Lüdinghausen (plattdeutsch: Lünkhusen oder Lünksel) ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen südwestlich von Münster im Kreis Coesfeld.

Geographie mini|Lüdinghausen, Berenbrock, Dortmund-Ems-Kanal Lüdinghausen liegt etwa 30 Kilometer nördlich von Dortmund und 20 Kilometer südlich von Münster am Dortmund-Ems-Kanal und an der Stever.

Nachbargemeinden Lüdinghausens Nachbargemeinden sind (im Südwesten beginnend) im Uhrzeigersinn Olfen (Kreis Coesfeld), Haltern am See (Kreis Recklinghausen), Dülmen, Senden, Nordkirchen (alle Kreis Coesfeld) und Selm (Kreis Unna).

alternativtext=|mini|Ortsteile von Lüdinghausen mini|Burg Lüdinghausen mini|Bücherei Lüdinghausen mini|Gebäude der Volkshochschule an der Burg Lüdinghausen mini|Tordurchgang an der Burg Lüdinghausen

Stadtgliederung Lüdinghausen besteht aus der Kernstadt (ca. 18600 Einwohner) und dem Stadtteil Seppenrade (ca. 6600 Einwohner).

Bauerschaften Zur Kernstadt gehören die Bauerschaften Aldenhövel, Bechtrup, Berenbrock, Brochtrup, Elvert, Ermen, Tüllinghoff und Westrup. Zu Seppenrade gehört die Dorfbauerschaft und die Bauerschaften Emkum, Leversum, Ondrup, Reckelsum und Tetekum.

Geschichte Die erste Erwähnung Lüdinghausens als „Ludinchusen“ erfolgte im Jahr 800 anlässlich der Übereignung eines Hofes an den Heiligen Liudger durch Snelhard. Im Jahre 974 erhielt die Siedlung um die zur Abtei Werden gehörende Kirche das Markt- und Münzrecht.

Im Jahre 1309 wurden Lüdinghausen eigenmächtig die Stadtrechte durch die Herren von Lüdinghausen bzw. Lüdinghausen-Wolff verliehen. 1443 gelangte Lüdinghausen an das Hochstift Münster. Im Jahre 1499 verkaufte dieses Stadt und Amt an das Domkapitel Münster.

Im Jahre 1507 wurde mit der Grundsteinlegung der Bau der Felizitaskirche begonnen, die als größte Ortskirche die massivsten Sandsteinpfeiler Europas besitzt.

Höhepunkt der Hexenverfolgungen in Lüdinghausen scheint das Jahr 1624 gewesen zu sein, als in einer Hexenprozesswelle in wenigen Monaten mindestens 20 Personen unter dem Verdacht der Hexerei hingerichtet wurden, darunter Bernhard Schwarte, Heidtmann aus Haltern am See und die Frau des Heidtmann aus Haltern am See. Wahrscheinlich lag die Zahl der Opfer höher, da die Akten nur zu einem Teil erhalten sind.

Im Jahre 1803 wurde Lüdinghausen Kreisstadt im neu gebildeten Kreis Lüdinghausen. Sie wurde damals der Stadt Werne vorgezogen. Am 10. Oktober 1832 wurde die gesamte innere Stadt um den Markt durch einen Brand vollständig zerstört. Auch das Rathaus wurde ein Opfer der Flammen. Nur ein Straßenzug am Mühlen- und Langenbrückentor sowie eine Häusergruppe in der Nähe des Münstertors blieben verschont. Nach mehreren kleineren Bränden in den Jahren 1882 und 1883 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Die in den Bauerschaften existierenden Spritzenhäuser wurden aufgelöst, als die Feuerwehr Motorfahrzeuge erhielt.Heinrich A. Mertens, Josef Limbach: Aus der Geschichte des Kreises Lüdinghausen 1803–1974. Verlag Lonnemann, Selm 1974.

Im Verlauf der Jahre entwickelte sich Lüdinghausen zu einem Mittelzentrum der umliegenden Orte mit einem Einzugsbereich von 50.000 bis 100.000 Einwohnern. Nach mehreren kleinen Teilausgliederungen am 1. April 1903, am 1. April 1914, im Jahr 1929 und am 1. Januar 1966 wurde die Gemeinde Lüdinghausen-Land am 1. Juli 1969 aufgelöst und in die Stadt eingegliedert. Am 1. Januar 1975 wurde Seppenrade eingemeindet. Da der Kreis Lüdinghausen zum gleichen Termin aufgelöst wurde, verlor die Stadt den Sitz der Kreisverwaltung. Lüdinghausen wurde in den Kreis Coesfeld eingegliedert.

Eingemeindungen Bei der kommunalen Neugliederung, die in zwei Schritten durchgeführt wurde, vergrößerte sich die Stadt Lüdinghausen mit Wirkung vom 1. Juli 1969 durch das Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Lüdinghausen um das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Lüdinghausen-Land und am 1. Januar 1975 in Folge des Münster/Hamm-Gesetzes um die Gemeinde Seppenrade.

