Wusterhausen/Dosse ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg (Deutschland). Wusterhausen erhielt 1233 das Stadtrecht verliehen und hat den Status einer Titularstadt bis heute beibehalten.

Geografie Die Gemeinde liegt im Südwesten des Landkreises Ostprignitz-Ruppin zwischen dem Ruppiner Land im Osten und der Prignitz im Westen. Die Dosse durchfließt von Nordosten in südwestlicher Richtung über die gesamte Länge das Gemeindegebiet.

Auf dem mit 195 Quadratkilometern recht großen Gemeindegebiet wurden der Bückwitzer See, der Große Blankenberger See sowie ein Feuchtgebiet und Waldareal zwischen Wusterhausen und Plänitz-Leddin als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Daneben bestehen auf der Gemarkung das Landschaftsschutzgebiet Kyritzer Seenkette mit dem Untersee (auch Bantikower See genannt) und ein Wald südlich von Segeletz im Naturpark Westhavelland.

Nachbargemeinden Im Süden grenzt Wusterhausen an Friesack und an Dreetz. Im Westen liegt Neustadt (Dosse), im Nordwesten Kyritz und im Nordosten Temnitzquell und Walsleben. Im Osten sind Märkisch Linden und im Südosten Temnitztal benachbart.

Gemeindegliederung Nach ihrer Hauptsatzung hat die Gemeinde Wusterhausen/Dosse folgende Ortsteile: Bantikow, Barsikow, Blankenberg, Brunn, Bückwitz, Dessow, Emilienhof, Ganzer, Gartow, Kantow, Läsikow, Lögow, Metzelthin, Nackel, Schönberg, Sechzehneichen, Segeletz, Tornow, Tramnitz, Trieplatz, Wulkow und Stadt Wusterhausen/Dosse.

Wohnplätze sind Bückwitz-Ausbau, Heilbrunn, Klempowsiedlung, Plänitzer Siedlung und Reihereck.Dienstleistungsportal der Landesverwaltung / Kommunen / Landkreis Ostprignitz-Ruppin / Gemeinde Wusterhausen/Dosse

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Bantikow 31. Dezember 1997 Barsikow 1. Juli 2001 Blankenberg 31. Dezember 1997 Brunn 31. Dezember 1997 Bückwitz 1. Juli 2001 Dessow 1. Juli 2001 Ganzer 31. Dezember 1997 Gartow 1. Mai 1997 Kantow 31. Dezember 1997 Läsikow 1. August 1954 Eingemeindung nach Nackel Lögow 31. Dezember 1997 Metzelthin 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Bückwitz Nackel 1. Juli 2001 Schönberg 31. Dezember 1997 Sechzehneichen 1. Juli 1973 Eingemeindung nach Bantikow Segeletz 27. September 1998 Tornow 1928 Eingemeindung nach Sechzehneichen Tramnitz 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Schönberg Trieplatz 31. Dezember 1998 Wulkow 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Schönberg

Geschichte Frühzeit Bereits für die Steinzeit wurde die älteste Besiedlung im Areal des Horstberges nachgewiesen. Später siedelte dort der slawische Stamm der Doxanen, der an der Dosse lebte. Auch im Bereich Tornow deuten einige Bodendenkmale (Gräberfeld, Wohnsiedlung von Slawen) auf eine entsprechende sehr frühe Besiedlung hin.

Im Stadtkern von Wusterhausen wurden im Frühjahr 2006 Teile eines slawischen Gräberfeldes archäologisch untersucht. Insgesamt konnten fast 70 Bestattungen vollständig ausgegraben werden, darunter zwei reich ausgestattete Kammergräber mit Schwertbeigabe. Die Skelette wurden durch die Anthropologin Bettina Jungklaus untersucht. Die vergleichsweise niedrige Kindersterblichkeit und hohe Lebenserwartung geben Hinweise auf eher günstige Lebensumstände. Die Ernährung bestand vermutlich überwiegend aus Getreideprodukten mit einem erheblichen Anteil an tierischen Lebensmitteln. Häufiger waren Spuren chronischer Atemwegsinfekte, die möglicherweise mit der Wohnweise in Häusern mit offener Herdstelle im Zusammenhang stehen.

Mittelalter mini|hochkant|Fachwerkhaus am Markt mini|hochkant|Turm von St. Peter und Paul Im Jahr 1232 wurde Wusterhusen erstmals urkundlich erwähnt. In dem Dokument wurde festgestellt, dass „ein umfassendes Gebiet um Kyritz und Wusterhausen den edlen Herren von Plotho gehört“. Vermutlich um 1250 verliehen die Herren von Plotho Wusterhausen das Stendaler Stadtrecht. Aufgrund der archäologischen Holzfunde, die während der Sanierung des Kirchplatzes und der Alten Poststraße im März des Jahres 2006 gemacht wurden, lässt sich die Existenz dieses historischen Weges bis auf das Jahr 1245 zurückverfolgen.

