mini|Fans im Wonder-Woman- (links) und Supergirl-Kostüm (rechts) beim Cosplay Supergirl (Englisch für „Supermädchen“) ist der Name einer fiktiven Figur im Besitz des US-amerikanischen Comickonzerns DC Comics sowie der Titel verschiedener Comicveröffentlichungen zu dieser Figur, die seit 1962 publiziert wird.

Die verschiedenen Veröffentlichungen unter dem Supergirl-Titel sind nahezu ausnahmslos im Genre des Science-Fiction- und Fantasycomics angesiedelt. Darüber hinaus ist eine einheitliche Genre-Zuordnung der verschiedenen Supergirl-Comics jedoch nicht möglich, da die verschiedenen Publikationen, die in der Vergangenheit unter dem Supergirl-Label firmierten, sich inhaltlich mitunter drastisch unterscheiden: Einige weisen Elemente des Romantik- und Liebescomics auf, andere sind humoristisch gefärbt, einige verlegen das Supergirl-Konzept in den Bereich des Mystery-Genres und wieder andere nutzen die Figur als Folie zur Entfaltung von existenzphilosophischen und sogar esoterischen Reflexionen. Einzige Konstante ist dabei bei fast jeder Interpretation der Figur die Beibehaltung ihrer Verwurzelung im Science-Fiction-Genre gewesen – wiewohl selbst diese häufig in den Hintergrund gerückt wird.

Veröffentlichungen unter dem Supergirl-Titel Die fiktive Figur des Supergirls wurde erstmals als Nebenfigur in Geschichten der populären amerikanischen Science-Fiction-Comicserie Superman benutzt. Da der Charakter bei der Leserschaft der Superman-Comics auf ein äußerst positives Echo stieß und die Leser nach immer neuen Geschichten mit der Supergirl-Figur verlangten, entschieden die Verantwortlichen des DC-Verlages, bei dem die Superman-Serie bis heute erscheint, Supergirl nicht länger nur als Nebenfigur in Superman-Geschichten zu benutzen, sondern dem Charakter auch eigene Geschichten zu widmen, in denen Supergirl die Rolle der die Handlung tragenden Hauptfigur zukommen sollte.

Auf Veranlassung des Chefredakteurs der Superman-Abteilung bei DC, Mort Weisinger, wurden zunächst Geschichten, die von Supergirls Solo-Abenteuern handelten, im hinteren Teil der Superman-Comics abgedruckt, bevor man der Figur Mitte der 1960er Jahre erstmals eine eigene, kurz „Supergirl“ betitelte Comicserie zu widmen.

In den 1970er und 1980er Jahren wurde die Supergirl-Serie mit den Serien Superman's Pal Jimmy Olsen und Superman's Girlfriend Lois Lane zu der Serie Superman Family zusammengelegt. Innerhalb dieser Serie, die in jeder Ausgabe etwa zwei bis fünf Geschichten zu den genannten Figuren brachte, erschienen üblicherweise auch ein bis zwei Geschichten mit Supergirl als Hauptfigur.

In den 1990er Jahren wurde Supergirl zunächst eine zwischen Februar und Mai 1994 erschienene vierteilige Miniserie gewidmet. Autor dieser Serie war der Amerikaner Roger Stern. Die visuelle Gestaltung der Hefte übernahmen die Zeichnerin June Brigman und der Tuscher Jackson Guice.

1996 folgte schließlich eine fortlaufende, im monatlichen Rhythmus erscheinende Comicserie, die es auf insgesamt 80 Ausgaben, zuzüglich drei als Supergirl Annual und einer als Supergirl #1.000.000 (1998) betitelter Spezialausgaben, brachte. Diese Serie, deren erste Ausgabe im September 1996 und deren letzte Ausgabe im Mai 2003 erschienen, wurde von dem Autor Peter David verfasst, während die graphische Ausgestaltung von wechselnden Künstlern übernommen wurde: Die ersten neun Ausgaben besorgte der Zeichner Gary Frank, dem nach seinem Weggang als Stammzeichner Künstler wie Greg Land und Leonard Kirk nachfolgten.

