Hüttenfeld ist ein Stadtteil von Lampertheim und liegt im südhessischen Landkreis Bergstraße. Besonders erwähnenswert in Hüttenfeld sind das im Jahr 1853 von Freiherr Mayer Carl von Rothschild erbaute Schloss Rennhof und das 1906/07 erbaute alte Schulhaus. Im Schloss Rennhof befindet sich seit 1953 ein litauisches Gymnasium, durch welches Hüttenfeld international bekannt ist.

Geographie Hüttenfeld liegt im hessischen Ried und in der Oberrheinischen Tiefebene direkt an der Landesgrenze von Hessen und Baden-Württemberg. Östlich von Hüttenfeld fließt die alte und neue Weschnitz sowie der Landgraben. Es kam in der Vergangenheit immer wieder zu Hochwassern der Weschnitz, zum Teil mit Dammbrüchen. Nordöstlich liegt das Naturschutzgebiet Weschnitzinsel. Im Süden grenzt der Ort unmittelbar an den Viernheimer Wald an.

NutzungsartFläche in ha Gebäude- und Freifläche 59,40 Landwirtschaftsfläche 373,10 Waldfläche 28,27 Wasserfläche 11,38 Verkehrsfläche 30,90 Betriebsflächen 0,27 Erholungsflächen 3,67 Restliche Nutzungsarten 0,42 Zusammen 507,41 Stand vom 30. Juni 2004

Hüttenfeld besteht in erster Linie aus Wohnbebauung, die höchsten Gebäude sind die katholische Kirche, der Schlossturm sowie das eine Hochhaus. Gewerbegebiete befinden sich in der Tuchbleiche und außerhalb.

Der Ortsbezirk Hüttenfeld grenzt im Norden an Lorsch und Heppenheim, im Westen an Lampertheim-Neuschloß. Im Osten befindet sich unmittelbar an der Bebauungsgrenze die Landesgrenze zu Baden-Württemberg und der Stadt Hemsbach. Das Gebiet der Stadt Viernheim beginnt an der südlichen Dorfgrenze.

Die Region ist eine der wärmsten in Deutschland und das Klima ist entsprechend sehr mild. Der Boden ist recht sandig.

Geschichte Ortsgeschichte Nach der Meinung einiger Heimatforscher ist das Gebiet um Hüttenfeld schon im Nibelungenlied erwähnt. Das Gebiet am Spissart, die sogenannte Viernheimer Spitz, soll dem im Nibelungenlied erwähnten Speßhart entsprechen.

Eine Vielzahl alter Flurbezeichnungen deuten auf nicht mehr vorhandene Landmerkmale hin. Im Brunnenbuckel existiert inzwischen ein See, da das Material für den Bau der A67 genutzt wurde. Der Sand des Hexenbuckels wurde abgetragen, um einen Sumpf zu beseitigen. Der Hegwald wurde nach dem Krieg gefällt. Im krummen See ist heute die ehemalige Kreismülldeponie. Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert lag nordwestlich von Hüttenfeld der Lorscher See, der zur Fischzucht angelegt worden war. Der See wurde regelmäßig trockengelegt, um Weideland für die Viehhaltung zu bekommen.

ZeitStabhalter 1822–1825 Johannes Uhrig 1825–1831 Georg Delp 1831–1846 Michael Bieber 1846–1853 Sebastian Uhrig 1853–1871 Adam Wiegand 1883–1925 Fritz Delp Nikolaus Hamm, Valentin Jakob, Johann Walter und Anton Rößling waren die ersten Siedler, die sich am Anfang des 19. Jahrhunderts auf den „Lampertheimer Seewiesen“ niederließen. Den Namen Hüttenfeld erhielt die Ansiedlung am 20. Juli 1813, in Anlehnung an das Zollhaus „Lampertheimer Hütte“ zwischen Kurmainz und Kurpfalz, das sich bis 1728 hier befand und dann einem herrschaftlichen Seewirtshaus weichen musste. Die Anordnung des Großherzogs von Hessen lautete: „Seine Königliche Hohheit, unser Durchleuchtigster Großherzog haben zu befehlen geruhet, daß der Filialort, sonst ‚Lampertheimer Hütte‘ genannt, künftig hin Hüttenfeld genannt werden soll“. Dem Pächter des Hütten-Hofguts, der gleichzeitig Zollerheber zur jetzt badischen Grenze war, wurde im gleichen Jahr das Amt des Stabhalters übertragen.

Die Lampertheimer Hütte gehörte bis 1803 zum Hochstift Worms und kam 1803 mit dem Reichsdeputationshauptschluss zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die 1806 zum Großherzogtum erhoben wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Großherzogtum zum republikanisch verfassten Volksstaat Hessen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte Hüttenfeld zur amerikanischen Besatzungszone und zum Bundesland Hessen.

