miniatur|Modernes Backgammonbrett miniatur|Moderner Backgammontisch miniatur|Transparente Präzisionswürfel aus Celluloseacetat mit abgerundeten Kanten (ball cornered) Backgammon ist ein Brettspiel und eine Mischung aus Strategie- und Glücksspiel. Es gehört zu den strategischen Wurfzabel-Spielen (), einer der ältesten Brettspielefamilien der Welt. Es gewinnt der Spieler, der als Erster alle eigenen Steine aus dem Spielfeld abtragen kann. Etymologie Der Name stammt wohl von angelsächsisch bac gamen (gemäß Skeat zu englisch back, „zurück“, und mittelenglisch game(n), „Spiel“, wohl im Sinne von backgame, „Rückspiel“, da die geschlagenen Spielsteine wieder zurück ins Spiel gewürfelt werden müssen).Walter W. Skeat: The Concise Dictionary of English Etymology. Wordsworth Editions, Ware (Hertfordshire) (1884) 1993 (mehrere Neudrucke), ISBN 1-85326-311-7, S. 26 und 169. Das Wort könnte laut Gregor Delvaux de Fenffe auch ursprünglich aus dem Walisischen stammen (back = „klein“, cammon = „Schlacht“).https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/spiele_und_spielzeug/brettspiele_spass_seit_jahrtausenden/pwiebackgammon100.html Vermutlich 1678 wurde das Wort Backgammon in der englischen Literatur durch Samuel Butler in seinen Gedichten über den Puritanismus erstmals erwähnt (in seinem Epos Hudibras, Kapitel 3).

Geschichte Antike miniatur|Würfelspieler auf einem antiken Fresko in Pompeji.

Die verschiedenen Spiele, die seit dem Hochmittelalter in Europa auf dem Backgammon-Brett gespielt werden, haben ihre Vorläufer in Spielen, die bereits im ersten Jahrtausend n. Chr. im römischen Reich und im Sassanidenreich bekannt waren. Die Ursprünge dieser Vorläufer liegen im Dunkeln.

Ein Vorläufer des modernen Backgammon ist das römische Spiel Duodecim Scripta oder Ludus duodecim scriptorum (deutsch: Spiel der zwölf Markierungen). In Pompeji wurde eine zweiteilige Wandmalerei entdeckt: im ersten Bild sieht man zwei diskutierende Römer beim Spielen, im zweiten Bild den Besitzer der Herberge, der die beiden gewaltsam aus seinem Haus wirft. Es ist denkbar, dass auf dem Fresko Duodecim Scripta gespielt wird.

Zu Duodecim Scripta sind keine Spielregeln überliefert. Die erhaltenen Spiele sind überwiegend aus Stein, weil nur wenige hölzerne Spielbretter die Zeit überdauert haben. Anders als beim heutigen Backgammon ist das Brett nicht in vier Bereiche mit je sechs Feldern unterteilt, sondern in sechsmal sechs Felder (drei Zwölferreihen). Etwa im 4. Jh. kam eine Variante auf, bei der eine der Zwölferreihen weggelassen wurde. Diese Variante wird meist als Alea (Würfel), Tabula (Spielbrett, Tafel) oder Tabulae (Mehrzahl wegen vier Tafeln mit je sechs Feldern) bezeichnet.

Im spätantiken Sassanidenreich wurden Schach und der Backgammon-Vorläufer Nard am Königshof gespielt.Touraj Daryaee: On the Explanation of Chess and Backgammon. Abar Wizārišn ī Čatrang ud Nihišn Nēw-Ardaxšīr. Irvine 2016.

Mittelalter miniatur|Mittelalterliche Darstellung eines Wurfzabel-Spiels, eines Vorläufers des Backgammon, aus dem Codex Manesse miniatur|Wurfzabelspieler (13. Jahrhundert) mini|TricTrac, Hinterglasmalerei, Deutschland, 16. Jh., Spielsteine mit Fürstenköpfen, 2021 im Residenzschloss Dresden ausgestellt (Dauerausstellung der Rüstkammer: „Weltsicht und Wissen um 1600“) mini|TricTrac, Hinterglasmalerei, Deutschland, 16. Jh., Spielsteine mit Vogelmotiven, 2021 im Residenzschloss Dresden ausgestellt (Dauerausstellung der Rüstkammer: „Weltsicht und Wissen um 1600“) miniatur|Edmond Hoyle (1672–1769)

Im Frühmittelalter geriet das Spiel in Westeuropa in Vergessenheit, bis es spätestens zur Zeit der Kreuzzüge wiederentdeckt wurde. Im Buch der Spiele von König Alfons X. von Kastilien sind mehrere Backgammon-Vorläufer ausführlich beschrieben. Zuerst war es ein beliebter Zeitvertreib der Adeligen, allmählich setzte es sich auch in der Bevölkerung durch.