1250 begann der erste Bauabschnitt zur Erweiterung der Stadtkirche zu einer romanischen Basilika, weil der Andachtsraum in der Plothoburg auf dem Burgwall zu klein wurde.Superintendent Röhricht im Ruppiner Kreiskalender von 1920 Aufgrund der steigenden Einnahmen aus dem blühenden Salzhandel in der Stadt war es möglich, die Kirche bis zum Jahre 1474 zu einer dreischiffigen gotischen Hallenkirche zu erweitern. Es existiert die noch nicht bestätigte Theorie, dass der Turm der Stadtkirche ehemals ein befestigter Wehrturm der früheren Stadtanlage gewesen sei.

In einer Urkunde aus dem Jahr 1293 wurde ausdrücklich das „feste Haus“ (Castrum) in Wusterhausen erwähnt. Dies gilt als Beweis dafür, dass die Stadt in der Lage war, sich hinter einer Wallanlage vor feindlichen Übergriffen zu schützen. Bald darauf überließ der Markgraf das Dorf Klempow mit dem dazugehörigen See und dem Bückwitzsee der Stadt Wusterhausen.

Das Hospital Zum heiligen Geist (heute Seniorenheim) in der Borchertstraße auf Höhe des Wildberger Stadttors wurde 1307 zum ersten Mal erwähnt. Markgraf Waldemar von Brandenburg hielt sich 1317 in der Stadt auf und verpfändete die Stadt mit acht umliegenden Dörfern an die Grafen von Lindow-Ruppin. Diese übertrugen 1325 der Stadt die obere und niedere Gerichtsbarkeit.

Um 1400 begann ein intensiver Salzhandel, wodurch die Stadt zu Reichtum und überregionaler Bedeutung gelangte. Das Salz kam aus Lüneburg in offenen Holzkähnen über die Elbe, die Havel und die Dosse bis nach Wusterhausen. Die engen Handelsbeziehungen mit dem Hansebund lassen sich noch heute anhand der Kronleuchter im Kirchenschiff belegen, die ein Geschenk der Hanse sind.

Die Stadt liegt auf dem Pilgerweg Berlin–Wilsnack zur Wunderblutkirche in Bad Wilsnack. In den Jahren 1400 bis 1541 machten hunderte von Pilgern täglich Rast in der Stadt, was der Stadt- und Kirchenkasse nochmals erhebliche Geldeinnahmen bescherte.

Reformationszeit Am 29. Juni 1479 wurde der Hauptaltar in der neuen Hallenkirche geweiht, und die Stadtkirche erhielt ihren Namen Sankt Peter und Paul. 1524 kam Wusterhausen als Teil der Herrschaft Ruppin an die Mark Brandenburg, wurde zur kurfürstlichen Immediatstadt (d. h. Stadt, die keiner lokalen oder regionalen Adelsherrschaft untersteht wie eine Mediatstadt, sondern sich in einem unmittelbaren Verhältnis zum Landesherrn befindet) ernannt und direkt dem regierenden Kurfürsten unterstellt. 1541 bekannte sich die Kirchengemeinde der Stadt zu den Thesen Martin Luthers und wurde evangelisch.

1560 hob der Kurfürst die Salzgerechtigkeit, also den Salzhandel auf, da er einheimisches Steinsalz bei Beelitz fördern ließ. Die sprudelnde Geldeinnahmequelle versiegte nun, die Stadt verlor an Bedeutung. Wusterhausen wandelte sich zur Handwerker- und Ackerbürgerstadt. Die ersten Gildebriefe für die Gewerke der Leineweber und Stellmacher wurden 1615 ausgestellt. – Die Pest wütete 1618–1648 in der Stadt. Es gab eine große Zahl an Pestkranken und -toten. Die toten Körper wurden in der Stephanus-Kapelle auf dem Stadtfriedhof gelagert und gesondert beigesetzt.

Stadtbrände 1638 breitete sich ein erster großer Stadtbrand aus. Dem flammenden Inferno fiel fast die ganze Stadt einschließlich des alten Rathauses auf dem Marktplatz zum Opfer. Das Städtchen hatte sich gerade vom Stadtbrand vor 41 Jahren erholt, da schlugen 1679 abermals Feuersbrünste zu und legten ein Drittel der Stadt in Schutt und Asche. Wusterhausen musste 1685–1688 aufgrund der verheerenden Stadtbrände und der Belagerung verschiedener Armeen Konkurs anmelden. Nach den ersten wirtschaftlichen Aufschwüngen trat 1758 der nächste Brand auf. Er wurde durch die Glut einer Pfeife des Ackerbürgers Michel Hilgendorff ausgelöst. Bei diesem Brand wurde Wusterhausen zu zwei Dritteln zerstört, dabei wurden 169 Wohnhäuser ein Raub der Flammen. Die einzigen erhaltenen Gebäude befinden sich in der heutigen Kyritzer Straße. Nur sechs Jahre später brannte am 17. Mai 1764 der achteckige Spitzhelm des Kirchturms durch Blitzschlag nieder. Die Glocken und die Kirchturmuhr zerschmolzen in der Hitze. Das innere Gewölbe des Turmes brach zusammen und wurde erst 1996 auf Initiative Wusterhausener Bürger repariert. Seit dem Brand wird der Turm durch einen kleinen Pyramidenhelm abgeschlossen.