Seit 2005 erscheint eine neue Supergirl-Serie, die derzeit bei ihrer 20. Ausgabe angelangt ist und von dem hauptberuflichen Drehbuchautor Jeph Loeb getextet wird. Die Zeichnungen übernahm der Brite Ian Churchill, dessen Arbeit von dem Tuscher Norm Rapmund überarbeitet wird.

Nach dem DC-Neustart im Herbst 2011 wurde auch Supergirl neu gestartet und vorerst von Michael Green und Mike Johnson geschrieben sowie von Mahmud Asrar gezeichnet. In deutscher Sprache wird die Serie als Zweitgeschichte in der Superman-Heftserie von Panini veröffentlicht.

Supergirl-Figur mini|300 px|rechts|Das Superman-Logo, das auch von Supergirl getragen wird: Ein stilisiertes rotes S auf gelber Platte vor blauem Grund Die älteste Version der Supergirl-Figur und damit Grundlage aller späteren Varianten und Interpretationen des Charakters – quasi das Ur-Supergirl – ist eine von dem Autor Otto Binder und seinem Partner, dem Zeichner Al Plastino, für Action Comics #252 kreierte Figur namens Kara Zor-El (Supergirl I).

Ungeachtet der erheblichen Unterschiede, die die verschiedenen Supergirl-Comics der vergangenen Jahrzehnte in den Punkten Grundszenario, Handlung, Figurencharakterisierung und Atmosphäre aufweisen, weist die Supergirl-Figur auch einige Elemente auf, die in praktisch jeder Interpretation anzutreffen sind: Zum einen ist Supergirl bis heute optisch nahezu immer als eine weißhäutige, hellblonde, attraktive, junge Frau zwischen fünfzehn und Anfang zwanzig dargestellt worden. Darüber hinaus trägt sie in praktisch jeder Interpretation Kostüme, die sich zwar in Farbe, Kleiderkombination, Stoffschnitt usw. erheblich unterscheiden, aber als feste Konstante bislang immer das berühmte Superman-Emblem, ein stilisiertes S, als ein auf dem die Brust der Figur bedeckenden Kleidungsstück prangendes Erkennungszeichen aufwiesen.

Intradiegetisch ist des Weiteren die enge Verbindung zwischen Supergirl und Superman bislang ein Merkmal von praktisch allen Supergirl-Versionen gewesen. Erhebliche Unterschiede ergeben sich aus der Art und Weise, der inneren Ausgestaltung dieser Verbindung. Innerhalb des fiktiven Szenarios der Superman/Supergirl-Comics lassen sich insgesamt vier verschiedene Haupt-Versionen des Supergirl-Charakters sowie diverse Neben-Versionen feststellen.

Hauptversionen der Supergirl-Figur Power Girl

Power Girl ist die letzte Überlebende von Erde-2, welche durch die Krise der Parallelerden (engl. Crisis on Infinite Earths) vernichtet wurde. Ihren ersten Auftritt hatte Power Girl 1976 in All Star Comics #58. Die Figur wurde von Gerry Conway geschaffen. Im Zuge der Crisis on Infinite Earths wurde ihre Entstehungsgeschichte umgeschrieben und Powergirl war danach keine Kryptonierin mehr, sondern die Enkelin des atlantischen Magiers Arion. Erst die Infinite Crisis von 2006 stellte ihren alten Status als Kryptonierin von Erde-2 wieder her. Sie ist sehr viel unabhängiger und selbstständiger als ihr Gegenstück von Erde-1. Im Gegensatz zu ihr trägt sie kein an ihren Cousin angelehntes Kostüm, sondern eines in weiß.

Power Girls richtiger Name ist Kara Zor-El, sie ist die Cousine vom Erde-2-Superman (Kal-El). Da sie ebenfalls von Krypton stammt, hat sie dieselben Fähigkeiten wie Superman. Power Girl nahm auf Erde-2 den Platz ein, den Supergirl auf Erde-1 innehatte. Nach der Krise nahm sie sogar den Platz vom verstorbenen Supergirl ein, konnte sich jedoch nicht mehr an Erde-2 oder ihre Vergangenheit sowie die Herkunft ihrer Kräfte erinnern.

