H-Bahn mini|H-Bahn Dortmund mini|H-Bahn Dortmund Innenansicht 2023 Maße Länge über Kupplung 9.200 mm Länge Kabinen 8.232 mm Breite Kabinen 2.244 mm Höhe Kabinen 2.623 mm Höhe Innenraum 2.003 mm Höhe Türen 2.000 mm Breite Türen 1.350 mm Abstand Türenmitte 4.600 mm Abstand Fahrwerkmitte 5.689 mm Gewicht Fahrwerk 1.750 kg Kabine leer 4.955 kg Fahrzeug leer 8.455 kg Zuladung gemäß BOStrab 4.923 kg Zulässiges Gesamtgewicht 13.378 kg Kapazität pro Wagen Sitzplätze 16 (Dortmund) / 15 (Düsseldorf) Stehplätze 29 (Dortmund) / 32 (Düsseldorf) Technik Höchstgeschwindigkeit 50 km/h Antriebsleistung alt 4 × 23 kW neu 4 × 31 kW Fahrgeräusch bei 50 km/h und 7,5 m Abstand 65 dB(A) Sonstiges Werbung (Dortmund) DEW21
H-Bahn (Dortmund) und SkyTrain (Düsseldorf) sind automatisch gesteuerte Großkabinen-Hängebahnen nach dem System SAFEGE. Entwickler und ursprünglicher Hersteller dieses Systems ist die Firma Siemens, die das Produkt als SIPEM (Siemens People Mover) bezeichnet hatte. In Deutschland ist das System der Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BOStrab) unterworfen und gilt nach § 4 Abs. 2 PBefG als (vom sonstigen Verkehr) unabhängige Bahn, die dementsprechend auch automatisch, d. h. ohne Fahrpersonal in den Fahrzeugen, betrieben werden darf.
Technik mini|links|Prinzip des Fahrwegs mit einer unten offenen Hohlschiene und einem Paar von Innenlaufrollen, hier bei der Aufhängung eines Theatervorhangs
Die Fahrzeuge der H-Bahn hängen mit je zwei Fahrwerken an einem unten geschlitzten Hohlkastenträger, in dessen Innern Antrieb, Führung und Stromversorgung wettergeschützt untergebracht sind.
Jedes Fahrwerk besteht aus 4 gummibandagierten Trag- und Treibrädern (2 „Gardinenröllchen“ hintereinander), die vorne und hinten von je 8 kleineren Führungsrollen in der Spur gehalten werden (4 Doppelrollen vorne, 4 hinten). Ein einzelnes Fahrwerk besitzt somit 4 Lauf- und 16 Führungsräder. Es ist damit wesentlich komplexer aufgebaut als ein Fahrwerk der Wuppertaler Schwebebahn, das aus lediglich 2 Rädern besteht.
Jedes Fahrwerk verfügt über zwei parallelgeschaltete Gleichstrommotoren, die ihre Spannung (400 Volt) aus dem Drehstromnetz der Universität Dortmund erhalten. Die Bremsenergie wird in das Versorgungsnetz zurückgespeist. Der Antrieb ist redundant ausgelegt. Bei Ausfall eines Motors kann die Fahrt bis zur Endhaltestelle fortgesetzt werden.
Die Stromabnahme läuft über vier seitlich angebrachte Stromschienen, dabei wird Dreiphasenwechselstrom (Drehstrom) mit einer Spannung von 400 Volt übertragen, der ohne Umformer und eigene Umspannstationen direkt aus dem Drehstromnetz der Universität genommen wird. Darüber liegen Linienleiter zur drahtlosen Übertragung von Daten zwischen Fahrzeug und Leitstand.
Weichen ermöglichen Verzweigungen des Fahrwegs. Bahnsteigtüren verhindern Abstürze aus hoch gelegenen Bahnhöfen bzw. ein Betreten der Gleisbereiche.
Die H-Bahn wird von einer zentralen Leitstelle aus überwacht und kommt so ohne Fahrpersonal in den Zügen aus. Sie kann, je nach Auslastung, im Takt- oder im Rufbetrieb eingesetzt werden, wobei im letzteren der Fahrgast sich die Kabine wie einen Personenaufzug per Knopfdruck „bestellt“.
Anfänge
1973 stellte das damalige Bundesministerium für Forschung und Technologie rund 22 Millionen DM zur Förderung dieses Systems bereit. Am 21. Juli 1975 wurde auf dem Gelände der DUEWAG in Düsseldorf unter Teilnahme des damaligen Ministers Hans Matthöfer eine rund 180 Meter lange Versuchs- und Demonstrationsstrecke eingeweiht. Eine 1,5 Kilometer lange Strecke ging 1976 auf dem Werksgelände von Siemens in Erlangen in Betrieb.
Vermarktung
Seit 2007 vermarktet Siemens das System nicht mehr aktiv, um sich in diesem Marktsegment ausschließlich auf das System Véhicule automatique léger (VAL) zu konzentrieren, das von der inzwischen von Siemens übernommenen Transportsparte von Matra entwickelt worden war, aber die Technik steht für weitere Installationen zur Verfügung.
