mini|Die Getreidegasse in Salzburg – ein gutes Beispiel für die Zunftzeichen, die als Nasenschilder ausgeführt sind.
Die mittelalterlichen Zünfte symbolisierten ihr Berufs- und Gemeinschaftsverständnis in Form von Zunftzeichen. Diese Zeichen sind teilweise von einem Wappenschild umgeben. Neben Zunftzeichen in Form eines Symbols gibt es weitere Zunftzeichen.
Gestaltung und Verbreitung mini|hochkant|Eisernes Tischzeichen der Schlosserzunft aus Ellwangen aus dem 18. Jahrhundert, heute im Landesmuseum Württemberg Zunftzeichen dienten als Symbole der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Zünfte. Häufig dienten sie, auf einem Nasenschild dargestellt, als Logos der Handwerksbetriebe. Viele der Zunftzeichen zeigen als sprechende Zeichen Objekte im direkten Bezug zum jeweiligen Handwerkszweig, beispielsweise eine Brezel für den Bäcker oder der Hammer für den Schmied. Teils gaben sich die Zünfte auch durch abstraktere Zeichen, etwa durch Verwendung von Schutzpatronen, zu erkennen. In katholischen Gegenden waren dies Schutzheilige und in den protestantischen später Gestalten der antiken Mythologie. Wie die Zusammensetzung der Zünfte (in denen zum Teil verschiedene Berufe kombiniert waren) variierten auch die Zeichen je nach Region.
Die Zunftzeichen hatten nicht nur eine Bedeutung für das Verständnis der jeweiligen Zunft nach innen, sondern dienten als Werbung oder als Zeichen für des Lesens nicht mächtige oder unterschiedlich mehrsprachige Bevölkerungsgruppen.Noch Anfang des 20. Jahrhunderts beschreibt Bertha Pappenheim in einem Reisebericht aus Galizien die praktische Funktion von Zeichen auf Ladenschildern für eine nicht vollständig alphabetisierte Gesellschaft: Charakteristisch für die durchschnittlich analphabetische Bevölkerung ist, daß die Firmenschilder nicht nur in hebräischer und polnischer Sprache Namen und Handel oder Handwerk verkünden, sondern daß, wie in der Kinderfibel ein Anschauungsbild gleichzeitig die Verständigung mit übernimmt. Einige dieser Bilder wiederholen sich ganz typisch, so die Schere und ein verschlungenes Ellenmaß für die Männerschneider, ein wie eine Käferlarve aussehendes, fest gewickeltes Kind auf den Schildern der Hebammen usw. Bertha Pappenheim, Sara Rabinowitsch: Zur Lage der jüdischen Bevölkerung in Galizien. Reise-Eindrücke und Vorschläge zur Besserung der Verhältnisse. Neuer Frankfurter Verlag, Frankfurt am Main 1904.
Weitere Zunftzeichen waren die Zunftlade oder -truhe bis zu den Zunftfahnen sowie Tischzeichen in Wirtshäusern. Die Zünfte hatten spezielle Trinkgefäße aus Metall oder Keramik, ja sogar eigene Totenschilde und Bahrtücher. Auf Versammlungen gab es Zunftstäbe, Zunftkerzen und die schon erwähnten Zunftfahnen als Zeichen der jeweiligen Zunft. Diese Zunftzeichen und ihre Verwendung war in ganz bestimmte Regularien integriert. Beispielsweise durften in der Zeit, in der die Zunfttruhe geöffnet war, nur bestimmte Personen sprechen, und das Trinken und Essen war untersagt.
