abgeleitet wurde, laut Duden unter Einfluss der zweiten Wortbedeutung „Kugel“.Französisch bille (1) (Bedeutung: „Kugel“) im englischen Wiktionary. Die beiden Wortbedeutungen von bille sind im heutigen Französisch erhalten geblieben: einerseits „Holzblock, Holzklotz“, andererseits „Kugel“.Französisch bille bei leo.org.

Die im Deutschen übliche Schreibweise Billard entspricht der französischen Wortherkunft. Die englische Wortform ist billiards; in Zusammensetzungen auch billiard, z. B. billiard table oder billiard game.Englisch billiard im Online Etymology Dictionary. Die englische Schreibweise billiards taucht im Deutschen auf, wenn von English Billiards (oder kurz Billiards) die Rede ist.

Geschichte Urformen Die meisten heutigen Theorien zu den Ursprüngen des Billardspielens lassen auf eine Verwandtschaft des Billardspiels mit anderen Ballspielen wie Cricket, Croquet und Golf schließen. Ab dem 13. Jahrhundert finden sich Hinweise auf Ballspiele, die auf dem freien Feld gespielt und bei dem die Bälle mit einem Schläger oder Stock geschlagen wurden. Um auch in Gegenden mit meist schlechtem Wetter das Spiel betreiben zu können, verlegte man das Geschehen nach und nach in geschlossene Räume und dort schließlich auf einen Tisch. Auch wenn die Spielfläche sich dadurch erheblich verkleinerte, blieb die Grundidee des Spiels die gleiche. Damit die Bälle nicht vom Tisch fielen, befestigte man an den Rändern Leisten. Bei diesen ersten Formen eines Ballspiels auf einem Tisch gehörten diverse Schikanen wie Tore, Bögen, Kegel und Löcher zur Ausstattung, wobei die Bälle mit dem dicken Ende des Schlägers geschlagen wurden, vergleichbar etwa mit dem heutigen Hockey.

Ob die Ursprünge in Frankreich oder Großbritannien liegen, ist nicht eindeutig geklärt. Eine der frühesten Erwähnungen eines Billardtisches jedoch beschreibt, dass der französische König Ludwig XI. einen solchen Tisch 1470 vom Kunsttischler Henri de Vigne erwarb.

16. bis 18. Jahrhundert mini|Ludwig XIV. beim Billardspiel, Schloss Versailles, 1694

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts war das Billardspiel bereits an zahlreichen Königshäusern Europas etabliert und Bestandteil des Gesellschaftslebens. Überlieferungen zufolge war das Spiel unter anderem der schottischen Königin Maria Stuart und dem französischen König Karl IX. bekannt. Ende des 16. Jahrhunderts erreichten mit den Spaniern die ersten Billardtische auch Amerika.

Etwa zur gleichen Zeit findet das Spiel erste Erwähnungen seitens englischer Schriftsteller. In Mother Hubberd’s Tale von Edmund Spenser (erschienen 1591) heißt es: „… With dice, with cards, with billiards far unfit …“The Poetical Works of Edmund Spenser. Bd. V, S. 103, J. Nichol, Edinburgh 1859, , abgerufen am 21. Januar 2021. In Antony and Cleopatra von William Shakespeare (1606) spricht Cleopatra: „Let it alone; let’s to billiards: come, Charmian.“Act 2, Scene V. Alexandria. Cleopatra’s palace. In: shakespeare.mit.edu. Abgerufen am 21. Januar 2021. Die erste genauere Beschreibung eines Billardspiels sowie seiner Verbreitung findet sich in The Compleat Gamester des englischen Schriftstellers Charles Cotton aus dem Jahr 1674. Cotton gab an, dass Billard ein in den Ballhäusern in ganz Europa verbreitetes Spiel sei.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde mehr und mehr das dünnere Ende des Spielstocks zum Bewegen der Bälle benutzt, womit allmählich die Entwicklung des Queues hin zu seiner heutigen Form einsetzte.

Im 18. Jahrhundert ging die Entwicklung des Spiels in Europa in zwei Richtungen. Während im Zuge des Geistes der Französischen Revolution spätestens ab den 1780er Jahren in Frankreich alle Hindernisse und somit auch die Taschen vom Tisch verschwanden und das heutige Karambolage entstand, wurde in England das Lochbillard weiterentwickelt zum heute bekannten English Billiards. James Beaufort erwähnt im Buch An Epitome of Hoyle (1791)The Game of Billards. In: An Epitome of Hoyle. S. 18–26, , abgerufen am 21. Januar 2021. sowohl den Begriff Carambole als auch die Verwendung eines roten Balls für ein Spiel mit drei Bällen.

