mini|Im Unterschied zur nahe verwandten Weidenmeise glänzt die schwarze Kopfkappe und die Wangen sind nicht so rein weiß, die Halsseiten graubeige. Das schwarze „Lätzchen“ ist eher schmal. mini|Der Gesang der Sumpfmeise besteht aus der recht monotonen Wiederholung eines ein- oder zweisilbigen Elements

Die Sumpfmeise oder Nonnenmeise (Poecile palustris, zu lateinisch palus ‚Sumpf‘) ist eine Singvogelart aus der Familie der Meisen (Paridae). Die Art ist in Mitteleuropa ein verbreiteter und häufiger Brut- und Jahresvogel. Ihr Verbreitungsgebiet zerfällt in zwei Teile, die durch eine fast 2000 km große Lücke getrennt sind. Der westliche Teil umfasst die Eichen-Mischwälder Europas bis hin zum Ural, der östliche Teil die Gebirgstaiga und die sommergrünen Laubwälder Ostasiens; er reicht bis nach Japan und ins östliche China. Die Sumpfmeise besiedelt – anders als ihr Name vermuten lässt – vor allem Laub- und Mischwälder mit altem Baumbestand und Totholz, in denen sie ein ausreichendes Höhlenangebot vorfindet. Sie ernährt sich vor allem von Insekten und Spinnentieren, aber auch viel von Sämereien. Sind diese in ausreichender Menge vorhanden, legt die Sumpfmeise Vorräte an, indem sie einzelne Samen in Rindenspalten und unter Moos versteckt.

Die Sumpfmeise sieht der nahe verwandten Weidenmeise zum Verwechseln ähnlich. Am besten unterscheidet man die beiden Arten an Rufen und Gesang.

Beschreibung Die Sumpfmeise steht mit 11,5 bis 13 cm Körperlänge in der Größe zwischen Kohl- und Blaumeise.

Der Schnabel ist schwärzlich mit (möglicherweise im Unterschied zur Weidenmeise) aufgehellten Kanten. Die Iris ist dunkel- bis schwarzbraun. Die bei adulten Vögeln glänzend schwarze Kopfkappe reicht über Stirn und Scheitel, abwärts bis zur Mitte des Auges und nach hinten in den Nacken. Dazu kontrastieren die weißen Wangen und Ohrdecken. Die Halsseiten sind bräunlich weiß. Kinn und Kehlmitte sind schwarz, wobei die Federn zum Teil fein weiß bespitzt sind. Die Oberseite ist bei der Nominatform braungrau, am Bürzel jedoch oft etwas heller und wärmer beige gefärbt. Die schmutzigweiße Unterseite ist vor allem zu den Flanken und Unterschwanzdecken hin fahl beige getönt. Die dunkel braungrauen Hand- und Armschwingen sind an der Außenfahne schmal braun und auf der Innenfahne weiß gesäumt. Die Handdecken sind ebenfalls dunkel braungrau, die Schirmfedern matt braungrau. Achselfedern und Unterflügeldecken sind weiß mit beiger Tönung. Die Steuerfedern sind dunkelbraun mit olivbraunem Saum auf der Außenfahne; der Außensaum der äußeren ist weißlich aufgehellt. Beine und Füße sind bläulich grau bis schieferfarben.Glutz von Blotzheim, S. 378, siehe LiteraturGosler/Clement (2015), Abschnitt „Description“, siehe Literatur

Vögel im Jugendkleid sind an der matt rußschwarzen Kappe, dem braunschwarzen Kehlfleck, der graueren Oberseite und der weißeren, kaum beige getönten Unterseite erkenntlich.

Die Sumpfmeise ist der Weidenmeise sehr ähnlich. Die beste Unterscheidungsmöglichkeit bieten Rufe und Gesang, aber auch äußere Merkmale ermöglichen mit etwas Übung eine Unterscheidung. Bei der Weidenmeise ist die Kopfplatte matt rußschwarz und die weißen Säume der Armschwingen bilden auf dem zusammengelegten Flügel ein helles Feld. Oft ist der Kehlfleck bei der Sumpfmeise wesentlich schmaler und die Wangen sind weniger reinweiß. Außerdem wirkt die Sumpfmeise insgesamt klein- und rundköpfiger. Weitere Unterscheidungsmerkmale können geografisch sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. So sind beispielsweise die Weidenmeisen Fennoskandiens (P. montanus borealis) oberseits eher farblos grau und unterseits weißlicher. Dagegen wirken Sumpfmeisen insgesamt wärmer bräunlich. In Mitteleuropa sind die Unterschiede geringer. Hier fallen Weidenmeisen zudem eher durch warmbeige Flanken auf, während Sumpfmeisen „farbloser“ wirken.Lars Svensson, Peter J. Grant, Killian Mullarney, Dan Zetterström: Der neue Kosmos Vogelführer. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH, Stuttgart, 1999, ISBN 3-440-07720-9