Die traditionelle Verbreitung der Zunftzeichen führte dazu, dass auch für Berufe die erst lange nach der Auflösung der Zünfte entstanden solche Zeichen erdacht wurden, zum Beispiel für Elektriker oder das Kfz-Gewerbe.Zum Beispiel an der Fassade des 1924–1926 errichteten (ehemaligen) Gebäudes der Trierer Handwerkskammer: Jens Fachbach, Stefan Heinz, Georg Schelbert, Andreas Tacke (Hrsg.): Architekturführer Trier. Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-86568-728-9, S. 61–62. Zunftzeichen werden als Berufszeichen er- und anerkannt; finden sich häufig in abgewandelten Formen heute noch auf Firmenfahrzeugen, -insertionen und -briefköpfen. Sie werden auch heute noch als Zeichen verwendet, mitunter noch traditionell als Nasenschilder. Auf Versammlungen von Innungen werden diese Zeichen zum Teil auf Zunftflaggen gezeigt.
Liste von Zunftzeichen
ZunftBeschreibungZeichen Apotheker Mörser mit Pistill. zentriert|100x100px Bader … im güldenen Schild eine knotenweis verschlungene Aderlassbinde, in deren Mitte ein grüner Papagei prangte...Zitat: E. Götzinger: Reallexicon der Deutschen Altertümer. Leipzig 1885, S. 1027–1031. Bäcker Eine Brezel oder zwei aufrecht stehende Löwen halten gemeinsam eine Brezel und jeweils ein Schwert. Die Schwerter sind durch die Brezel hindurch gekreuzt. Über der Brezel ist eine Krone. Oftmals ist ein 4er-Brötchen unter der Krone ebenfalls vorhanden. zentriert|100x100px zentriert|100x100px Beton- und Stahlbetonbauer Latthammer gekreuzt mit einem Beil; dahinter die Flechterzange (Rabitz-, Monierzange) mit einem Zirkel auf gleicher Ebene mit der Gestellsäge und einem Dreieck.zentriert|100x100px Bierbrauer und Mälzer Brauerstern oder gekreuzte Maischkrücke, Malzschaufel und Bierschöpfer Buchbinder Vergolderolle, Pinsel und Falzbein über einer Buchpresse mit eingepresstem Buch. zentriert|100x100px Buchdrucker Doppeladler, der in den Fängen Winkelhaken und Tenakel hält. zentriert|100x100px Dachdecker Ein Schieferhammer gekreuzt mit einem sächsischen Ziegeldeckhammer zusammen mit einem Zirkel. zentriert|100x100px Elektroinstallateur Ein Blitz zwischen zwei Freileitungen und drei Isolatoren. , , Fischer Zwei gekreuzte Fische. zentriert|100x100px Fleischer, Metzger, Schlachter, Fleischhauer (Variante 1) Lamm mit Flagge (auch bekannt als Osterlamm mit der Siegesfahne und ist öfters in Kirchen zu finden beziehungsweise bei christlichen Organisationen). zentriert|100x100px Fleischer, Metzger, Schlachter, Fleischhauer (Variante 2) Stierkopf mit zwei Beilen darunter. zentriert|100x100px Fleischer, Metzger, Schlachter, Fleischhauer (Variante 3) Löwe mit Axt. zentriert|100x100px Friseur An einer Mauer hängendes Barbier(Rasier)becken. Aus der Barbier-, Bader und Wundarztzunft. Siehe: Friseurteller. zentriert|100x100px Gerber Löwe, Böcke, Strauch. zentriert|100x100px 100x100px Glaser Vier Gekreuzte Werkzeuge:
