mini|hochkant|Mircea Eliade, 1933.rahmenlos|180px|klasse=skin-invert-image|Signatur Mircea Eliade

Mircea Eliade [] (* dagegen 13. März: Bryan Rennie: www.westminster.edu in Bukarest; † 22. April 1986 in Chicago) war ein rumänischer Religionswissenschaftler beziehungsweise Religionsphilosoph und Schriftsteller.

Leben mini|Eliades Wohnung in Bukarest (1934–1940)

Mircea Eliade wurde 1907 als Sohn des Offiziers der rumänischen Landstreitkräfte (Forțele Terestre Române) Gheorghe Eliade (dessen ursprünglicher Nachname Ieremia war) und seiner Ehefrau Jeana, geborene Vasilescu (1884–1974)Familiengeschichte von Jeana Vasilescu geni.com, in Bukarest geboren. Sein Vater Gheorghe Eliade (1868–1951)Paul E. Michelson: Ieremia to Eliade 1899: Notes and Queries. (Abstract), auf archivamoldaviae.ro archivamoldaviae.ro, siehe auch auf academia.edu academia.edu war ein gläubiger orthodoxer Christ, der die Geburt seines Sohnes vier Tage vor dem tatsächlichen Datum registrieren ließ, passend zum liturgischen Kalenderfest der Vierzig Märtyrer von Sebaste. Mircea Eliade hatte eine Schwester, Corina, die Mutter des späteren Semiologen Sorin Alexandrescu. Mircea Eliade hatte noch einen älteren Bruder Nicu (* 1906) und eine jüngere Schwester Corina Eliade (* 1913). Seine Familie verlegte ihren Lebensmittelpunkt von Tecuci nach Bukarest und ließ sich schließlich im Jahr 1914 in der Hauptstadt nieder, wo sie ein Haus in der Melodiei-Straße in der Nähe von Piața Rosetti erwarb. Hier lebte Mircea Eliade bis in seine späte Jugendzeit.

Ab dem Jahr 1925 studierte er Philosophie an der dortigen Universität unter Nae Ionescu bis zum Abschluss im Jahr 1928. Er reiste mit 21 Jahren nach Indien, studierte dort von 1928 bis 1931 an der University of Calcutta indische Philosophie und schrieb infolgedessen eine Arbeit über den Yoga, die er nach seiner Rückkehr in Bukarest als Dissertation vorlegte.

Von 1934 bis 1938 arbeitete Eliade an der Universität Bukarest als Assistent Ionescus. Ab 1937 sympathisierte er nach einer bis dahin eher nur nationalistischen Phase mit der antisemitischen und faschistischen Eisernen Garde (Legionärsbewegung, „Legion des Erzengels Michael“, ) in Rumänien.Müller 2004, Turcanu 2006. Hier wurde er – genauso wie bei vielen Grundzügen seiner Arbeiten – durch seinen Doktorvater Nae Ionescu beeinflusst.

Am 10. Dezember 1933 hatte der liberale Premierminister Ion Duca die Organisation der Eisernen Garden auflösen lassen. Es folgten etliche Verhaftungen. Ende Dezember wurde Ion Duca von Legionären der Eisernen Garde in Sinaia ermordet. Im Jahr 1937 unterstützte Mircea die Garde aktiv im Wahlkampf für die Parlamentswahlen. Die Klärung seiner antisemitischen Position bleibt fragil, denn obgleich er viele jüdische Freunde hatte, zum Beispiel Mihail Sebastian, unterstützte er die rechte und auch antisemitische rumänische Regierung. Am 10. Februar 1938 entließ der rumänische König Carol II. die Regierung und ersetzte sie durch eine Königsdiktatur, um eine Regierungsbildung mit Ministern aus der Eisernen Garde zu verhindern. In deren Folge wurde auch Mircea Eliade verhaftet und verbrachte einige Zeit im Gefängnis. Ab 1940 arbeitete er als Propagandabeauftragter an der rumänischen Botschaft in London und von 1941 bis 1945 in Lissabon für die faschistische Regierung in Bukarest.Alexandra Laignel-Lavastine: Cioran, Eliade, Ionesco: L’oubli du fascisme. Presses Universitaires de France, Paris 2002, S. 275–328.

