Die päpstliche Internationale Theologische Kommission (ITK), bisweilen auch Internationale Theologenkommission (, lat.: Commissio Theologica Internationalis, CTI), wurde auf Anregung der ersten Bischofssynode von 1967 im Jahr 1969 in Rom durch Papst Paul VI. eingerichtet. Sie begleitet das lehramtliche Wirken des Papstes und die Arbeit des Dikasteriums für die Glaubenslehre.

Zusammensetzung und Aufgaben Der Papst beruft die Mitglieder der Kommission für jeweils fünf Jahre und stellt ihr bestimmte Arbeitsaufgaben. Die Mitglieder sollen „aus verschiedenen Schulen und Nationen“ kommen und „sich durch ihr Wissen, ihre Klugheit und ihre Treue gegenüber dem Lehramt der Kirche auszeichnen.“ Es können bis zu 30 Mitglieder berufen werden, die sich mindestens einmal im Jahr für eine Woche treffen müssen. Präsident der ITK ist stets der Präfekt der Glaubenskongregation. Generalsekretär ist seit 2021 der italienische Theologe Piero Coda.

Wesentlicher Zweck der Kommission ist die theologische Begleitung des lehramtlichen Wirkens des Papstes und der Bischöfe. Sie studiert und diskutiert aktuelle theologische Fragen von großer Bedeutung in internationaler Perspektive. Die Ergebnisse der Studien werden veröffentlicht. Die ITK hat derzeit (2026) 28 Mitglieder (davon 2 verstorben), darunter fünf Frauen.

Die Arbeit der ITK wird durch das Motu Proprio Tredecim anni und die darin enthaltenen Statuten von 1982 geordnet.

Auseinandersetzung mit der Befreiungstheologie Die Theologenkommission setzte sich seit 1974 mit der Befreiungstheologie auseinander, die von den Kommissionsmitgliedern überwiegend abgelehnt wurde. Im Oktober 1976 beschäftigte die CTI sich auf ihrem jährlichen Treffen in Rom, an dem u. a. Hans Urs von Balthasar und Karl Lehmann teilnahmen,Horst Goldstein: „Selig ihr Armen.“ Theologie der Befreiung in Lateinamerika... und in Europa? Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989, S. 214. mit dem Thema.Horst Goldstein: „Selig ihr Armen.“ Theologie der Befreiung in Lateinamerika... und in Europa? Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989, S. 125. Die darauffolgende Erklärung Zum Verhältnis von menschlichem Wohl und christlichem Heil,Karl Lehmann (Hrsg.): Theologie der Befreiung. Johannes-Verlag, Einsiedeln 1977 (Sammlung Horizonte. Neue Folge, Band 10), S. 173–195. mit der sie im August 1977 an die Öffentlichkeit trat, erregte Aufsehen und führte zur harten Linie der Glaubenskongregation gegenüber dieser theologischen Schule in den 1980er Jahren. Die Erklärung ging davon aus, dass die Befreiungstheologie zwischen materiellem Wohlergehen und spirituellem Heil in einer stets schon feststehenden Weise zueinander ins Verhältnis setze. Das Verhältnis müsse jedoch prinzipiell offen und unbestimmt bleiben.

Von Seiten der Befreiungstheologie wurde kritisch angemerkt, dass kein einziger Befreiungstheologe dem Gremium angehörte, wohl aber ein erklärter Gegner der Befreiungstheologie wie Bonaventura Kloppenburg. Die Brüder Leonardo und Clodovis Boff schrieben zu der Erklärung, sie bleibe „unterhalb des Niveaus, das man berechtigterweise von einem so qualifizierten Gremium hätte erwarten können.“Leonardo Boff, Clodovis Boff: Wie treibt man Theologie der Befreiung? Patmos-Verlag, Düsseldorf 1986, S. 93.

Theologische Gutachten Seit 1969 hat die Kommission folgende Gutachten herausgebracht:

Überlegungen zu Zielsetzung und Methoden der Kommission (1969) Das katholische Priestertum (1970) Einheit des Glaubens und theologischer Pluralismus (1972) Die Apostolizität der Kirche und die apostolische Sukzession (1973) Die christliche Moral und ihre Normen (1974)A) Die „neun Thesen“ von Hans Urs von BalthasarB) Die „vier Thesen“ von Heinz Schürmann Lehramt und Theologie (1975) Menschliches Wohl und christliches Heil (1976) Die katholische Lehre über das Sakrament der Ehe (1977) Ausgewählte Fragen zur Christologie (1979) Theologie, Christologie, Anthropologie (1981) Versöhnung und Buße (1982) Würde und Rechte der menschlichen Person (1983) Ausgewählte Themen der Ekklesiologie zum 20. Jahrestag nach Abschluss des II. Vatikanischen Konzils (1984) Jesu Selbstbewusstsein und seine Sendung (1985) Glaube und Inkulturation (1988) Die Interpretation der Dogmen (1990) Einige aktuelle Fragen der Eschatologie (1992) Gott der Erlöser. Zu einigen ausgewählten Fragen (1995) Das Christentum und die Religionen (1997) Erinnern und Versöhnen: Die Kirche und die Verfehlungen in ihrer Vergangenheit (2000) Das Diakonat. Entwicklung und Perspektiven (2002) Gemeinschaft und Dienstleistung: Die menschliche Person – geschaffen nach dem Bilde Gottes (2004) Die Hoffnung auf Rettung für ungetauft gestorbene Kinder (2007)Dieses Gutachten zum Limbus wurde von breiten Kreisen der Gesellschaft wahrgenommen und von den Medien als „Abschaffung des Fegefeuers“ fehlinterpretiert. Auf der Suche nach einer universalen Ethik: ein neuer Blick auf das natürliche Sittengesetz (2009) Theologie heute. Perspektiven und Kriterien (2012) Der Dreifaltige Gott, Einheit der Menschen. Der christliche Monotheismus gegen die Gewalt (2014) Sensus fidei im Leben der Kirche (2014) Die Synodalität in Leben und Sendung der Kirche (2018) Religionsfreiheit zum Wohle aller (2019) Die Reziprozität zwischen Glaube und Sakramenten in der sakramentalen Heilsordnung (2020) Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser – 1700. Jahrestag des ökumenischen Konzils von Nizäa (325–2025) (2025) Quo vadis, humanitas? Die christliche Anthropologie im Licht einiger zukünftiger Szenarien der Menschheit denken (2026)

Mitglieder

Louis Bouyer akzeptierte die Ernennung aus persönlichen Gründen nicht und wurde durch Edouard Dhanis ersetzt.

Präsidenten 1969–1981: Franjo Šeper 1981–2005: Joseph Ratzinger 2005–2012: William Joseph Levada 2012–2017: Gerhard Ludwig Müller 2017–2023: Luis Ladaria SJ seit 2023: Víctor Manuel Fernández

Literatur und Dokumente

Veröffentlichte Dokumente der ITK in verschiedenen Sprachen

Weblinks Internetpräsenz der ITK mit Mitgliederliste u. a.

Einzelnachweise

Theologen Kategorie:Paul VI. Kategorie:Gründung einer religiösen Organisation 1969 Kategorie:Römisch-katholische Theologie