300px|mini|Präsident George W. Bush trifft nach der Wahl führende Abgeordnete der Demokratischen Partei: die designierte Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi (Kalifornien) und den designierten House majority leader (Führer der Mehrheitsfraktion) Steny Hoyer (Maryland). Die Wahlen zum Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten 2006 fanden am 7. November 2006 in der Mitte der zweiten Amtsperiode von Präsident George W. Bush statt, waren also sogenannte Halbzeitwahlen (midterm elections). Sie führten im Ergebnis zu einem deutlichen Sieg der Demokratischen Partei, die 32 Sitze hinzu gewann und damit über die absolute Mehrheit der Sitze im Repräsentantenhaus verfügte.
Ausgangslage Im 2004 gewählten 109. Kongress hatten die Republikaner im Repräsentantenhaus mit 229 Sitzen einen Vorsprung von 28 Sitzen auf die oppositionellen Demokraten mit 201 Sitzen. Ein Sitz wurde von einem Parteilosen (Bernie Sanders aus Vermont) gehalten, die Sitze des 13. Wahlbezirks in New Jersey, des 22. Wahlbezirks in Texas, des 16. Wahlbezirks in Florida sowie des 18. Wahlbezirks in Ohio waren vakant. Um die Mehrheitsverhältnisse zu ihren Gunsten zu verändern, mussten die Demokraten also mindestens 15 zusätzliche Sitze gewinnen. Erfahrungen aus vorherigen Kongresswahlen zeigen, dass Amtsinhaber schwer zu besiegen sind, selbst wenn ihre Parteizugehörigkeit nicht im Einklang mit den politischen Tendenzen des Wahlbezirks liegen. Historisch fanden die schärfsten Wahlkämpfe in Beziriekn statt, dessen aktueller Vertreter nicht zur Wiederwahl antritt, gefolgt von den Bezirken, dessen Vertreter nur einmal gewählt wurde. Grundsätzlich gilt das relative Mehrheitswahlrecht, wonach der Kandidat gewonnen hat, der in seinem Wahlbezirk die meisten Stimmen auf sich vereinigen kann.
Im Repräsentantenhaus gab es bei diesen Wahlen 31 offene Sitze: 27 Sitze von Amtsinhabern, die nicht erneut antraten, sowie vier vakante Sitze. Von den 27 Sitzen mit vollständig neuen Kandidaten wurden 18 von Republikanern, acht von Demokraten und einer von einem Parteilosen gehalten. Von den vakanten Sitzen befindet sich einer in New Jersey. Der Demokrat Bob Menendez, der im Jahr 2006 für den Senat antrat, hatte diesen Sitz inne. Die anderen Sitze in Texas, Ohio und Florida waren von den unter Korruptionsverdacht stehenden Republikanern Tom DeLay und Robert Ney, sowie dem infolge einer Sex-Affäre zurückgetretenen Mark Foley besetzt gewesen.
Prognosen vor den Wahlen Der Cook Political Report, ein unabhängiges, nicht-parteiisches Wahlforschungsinstitut, hatte vor den Wahlen 85 Sitze als potenziell umstritten gekennzeichnet, davon 66 derzeit von Republikanern und 19 von Demokraten gehaltene Sitze. Am 30. Oktober 2006 galten:
350 Sitze als sicher
12 Sitze der Republikaner und 12 Sitze der Demokraten als jeweils wahrscheinlich republikanisch und wahrscheinlich demokratisch – sie sind zu diesem Zeitpunkt sicher, könnten aber eventuell noch wettbewerbsfähig werden.
15 Sitze der Republikaner und 14 Sitze der Demokraten als jeweils demokratisch- oder republikanisch-neigend – sie sind leicht umstritten, allerdings hat jeweils eine Partei einen bedeutenden Vorteil. Unter den demokratisch-neigenden waren 4 offene Sitze und der vakante Sitz Tom DeLays.
alle 32 Sitze, deren Ausgang nicht vorhersehbar war, wurden von Republikanern gehalten.
Bereits vor den Wahlen waren sich die Demoskopen jedoch einig, dass die Demokraten die Wahl zum Repräsentantenhaus für sich entscheiden würden.