Ab 1945 lebte und lehrte er in Paris und schrieb hier seine bedeutendsten religionswissenschaftlichen Werke. Ab August 1950, eingeladen von Olga Fröbe-Kapteyn, nahm er erstmals an einer der Eranos-Tagungen in Ascona am Lago Maggiore teil, wo er C. G. Jung kennenlernte. An den Eranos-Tagungen nahm er bis 1963 aktiv teil.William McGuire, Bollingen: An Adventure in Collecting the Past, Princeton University Press 1989, S. 150f.

Ab 1957 war er Professor für Religionswissenschaften an der University of Chicago. Nach 1945 veröffentlichte er vereinzelt Beiträge in Zeitschriften der Legionärsbewegung.Hannelore Müller: Der frühe Mircea Eliade. Sein rumänischer Hintergrund und die Anfänge seiner universalistischen Religionsphilosophie. Lit, Münster 2004, S. 94, 89, 103. Später näherte er sich der Neuen Rechten in Frankreich, und bis zu seinem Tode hielt er Kontakt zu legionären Freunden.Alexandra Laignel-Lavastine: Cioran, Eliade, Ionesco: L’oubli du fascisme. Presses Universitaires de France, Paris 2002, S. 461 f., 485–490. Gemeinsam mit Ernst Jünger gab er die Zeitschrift Antaios. Zeitschrift für eine freie Welt heraus, die von 1959 bis 1971 alle zwei Monate im Klett-Verlag erschien. 1966 wurde Eliade in die American Academy of Arts and Sciences und 1970 in die British Academy gewählt. Postum wurde er zum Mitglied der Rumänischen Akademie ernannt.

Sein literarisches Werk umfasst Romane (Das Mädchen Maitreyi), fantastische Erzählungen (Nächte in Serampore, Das Geheimnis des Doktor Honigberger) und Reisebeschreibungen (Indisches Tagebuch). Er schrieb auch für die avantgardistische Literaturzeitschrift Contimporanul. mini|Grabstätte von Mircea Eliade auf dem Oak Woods Cemetery, Chicago Seit 1958 in Chicago veröffentlichte er seine wissenschaftlichen Arbeiten in Englisch, seine Erinnerungen und Essays in Französisch und seine Belletristik in Rumänisch.

Wissenschaftliche Arbeit Eliade gehörte zu den bedeutendsten Religionsphänomenologen der Gegenwart, obwohl sein Werk von vielen Seiten immer wieder kritisiert wurde und wird. Reinhold Schwenzer schrieb 2016 in der Zeitschrift für junge Religionswissenschaft, dass viele Theorien Eliades – etwa dass Hierophanien die Grundlage der Religion bilden und die menschliche Realitätserfahrung in sakrale und profane Raum und Zeit spalten – nicht als religionswissenschaftliche, sondern als religionsphilosophische Arbeiten betrachtet werden müssten. Dies würde den meisten Kritikpunkten den Boden entziehen.