Einwohnerstatistik Jahr Einwohner 1998 22.290 1999 22.469 2000 22.765 2001 23.227 2002 23.504 2003 23.745 2004 23.945 Jahr Einwohner 2005 24.097 2006 24.200 2007 24.200 2008 24.183 2009 24.196 2010 24.195 2011 23.544 Jahr Einwohner 2012 23.569 2013 23.672 2014 23.921 2015 24.263 2016 24.556 2017 24.550 2022 25.259

Konfessionsstatistik Laut Zensus 2011 waren 63,0 % Einwohner katholisch und 18,7 % evangelisch. 18,3 % gehörten anderen Konfessionen oder Religionsgemeinschaften an oder waren konfessionslos. Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren 52,8 % der Einwohner katholisch, 16,5 % evangelisch, und 30,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 17. November 2024

Laut kirchliche Statistik waren 2018 von den 24.590 Einwohnern 57,1 % (14.250) Katholiken.Pfarrer über Austritte , abgerufen am 21. September 2019

Religion In Lüdinghausen gibt es eine katholische, eine evangelische und eine neuapostolische Kirche sowie eine Gemeinde der Zeugen Jehovas. Die katholischen Kirchengemeinden St. Felizitas und St. Ludger haben beim Pfingstfest 2007 zur Kirchengemeinde St. Felizitas fusioniert, 2017 wurde die St.-Ludger-Kirche profaniert und an die freie Christengemeinde „Gottes Wort“ verkauft.500.000 Euro für St.-Ludger-Kirche in Lüdinghausen. kirche-und-leben.de, abgerufen am 25. März 2018 Im Ortsteil Seppenrade gibt es eine katholische und eine evangelische Kirche. Ferner hat Lüdinghausen neben einem Provinzialatssitz der Franziskanerinnen von der Buße und der christlichen Liebe auch eine Moschee für die Anhänger der islamischen Glaubensrichtungen.

Politik Stadtrat +Ergebnisse der Kommunalwahlen ab 1975 (Stimmenanteile)JahrCDUSPDGrüne1UWGFDPDie Linke 1975 70,3 % 26,5 % 3,2 % 1979 65,9 % 31,1 % 3,0 % 1984 60,9 % 25,6 % 9,9 % 3,6 % 1989 54,7 % 25,9 % 11,8 % 7,6 % 1994 55,5 % 27,1 % 13,6 % 3,7 % 1999 62,9 % 23,4 % 9,1 % 4,6 % 2004 55,3 % 21,4 % 13,9 % 9,5 % 2009 46,5 % 15,5 % 14,2 % 13,9 % 9,9 % 2014 44,9 % 23,4 % 13,3 % 12,2 % 6,2 % 202049,4 % 16,1 % 23,8 % 3,4 % 7,3 % 202552,9 % 17,5 % 16,6 % 7,8 % 5,3 % +Sitzverteilung im Stadtrat seit der Kommunalwahl 2014 JahrCDUSPDGrüneUWGFDPDie LinkeGesamt Sitze 2014 15 8 5 4 2 34 Sitze 2020 17 5 8 1 334 Sitze 2025 18 6 5 3 234 1 Grüne: 1984 und 1989: Grüne, ab 1994: B’90/Grüne

In der ListeVerzeichnisse der Kommunalwahlergebnisse des Landes Nordrhein-Westfalen (LDS NRW) von 1975 bis 2009 sind nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens 1,95 Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.

Bürgermeister der Stadt Lüdinghausen ist seit dem 1. November 2020 Ansgar Mertens.

Wappen Blasonierung: „In Gold eine rote Glocke, links oben begleitet von einem roten Ammoniten.“

Im neuen, seit 1982 gültigen Wappen sind Symbole der alten genehmigten Wappen von Lüdinghausen und Seppenrade aufgenommen und zu einer sinnvollen Symbiose vereinigt.

Die Glocke als Wappenzeichen geht über viele Jahrhunderte zurück. Sie findet sich zum Beispiel auf mehreren Münzen aus der Münzstätte Lüdinghausen um 1308 im Schilde des letzten Ritters von Lüdinghausen, Ludolf, und im Siegel der Stadtrichter von 1441.

Über die Herkunft der Glocke in dem Wappen wird angenommen, die Glocke sei schon vor der Stadtgründung das Wappen der Ritter von Lüdinghausen gewesen; Ludolf als Oberherr des Ortes habe das Stadtzeichen mit in sein Wappen aufgenommen; die Sagen vom Glockenkolk und vom Selbstläuten der Glocken bei der Ankunft der Leiche des hl. Liudgerus in Lüdinghausen hätten die Veranlassung für das Symbol der Glocke gegeben; mit dem Namen „Lüdinghausen“ habe die Glocke nichts zu tun. Die Darstellung des Ammoniten führt zurück auf die 1877 und 1895 in Seppenrade gefundenen Versteinerungen von Riesenammoniten, einer mit einem Durchmesser von etwa 1,80 m; er gilt als der weltweit größte je gefundene Ammonit.