Neuzeit mini|Rittergut Brunn um 1860, Sammlung Alexander Duncker 1796–1806 erlebte die Stadt einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung durch die Stationierung einer Eskadron Kürassiere, genannt „Gelbe Reiter“. 1800 zählte Wusterhausen 185 Handel- und Gewerbetreibende, allein 59 Schuster und 38 Ackerbürger. Die Gewerke der Schuster, Tuchmacher, Schneider und Leineweber lebten in dieser Zeit fast ausschließlich von der Arbeit für die in der Stadt angesiedelte Garnison. Die große Anzahl an Schuhmachern brachte der Stadt schon bald den Spottnamen „Schusterhausen“ ein.

1806 verließen die „Gelben Reiter“ die Stadt. Im gleichen Jahr 1806 wurde jedoch eine Bürgergarde zu Fuß zur Verteidigung Wusterhausens gegründet. 1839 erfolgte die Neugründung der im Jahre 1713 entstandenen Schützengilde. Teile der 4. Eskadron des Ulanen-Regiments Nr. 11 wurden 1860 in Wusterhausen stationiert, aber bereits 1875 wieder verlegt. Damit endete der wirtschaftliche Aufschwung Wusterhausens nach knapp siebzig Jahren, und die Stadt wurde abermals zur Ackerbürgerstadt. 1879 wurde das Amtsgericht Wusterhausen/Dosse eingerichtet.

1884 eröffnete in der Berliner Straße das kaiserliche Postamt. Die Post zog damit aus der Posthalterei am Markt Nr. 3 (heute Haus des Heimatmuseums) in den Neubau. Im Jahr 1887 erhielt Wusterhausen mit der Fertigstellung der Eisenbahnstrecke Neustadt (Dosse)–Pritzwalk eine neue Verkehrsanbindung. Ursprünglich sollte bereits 1844 die Trasse der Eisenbahnstrecke Berlin–Hamburg durch Wusterhausen führen. Aufgrund der Bedenken und des ablehnenden Verhaltens der städtischen Ratsherren wurde der Streckenverlauf über den Nachbarort Neustadt/Dosse realisiert. 1894 wurde die Freiwillige Feuerwehr der Stadt gegründet und erhielt Räumlichkeiten auf der Nordseite des Rathauses im Gefängnisanbau.

Das erstmals 1306 erwähnte Hospital wurde 1897 abgetragen und mit Spenden des in Wusterhausen geborenen Industriellen Wilhelm Christof Borchert neu aufgebaut. Zu Ehren des Spenders wurde die Straße in Borchertstraße umbenannt. Eine Erweiterung des Hospitals erfolgte im Jahre 1997.

1905 wurde die neue Stadtschule gebaut. Die alte Stadtschule befand sich an der Nordseite der St. Peter- und Paulskirche im ehemaligen Gebäude der Kalandsbruderschaft, das um ca. 1906 abgerissen wurde, da kein Bedarf mehr für die Räumlichkeiten bestand. 1919 erfolgte die Gründung des Sport-Clubs Wusterhausen e. V. 1919 mit seinen Disziplinen Fußball und Leichtathletik. (SCW e. V. 1919)

Zeit des Nationalsozialismus Zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft beging Wusterhausen 1933 mit einem Jahr Verspätung das 700-jährige Jubiläum der Ersterwähnung des Ortes. Höhepunkt des antisemitischen Wahns in dieser Zeit war die Teerung und Federung einer „Halbjüdin“ auf dem Marktplatz, nachdem der nationalsozialistisch gesinnte Pfarrer im Sonntagsgottesdienst die Durchführung des Pogroms sinngemäß von der Kanzel gepredigt haben soll. Ebenfalls fand eine Bücherverbrennung an den Schwenzewiesen (B 5 in Richtung Kampehl) durch Wusterhausener Bürger statt.

Nachkriegszeit Am 1./2. Mai 1945 marschierte die Rote Armee in das im Zweiten Weltkrieg nahezu unversehrt gebliebene Wusterhausen ein. Der Stadtkommandant Pjotr Romaschkow übernahm die erste Verwaltung, bevor sie wieder deutschen Stellen übertragen wurde. 1949 entstand der DEFA-Film Die Brücke unter der Regie von Artur Pohl in Wusterhausen. Dieser Film befasst sich mit der Ankunft und dem Sesshaftwerden von Kriegsflüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in einer vom Krieg unversehrten Kleinstadt.