Laut mündlichen Überlieferungen erließ Richard Löwenherz ob der Spielleidenschaft seiner Soldaten eine Verordnung, dass niemand, der von geringerem Stand als ein Ritter war, um Geld würfeln durfte.Hugo Kastner: Backgammon: Geschichte - Regeln - Strategien. Verlag Schlütersche, 2008, ISBN 978-3-89994-189-0, S. 13. Im Mittelalter hieß das Spiel deutsch Wurfzabel und unterschied sich nur sehr geringfügig vom heutigen Backgammon.Erwin Glonnegger: Das Spielebuch. Hugendubel 1988, ISBN 3-88034-357-8, S. 26–37.

Teile eines Tric-Trac-Brettes aus dem 12. Jahrhundert wurden in Saint-Denis (Frankreich) gefunden. Die aus Knochen gefertigten Spielfelder und Randstücke waren als Intarsien in ein Holzbrett eingelassen. In Freiburg im Breisgau kam in der Latrine des Augustiner-Eremiten-Klosters ein vollständig erhaltenes Spielbrett mit Spielsteinen zum Vorschein. Das Klappbrett stammt aus dem 13./14. Jahrhundert. Rahmen und Brett bestehen aus Hartholz, die Spielfelder sind Intarsien aus dunklem Edelholz.

Backgammon selbst stammt aus England und war eine Variante des Irish-Spiels. 1635 wurde es in einem Brief von James Howell erstmals erwähnt, als „Baggammon“,Howell, James (1835). "LXVII. [Letter] To Master G. Stone" in Familiar Letters. Vol. 2. (1850). London: Humphrey Moseley.p. 105. aber die Regeln waren damals etwas anders. So gab es keinen Dopplerwürfel, die Erfordernisse für ein einfaches, doppeltes oder dreifaches Spiel waren auch anders als heute. Backgammon hat Irish bald verdrängt; nirgendwo in der westlichen Welt wurde schon so früh und so intensiv Backgammon gespielt wie in England.

Neuzeit Während des Dreißigjährigen Kriegs und danach erlebte Backgammon in ganz Europa wieder eine Zeit größter Beliebtheit, aus dieser Epoche stammen die französischen bzw. deutschen Varianten bzw. Namen Tric Trac und Puff. Im Englischen wurden Spiele dieser Gattung bis ins 17. Jahrhundert in Anlehnung an die lateinische Bezeichnung Tables games genannt. Der englische Spieleexperte Edmond Hoyle verfasste im Jahre 1743 eine Broschüre, in der er die Regeln beschrieb und de facto festlegte.

20. Jahrhundert Vereinheitlichung der Regeln Die letzte entscheidende Veränderung war die Einführung des Verdoppelungswürfels, erfunden in den 1920er Jahren in einem New Yorker Spielclub.Oswald Jacoby, John R. Crawford, The Backgammon Book, The Viking Press, New York, 1970, S. 51f.

Die Regeln des modernen Backgammon stammen vom Card and Backgammon Committee des New Yorker Racquet and Tennis Club aus dem Jahre 1931 und wurde im Jahre 1970 geringfügig modifiziert.

Der Backgammon-Boom Der erste große Boom im modernen Backgammon entstand, als Prinz Alexis Obolensky das erste große internationale Backgammon-Turnier 1964 auf den Bahamas veranstaltete. Dieses Turnier wurde fortan jährlich ausgerichtet: Alle damaligen Backgammon-Größen wie John R. Crawford, Oswald Jacoby, Walter Cooke u. a. konnten sich in den Siegerlisten verewigen.

War Backgammon in vergangenen Zeiten oft das Spiel der Adeligen und oberen Gesellschaftsklassen, so trugen in der Öffentlichkeit bekannte Persönlichkeiten wie Christina Onassis, Hugh Hefner, Jimmy Connors, Gunter Sachs etc. sowie Medienberichte in Zeitungen und Magazinen wesentlich zur Popularisierung von Backgammon bei. Die intensive Beschäftigung forcierte auch die Entwicklung der Theorie zum Spiel; erste analytische Bücher wurden verfasst.

Die erste Backgammon-Weltmeisterschaft wurde 1967 in Las Vegas veranstaltet, der erste Backgammon-Weltmeister hieß Tim Holland. Von 1975 bis 1978 wurden die Backgammon-Weltmeisterschaften auf den Bahamas abgehalten, seit 1979 finden sie in Monte Carlo statt.

Der Boom der 1960er Jahre setzte sich bis in die 1980er fort. Heute steigt die Beliebtheit von Backgammon wieder durch die Möglichkeiten des Computer-Backgammon und des Spiels via Internet.