Städtepartnerschaften Die Stadt Lüdinghausen pflegt Partnerschaften mit den Städten Taverny (Frankreich) Nysa (Polen) Während des Lüdinghauser Stadtfestes am 17. September 2022 gründeten Bürgermeister Ansgar Mertens und Bürgermeister Bogdan Stanislavskyi eine Städtefreundschaft zwischen den Städten Kolomyja (Ukraine) und Lüdinghausen. Die Stadt Lüdinghausen unterstützt seit Ausbruch des Krieges gegen die Ukraine die Partnerstadt Nysa in Polen und die Stadt Kolomyja in der Ukraine in besonderer Weise bei der Bewältigung der Kriegsfolgen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen In der Burg Vischering befinden sich Ausstellungsräume des Kreises Coesfeld, die temporär von verschiedenen Künstlern genutzt werden. So wurden im Jahr 2018 beispielsweise Werke von Leon Löwentraut gezeigt. In der Hauptburg befindet sich eine neu konzipierte kulturhistorische Dauerausstellung, die die Geschichte der Burg Vischering von ihrer Gründung 1271 bis in die Gegenwart beleuchtet. Außerdem wird die Schlösser- und Burgenlandschaft Münsterland dargestellt.

In der Burg Lüdinghausen befinden sich ebenfalls Ausstellungsräume, in denen oftmals Kunst aufstrebender Künstler gezeigt wird. Außerdem ist die Burg Aufführungsort für verschiedene Theaterstücke und kulturelle Ereignisse.

Bauwerke

Lüdinghausen ist als die Dreiburgenstadt bekannt. Sehenswert sind insbesondere die Wasserburg Lüdinghausen und die Burg Vischering. Die dritte Burg innerhalb der Stadt ist die Burg Wolfsberg. Im Umland gibt es noch sechs weitere Burgen, die nach der Kreisreform zum Stadtgebiet gehören, die bekannteste ist die Burg Kakesbeck. katholische Pfarrkirche St. Felizitas (benannt nach der heiligen Felicitas) evangelische Pfarrkirche, neugotischer Bau mit Westturm, 1859 geweiht Rathaus (sogenannte Borg), klassizistischer Backsteinbau mit Mittelrisalit, 1844–1845 als Stadt-, Landgericht und Rathaus erbaut Hakehaus, ehemaliges Armenhaus, Wolfsberger Straße. Fachwerkbau von 1648, in den 1930er Jahren umgebaut, heute Schülercafé, Blaupause und Jugendgruppenräume Hof Grube, Tetekum 39 (südlich des Stadtkerns von Lüdinghausen), ältestes Bauernhaus Westfalens. Erstmals im Jahre 1339 urkundlich erwähnt, ist der Hofname Grube nicht nur in Lüdinghausen (Kreis Coesfeld) immer noch ein Begriff. Herzstück der Anlage ist das 32 Meter lange Haupthaus, das im Kern ein Fachwerk-Hallenbau mit einer Vierständerkonstruktion ist. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge wurde das Holz für diesen Bau 1517 geschlagen. Dieses Gebäude ist damit der älteste bekannte Vierständerbau und das älteste bekannte Bauernhaus Westfalens.25 Generationen in einem Bauernhaus Hof Grube in Lüdinghausen27 000 Euro für Hof Grube

Parks Der Rosengarten im Ortsteil Seppenrade befindet sich auf einer ehemaligen Mülldeponie. Dort gedeihen 24.000 Rosen von 600 Sorten. Weitere Parks befinden sich rund um die drei Wasserburgen in Lüdinghausen und Umgebung. Besonders sehenswert ist der Park Taverny (siehe Städtepartnerschaften) bei der Burg Lüdinghausen, der über einen 2018 angelegten modernen Park mit der Burg Vischering verbunden ist. Der Park rund um die Burg Lüdinghausen ist besonders im Frühling und Sommer Treffpunkt für viele Besucher. Es gibt einen Boule-Platz und Möglichkeiten zum Picknicken.

Sehenswertes Die mittelalterliche Stadt ist mit Burgen, Kirchen und gut ausgebauten Fahrradwegen in den vergangenen Jahren verstärkt Anlaufziel für Urlauber geworden.

Sonstiges

In Seppenrade wurde 1895 in einem Steinbruch der damals weltgrößte Ammonit gefunden (3,5 t schwer, 0,4 m dick, 1,95 m Durchmesser). Zuvor wurde bereits ein etwas kleinerer, aber auch beachtlicher Ammonit im gleichen Steinbruch entdeckt. Beide Originale sind im LWL-Museum für Naturkunde in Münster aufgestellt. Die Art wurde mit dem Namen ihres Fundortes bedacht: Parapuzosia seppenradensis.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Bahnhof Lüdinghausen (2007)