Die Teldafax Holding AG mit Sitz im rheinländischen Troisdorf war die Dachgesellschaft diverser Tochterunternehmen, die in den Bereichen Energieversorgung (Stromdiscounter), Telekommunikation, Touristik sowie Finanzdienstleistung aktiv waren.

Am 14. Juni 2011 stellte Teldafax beim Amtsgericht Bonn Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Am 1. September 2011 eröffnete das Amtsgericht Bonn das Insolvenzverfahren über die Vermögen der TelDaFax Holding AG sowie deren Tochterunternehmen TelDaFax Energy GmbH, TelDaFax Services GmbH, TelDaFax Marketing GmbH, TelDaFax Sales GmbH, TelDaFax Dialog GmbH, TelDaFax Network GmbH und HugoTel Communications GmbH. In den ersten Dezembertagen des gleichen Jahres folgten noch die TelDaFax Finance GmbH, die Tangens GmbH i. L. sowie die Tangens Verwaltungs GmbH i. L.

Die TelDaFax-Pleite erhielt große öffentliche Aufmerksamkeit. Ihr kommt besondere Bedeutung in der deutschen Wirtschaftsgeschichte zu, da sie gemessen an der Zahl der rund 750.000 Gläubiger die bis dahin größte und die zweitgrößte Insolvenz nach der von Flexstrom ist (835.000 Gläubiger).

Im Unterschied zur Flexstrom-Insolvenz bestand beim TelDaFax-Verfahren bereits am Anfang kaum Aussicht auf eine Entschädigung der Gläubiger. Der Insolvenzverwalter zeigte stattdessen dem Insolvenzgericht „in nahezu allen Verfahren“ Masseunzulänglichkeit an und erwartete im Jahr 2011 eine Verfahrensdauer bis mindestens 2020 und eine Quotenzahlung nicht vor 2021, im Jahr 2021 wurde eine Quotenzahlung nicht vor 2025 erwartet.

Geschichte Unternehmensentwicklung 1998–2011 Vor der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes bot Teldafax (Akronym aus Telefon, Daten, Fax) ihren Kunden Preisersparnisse an, indem sie für ihren Bundespost- oder später Telekom-Anschluss einem Rahmenvertrag beitraten, der Preisersparnisse ermöglichte.

Mit der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes im Jahre 1998 waren über Teldafax über die Netzvorwahl 01030 Call-by-Call- und Preselection-Dienste möglich. Teldafax war über einen langen Zeitraum auch der mit Abstand günstigste Anbieter von 0800-Servicerufnummern. Nachdem Teldafax einige Jahre später in finanzielle Schwierigkeiten geriet, blieben die Rechnungen für Call-by-Call-Vorleistungen bei der Deutschen Telekom über einen längeren Zeitraum unbezahlt. Die Deutsche Telekom verrechnete einige Zeit später die offenen Rechnungen mit den Beträgen, die sie für Teldafax beim Endkunden-Inkasso über die Telefonrechnung einnahm. Nachdem dies gerichtlich unterbunden worden war, sperrte die Deutsche Telekom den Zugang zur Vorwahl 01030.

Nachdem Teldafax durch eine einstweilige Verfügung zunächst die Wiederaufschaltung erreicht hatte, erfolgte wenige Tage später die endgültige Abschaltung der Netzvorwahl 01030. Die folgende Kundenabwanderung war das Aus für Teldafax: Teldafax stellte am 2. April 2001 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Marburg einen Insolvenzantrag. Am 1. Juni 2001 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Im Zuge des Insolvenzverfahrens wurde das Unternehmen an eine Schweizer Investorengruppe verkauft.

Im Jahr 2002 wurde das Unternehmen oneVoice Communication gegründet, welches das Endkundengeschäft der „CONOS AG“ und das der „TelDaFax Newline GmbH“ in Marburg übernahm. Die daraus resultierende „TelDaFax GmbH“ hatte so den Markennamen der ehemaligen Teldafax AG erworben, ohne dabei deren Rechtsnachfolger zu werden. Zur Teldafax Holding AG gehören heute die Teldafax Energy GmbH, die Teldafax Telecom GmbH, die Teldafax Services GmbH, die Teldafax Finance GmbH, die e-punkt GmbH und die Teldafax Dialog GmbH.

Nach eigenen Angaben hatte die Teldafax-Gruppe im September 2007 rund 100, im Dezember bereits 180 und im Mai 2008 rund 220 Mitarbeiter. Im Oktober 2008 übernahm Teldafax ein von der Schließung bedrohtes Callcenter in Berlin-Schönefeld.European Marketingportal: , 23. Oktober 2008 Im November 2009 hatte das Unternehmen ca. 430 Mitarbeiter.