Im Jahr 2009 wurde das System für eine neue Bürostadt in Moskau angeboten, wobei die Dortmunder Betreiberfirma als technischer Berater fungierte. Das System kam dort nicht zum Zuge.
An derselben Adresse wie die H-Bahn-Gesellschaft Dortmund mbH war ab Mai 2009 eine Firma Air Train International GmbH registriert, mit dem Geschäftszweck „Vertrieb von H-Bahn-Systemen und Unterstützung bei deren Errichtung insbesondere auf dem Gebiet der Volksrepublik China“. In China bemüht sich eine Firma namens Air Train International Shanghai Co um Aufträge für die Errichtung einer H-Bahn. Laut „Pekinger Volkszeitung“ verfügt diese Firma über eine verbesserte Version der Steuerungssoftware von Siemens und gibt an, Fahrweg sowie Fahrzeuge zu 95 % in China selbst herstellen zu können.
Existierende Installationen Dortmund
Betreiber der H-Bahn Dortmund war bis zum 31. Dezember 2024 – unter der Marke H-BAHN21 – die H-Bahn-Gesellschaft Dortmund, die als Tochterunternehmen der Dortmunder Stadtwerke Holding im Eigentum der Stadt Dortmund steht. Seit dem 1. Januar 2025 ist die H-Bahn-Gesellschaft Dortmund in ihre Muttergesellschaft eingegliedert.
Bau und Ausbau des Streckennetzes
Die erste öffentlich in Betrieb genommene H-Bahn befindet sich seit 1984 auf dem Gelände der Technischen Universität Dortmund, wo sie zunächst den Nord- mit dem Südcampus verband. Eröffnet wurde die Strecke am 2. Mai durch den damaligen Minister Heinz Riesenhuber. Die erforderlichen Finanzmittel waren aus dem 1979 beschlossenen Aktionsprogramm Ruhr der Landesregierung Nordrhein-Westfalens bereitgestellt worden. Die Strecke wies eine Länge von zunächst 1,05 Kilometern auf und wurde von zwei Fahrzeugen befahren. Die Kosten beliefen sich auf rund 24 Millionen DM, von denen 75 % vom Bund, 20 % vom Land und 5 % von der Stadt getragen wurden. Die maximale Stützweite beträgt 38,5 Meter, diese ist bei der Querung der Universitätsstraße erforderlich.
mini|H-Bahn-Strecke in Dortmund mit Haltestelle Technologiezentrum
Nach drei Jahren Bauzeit wurde 1993 eine erste 900 Meter lange Erweiterung mit einer neuen Abzweigung und zwei neuen Stationen, in Eichlinghofen und am S-Bahn-Haltepunkt Dortmund Universität, fertiggestellt. Des Weiteren wurde die Stromversorgung umgebaut, ein modulares Betriebssystem eingebaut und die Fahrstrecke mit einem Ortungssystem ausgestattet. Das Ortungssystem lässt eine Lagebestimmung bis auf drei Zentimeter genau zu. Diese Umbauten ermöglichten eine höhere Geschwindigkeit und eine dichtere Zugfolge, da sich bis dahin die Fahrzeuge an die Station herantasten mussten. Drei neue Fahrzeuge wurden von Düwag/Siemens geliefert und traten an die Stelle der bisher eingesetzten. Ein geplanter Betrieb mit Doppeltraktionen wurde bisher nicht realisiert, die Anlagen dafür sind jedoch teilweise an den Stationen vorhanden.
mini|H-Bahn Dortmund, Station Universität, Innenansicht 2023 mini|Streckenabzweig im BereichUniversität (S) / Campus Nord mini|H-Bahn Dortmund Weiche an Station Universität
Eine weitere 1212 Meter lange Verlängerung in den nahe gelegenen Technologiepark wurde am 19. Dezember 2003 eröffnet. Das Streckennetz misst nun 3,162 Kilometer. Der Bau dieses Abschnittes kostete 14 Millionen Euro plus 1,5 Millionen für ein weiteres Fahrzeug von der Fahrzeugtechnik Dessau AG (FTD) mit modernerer Innenausstattung. Es trägt die Betriebsnummer 4. Ein fünftes Fahrzeug befand sich über Jahre hinweg in Montage, welche verzögert werden musste, da die FTD im Jahr 2016 Insolvenz anmeldete. Das Fahrzeug wurde in der Folge vom chinesisch-schweizerischen Schienenfahrzeughersteller Molinari Rail übernommen, im Werk Dessau-Roßlau (ehemaliges FTD-Werk) fertiggestellt und im September 2021 nach Dortmund geliefert.