19. Jahrhundert mini|Tübinger Studenten beim Billardspiel im frühen 19. Jahrhundert mini|Billardspiel in Frankreich am Ende des 19. Jahrhunderts

Nachdem im Jahr 1807 der Franzose François Mingaud während seiner Inhaftierung auf die Idee gekommen war, ein Stück Leder auf die Queue-Spitze aufzubringen, auf snookergames.co.uk. wodurch auch Effet-Stöße möglich wurden, machte im Zuge der Industriellen Revolution das Billardspiel im 19. Jahrhundert schnelle Fortschritte. Auf die Lederspitze folgte kurze Zeit später die Entwicklung spezieller Billardkreide, um das Abrutschen des Queues am Ball zu verhindern. 1827 stellte der englische Tischbauer John Thurston erstmals einen Billardtisch mit einer Schieferplatte als Untergrund vor (statt der bis dahin benutzten Holzplatte), was einen stark verbesserten Lauf der Bälle zur Folge hatte. Thurston war es auch, der eine Neuerung die Banden betreffend einführte. Wurden bis dahin diverse Materialien wie Baumwolle, Pferdehaar oder Tierfelle als Überzug der Holzleisten benutzt, stellte Thurston 1835 zum ersten Mal eine Bande mit einer Kautschuk-Innenseite vor. Das Problem der Temperatur-Abhängigkeit dieses Materials wurde zunächst mit permanenter Erhitzung oder Kühlung zu bekämpfen versucht. 1845 meldete Thurston das Patent für die letztendliche Lösung an, als er vulkanisierten Kautschuk verwendete, eine Erfindung von Charles Goodyear aus dem Jahr 1839. Die Billardkugeln bestanden inzwischen fast überall aus afrikanischem Elfenbein, welches das bis dahin übliche Holz ersetzte.

Durch technische Innovationen, Regelanpassungen und -festlegungen sowie die Entdeckung des monetären Potentials des Billardspiels erfolgten ab 1850 die ersten Formen von Spieler-Organisierung und Turnierszenen, beginnend im frühen 19. Jahrhundert in England. Das Herausforderungs-Match blieb auch später noch ein unabdingbarer und teils beliebter Bestandteil, besonders der Profis. Lange vor Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Meisterschaften in Turnierform ausgetragen. Besonders in Großbritannien und in den USA begann in dieser Zeit ein reges Interesse am Billardspiel, das nicht selten mehrere Tausend Zuschauer in die Salons und Veranstaltungshallen lockte.

Etwa um 1880 waren alle heute populären Billard-Varianten in ihren Grundzügen etabliert. Spätere Weiterentwicklungen führten zu neuen Versionen und zu teils neuen Untervarianten.

Als erste Meilensteine gelten die Herausforderungs-Matches zwischen Michael Phelan und John Seereiter 1859 in Detroit im Four-Ball (eine amerikanische Variante von English Billiards mit 4 Bällen, die damals vorherrschende Disziplin in den USA)New York Times, 14. April 1859 sowie zwischen William Cook und John Roberts Sen. 1870 in London im English Billiards.The Professional Championship, 1800–1899 English Amateur Billiards Association, 14. April 2013. 1873 fand ferner die erste Profi-Weltmeisterschaft in der Karambolage-Variante Freie Partie in New York City statt.New York Times, 25. Juni 1873 1878 folgte die erste US-Pool-Meisterschaft; Austragungsort war ebenfalls New York.New York Times, 21. April 1878

Während in den USA und in Großbritannien die Impulse maßgeblich von den Profis ausgingen, war der Billardsport in dieser Zeit in Kontinental-Europa vom Geiste des Amateursports geprägt, bedingt auch durch die Einflüsse der Französischen Revolution und des neu belebten olympischen Gedankens – wenngleich es vor allem im Karambolage auch europäische Profis und eine ausgedehnte Amateurlandschaft in den USA gab.

Eine letzte große Änderung bezüglich des Materials setzte sich im ausgehenden 19. Jahrhundert durch, indem das vorher verwendete Elfenbein der Bälle durch Kunstharze ersetzt wurde. Mit Ausnahme der Disziplin Billard Artistique werden heute für Billard ausschließlich Bälle aus hochwertigen Phenolharzen verwendet.

20. Jahrhundert Die Amateur-Weltmeisterschaft 1903 im Cadre 45/2 in Paris wird heute als das erste Großereignis in Kontinental-Europa angesehen. Der Erste Weltkrieg und der damit verbundene langjährige Stillstand von Karambolage in Europa ließ nicht nur die Begegnungen zwischen Spielern beider Kontinente zum Erliegen kommen, sondern auch zwei mehr oder weniger getrennte Linien entstehen – natürlich auch vor dem Hintergrund, dass Kontinentalreisen nach wie vor sehr aufwändig waren.

Billard war inzwischen auch in Asien zur Bewegung geworden – vor allem japanische Dreiband-Spieler waren seit dem frühen 20. Jahrhundert in den USA unterwegs, später auch in Europa. Sowohl in Großbritannien, Festland-Europa, Amerika als auch in Asien hinterließen die beiden Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise von 1929 sowie die Alkoholprohibition in den USA von 1919 bis 1933 im Billardsport ihre Spuren; vor allem bei den Profis, deren Existenz direkt vom zahlenden Zuschauer abhängig war. Eine aufkommende Krise vor allem in den USA, aber auch in Großbritannien, wurde in den 1950er und 1960er Jahren noch verstärkt durch das aufkommende Fernsehen, das den Spielern zunächst ihr Publikum nahm. Poolbillard erlebte jedoch bald darauf eine Renaissance mit dem Erscheinen des Kinofilms Haie der Großstadt (1961), der in den USA für eine neue Begeisterungswelle für diese Variante sorgte. Gemeinsam mit dem 1986 erschienenen Spielfilm Die Farbe des Geldes waren beide Filme an der Begeisterung für Poolbillard später auch in Asien und Europa beteiligt.

Ein neues Zeitalter von Billard in Großbritannien brach Ende der 1960er Jahre an, als die BBC ein Format suchte, um den Zuschauern die Überlegenheit des Farbfernsehens deutlich zu machen – und sich hierfür Snooker aussuchte.