Mit Meldung vom 11. März 2011 gab das Unternehmen die mehrheitliche Übernahme durch zwei Investoren, die CPA Invest AG sowie die Sigma Citation Capital Strategies Limited bekannt. Die CPA Invest AG gehört zum Factoring-Verbund der Swiss Factoring AG, über die der Fondsanbieter Debi Select Gruppe mittels Factoring in die Teldafax Holding AG investiert hatte. Insolvenzverfahren 2011 Am 14. Juni 2011 stellte Teldafax beim Amtsgericht Bonn Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Teldafax Holding AG, die Teldafax Energy GmbH und die Teldafax Services GmbH. Drei Tage später teilte das Unternehmen mit, dass sämtliche Kunden ab dem 18. Juni 2011 vorübergehend nicht mehr mit Strom und Gas von Teldafax beliefert würden. Stattdessen werde der örtliche Grundversorger einspringen.Teldafax setzt Energielieferungen aus In: Focus online vom 17. Juni 2011

Im Bereich des Versorgungsunternehmens und Netzbetreibers Vattenfall erfolgte dies bereits ab 18. Mai 2011. Vattenfall hatte den Liefervertrag mit Teldafax gekündigt und ab diesem Zeitpunkt die weitere Belieferung Teldafax’ versagt, dass sodann die Ersatzversorgung (gemäß Stromgrundversorgungsverordnung – StromGVV) eintrat.

Am 16. Juni 2011 stellte Teldafax beim Amtsgericht Bonn Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Teldafax Dialog GmbH, die Teldafax Finance GmbH und die Teldafax Sales GmbH.Weitere TelDaFax Unternehmen insolvent.

Am 1. September 2011 wurde gegenüber der TelDaFax-Gruppe das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Biner Bähr aus Düsseldorf ernannt. Forderungen der Insolvenzgläubiger konnten bis zum 31. Januar 2012 unter Beachtung des InsO beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Zum 8. November 2011 waren über 700.000 Gläubiger auf eine erste Versammlung nach Köln geladen, die meisten davon Kunden, die eine Vorauszahlung geleistet haben.Petra Blum: WDR, 8. November 2011, 06.15 Uhr Strafverfahren ab 2013 Anfang 2013 erhob die Bonner Staatsanwaltschaft Anklage gegen die ehemaligen Teldafax-Manager Klaus Bath, Michael Josten und Gernot Koch. Der Vorwurf lautete auf Insolvenzverschleppung, gewerbsmäßiger Betrug und Bankrotthandlungen.Billigstromanbieter: Anklage gegen ehemalige Teldafax-Vorstände. Das Verfahren begann am 18. Februar 2014 vor der Wirtschaftsstrafkammer des Bonner Landgerichts. Am 7. März 2014 platzte der Prozess jedoch. Das Landgericht Bonn gab den Besetzungsrügen der Verteidiger von zwei der drei Angeklagten statt und setzte das Verfahren bereits am zweiten Verhandlungstag aus.Teldafax-Strafprozess wird ausgesetzt.

Mit neuer Besetzung wurde das Verfahren 2015 wiederaufgenommen. Im November 2016 wurde nach einer Zahlung von 20.000 Euro der Prozess gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsrat Michael Josten endgültig eingestellt. Die Beweisaufnahme gegen die beiden anderen Ex-Manager wurde laut Gericht fortgeführt. Sie wurden am 1. März 2017 vor dem Bonner Landgericht zu Bewährungsstrafen verurteilt (ein Jahr und vier Monate und 11 Monate).

Tochtergesellschaften Teldafax Energy GmbH Die im August 2006 gegründete TelDaFax Energy GmbH bot seit Februar 2007 bundesweit für private und gewerbliche Kunden Stromversorgungstarife an. Teldafax bezog ihren Strom zuerst über das belgische Unternehmen Electrabel bzw. über die deutsche Tochter BKW FMB Energie. Zwischendurch waren verschiedene Energiehandelsunternehmen Bezugsquellen von Teldafax Energy. Ab Juni 2008 bot das Unternehmen auch Erdgas an, zunächst nur in bestimmten Regionen Deutschlands. Sukzessiv wurden weitere Regionen erschlossen. Zuletzt bot Teldafax in ganz Deutschland Erdgas an. Damit war das Unternehmen einer von wenigen bundesweiten Gasversorgern.Strom Magazin: TelDaFax Gas jetzt überall in Deutschland verfügbar, 10. Juli 2008