Viele der Hüttenfelder arbeiten auf dem zum Jagdschloss Neuschloß gehörenden Gut Rennhof. Die Postkutschenverbindung von Darmstadt nach Mannheim führte früher durch Hüttenfeld. Großherzog Ernst Ludwig kam zur Hirschjagd nach Hüttenfeld, und auch sein Schwager Nikolaus II., der Zar von Russland, besuchte Hüttenfeld mehrmals.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Hüttenfeld:

In der Statistik des Großherzogtums Hessen wird Hüttenfeld 1861 als Filialdorf von Lampertheim, wo sich auch die Bürgermeisterei befindet, mit 47 Häusern und 319 Einwohnern geführt. Bereits 1853 erbaute der Frankfurter Bankier Baron von Rothschild das Schloss Rennhof, in dem heute die litauische Oberschule untergebracht ist.

Aus einer Einwohnerliste vom 17. August 1924 geht hervor, dass von den 496 Einwohnern 365 evangelisch und 131 katholisch waren. Darauf finden sich auch die typischen Hüttenfelder Familiennamen Ehret, Rhein, Moos, Eichenauer, Schollmaier, Schmidt, Delp, Falkenstein, Hilsheimer, Schuster, Wiegand, Grieser, Müller, Rößling, Ringenwald, Matecki, Umbach und Keller. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gab es in Hüttenfeld kaum mehr als 20 unterschiedliche Familien, ein Zustand, der sich erst mit dem Zuzug von Heimatvertriebenen und anderen neuen Bürgern in den 1960er und 1970er Jahren änderte.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde in Hessen am 3. Juli 1933 das „Gesetz zur Durchführung von Feldbereinigung zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung im Zuge der Riedmelioration“ erlassen. In 13 Gemeinden der Provinz Starkenburg wurde das Feldbereinigungsverfahren auf einer Fläche von 200.000 ha angeordnet. In Hüttenfeld wurden durch den Freiwilligen Arbeitsdienst 2,8 Hektar urbar gemacht, was den Mangel an landwirtschaftlich nutzbarer Fläche linderte.Carl Lepper: Lampertheimer Heimatbuch. Porta, München 1957, S. 445 f.

Im Zweiten Weltkrieg hatte Hüttenfeld etwa 20 gefallene oder vermisste Soldaten zu beklagen.Denkmalprojekt: Lampertheim, 2. Weltkrieg, abgerufen am 27. Dezember 2014.

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges erreichten die amerikanischen Verbände Mitte März 1945 den Rhein zwischen Mainz und Mannheim. Am 26. März 1945 überquerten amerikanische Truppen bei Hamm und südlich von Worms den Rhein. Zwischen Bürstadt und Lampertheim gab es heftige Gefechte mit deutschen Wehrmachteinheiten gab. Lampertheim selbst wurde nicht verteidigt, sodass beim Einmarsch der Amerikaner noch am selben Tag keine großen Schäden entstanden. Die amerikanischen Truppen stießen nach der Einnahme Lampertheims weiter über Neuschloß und Hüttenfeld Richtung Bergstraße vor.

Im Jahr 2013 feierte Hüttenfeld das 200-jährige Jubiläum seiner Namensgebung mit einer Reihe von Veranstaltungen.

Seehof und Rennhof Durch einen Staatsvertrag zwischen Hessen und Baden-Württemberg wurde 1983 der Hemsbacher Ortsteil Rennhof an Hüttenfeld angegliedert. Der Vertrag wurde am 18. März ratifiziert, die Versetzung des Ortsschildes wurde am 21. Juli 1983 durchgeführt und gefeiert. Zu Rennhof gehörte das Schloss Rennhof, das Gut Rennhof sowie mehrere Gebäude im Umfeld der evangelischen Kirche. Die Landesgrenze verlief vor 1983 mitten durch das bebaute Gebiet. Durch die Bereinigung der Landesgrenze kamen rund 100 Einwohner und etwa 31 Hektar zu Hessen.Landtag von Baden-Württemberg, Drucksache 8/3879 vom 4. Mai 1983 (pdf, 12,6 MB).

Nördlich von Hüttenfeld entstand Ende des 18. Jahrhunderts das Dorf Seehof, das zu Lorsch gehörte. 1833 wurde aus Seehof eine selbstständige Gemeinde. Die Seehöfer Gemarkung bestand aus sehr trockenen oder sehr nassen Böden, so dass die Landwirtschaft kaum einträglich war. Anfang der 1850er Jahre bot Katharina Scipio aus Mannheim an, alle Seehöfer Grundstücke zu kaufen unter der Voraussetzung, dass die Einwohner ihr Dorf verlassen und die Gemeinde aufgelöst werde. Scipio wollte einen Gutshof einrichten. Mitte der 1850er Jahre verließen fast alle der rund 300 Seehöfer ihren Ort; etwa 200 wanderten nach Amerika aus, die anderen zogen in Nachbarorte. Die Häuser wurden abgerissen und teilweise in Hüttenfeld wieder aufgebaut, darunter das mittlerweile wieder abgebrochene Schulhaus. Die Schulglocke der heutigen Hüttenfelder Grundschule, der Seehofschule, stammt von der Seehöfer Schule. Formell wurde die Gemeinde Seehof 1873 aufgelöst, die Gemarkung blieb erhalten und wurde dem Lampertheimer Beigeordneten für Hüttenfeld unterstellt. 1972 wurde die Gemarkung Seehof zwischen Lorsch und Hüttenfeld aufgeteilt.