Spielregeln Aufbau des Spiels miniatur|300px|Backgammon-Brett mit Anfangsaufstellung und Zugrichtungen

Das Spielbrett besteht aus 24 Dreiecken, Points, Zungen oder Felder genannt, von denen sich jeweils 12 auf einer Seite befinden. Zwischen dem 6. und 7. Point auf jeder Seite werden die Points durch die so genannte Bar in das Home- und das Outer-Board oder Heimfeld und Außenfeld aufgeteilt.

Ein Spieler zieht im Uhrzeigersinn und der andere im Gegenuhrzeigersinn um das Brett herum; der erste Point eines Spielers ist zugleich der letzte des Gegners. Jeder Spieler zieht seine Steine aus dem gegnerischen Heimfeld über die 12 Points des Außenfelds in sein eigenes Heimfeld und trägt sie von dort ab (würfelt sie heraus). Geschlagene Steine werden auf die Bar gelegt und von ihrem Besitzer wieder in das gegnerische Heimfeld gespielt.

Es ist nicht festgelegt, ob Weiß im Uhrzeigersinn zieht und ob das Heimfeld aus Sicht von Weiß rechts oder links liegt. Es gibt hier also vier Möglichkeiten: Der Startpunkt von Weiß kann links oder rechts oben oder links oder rechts unten sein. Falls man hierüber keine Einigung erzielt, wird es ausgewürfelt. Die Zugrichtungen der Spieler ergeben sich dann daraus. Es ist auch nicht vorgegeben, ob Weiß oder Schwarz den ersten Zug hat, auch das wird ausgewürfelt.

Gespielt wird mit 15 weißen und 15 schwarzen Steinen, die jedoch auch von anderer Farbe sein können, man muss sie nur deutlich unterscheiden können. Ihre Aufstellung ist fest vorgegeben. Auf dem jeweils ersten Point eines Spielers (also im Bild für Weiß ganz rechts unten, für Schwarz ganz rechts oben) liegen zwei von dessen Steinen, auf dem in Spielrichtung liegenden 12. Point (ganz links unten für Weiß und ganz links oben für Schwarz) jeweils fünf, dann auf dem 17. Point jeweils drei und auf dem 19. Point wieder jeweils fünf Steine (somit oben rechts von der Bar für Weiß und unten rechts von der Bar für Schwarz).

Gewürfelt wird mit zwei sechsseitigen Würfeln.

Bei Turnierspielen wird mit dem Dopplerwürfel gespielt, der zu Beginn in die Mitte der Bar gelegt wird.

Ziel des Spiels Wer alle seine Spielsteine ins Home-Board bringt, darf sie dann hinauswürfeln. Das Spiel ist gewonnen, wenn der Gegner aufgibt oder wenn man alle eigenen Steine ausgewürfelt hat. Bei Turnierspielen und wenn um Einsatz gespielt wird, ist das Spiel vorzeitig gewonnen, wenn der Gegner einer Einsatzverdoppelung nicht zustimmt und somit aufgibt.

Spielbeginn und Spielablauf Beim ersten Wurf verwendet jeder Spieler nur einen Würfel. Das wird wiederholt, bis die gewürfelten Zahlen verschieden sind. Der Spieler, der die höhere Augenzahl gewürfelt hat, beginnt. Er darf seine Steine um die eigene Augenzahl und um die des Gegners vorrücken. Nach dem Eröffnungswurf ziehen die Spieler abwechselnd, und der Spieler am Zug würfelt mit je zwei Würfeln.

In jedem Zug werden die Steine des Ziehenden entsprechend der gewürfelten Augenzahlen gesetzt. Die Augenzahlen werden nicht zusammengezählt, sondern einzeln und nacheinander gesetzt. Beide Augenzahlen können jedoch mit demselben Stein gesetzt werden. Welche Augenzahl zuerst gesetzt wird, ist dem Spieler überlassen. Es müssen aber, falls möglich, beide Zahlen gesetzt werden. Ist das nicht möglich, muss wenn möglich die höhere Zahl verwendet werden. Kann keine der beiden Zahlen verwendet werden, so setzt der Spieler für diesen Zug aus.

Die Steine können nur auf Felder gesetzt werden, die noch offen sind, d. h. auf denen sich nicht mehr als ein gegnerischer Stein befindet. Auf Felder, die bereits mit zwei oder mehr gegnerischen Steinen besetzt sind, darf man nicht ziehen. Man darf hingegen jederzeit auf ein Feld ziehen, auf dem sich bereits eigene Steine befinden; die Zahl der Steine, die auf einem Feld liegen dürfen, ist unbegrenzt.

Pasch Würfelt man einen Pasch, also zwei gleiche Zahlen (z. B. 6 und 6), so werden die gewürfelten Zahlen doppelt gezogen. In diesem Beispiel also viermal die 6. Der Ziehende muss alle diese Züge ausführen, oder, falls dies nicht geht, so viele wie möglich.

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