Seit dem Auftreten von Kara Zor-El (Supergirl V) gab es zwischen den beiden immer wieder Auseinandersetzungen, die so weit gehen, dass sie sich nie gleichzeitig am selben Ort aufhalten können, ohne sich anzugreifen.

Sie ist Mitglied bei der Justice Society of America und die erste Vorsitzende des Teams. Im „One Year Later“-Handlungsstrang zieht Power Girl das Nightwing-Kostüm an und kämpft in Kandor (einer von Brainiac geschrumpften und in eine Flasche gesteckten kryptonischen Stadt) gegen Ultraman.

Supergirl I Die erste und bekannteste Variante von Supergirl ist ein Mädchen namens Kara Zor-El, das in den Superman-Comics wie Superman von dem bei einer Natur- oder Nuklearkatastrophe untergegangenen Planeten Krypton stammt. Dieses Supergirl, die Tochter von Zor-El, eines Onkels von Superman, und damit dessen Cousine, trat von den späten 1950er Jahren bis Mitte der 1980er Jahre in den Superman-Comics auf. Bei dem ersten Auftritt dieses Ur-Supergirls in Action Comics #252 von 1959 wurde erklärt, dass sie die Zerstörung Kryptons überlebt habe, da ihre Familie sich zum Zeitpunkt der Zerstörung des Planeten in einem Gebiet von Krypton namens „Argo“ befunden habe, das – nach den physikalischen Gesetzmäßigkeiten der realen Welt natürlich äußerst unplausibel – bei der Explosion Kryptons von dem Planeten wie eine Scherbe abgesplittert und danach als eigener, kleinerer neuer Planet ins Weltall geschleudert worden sei, wo es den Bewohnern Argos möglich gewesen sei, wie auf Krypton weiter zu leben. Als Argo-City von einem Asteroiden bedroht wurde, schickte ihr Vater sie als Teenager in einer Rakete zu ihrem Cousin Superman auf die Erde. Da ihr die Strahlen der gelben Sonne des Sonnensystems dieselben Superkräfte wie ihrem Cousin verliehen, begann diese, ihrem Cousin fortan unter dem Tarnnamen Supergirl als Juniorpartnerin bei seinen Heldentaten beizustehen. Ihr Vetter habe ihr zudem eine Geheimidentität als Linda Lee vermittelt und sie – mit einer dunklen Perücke zum Verdecken ihrer blonden Haarpracht – in ein Waisenhaus in dem verschlafenen Städtchen Midway gesteckt, in dem sie zwischen ihren Einsätzen lebt. Später wurde Linda Lee von Fred und Edna Danvers adoptiert und hieß Linda Lee-Danvers.

Diese Ausgangsgeschichte wurde fortan für knapp 30 Jahre als Grundlage aller Supergirl-Geschichten genutzt. Ungewöhnlich für Comics dieser Zeit entwickelte Supergirl sich allerdings Schritt um Schritt weiter, anstatt wie andere Comichelden am Ende jeder Geschichte zum alten Status quo zurückzukehren. So verließ sie schließlich das Waisenhaus und ging schließlich in den Geschichten der 1970er Jahre – eine grundsätzliche Änderung der Grundsituation der Serie – dazu über, mit ihrem Freund, dem jugendlichen Wissenschaftler Brainiac 5, und dessen Freunden von der Legion der Superhelden in der Zukunft, im 30. Jahrhundert, zu leben.

Nachdem die alte, seit 1938 laufende Superman-Serie 1986 im Zuge der Handlungen der Crisis on Infinite Earths eingestellt und – in generalüberholter Form – neugestartet wurde, wurde der Charakter Kara Zor-Els zunächst nicht in die neue Superman-Serie integriert. Eine der grundlegenden Handlungsprämissen der neuen Superman-Serie war, dass Superman der einzige Überlebende seines Heimatplaneten sein sollte und dass es daher innerhalb der Superman-Serie keine Superman-Cousine geben dürfte, die die Zerstörung Kryptons ebenfalls überlebt hätte. Supergirl stirbt in Heft Nummer 7 von Crisis On Infinite Earths.

Supergirl II