Einwohnerentwicklung

Datum Einwohner 1821 157 1861 319 17. August 1924 496 1955 695 27. Mai 1970 1307 31. Dezember 1971 1414 1979 1650 31. Dezember 1982 1728 31. Dezember 1984 1950 31. Dezember 1986 1987 25. Mai 1987 1943 31. Dezember 1993 2081

Datum Einwohner 31. Dezember 1994 1969 31. Dezember 1995 1987 31. Dezember 1997 2023 31. Dezember 1998 2037 31. Dezember 1999 2054 31. Dezember 2000 2042 31. Dezember 2002 2014 31. Dezember 2003 1998 30. Juni 2004 1985 9. Mai 2011 2124 31. Dezember 2015 2223 21. Dezember 2021 2419

Der Anstieg der Bevölkerungszahlen nach dem Zweiten Weltkrieg geht großteils auf den Babyboom und den Bau einer neuen Siedlung zurück, teilweise auch auf Kriegsvertriebene.

Religion Hüttenfeld war ursprünglich stark protestantisch geprägt. Dies änderte sich durch Zuzüge nach dem Zweiten Weltkrieg. Es gibt in Hüttenfeld zwei Kirchengemeinden: Die Evangelische Kirchengemeinde Hüttenfeld ist seit Juli 1983 pfarramtlich verbunden mit der neugegründeten, aus der Lukasgemeinde Lampertheim ausgegliederten evangelischen Johannesgemeinde Neuschloß. Katholische Kirchengemeinde Lampertheim, Hofheim und Hüttenfeld (Pfarrei „Alfred Delp Südliches Ried“)

Politik Hüttenfeld hatte von 1949 bis 1952 einen politischen Beigeordneten in Lampertheim, mit der Einführung der Magistratsverfassung 1952 wurde dieser durch einen eigenständigen Ortsbeirat mit beratender Funktion ersetzt. Der eigentliche kommunale Entscheidungsträger ist die Stadtverordnetenversammlung in Lampertheim. Ortsvorsteherin ist Beate Maria Kettler (SPD). Die Zusammensetzung des Ortsbeirates nach der Kommunalwahl 2026 lautet: SPD 5 Sitze CDU 4 Sitze

Kultur und Sehenswürdigkeiten Am dritten Augustwochenende findet die jährliche Kerwe mit Volkslauf statt, die den Charakter eines Volksfestes hat. Die Litauische Volksgemeinschaft feiert regelmäßig ein Johannisfest. In den 1950er Jahren gab es zum Frühlingsanfang einen traditionellen Sommertagszug. Das Lied, in dem Hüttenfelder ihr Dorf besingen, heißt „Zwischen Bergstraße und Rhein“. Ferner gibt es die Hüttenfelder Theatergruppe ZwiBuR, die nach diesem Lied benannt ist. Hüttenfeld liegt im Gebiet der süd-rheinfränkischen Dialektgruppe, Einheimische benutzen einen kurpfälzischen Dialekt.

Vereine Evangelischer Kirchenchor Hüttenfeld: Er wurde im Juli 1947 von etwa 30 Gemeindemitgliedern gegründet. Im Jahr 2006 hatte er ca. 90 Mitglieder, 2011 waren ca. 24 Sänger und Sängerinnen aktiv. Feuerwehrverein Lampertheim-Hüttenfeld e. V.: Im Jahr 2006 hatte er ca. 300 Mitglieder. Kath. Kirchenchor Hüttenfeld: Der Kirchenchor hat im Jahr 2006 ca. 30 Mitglieder. Kegelclub KC 1964 Hüttenfeld Kleingärtnerverein Hüttenfeld e. V. Krankenpflege-Verein Hüttenfeld e. V. Männergesangverein Sängerbund 1892 Hüttenfeld e. V. (Kinder-, Jugend-, Frauen-, Männer und Gemischter Chor) Sportgemeinde 1946 Hüttenfeld e. V. Der Verein wurde am 31. August 1946 mit 36 Mitgliedern gegründet. Mittlerweile umfasst die SG Hüttenfeld die Abteilungen Tischtennis, Sportschützen, Volleyball, Zumba und Fußball und ist mit rund 500 Mitgliedern der größte Verein in Hüttenfeld. Ansässig ist der Verein im Sportpark Hegwald in der Viernheimer Straße (Abteilungen Fußball und Sportschützen) und dem Hüttenfelder Bürgerhaus (Abteilungen Tischtennis, Volleyball und Zumba). Die Sportgemeinde Hüttenfeld organisiert auch den Hüttenfelder Kerwe-Volkslauf, der die alljährliche Kerwe am dritten Augustwochenende eröffnet, sowie weitere Feste im Jahresverlauf (Maifest, Oktoberfest, Fasching). Tennis-Club Hüttenfeld e. V.