Der Flughafen Hannover , im Außenauftritt Hannover Airport, ehemals Flughafen Hannover-Langenhagen ist der internationale Verkehrsflughafen in Langenhagen (Region Hannover). Er ist der größte Flughafen und das einzige internationale Luftfracht-Drehkreuz des Landes Niedersachsen. Er nahm im Jahr 2025 mit 5.344.722 Passagieren Platz 8 auf der Liste der Verkehrsflughäfen Deutschlands ein. Der Flughafen Hannover ist Norddeutschlands führender Flughafen im Tourismus-Luftverkehr und die Heimatbasis von TUIfly. Für den Frachtbereich ist der Flughafen ein Prime-Air-Hub von Amazon und ein Drehkreuz von FedEx.
Geschichte Vorgeschichte
Am 31. Juli 1907 genehmigte der Kommandierende General des X. Armeekorps in Hannover dem Luftfahrtpionier Karl Jatho auf der Vahrenwalder Heide den Bau einer „Fahrbahn“, „damit die Flugapparate besser rollen können.“Wolfgang Leonhardt: Karl Jathos erster Motorflug 1903. Books on Demand, Norderstedt 2002, ISBN 3-8311-3499-5, S. 17. Einige Jahre später errichtete das kaiserliche Heer auf dem Gelände eine Fliegerstation mit Fliegerkaserne und nutzte die Rasenfläche als Landefeld sowohl für Flugzeuge als auch für Luftschiffe. Zivile Flugzeuge konnten den Flugplatz auch nutzen.
mini|hochkant=0.6|Gedenkstein von 1933 für Karl Jatho am Flughafen Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Flughafen als militärisches Objekt eingestuft und eine zivile Nutzung zunächst untersagt. Ab 1923 wurde er wieder von zivilen Flugzeugen angeflogen, die erste internationale Verbindung war die vom Deutschen Aero Lloyd angebotene tägliche Verbindung Berlin – Hannover – Rotterdam – London. Im Jahr 1927 übernahm die Stadt Hannover das Gelände von der Reichswehr und baute den Flughafen Hannover-Vahrenwald zum offiziellen hannoverschen Flughafen aus.Torsten Bachmann: Der HAWA-Werksflugplatz – Hannovers erster Zivilflughafen Der Flughafen wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder in Betrieb genommen. Das 1935 errichtete Empfangsgebäude steht noch im heutigen Stadtteil Vahrenheide; es wurde von der Bundeswehr jahrelang als Kreiswehrersatzamt genutzt.
Im Jahr 1915 legte die Hannoversche Waggonfabrik (Hawa) an ihrem Werk in Linden einen Werksflugplatz an. Hier konnte sie die von ihr hergestellten und gewarteten Flugzeuge starten und landen. Als nach dem Ersten Weltkrieg der Vahrenwalder Flugplatz nicht mehr für zivile Zwecke genutzt werden durfte, genehmigte das Reichsluftfahrtamt im November 1919 den Hawa-Werksflugplatz als ersten zivilen Flughafen für Hannover. Die Deutsche Luft-Reederei begann mit regelmäßigen Flügen auf der Strecke Berlin – Braunschweig – Linden – Gelsenkirchen. Im Jahr 1928 löste der Flughafen Hannover-Vahrenwald den Lindener Flugplatz als offiziellen hannoverschen Flughafen ab, 1930 wurde er ganz geschlossen und das Gelände als Nutz- und Zuchtviehhof verwendet.
Errichtung Im Jahr 1936 errichtete die Luftwaffe einen Militärflugplatz westlich von Langenhagen bzw. nördlich von Godshorn. Gestartet wurde auf Grasnarbe. Bis 1942 waren hier Bomberverbände stationiert. Daneben diente der auch als Fliegerhorst Evershorst bezeichnete Platz der Erprobung diverser Flugzeugmuster des Herstellers Focke-Wulf.Der Fliegerhorst Langenhagen, abgerufen am 10. April 2026.