Stimme Die markanteste und charakteristische Lautäußerung der Sumpfmeise ist ein „explosives“ Pjiet-scha (Hörbeispiel). Dieser Ruf ersetzt außerhalb der Brutzeit einen Reviergesang und ist häufiger vom Männchen als vom Weibchen zu hören. Zur Brutzeit vernimmt man ihn eher selten. Das Rufrepertoire ist ansonsten wie bei allen Meisen recht groß. Ebenfalls häufig zu hörender Stimmfühlungslaut ist ein spitzes hohes tzie oder szie. In Erregung folgt darauf (oder auf das Pjiet-scha) eine dä-dä-dä Reihe, die sich deutlich vom nasalen däh der Weidenmeise unterscheidet und eher an entsprechende Blaumeisenrufe erinnert (Hörbeispiele). Das erregte „Schnarren“ (Hörbeispiel) ähnelt dem der Kohlmeise.Glutz von Blotzheim, S. 381f, siehe Literatur

Der Gesang ist individuell recht variabel. Das menschliche Ohr kann etwa 6 bis 7 Varianten unterscheiden; mit Hilfe von Sonagrammen ließen sich hingegen nahezu 40 ermitteln. Er setzt sich aus etwa 15 Sekunden langen Strophen zusammen, auf die eine längere Pause folgt und besteht im einfachsten Fall aus einer simplen Wiederholung der gleichen, recht hohen Silbe wie etwa sijep sijep sijep sijep … (Hörbeispiel) oder djep djep djep djep … (Hörbeispiel). Die Geschwindigkeit kann sehr unterschiedlich sein. Schneller Gesang kann an das „Trillern“ des Grünfinken erinnern. Der teils ähnlich aufgebaute Gesang der Weidenmeise ist hingegen immer flötend melodisch (Hörbeispiel). Zwei- oder mehrsilbige Gesangsvarianten wie beispielsweise ein widze widze widze … (Hörbeispiel) können bisweilen schwer vom Gesang der Tannenmeise zu unterscheiden sein.

Einzelne Männchen verfügen über ein Repertoire von bis zu 20 Gesangsvarianten. Auch Weibchen singen. Der Gesang ist jedoch zurückhaltender und meist einfach aufgebaut.Gosler/Clement (2015), Abschnitt „Description“, siehe Literatur Innerhalb des Verbreitungsgebiets variiert der Gesang nur sehr geringfügig.

Verbreitung mini|Verbreitungsgebiet der Sumpfmeise (Poecile palustris) Das Verbreitungsgebiet der Sumpfmeise umspannt die gemäßigte Zone der Paläarktis, weist aber im Bereich des Urals und des westlichen Sibiriens eine fast 2000 km weite Lücke auf.Glutz von Blotzheim., S. 375 f, siehe Literatur

Das westpaläarktische Teilareal deckt sich auffällig mit der Verbreitung der Rotbuche, geht aber im Norden und Osten darüber hinaus. Die Art kommt damit im kompletten Bereich der Eichen-Mischwälder vor. Es reicht im Nordwesten bis nach Wales und Mittelengland, im Westen bis an die französische Atlantikküste und im Südwesten bis auf die Iberische Halbinsel. Im Mittelmeerraum erstrecken sich die Vorkommen entlang der französischen Mittelmeerküste, umfassen die Appenninhalbinsel und Sizilien sowie große Teile der Balkanhalbinsel. Südlich und östlich des Schwarzen Meeres kommt die Art in Nordanatolien und im westlichen Kaukasus vor. Nordwärts reicht das Areal bis Südskandinavien und in Norwegen teils noch ein Stück entlang der Fjordküste sowie über das Baltikum. Ostwärts erstreckt es sich schmal auslaufend bis zum südlichen Ural.Gosler/Clement (2015), siehe LiteraturBauer et al. (2012), S. 115–119, siehe Literatur

Das ostpaläarktische Teilareal reicht vom westlichen Altai bis nach Sachalin und auf die südwestlichen Kurileninseln Iturup, Kunaschir und Schikotan. In Japan kommt die Art auf Hokkaido vor. Die Nordgrenze der Verbreitung verläuft über Krasnojarsk und Irkutsk durch Transbaikalien bis zum Amur, die Südgrenze entlang des südlichen Altai und des Mongolischen Altai, des Südens von Changai und Chentii durch den Norden der Mongolei. Am Ostchinesischen Meer erstrecken sich die Vorkommen südwärts bis Jiangsu sowie über Korea.