Einer seiner wichtigsten Beiträge zur Religionsphilosophie war seine Theorie der ewigen Wiederkehr. Diese besagt, dass Mythen und Rituale nicht einfach an Hierophanien erinnern, sondern, zumindest in den Köpfen der Religiösen, tatsächlich daran teilhaben. Eliade suchte die tiefere Bedeutung religiöser Phänomene zu begreifen. Hierbei vertrat er die Ansicht, dies sei nur durch ein Verstehen von innen heraus möglich: durch ein Erfassen des Glaubens auf der Gefühlsebene. Er führte damit eine im Wesentlichen von Rudolf Otto gegründete und von Gustav Mensching weiter differenzierte Richtung der Religionswissenschaft philosophisch fort, in der das Vergleichen und Verstehen religiöser Erfahrung in den Vordergrund gerückt wurde. Eliade erachtete zwar auch den systematischen Aspekt der Religionswissenschaft als durchaus wichtig, brachte aber auch eine Kritik an, indem er behauptete, der systematische Aspekt erfasse nicht die Vielfalt des Gegenstands. Zugunsten dieser phänomenologischen Forschung verzichtete er meistens darauf, historische Kontexte genauer zu betrachten. Es ging ihm um die übergeschichtliche Bedeutung und die Universalität religiöser Phänomene, deren Archetypen (im Sinne von beispielhaften Vorbildern) er darstellen wollte.Mary Jo Meadow: Archetypes and patriarchy: Eliade and Jung. Journal of Religion and Health, (1992) 31(3), 187–195. doi:10.1007/bf00986271 In seinen Betrachtungen ging Eliade stets von der nachweisbaren Wirklichkeit der religiösen Phänomene aus. Ob er tatsächlich an sie glaubte, lässt er weitgehend offen.

Bedeutung für die Schamanismusforschung

Mircea Eliade war kein Feldforscher, er bezog seine Daten aus verschriftlichten Primär- und Sekundärquellen. Eliade studierte eine Vielzahl ihm zur Verfügung stehenden Schriften und Veröffentlichungen zum Schamanismus, um die für ihn entscheidenden, gemäß seiner Ausgangshypothese, zuordenbaren Aspekte zusammenzubringen. Dabei bediente er sich eines interpretierenden, hermeneutisch orientierten Blickwinkels. Eliades Bestreben war es, das Heilige, Transzendente in den menschlichen Kulturen zu ergründen.Mircea Eliade: Das Heilige und das Profane. Vom Wesen des Religiösen. (= Band 31, rowohlts deutsche enzyklopädie) Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1957Haringke Fugmann: Diese Welt und die andere Welt: Theologische Analyse „schamanischer“ Metaphysiken im Kontext der Nachmoderne (PDF; 213 kB), S. 10.Reinhold Schwenzer: Grenzen religionswissenschaftlicher Mircea-Eliade-Rezeption. Denken an der Schnittstelle zwischen Religionsphilosophie und Religionswissenschaft. Zeitschrift für junge Religionswissenschaft, 11 (2016), https://doi.org/10.4000/zjr.651, auf Richard Reschika: Mircea Eliade zur Einführung. Junius, Hamburg 1997, ISBN 3-88506-960-1, S. 44 f.

Eliade gilt als der Pionier und Begründer des ersten „spirituellen Schamanismus-Konzeptes“. Er konzipierte den Schamanismus als das weltweit verbreitete Ur-Phänomen der menschlichen Religiosität und Transzendenzbedürftigkeit und erhob die (passive) ekstatische Trance mit dem „Seelenflug in die Geisterwelt“ zum zentralen Merkmal aller schamanischer Phänomene.

Die Ausgangshypothese seiner Betrachtungen zum Schamanismus war, dass das Transzendente und Sakrale sich fundamental im Menschen manifestieren würden. Dabei sei im Gattungswesen Mensch die Ursache für den Prozess des Transzendierens der Wirklichkeit stets die gleiche, lediglich die Ausformungen, welche der Prozess im spirituell-religiösen Kontext annehme, sei verschieden.Harald Meller, Kai Michel: Das Rätsel der Schamanin. Eine archäologische Reise zu unseren Anfängen. Rowohlt, Hamburg 2022, ISBN 978-3-498-00301-2, S. 124 Mircea Eliade sah im „Schamanismus“ universale und letztlich archaische Muster, deren Gehalt es abzubilden gelte. Dabei ging er davon aus, dass es in jeder „schamanischen Kultur“ eine ubiquitäre Vorstellung einer „Weltenachse“ („axis mundi“) gäbe, was in der Essenz auf das Konzept dreier Welten hinwiese.Mircea Eliade: Schamanismus und archaische Ekstasetechnik. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975, S. 249 f.