Die seit 1947 in Hannover stattfindende Hannover-Messe machte einen Flughafen für die An- und Abreise der Besucher wünschenswert. Die Berlin-Blockade 1948/49 hatte außerdem gezeigt, dass leistungsfähige Flugplätze in der Bundesrepublik in möglichst geringer Entfernung von Berlin von Nutzen waren. Der alte Flughafen in Vahrenwald bot nicht genug Platz, um ihn auszubauen. So wurden verschiedene Möglichkeiten wie ein Ausbau des Flugplatzes Braunschweig-Waggum oder ein Neubau in der Nähe von Sievershausen bei Lehrte geprüft. Die Wahl fiel schließlich auf den Fliegerhorst Evershorst, der nach dem Krieg von kanadischen Truppen genutzt wurde.Hannoversche Allgemeine Zeitung, Beilage: Hannover Airport, 25. April 2012 Die ehemaligen Kasernen nördlich des Flughafens sind erhalten geblieben. mini|Flughafen Hannover mit dem ersten Tower aus den 1950er Jahren, 1970
Im Jahre 1950 begannen die Vorarbeiten für den Generalausbauplan für die zivile Nutzung als Ersatz für den Flughafen Hannover-Vahrenwald. Nachdem im Juli 1951 die Flughafen Baugesellschaft gegründet und die alliierte zivile Luftfahrtbehörde die Lizenz für den Bau eines Flughafens bei Hannover erteilt hatte, wurde am 28. November 1951 mit dem Bau begonnen. Nach fünf Monaten wurde der Flughafen mit einer 1680 m langen Start- und Landebahn (heutige Südbahn 09R/27L) fertiggestellt. Am 26. April 1952 wurde er offiziell eröffnet und die Fluggesellschaften British European Airways, SAS Scandinavian Airlines und Pan American World Airways nahmen ihren Flugbetrieb auf. In den nächsten Jahren kamen KLM (1953), Air France (1954) und Lufthansa (1955) hinzu. Die erste Landung war ein Flug aus Berlin mit dem regierenden Bürgermeister Ernst Reuter an Bord.
Das Flughafengelände lag auf den Gebieten der Stadt Langenhagen sowie der damals noch selbstständigen Gemeinden Engelbostel, Schulenburg und Godshorn. Seit der Kommunalreform 1974 gehört es vollständig zur Stadt Langenhagen.
Ausbau mini|Luftaufnahme, Juni 2017 mini|Zweiter Tower von 1966, gesehen vom Parkhaus P1 (rechts im Bild)
Im Jahr 1959 wurde die Startbahn auf 2340 Meter verlängert; ein Jahr später wurden im Norden zwei Grasbahnen in Betrieb genommen, bevor im Jahre 1963 die mittlere, 780 m lange Kurzbahn entstand. Im Jahr 1966 wurde die parallel zur Südbahn angelegte Nordbahn 09L/27R zusammen mit dem 45 m hohen zweiten Tower in Betrieb genommen. Die neue Nordbahn wurde 1969 auf zunächst 2700 m verlängert.
Im Jahr 1973 eröffnete der neue Flughafenkomplex des Architekten Heinz Wilke, bestehend aus den durch eine Ladenstraße verbundenen Terminals A und B mit insgesamt 12 Fluggastbrücken und dem Parkhaus P1. Das bauliche Konzept dieser Terminals diente als Vorlage für das internationale Terminal Scheremetjewo-2 des Flughafens Moskau-Scheremetjewo.Osthandel. Extrem kurze Wege, in: Der Spiegel, 8/1980, S. 60. Im selben Jahr errichtete Hapag-Lloyd Flug ihre operative und technische Basis am Flughafen. Das alte Abfluggebäude wurde umgebaut und 1976 als Luftfrachtzentrum neu eröffnet. Der Airbus A300 der Lufthansa pendelte fortan zwischen Hannover und Frankfurt.
Im Jahr 1981 wurde der Ausbau der Hapag-Lloyd-Basis fertiggestellt (zwei Großflugzeughallen und ein Verwaltungshochhaus), und die MTU Maintenance GmbH nahm ihren Betrieb auf.
Nach einem Um- und Neubau des Luftfrachtzentrums erfolgte im Februar 1988 dessen Neueröffnung. Die auf 3800 Meter verlängerte Nordbahn wurde am 16. November 1990 zum uneingeschränkten Interkontinentalverkehr freigegeben. Im Jahr 1991 erhielt Langenhagen als erster deutscher Flughafen Anschluss an das ISDN der Deutschen Bundespost. Zwischenzeitliche Pläne, das Luftfahrtmuseum Hannover aus Laatzen an den Flughafen zu verlegen, scheiterten an unterschiedlichen Vorstellungen der Flughafengesellschaft und des Museumsbetreibers über das Konzept der Ausstellung.
1998 wurde das im Rahmen der Infrastrukturmaßnahmen für die Expo 2000 errichtete baulich an das Terminal B angeschlossene größte Terminal C mit acht gläsernen Fluggastbrücken eröffnet, das die Kapazität des Flughafens auf 8 Mio. Passagiere pro Jahr erhöhte.
Im Zusammenhang mit der zur Expo 2000 in Betrieb genommenen S-Bahn Hannover hat der Flughafen einen Eisenbahnanschluss unterhalb von Terminal C bekommen. Bis dahin gab es lediglich eine direkte Busverbindung zwischen dem Hauptbahnhof Hannover und dem Flughafen.