Geografische Variation und Hybriden Die geografische Variation ist nicht besonders stark ausgeprägt. Es lassen sich aber drei Subspeziesgruppen unterscheiden. Ein Artstatus der ostpaläarktischen Populationen wurde mehrfach diskutiert; der genetische Unterschied ist jedoch gering. Von einigen Autoren wird auch die Schwarzkragenmeise (Poecile hypermelaenus), die von Zentralchina südwestwärts bis Myanmar vorkommt, als vierte Subspeziesgruppe zu dieser Art gestellt. Mindestens ist sie aber Bestandteil derselben Superspecies.Harrap (1995), S. 240 f, siehe LiteraturJürgen Haffer in Glutz von Blotzheim., S. 375 f, siehe Literatur

palustris-Gruppe (Westpaläarktis) Diese Gruppe variiert klinal in der Größe und der Färbung. Von Ost nach West nimmt die Körpergröße ab, die Färbung wird dunkler und wärmer braun. P. p. dresseri (, 1886) – Wales, Süd- und Mittelengland und Westfrankreich P. p. palustris (, 1758) – Nord- und Mitteleuropa, von Südskandinavien bis in den Norden der Iberischen Halbinsel, ostwärts bis Zentralpolen, westlicher Balkan und Griechenland P. p. italicus ( & , 1900) – Französische Alpen, Apenninhalbinsel und Sizilien P. p. stagnatilis (, 1855) – östliches Europa bis zum südlichen Ural und in die nordwestliche Türkei P. p. kabardensis (, 1929) – Kaukasus und nordöstliche Türkei

brevirostris-Gruppe (Ostpaläarktis) Diese Gruppe ist langschwänziger als die westpaläarktische Population. Die Färbung ist eher graubraun mit hellen Rändern der Flügel- und Steuerfedern. Die Färbung ist im Westen dunkler und nimmt nach Osten klinal ab. Die Inselpopulationen von Sachalin und den Kurilen entsprechen in dieser Hinsicht aber wiederum stärker den westlicheren Vögeln. P. p. brevirostris , 1872 – südliche Mitte und Südosten Sibiriens, nördliche Mongolei, nordöstliches China (Westen und Norden der Mandschurei und Liaoning) sowie nördliches Korea P. p. ernsti (, 1933) – Sachalin P. p. hensoni (, 1892) – südliche Kurilen und nördliches Japan (Hokkaido)

hellmeyeri-Gruppe (Nordost-China) Innerhalb dieser Gruppe, die erst seit den 1980er Jahren unterschieden wird, ist die Färbung der Oberseite brauner als die der Vögel der brevirostris-Gruppe. Die Unterseite ist dunkler und eher gelblich beige; das dunkle „Lätzchen“ ist verhältnismäßig schmal. P. p. jeholicus ( & , 1922) – nordöstliches China (Norden von Hebei) P. p. hellmayri , 1902 – östliches China (von Hebei südwärts bis Shandong und Jiangsu) und südliches Korea.

Ein Paar aus einer männlichen Weiden- und einer weiblichen Sumpfmeise zog in Belgien erfolgreich fünf Junge auf; in Frankreich wurde 1993 ein vermutlicher Hybrid aus Kohl- und Sumpfmeise festgestellt.Harrap (1995), S. 241, siehe Literatur

Wanderungen Die Sumpfmeise ist ein Standvogel mit hoher Reviertreue. Selbst nördliche Populationen scheinen weitgehend in den Brutgebieten zu verbleiben.Glutz von Blotzheim., S. 391 f, siehe Literatur Zu einem geringen Maße sind in Russland und Ostasien lokal Wanderbewegungen im Herbst und im Frühjahr festzustellen,Gosler/Clement (2015), Abschnitt „Movements“, siehe Literatur jedoch kommen keine größeren Evasionen wie bei anderen Meisenarten vor. Von südlich der Brutverbreitung gibt es nur sehr wenige Nachweise. Auch Dismigrationen von Jungvögeln nach der Brutzeit finden nur recht eingeschränkt und meist über kurze Distanzen statt. So wanderten in Großbritannien nur 1 % der Vögel über 50 km.Harrap (1995), S. 239, siehe Literatur

Als Irrgast wurde die Art auf Korsika, in Irland und in Finnland festgestellt.

Lebensraum mini|Das westpaläarktische Verbreitungsgebiet der Sumpfmeise deckt sich auffallend mit der Verbreitung der Rotbuche und der Eichenmischwälder. Die Art kommt aber auch in anderen Waldformen vor.