Im Januar 2008 gab Teldafax Energy die Übernahme der Softwareentwickler OMD und e-punkt bekannt und kündigte an, die GmbH in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Am 10. Juli 2008 begann Teldafax den Bau eines Deponiegaskraftwerks nahe der belarussischen Hauptstadt Minsk. Das Kraftwerk ist im Dezember 2009 in Betrieb gegangen. Der produzierte Strom ist für Verbraucher in Minsk bestimmt. Weitere Kraftwerke in Belarus sind geplant.Verivox: TelDaFax baut in Weißrussland Deponiegas-Kraftwerk, 2. November 2009

Teldafax Telecom GmbH (Troisdorf) Teldafax Telecom hatte sich auf die Entwicklung und Vermarktung leistungsfähiger Voice- und Datentechnologie sowohl für den Wholesale- als auch für den Retail-Markt spezialisiert. Mit über 400 Millionen Minuten allein im internationalen Voice-Segment ist das Unternehmen in Deutschland positioniert. Teldafax Telecom bediente über 11.600 Geschäfte (POS) in Deutschland und Österreich mit individuellen Produkten und personalisiertem Service.

Teldafax Services GmbH Die Teldafax Services GmbH war auf Kundendienst, Kundenverwaltung, Auftragsbearbeitung, Rechnungsstellung und die Qualitätssicherung der Dachgesellschaft spezialisiert.

Teldafax Finance GmbH Die Teldafax Finance GmbH bot Finanzdienstleistungen (Versicherungen, Fonds, Kreditkarten) als Kooperationspartner externer Versicherungsanbieter.

Teldafax Marketing GmbH Im Herbst 2007 wurde die Teldafax Marketing GmbH gegründet, welche die Teldafax-Gruppe bei der Vermarktung aller Produkte und Dienstleistungen unterstützt und das Unternehmen nach außen darstellt. Die Teldafax Marketing GmbH ist eigenständig und gehört nicht zur Holding AG. Im Oktober 2008 übernahm die Teldafax Marketing GmbH das ehemalige Callcenter adstep, das nun als Teldafax Dialog in die Unternehmensgruppe eingegliedert ist.

Teldafax DIALOG GmbH Die Teldafax DIALOG GmbH betreibt ein Kundendienstzentrum in Berlin-Schönefeld.

Sponsoring und Partnerschaften Im Biathlon wurde der Athlet Michael Rösch von Teldafax unterstützt. Auch der Biathlet Ole Einar Bjørndalen wurde bis 2009 von Teldafax gesponsert.

2007 kam der Fußballsport hinzu, als Teldafax Hauptsponsor von Bayer 04 Leverkusen wurde. Der eigentlich bis 2013 laufende Sponsorenvertrag wurde im Juni 2011 aufgelöst, da die in Finanzschwierigkeiten steckende Teldafax die 13 Millionen Euro zur Unternehmensstärkung benötigte., abgerufen am 3. Juni 2011 Laut Urteil des Landgerichts Köln vom Herbst 2014 muss Bayer 04 Leverkusen mehr als 16 Millionen Euro früherer Sponsorengelder zurückgeben, da der Verein zum Zeitpunkt der Zahlungen bereits über die Finanzschwierigkeiten von Teldafax informiert war.Der Spiegel, Pleite-Sponsor Teldafax: Bayer Leverkusen soll 16 Millionen Euro zurückzahlen, 22. Oktober 2014, abgerufen am 18. November 2014

Mit der Übernahme der Titelpartnerschaft der FIS Teldafax Teamtour 2009 unterstützte das Unternehmen ein sportliches Großereignis im Wintersport, das sich über mehrere Wochen erstreckt.

2009 baute Teldafax das Sponsoringengagement aus und wurde Werbepartner des Skispringers Martin Schmitt.

Neben den werblichen Sponsoringaktivitäten engagierte sich Teldafax im Sommer 2008 erstmals im Nachwuchsbereich des Fußballsports und unterstützte das Ulf Kirsten und Ralf Minge Fußballcamp 2008. Dabei wurden die im Rahmen des Sponsorings von Teldafax erworbenen Teilnehmerplätze an Kinder aus sozialschwachen Familien und einem Kinderheim zur Verfügung gestellt.

Kritik Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung warnten schon im Juli 2009 drei Teldafax-Vorstände vor der prekären Finanzlage des Unternehmens. Außer der Abberufung eines Aufsichtsrats geschah jedoch nichts. Dem Anschein nach hatte das Hauptzollamt Düsseldorf bereits im Jahre 2009 von der drohenden Insolvenz Kenntnis.www.spiegel.de: Behörden wussten schon 2009 von drohender Teldafax-Pleite 20. September 2011