Am 7. November 2006 fanden Wahlen zum Senat der Vereinigten Staaten statt. Es standen 33 der 100 Sitze zur Wahl (Klasse I). Die Demokraten konnten die Mehrheit den Republikanern abnehmen. Die Wahlen waren ein Teil der Halbzeitwahlen zwischen den Wahlen zum Präsidenten.
Die Amtszeit des 110. Senats dauerte vom 4. Januar 2007 bis zum 3. Januar 2009.
Zu Veränderungen nach der Wahl siehe auch Liste der Mitglieder des Senats im 110. Kongress der Vereinigten Staaten.
Ausgangslage mini|320px|Offene Senatssitze in den Kongresswahlen 2006
Im 109. Senat hatten die Republikaner mit 55 Sitzen vor den oppositionellen Demokraten mit 44 Sitzen die Mehrheit. Ein Sitz wurde von einem Parteilosen gehalten, der jedoch regelmäßig mit den Demokraten stimmte.
Von den zur Wahl stehenden Sitzen wurden 17 von Demokraten und 15 von Republikanern gehalten. Um im Senat die Mehrheit zu erhalten, mussten die Demokraten somit 6 zusätzliche Sitze gewinnen, wobei die unabhängigen Kandidaten Joe Lieberman aus Connecticut und Bernie Sanders aus Vermont bereits vor der Wahl angekündigt hatten, im Falle ihres Sieges eine Fraktion („caucus“) mit den Demokraten einzugehen.
Andererseits konnten die Republikaner ohne Wirkung auf die Mehrheitsverhältnisse bis zu 5 Sitze verlieren, da Dick Cheney als Vizepräsident der Vereinigten Staaten und Präsident des Senats bei Stimmengleichheit die für die Republikaner entscheidende Stimme gibt. Da aber aufgrund der Geschäftsordnung des Senats eine „arbeitsfähige“ Mehrheit – ausreichend Stimmen, um einen Filibuster zu beenden – erst mit 60 Stimmen gegeben ist, gab es für beide Parteien Anreize, um jeden zur Wahl stehenden Sitz zu kämpfen.
Noch stärker als im Repräsentantenhaus gilt auch im Senat die Erfahrung, dass derzeitige Amtsinhaber schwer zu besiegen sind. Entsprechend sind auch hier die umstrittensten Sitze solche, deren derzeitiger Inhaber nicht erneut zur Wahl antritt oder erst einmal gewählt wurde. Im Vorfeld der Wahlen galten laut Cook Political Report2006 SENATE RACE RATINGS, PDF-Datei, Archivlink abgerufen am 16. November 2022 die Staaten Missouri, Montana, Ohio, Pennsylvania, Rhode Island, Virginia, Tennessee, New Jersey, Maryland, Arizona, Michigan, Washington und Minnesota als wahlentscheidend. Die restlichen 20 Staaten galten als solide republikanisch oder demokratisch. In Connecticut sollte sich die Wahl zwischen dem unabhängigen Kandidaten Lieberman und dem Demokraten Lamont entscheiden. Die Wahl des unabhängigen Kandidaten Sanders in Vermont galt dem Politikinstitut zufolge als sicher.
In den Kongresswahlen 2006 gab es vier Sitze, deren Amtsinhaber nicht neu kandidierten: Mark Dayton für Minnesota (Demokrat), Bill Frist für Tennessee (Republikaner), Jim Jeffords für Vermont (Parteilos) und Paul Sarbanes für Maryland (Demokrat).
Insgesamt wurde ein Sieg der Demokraten für möglich, aber unwahrscheinlich gehalten.
Wahlergebnisse Zusammenfassung Nach der Wahl 2006 gehörten der republikanischen Fraktion 49 und der demokratischen Fraktion 51 Mitglieder.
Zwar kam die Demokratische Partei nach den Wahlen nur auf 49 Sitze, doch werden sich ihr im Senat zwei als Unabhängige ins Rennen gegangene Kandidaten anschließen. So wird der Senator Bernie Sanders, der keiner Partei angehört, Mitglied der demokratischen Fraktion sein. Senator Joe Lieberman kandidierte als unabhängiger Kandidat, nachdem er die parteiinternen Vorwahlen der Demokraten in Connecticut verlor, ist jedoch weiterhin Mitglied der Demokratischen Partei und wird ebenso der Fraktion der Demokraten angehören. Gegen Ende kam es im Senatsrennen auf die Mehrheitsverhältnisse in den Staaten Montana und Virginia an. Zuvor stand es 49 Sitze für die Republikaner zu 49 Sitze für die Demokraten (inkl. Sanders und Lieberman). Letztendlich kippte die Mehrheit in beiden umkämpften Staaten zugunsten der demokratischen Bewerber. Die Entscheidung in Virginia war dabei so eng, dass der unterlegene Kandidat der Republikaner George Allen per Gesetz hätte eine Nachzählung verlangen können, jedoch darauf verzichtete.