Betrieb
Auf der Linie 2 vom Technologiezentrum nach Eichlinghofen pendeln werktags außer samstags tagsüber zwei Fahrgastkabinen im Zehnminutentakt, die sich jeweils in der Haltestelle Universität (S) begegnen, wo alle 15 Minuten Anschluss an die S-Bahn in Richtung Dortmund Hbf und Bochum besteht. Ein drittes Fahrzeug pendelt als Linie 1 alle 5 Minuten auf der ältesten Strecke zwischen Campus Nord und Campus Süd. Als Reserve und für die Verstärkung der Linie 2 (siehe unten) ist ein viertes Fahrzeug vorhanden.
Abends gegen 19:00 Uhr wird das Betriebskonzept geändert: statt der Linie 1 verkehrt eine Linie 3 von Campus Nord nach Eichlinghofen im Zehnminutentakt, außerdem wird die Linie 2 aufgespalten: Als Linie 5 fährt ein Fahrzeug im Halbstundentakt mit Anschluss an die Fahrten der S-Bahn zwischen Universität (S) und Eichlinghofen, das andere als Linie 7 zwischen Technologiezentrum und Universität (S). Während letztere Linie nur bis 21:00 Uhr betrieben wird, verkehren die Linien 3 und 5 bis gegen Mitternacht.
Seit dem 30. Juni 2018 verkehrt die Linie 5 Universität (S) – Eichlinghofen auch samstags von 8:00 bis 16:00 Uhr. Auf dem Streckenabschnitt zum Technologiezentrum findet samstags kein Betrieb statt. Sonn- und feiertags ruht der Betrieb auf der Gesamtstrecke.
Ein weiteres Fahrzeug für Wartungsarbeiten existiert ebenfalls. Dieses wird auch zur Evakuierung bei Ausfällen der Waggons auf der Strecke benutzt. Im Jahr werden in 3.700 Betriebsstunden mit den Fahrzeugen circa 200.000 Kilometer zurückgelegt und dabei rund 1,6 Millionen Fahrgäste befördert.
Um auf der Linie 1 gleichzeitig zwei Fahrzeuge einsetzen zu können, wurde die Station Campus Süd im Jahr 2011 auf drei Bahnsteige ausgebaut. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat hierfür 2,7 Millionen Euro bewilligt., Pressemitteilung des VRR vom 10. Mai 2010 Dieser Ausbau wurde durch Kapazitätsprobleme in den Stoßzeiten des Universitätsbetriebs – unter anderem nach Schließung der Mensa am Campus Süd – notwendig. Wenn zu viele Menschen in die Wagen drängen, können die Türen nicht schließen, und der Fahrbetrieb kommt aus dem Takt, wodurch eine oder mehrere Fahrten ausfallen. Nach der Eröffnung dieser Erweiterung wird in den Stoßzeiten ein zweites Fahrzeug auf der Linie 1 eingesetzt, hierzu dient das Reservefahrzeug.„Die Dortmunder H-Bahn bekommt ein drittes Gleis“ – Interview mit Rolf Schupp, dem Geschäftsführer der H-Bahn-Gesellschaft mbH Dortmund, im Dortmunder Studentenmagazin „Pflichtlektüre“, Archivlink abgerufen am 26. Juli 2024 Somit ist eine Beförderung von bis zu 2160 Fahrgästen pro Stunde möglich.H-Bahn steuert neues Gleis an, Dortmunder Stadtwerke, einundzwanzig.de – Onlinemagazin des Unternehmensverbundes DSW 21, Seite nicht mehr abrufbar, kein Archivlink auffindbar am 26. Juli 2024
Neben dem regulären Taktfahrplan kann in aufkommensschwachen Zeiten auch ein Rufbetrieb mit Anforderung des Fahrzeugs durch den Fahrgast durchgeführt werden, beispielsweise morgens auf der Linie 1.
Die Verfügbarkeit der H-Bahn seit Betriebsaufnahme liegt bei über 99 %. Während der Vorlesungszeit werden täglich 7.000 Fahrgäste transportiert.
Unfälle
Am 15. Mai 2012 ereignete sich unweit der Station Campus Nord ein Unfall, bei dem die H-Bahn mit einem Container kollidierte, der von einem Abbruchunternehmen verladen wurde. Dabei wurden 27 Menschen verletzt. In der Folge konnten längere Zeit nur drei der vier Fahrzeuge eingesetzt werden, sodass bei Wartungsarbeiten an einem der Fahrzeuge ein Busersatzverkehr zwischen Universität (S) und Technologiezentrum eingerichtet werden musste. Seit November 2013 sind wieder alle vier Fahrzeuge betriebsfähig.Meldung auf der Homepage vom 12. November 2013
Am 8. Oktober 2025 stieß die H-Bahn mit einem Autokran zusammen, der von unten in das Lichtraumprofil ragte. Eine verletzte Person musste durch Höhenretter der Feuerwehr befreit werden.
Mögliche Erweiterungen Stadtbahnentwicklungskonzept 2008 mini|Ebenerdige H-Bahn-Endhaltestelle Eichlinghofen