von hinten nach vorne Kröseleisen, Glaserdiamant/Glasschneider, Glaserhammer, Lötkolben/Feuerkolben zentriert|100x100px Goldschmied Drei Ringe und ein Pokal von einem Sechseck umgeben. zentriert|100x100px Handschuhmacher Ein Paar Handschuhe. zentriert|100x100px Hufschmied Hufeisen über einer gemauerten Esse. zentriert|100x100px Hutmacher zentriert|100x100px Kerzenzieher(und Seifensieder) Kerzenbündel(und Seifenstücke). zentriert|100x100px Klempner und Installateur Die wichtigsten Werkzeuge: den Löthammer und den Treibhammer. zentriert|100x100px Knopfmacher zentriert|100x100px Konditor Baumkuchen. Küfer Hammer und gekreuzte Bandhaken. zentriert|100x100px Krämer/Kramer, Händler Eine Waage haltende Hand. zentriert|100x100px Kürschner Ein Hermelinwappen zwischen zwei aufrechten Löwen. zentriert|100x100px Maler und Lackierer Im Schild drei kleinere Schilde, oben zwei nebeneinander, darunter eines in der Mitte zentriert|100x100px Maurer Siegel mit mittigem leicht ausgestelltem Zirkel, umgeben von Hammer und Kelle in einem Zeichendreieck. zentriert|100x100px Müller zentriert|100x100px Optiker Brille und Fernrohr unter einem Kometen. zentriert|100x100px Optiker wie vor, Wiener Gewerbewappen. zentriert|100x100px Papiermacher zentriert|100x100px Pfandleiher Drei (goldene) Kugeln, die mittlere etwas tiefer hängend. PosamentiererWiener Gewerbewappen.zentriert|100x100px Putzmacher Frauenkopf mit Hut. zentriert|100x100px Riemer Riemengeschirr im Wiener Gewerbewappen. zentriert|100x100px Sattler Sattel und Werkzeuge. zentriert|100x100px Schlosser Zwei gekreuzte Schlüssel, manchmal mit einem Zahnrad. zentriert|100x100px zentriert|100x100px Schmied Hammer, Zange und Feuerschlange Aspis. zentriert|100x100px Schneider Eine (offene) Schere, durch deren Grifflöcher ein Stoffband locker gezogen ist. Darunter ein Fingerhut. zentriert|100x100px Seifensieder(und Kerzenzieher) Seifenstücke(und Kerzenbündel) zentriert|100x100px Schreiner bzw. Tischler Hobel, Winkel und Zirkel. zentriert|100x100px Schröter Schrotleiter, Fasshaken und Weinfass mit sog. Stütz. Schuhmacher Halbmondmesser, Stiefel, doppelköpfiger Adler. zentriert|100x100px Steinmetz bzw. Steinbildhauer Symbol mit drei Knüpfeln in einem Ring für Lehrling, Geselle und Meister. zentriert|100x100px Stuckateur Ein Winkel hinter einer Mörtelkelle, überhöht von einem geöffneten Zirkel. zentriert|100x100px Tuchmacher Rauherkratze und Tuchschere. zentriert|100x100px Weber Drei Weberschiffchen im Dreieck angeordnet. zentriert|100x100px Windmüller Mühlstein davor Mehlsack mit Bockwindmühle. zentriert|100x100px Zimmerer Siegel mit Schrotsäge, Breitbeil und Axt gekreuzt und einem Zirkel. zentriert|100x100px zentriert|100x100px
Literatur Alfred Grenser: Zunftwappen und Handwerkerinsignien. Eine Heraldik der Künste und Gewerbe. Rommel, Frankfurt am Main 1889, . Leopold Schmidt: Zunftzeichen. Zeugnisse alter Handwerkskunst. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1979, ISBN 3-7017-0085-0. Gisela Pekrul: Handwerks-, Innungs- und historische Zunftzeichen. Teil 1. Bau- und Ausbaugewerbe. edition digital, Godern 2010, ISBN 978-3-931646-42-4. Gisela Pekrul: Historische Handwerkszeichen. Edition digital, Godern 2011, ISBN 978-3-931646-55-4. Gisela Pekrul: Die Zeichen der Handwerker. Edition digital, Godern 2011, ISBN 978-3-9804256-2-9. Gisela Pekrul: Schöne alte Zunftzeichen. Edition digital, Godern 2011, ISBN 978-3-931646-15-8.
Weblinks
www.kidsnet.at/Sachunterricht/zunftzeichen.htm Zunftzeichen bei Kidsnet.at Berufszeichen bei Edition-Digital.de
Einzelnachweise
Kategorie:Symbol Kategorie:Kunst des Mittelalters Kategorie:Handwerkstradition Kategorie:Zunft Kategorie:Wappenfigur