Den Demokraten gelang es somit in sechs Staaten den republikanischen Amtsinhaber zu schlagen, nämlich in Rhode Island, Pennsylvania, Missouri, Ohio, Montana und Virginia. Dabei erregten insbesondere die Niederlagen der beiden republikanischen Schwergewichte Rick Santorum in Pennsylvania und Allen in Virginia nationales Aufsehen. Beide hatten eine Kandidatur für die Präsidentschaft im Jahr 2008 erwogen und insbesondere George Allen galt als sichere Bank. Er schwächte sich aber durch unüberlegte Bemerkungen im Wahlkampf, die als rassistisch angesehen wurden, selbst.
Gesamtergebnisse Partei Letzte Wahl Feste SitzeSitze, die aufgrund des gestaffelten Wahlsystems dieses Jahr nicht zur Abstimmung stehen Gewonnen Ergebnis VeränderungRepublikaner5540949−6Demokraten44272249+5AndereDer unabhängige Kandidat Bernie Sanders wurde als Senator für den Bundesstaat Vermont gewählt. Die Demokratische Partei verzichtete hier auf die Aufstellung eines Gegenkandidaten. Der neu gewählte Senator Joe Lieberman ist als unabhängiger Kandidat gegen die Kandidaten der Demokratischen und der Republikanischen Partei angetreten. Beide werden jedoch der Demokratischen Fraktion („caucus“) im neu konstituierten Senat angehören. 1-22+1
siehe auch: Liste der Mitglieder des Senats im 110. Kongress der Vereinigten Staaten
Wahlergebnis nach Bundesstaaten Bundesstaat Republikaner Demokraten Andere Stimmen Anteil Stimmen Anteil Stimmen Anteil Arizona814.39353 %664.13744 %48.2303 % Connecticut 109.196 10 % 450.837 40 % 574.729 50 % Delaware 69.734 29 % 170.567 70 %2.6711 % Florida1.826.12738 %2.890.54860 %76.859 2 % Hawaii 126.075 37 % 210.311 61 %6.412 2 % Indiana1.171.25687 %-- 169.424 13 % Kalifornien 2.817.841 35 % 4.757.569 59 % 437.922 6 % Maine 394.578 74 % 108.857 21 % 27.586 5 % Maryland 684.618 44 % 855.563 54 % 24.914 2 % Massachusetts 658.374 31 % 1.497.304 69 % - - Michigan 1.560.297 41 % 2.151.087 57 %69.263 2 % Minnesota 835.670 38 % 1.278.911 58 % 88.245 4 % Mississippi 375.307 64 % 205.518 35 % 9.099 2 % Missouri 987.383 47 % 1.028.920 49 % 65.023 4 % Montana 195,456 48 % 198.304 49 %10.324 3 % Nebraska 210.826 36 % 371.334 64 % - - Nevada 322.366 55 % 238.663 41 % 21.263 4 % New Jersey 975.389 45 % 1.162.054 53 % 49.869 2 % New Mexico 163.732 29 % 394.079 71 % 376 0 % New York 1.328.423 31 % 2.816.714 67 % 86.681 2 % North Dakota 64.304 29 % 149.936 69 %3.5822 % Ohio 1.680.999 44 % 2.133.690 56 % - - Pennsylvania 1.652.420 41 % 2.343.727 59 % - - Rhode Island 178.548 47 % 205.274 53 % - - Tennessee 927.343 51 % 877.716 48 % 23.663 1 % Texas 2.659.380 62 % 1.554.483 36 % 97.622 2 % Utah 344.416 63 % 169.369 31 % 36.190 6 % Vermont 84.517 32 % - - 176.422 68 % Virginia 1.165.324 49 % 1.172.541 50 % 26.102 1 % Washington 818.593 40 % 1.160.157 57 % 65.073 3 % West Virginia 153.001 34 % 293.605 64 % 8.473 2 % Wisconsin 629.127 30 % 1.436.623 67 % 66.704 3 % Wyoming 134.942 70 % 57.640 30 % - -
Einzelne Senatsrennen Connecticut mini|110px|links|Joe Lieberman mini|100px|Ned Lamont
Der ehemals demokratische Amtsinhaber Joe Lieberman trat als Unabhängiger an, da er in den Vorwahlen seiner Partei am 8. August 2006 Ned Lamont unterlag. Lieberman stand in der Demokratischen Partei für seine Unterstützung des Irakkriegs unter massiver Kritik. Für die Republikaner trat Alan Schlesinger an.
Lieberman setzte sich am Ende mit 50 % der Stimmen durch. Auf Lamont entfielen 40 % der Stimmen und auf Schlesinger 10 % der Stimmen. Viele Republikaner gaben hierbei Lieberman ihre Stimme. Der Republikaner Schlesinger war von Beginn an chancenlos und konnte auch nicht auf die Unterstützung seiner Partei hoffen. Trotzdem gehörte Lieberman in der Folge der Fraktion der Demokraten an.