2007 wurde zwischen Terminal A und B in einem Erweiterungsbau die Airport Plaza eröffnet. Hier befinden sich im öffentlichen Bereich auf der Abflugebene mehrere Geschäfte und Restaurants. Auf der Ankunftsebene befinden sich mehrere Autovermieter und eine Versicherung.
Im Jahr 2018 wurde das ursprünglich zur Abfertigung von Flügen für das britische Militär genutzte Terminal D für die reguläre Passagierabfertigung ertüchtigt, um dieses während einer Sanierung des Terminals C im Jahr 2019 zur Entlastung von Verkehrsspitzen nutzen zu können. Mit drei Busgates können Abflüge und Ankünfte von Schengen- und Non-Schengen-Flügen abgefertigt werden. Der Check-in und die Gepäckaufgabe erfolgten in den Terminals A und B, die Sicherheits-, Ein- und Ausreisekontrolle und Gepäckausgabe in Terminal D.
Sanierungsmaßnahmen Nach der Eröffnung von Terminal C wurden bis November 2011 die zwölf Fluggastbrücken der Terminals A und B durch gläserne Versionen ersetzt.
Terminal A wurde zwischen Oktober 2013 und Juli 2014 für etwa 8 Millionen Euro umgebaut und modernisiert. Die Abflugebene war während dieser Zeit geschlossen. Anlass für den Umbau waren in erster Linie neue Sicherheitsanforderungen. So wurden etwa die Abfertigung zentralisiert und der bis dahin in Zonen unterteilte Wartebereich mit separaten Sicherheitskontrollen zusammengeführt.Bernd Haase: , Hannoversche Allgemeine Zeitung, 4. Juli 2014.
Vom 29. Oktober 2018 bis zum 25. Juni 2020 wurde das Terminal C für einen zweistelligen Millionenbetrag umgebaut und während dieser Zeit vollständig gesperrt. Neben der Erweiterung des Sicherheitsbereichs wurde dieser durch einen Gang mit dem Sicherheitsbereich in Terminal B verbunden, an dessen Ende vor Terminal C Ein- und Ausreisekontrollen durchgeführt werden können. Dieser Gang soll grundsätzlich die Nutzung der Sicherheitskontrollen in den verschiedenen Terminals und den Betrieb flexibilisieren, ist aber derzeit (Stand: Juni 2023) nur zugänglich, wenn es betrieblich erforderlich ist. Während der Bauphase wurde das Terminal D in den Sommermonaten regulär genutzt. Hierzu waren auf dem Vorfeld vor Terminal D temporär überdachte Laufwege errichtet worden, um die Flüge ohne Busboarding abfertigen zu können. Nach Abschluss der Maßnahmen wurde Terminal D stillgelegt und Terminal C für den Non-Schengen-Verkehr genutzt.
Eine geplante Sanierung von Terminal B für einen zweistelligen Millionenbetrag wurde im November 2019 zurückgestellt. Zwischen 2027 und 2033 soll die Nordbahn für einen ähnlichen Betrag in zwei Bauabschnitten saniert werden, nachdem 2018 die Südbahn teilweise erneuert wurde. Anschließend werden voraussichtlich 2033 die Rollwege K, Kto, G und J grundsaniert. Im Jahr 2024 wurde bis zum Beginn der Sommerferien in Niedersachsen eine der zwei Sicherheitskontrollen, auf der dem Terminal A zugewandten Seite, in Terminal B erweitert. Weiterhin wurde ein schon länger geplanter Verbindungsgang im Sicherheitsbereich zwischen den Terminals A und B geschaffen, der über Treppen und Aufzüge aus den Abflugebenen der Terminals A und B erreichbar ist.
Von 2016 bis 2026 soll für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag das zum Teil über 60 Jahre alte ca. 15 Hektar große Vorfeld saniert werden. Vom 29. Februar 2016 bis zum 7. Dezember 2016 wurde in einem ersten Bauabschnitt das Vorfeld zwischen Terminal A und Fracht A durch Austausch von Beton (ca. 5 Hektar) und Asphalt (ca. 0,45 Hektar), Anpassung der Entwässerung inklusive Leitungsbau und die Markierungen der Flächen erneuert. Rund 47.000 Kubikmeter Baumaterial wurden zum großen Teil recycelt und wieder verwertet. Aufgrund der Kampfmittelbeseitigung einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die während der Bauarbeiten entdeckt wurde, verzögerte sich die Wiederinbetriebnahme um etwa sechs Wochen.
mini|Star-Alliance Terminal A
Entwicklung des Flugverkehrs mini|1968: Lufthansa Boeing 737 mini|1990: Interflug Iljuschin Il-62, 1990