Besonderheiten des Wahlergebnisses Mit dem Gewinn von 32 Sitzen war dies der stärkste Zugewinn für die Demokraten seit den Wahlen von 1974. Die seit 1994 bestehende republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus wurde damit beseitigt. Unter den neu gewählten demokratischen Abgeordneten befand sich Keith Ellison (Minnesota 5), der erste muslimische Abgeordnete in der Geschichte des Kongresses und außerdem die zwei ersten Buddhisten, Mazie Hirono (Hawaii 2) und Hank Johnson (Georgia 4). Nancy Pelosi wurde als erste Frau, erste Italo-Amerikanerin und erste Kalifornierin in das Amt des Sprechers des Repräsentantenhauses gewählt.
Ergebnisse landesweit Parteien Sitze Stimmen 20042006+/−StärkeStimmen%Änderung Demokraten 202 233 +31 53,6 % 42.082.311 52,0 % +5,4 % Republikaner 232 202 −30 46,4 % 35.674.808 44,1 % −5,1 % Unabhängige 1 0 −1 0,0 % 417.895 0,5 % −0,1 % Libertarian Party – – – – 657.435 0,8 % −0,1 % Green Party – – – – 234.939 0,3 % ±0,0 % Independence Party – – – – 220.842 0,3 % +0,1 %Conservative Party – – – – 152.549 0,2 % – Constitution Party – – – – 68.031 0,1 % ±0,0 % Reform Party – – – – 53.862 0,1 % ±0,0 % Andere Parteien – – – – 1.412.865 1,7 % −0,1 %Gesamt 435 435 0 100,0 % 80.975.537 100,0 % –Quelle: Election Statistics - Office of the Clerk
Ergebnisse nach einzelnen Bundesstaaten und Wahlbezirken Die Wahlkreisgewinner sind jeweils fett markiert. Blau: Wechsel zu den Demokraten, Rot: Wechsel zu den Republikanern Abkürzung ParteiAI American Independent PartyC Constitution PartyCons Conservative Party of New York StateD Demokratische ParteiG Green PartyI UnabhängigeIP Independence PartyL Libertarian PartyRef Reform PartyR Republikanische ParteiPF Peace and Freedom PartyS Socialist PartySW Socialist Workers Party
Alabama rechts|Alabama: Kongress-Wahlkreise Bezirk Amtsinhaber Partei Gewählt Status 2006 ResultatAL 1 Jo Bonner Republikaner 2002 Wiedergewählt Jo Bonner (R) 68,1 % Vivian Beckerle (D) 31,8 %AL 2 Terry Everett Republikaner 1992 Wiedergewählt Terry Everett (R) 69,5 %Chuck James (D) 30,4 %AL 3 Mike D. Rogers Republikaner 2002 Wiedergewählt Mike D. Rogers (R) 59,4 % Greg Pierce (D) 38,5 % Mark Layfield (I) 2,1 %AL 4 Robert Aderholt Republikaner 1996 Wiedergewählt Robert Aderholt (R) 70,2 % Barbara Bobo (D) 29,7 %AL 5 Robert E. Cramer Demokrat 1990 Wiedergewählt Robert E. Cramer (D) ohne Gegenkandidat AL 6 Spencer Bachus Republikaner 1992 Wiedergewählt Spencer Bachus (R) ohne Gegenkandidat AL 7 Artur Davis Demokrat 2002 Wiedergewählt Artur Davis (D) ohne Gegenkandidat
Alaska Bezirk Amtsinhaber Partei Gewählt Status 2006 Result AK At Large Don Young Republikaner 1973 Wiedergewählt Don Young (R) 56,6 % Diane Benson (D) 40,0 % Alexander Crawford (L) 1,7 % Eva Ince (G) 0,8 % Bill Ratigan (I) 0,7 %
Arizona rechts|Arizona: Kongress-Wahlkreise