Missouri mini|115px|links|Claire McCaskill mini|100px|Jim Talent
Der Republikaner Jim Talent hatte sich im Jahr 2002 bei einer Sonderwahl knapp gegen die demokratische Amtsinhaberin Jean Carnahan durchgesetzt. Ihr Ehemann Mel Carnahan war kurz vor der Senatswahl im Jahr 2000 bei einem Flugzeugabsturz gestorben, errang aber trotzdem mehr Stimmen als John Ashcroft. Daraufhin war seine Frau zur Senatorin ernannt worden.
Für die Demokratische Partei trat Claire McCaskill gegen Talent an. Themenschwerpunkte im Wahlkampf waren ein Referendum über Stammzellenforschung sowie eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns. Senator Talent sprach sich gegen die Stammzellenforschung und Mindestlohnerhöhung aus, während seine demokratische Herausforderin beide Vorschläge befürwortete. In einem Wahlkampfspot für McCaskill sprach sich auch der unter der Parkinson-Krankheit leidende Schauspieler Michael J. Fox für die Legalisierung der Stammzellenforschung aus.
Das Rennen gehörte zu den spannendsten und ausgeglichensten. Beide Bewerber lagen laut Umfragen vor der Wahl gleichauf. Schließlich setzte sich McCaskill gegen Talent mit einer Stimmenverteilung von 50 % zu 47 % durch.
Montana mini|100px|links|Jon Tester mini|100px|Conrad Burns
Der republikanische Amtsinhaber Conrad Burns gewann die Wahl im Jahr 2000 vor dem Demokraten Brian Schweitzer, dem späteren Gouverneur Montanas, hauchdünn mit 3 % Vorsprung, obwohl George W. Bush bei der gleichzeitigen Präsidentschaftswahl Montana mit über 20 % Vorsprung für sich entschied. Zusammen mit den vermeintlichen Verwicklungen von Burns in die Jack-Abramoff-Affäre und dem Erstarken der Demokratischen Partei in Montana entwickelte sich zunehmend eines der wichtigsten Rennen dieses Jahres. Gegen Burns trat der demokratische Vorsitzende des Senats von Montana, Jon Tester, an.
Lange Zeit war der Ausgang des Rennens völlig offen. Doch auch hier konnte sich der demokratische Bewerber Tester gegen den Amtsinhaber Burns mit einem hauchdünnen Vorsprung durchsetzen.
New Jersey mini|90px|links|Bob Menendez
Der Demokrat Jon Corzine, der im Jahr 2000 den Senatssitz für New Jersey gewonnen hatte, wurde 2005 zum Gouverneur des Staates gewählt. Corzine ernannte den Abgeordneten des Repräsentantenhauses, Bob Menendez, zu seinem Nachfolger. Für die Republikaner trat Thomas Kean Jr., der Sohn des ehemaligen Gouverneurs von New Jersey, Thomas Kean, an. Das Rennen galt als eines der wichtigsten dieses Jahres und stellte für die Republikaner die wahrscheinlich einzige Möglichkeit dar, den Demokraten einen Sitz im Senat abzunehmen. Hatte Kean im Sommer in einigen Umfragen noch einen Vorsprung gegenüber Menendez, wendete sich Anfang Oktober das Blatt zugunsten des Demokraten. New Jersey gilt als demokratische Hochburg und stimmte zuletzt 1972 für einen republikanischen Senatskandidaten. Am Ende konnte sich Menendez durchsetzen.
New York mini|100px|Hillary Clinton
Amtsinhaberin Hillary Clinton, die Ehefrau des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, konnte sich klar gegen den Republikaner und Bürgermeister der Stadt Yonkers, John Spencer, durchsetzen. Obwohl bereits vor der Wahl abzusehen war, dass Clinton wiedergewählt würde, rief das Rennen der ehemaligen First Lady ein reges Medieninteresse hervor. Allerdings war weniger die Senatorin Clinton als die mögliche Präsidentschaftskandidatin für die Präsidentschaftswahl 2008 von Interesse. Während Clinton sich bedeckt hielt und dies nur nicht ausschließen wollte, hob Spencer hervor, dass er keine Ambitionen zur Präsidentschaft hätte und im Gegensatz zu Clinton volle sechs Jahre im Senat bleiben wolle.
Ohio Die Chancen zur Wiederwahl von Senator Mike DeWine wurden durch eine Korruptionsaffäre der Republikanischen Partei in Ohio sowie die geringe Popularität des republikanischen Gouverneurs Bob Taft beeinträchtigt. Kandidat der Demokraten war der Abgeordnete im Repräsentantenhaus, Sherrod Brown. Dieser gewann letztlich die Wahl.
Pennsylvania