Bezirk Amtsinhaber Partei Gewählt Status ResultatAZ 1 Rick Renzi Republikaner 2002 Wiedergewählt Rick Renzi (R) 51,8 %Ellen Simon (D) 43,4 %David Schlosser (L) 4,8 %AZ 2 Trent Franks Republikaner 2002 Wiedergewählt Trent Franks (R) 58,6 %John Thrasher (D) 38,9 %Powell Gammill (L) 2,5 %AZ 3 John Shadegg Republikaner 1994 Wiedergewählt John Shadegg (R) 59,3 %Don Chilton (D) 38,2 %Mark Yannone (L) 2,5 %AZ 4 Ed Pastor Demokrat 1990 Wiedergewählt Ed Pastor (D) 72,5 %Don Karg (R) 23,9 %Ronald Harders (L) 3,6 %AZ 5 J. D. Hayworth Republikaner 1994 Abgewählt Harry Mitchell (D) 50,4 %J. D. Hayworth (R) 46,4 %Warren Severin (L) 3,1 % AZ 6 Jeff Flake Republikaner 2000 Wiedergewählt Jeff Flake (R) 74,8 %Jason Blair (L) 25,2 % AZ 7 Raúl Grijalva Demokrat 2002 Wiedergewählt Raúl Grijalva (D) 61,1 %Ron Drake (R) 35,4 %Joe Cobb (L) 3,6 % AZ 8 Jim Kolbe Republikaner 1984 Nicht mehr angetreten – Demokratischer Sieg Gabrielle Giffords (D) 54,3 %Randy Graf (R) 42,1 %David Nolan (L) 1,9 %Jay Quick (I) 1,7 %
Arkansas rechts|Arkansas: Kongress-Wahlkreise
Bezirk Amtsinhaber Partei Gewählt Status ResultatAR 1 Marion Berry Demokrat 1996 Wiedergewählt Marion Berry (D) 69,2 % Mickey Stumbaugh (R) 30,8 %AR 2 Vic Snyder Demokrat 1996 Wiedergewählt Vic Snyder (D) 60,5 %Andy Mayberry (R) 39,5 %AR 3 John Boozman Republikaner 2000 Wiedergewählt John Boozman (R) 62,4 %Woodrow Anderson (D) 37,6 %AR 4 Mike Ross Demokrat 2000 Wiedergewählt Mike Ross (D) 74,5 %Joe Ross (R) 25,5 %
Colorado rechts|Colorado: Kongress-Wahlkreise
Bezirk Amtsinhaber Partei Gewählt Status ResultatCO 1 Diana DeGette Demokrat 1996 Wiedergewählt Diana DeGette (D) 79,8 %Tom Kelly (G) 20,2 %CO 2 Mark Udall Demokrat 1998 Wiedergewählt Mark Udall (D) 68,3 %Rich Mancuso (R) 28,3 %Norm Olsen (L) 2,2 %Joe Calhoun (G) 1,3 %CO 3 John Salazar Demokrat 2004 Wiedergewählt John Salazar (D) 61,6 % Scott Tipton (R) 36,5 %Bob Sargent (L) 1,9 %CO 4 Marilyn Musgrave Republikaner 2002 Wiedergewählt Marilyn Musgrave (R) 45,6 %Angie Paccione (D) 43,1 %Eric Eidsness (Ref) 11,3 %CO 5 Joel Hefley Republikaner 1986 Nicht mehr angetreten Doug Lamborn (R) 59,6 %Jay Fawcett (D) 40,4 % CO 6 Tom Tancredo Republikaner 1998 Wiedergewählt Tom Tancredo (R) 58,6 %Bill Winter (D) 39,9 %Jack Woehr (L) 1,5 % CO 7 Bob Beauprez Republikaner 2002 Nicht mehr angetreten (Kandidatur für das Gouverneursamt) Ed Perlmutter (D) 54,9 %Rick O’Donnell (R) 42,1 %Dave Chandler (G) 1,6 %Roger McCarville (C) 1,4 %
Connecticut rechts|Connecticut: Kongress-Wahlkreise
Bezirk Amtsinhaber Partei Gewählt Status Resultat CT 1 John Larson Demokrat 1998 Wiedergewählt John Larson (D) 74,5 %Scott MacLean (R) 25,5 % CT 2 Rob Simmons Republikaner 2000 Abgewählt Joe Courtney (D) 50,02 %Rob Simmons (R) 49,98 % CT 3 Rosa DeLauro Demokrat 1990 Wiedergewählt Rosa DeLauro (D) 76,0 %Joseph Vollano (R) 22,4 %Daniel Sumrall (G) 1,6 % CT 4 Christopher Shays Republikaner 1987 Wiedergewählt Christopher Shays (R) 50,9 % Diane Farrell (D) 47,6 %Phil Maymin (L) 1,5 % CT 5 Nancy Johnson Republikaner 1982 Abgewählt Chris Murphy (D) 56,5 %Nancy Johnson (R) 43,5 %
Delaware Bezirk Amtsinhaber Partei Gewählt Status Resultat DE At Large Michael Castle Republikaner 1992 Wiedergewählt Michael Castle (R) 57,2 %Dennis Spivack (D) 38,8 % Karen Hartley-Nagle (IPD) 2,2 %Michael Berg (G) 1,8 %
Florida rechts|Florida: Kongress-Wahlkreise