Der Regensburger Preis für Essayistik ist ein Literaturpreis, der von der Stiftung zur Förderung der Essayistik in Kooperation mit der Stadt Regensburg vergeben wird. Mit ihm werden herausragende Essays gewürdigt, die in deutscher Sprache „sowie im Geist des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland“ verfasst wurden. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wird seit 2019 vergeben.
Ein direkter Vorgänger des Preises war der Friedrich-Märker-Preis für Essayisten. Er wurde von 1986 bis 2002 jährlich von der Stiftung zur Förderung des Schrifttums in München vergeben.
Stiftung zur Förderung des Schrifttums (seit 1950) Im Jahr 1950 begründete der bayerische Schriftsteller Friedrich Märker (1893–1985) die Stiftung zur Förderung des Schrifttums e. V. Bis 1952 war er selbst deren Präsident.Konrad Zrenner: Rassistisches und nationalsozialistisches Gedankengut im Werk Friedrich Märkers – Eine biografische Studie. Gutachten für die Stiftung zur Förderung des Schrifttums e.V. Regensburg, 2018 (PDF; 590 KB), S. 63.
Die Stiftung vergab einen Literaturpreis, auch „Dichterpreis“ genannt. Der Dichterpreis wurde durch den Bayerischen Rundfunk gefördert und war mit 5000 DM dotiert. Zu den Preisträgern gehörten u. a. Uwe Dick, Marieluise Fleißer, Leonhard Frank, Wolfgang Koeppen, Max Peinkofer, Ruth Rehmann, Paula Schlier und Siegfried von Vegesack.
Außerdem vergab die Stiftung ab 1975 den undotierten Silbergriffel „für besondere Verdienste um die Vermittlung und Verbreitung des Schrifttums“.Regensburger Preis für Essayistik im Literaturportal Bayern.
Die Stiftung zur Förderung des Schrifttums e. V. fungiert heute als Treuhänder und Verwalter der seit 2019 existierenden Regensburger Stiftung zur Förderung der Essayistik. Die 1950 gegründete Stiftung bestimmt nach ihrer Satzung auch nach wie vor das Gremium, das über die Preisvergaben entscheidet. Der Name des Vereins aus der Nachkriegszeit wurde beibehalten, um die historische Kontinuität zu respektieren. Andererseits wurde er als „nicht mehr zeitgemäß“ empfunden und wird deshalb „nur noch in der Kommunikation mit den Aufsichtsbehörden“ verwendet.Über uns regensburger-preis-fuer-essayistik.de, siehe Kasten Die Stiftung zur Förderung des Schrifttums e. V.
Friedrich-Märker-Preis (1986 bis 2002) Friedrich Märker verfügte 1984 testamentarisch die Stiftung eines Literaturpreises für Autoren, die sich mit ihrem Werk um die Verwirklichung der Grundidee des Grundgesetzes verdient gemacht haben. Das Stiftungsvermögen stammte aus dem Verkauf seines Privatanwesens.Friedrich Märker regensburger-preis-fuer-essayistik.de
Nach Märkers Tod im Jahr 1985 wurde gemäß dem Testament der Friedrich-Märker-Preis für Essayisten geschaffen. Der Preis für Essayisten trat an die Stelle des oben genannten „Dichterpreises“. Er wurde erstmals im Jahr 1986 vergeben.
Anfangs wurde der Preis neben weiteren Ehrengaben vergeben. Die Dotierung betrug zuletzt 4000 Euro. Neben einzelnen Kulturschaffenden gehörten der Jury Vertreter des Bayerischen Rundfunks, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und des Tukan-Kreises an. 2002 wurde vorerst letztmals ein Preis verliehen. Dann trat eine Phase der Inaktivität ein.
Preisträger 1987 Martin Gregor-Dellin 1988 Horst Krüger 1989 Carl Amery 1990 Harald Weinrich 1991 Reinhard Baumgart 1992 Eva Hesse 1993 Karl Heinz Kramberg 1994 Wieland Schmied 1995 Rüdiger Safranski 1996 Christoph Dieckmann 1997 Hans Krieger 1998 Konrad Adam 1999 Peter Sloterdijk 2000 Erwin Chargaff 2001 Peter von Matt 2002 Anita Albus
Regensburger Preis für Essayistik (seit 2019) Stiftung zur Förderung der Essayistik Im Nachlass des Regensburger Bibliothekars Eberhard Dünninger (1934–2015) befanden sich etliche ungeöffnete Briefe, die nach Dünningers Anweisung an Bernhard Lübbers, den Direktor der Staatlichen Bibliothek Regensburg, übergeben wurden. Es stellte sich heraus, dass es Briefe an die Stiftung zur Förderung des Schrifttums waren, die Dünninger aus unbekannten Gründen nach 2002 nicht mehr geöffnet hatte, und dass in einer Bank ein Vermögen der Stiftung deponiert war, das in Vergessenheit geraten war.Hans Kratzer: Der Nachlass sueddeutsche.de, 22. März 2019.
Lübbers ließ rechtliche Fragen klären und ein Gutachten über die NS-Vergangenheit des Stiftungsgründers Friedrich Märker erstellen. Das 80 Seiten lange Gutachten lag im Jahr 2018 vor.Konrad Zrenner: Rassistisches und nationalsozialistisches Gedankengut im Werk Friedrich Märkers – Eine biografische Studie. Gutachten für die Stiftung zur Förderung des Schrifttums e.V. Regensburg, 2018 (PDF; 590 KB). Lübbers entschied in Absprache mit alten Stiftungsmitgliedern, den Essayistik-Preis im Sinne Märkers wiederzubeleben – mit denselben Zielen, aber mit einem neuen Namen und von einer neuen Stiftung getragen.
Mit dem noch vorhandenen Stiftungsvermögen gründete Lübbers die „Stiftung zur Förderung der Essayistik“ in Regensburg. Lübbers fungiert als Präsident.Über uns regensburger-preis-fuer-essayistik.de Die alte „Stiftung zur Förderung des Schrifttums“ blieb als Treuhänderin im Hintergrund erhalten.
Der Preis Im Jahr 2019 vergab die Stiftung zur Förderung der Essayistik erstmals den neuen, mit 5000 Euro dotierten „Regensburger Preis für Essayistik“. Die Stadt Regensburg unterstützt die Preisverleihung mit weiteren 5000 Euro.Der Regensburger Preis für Essayistik regensburger-preis-fuer-essayistik.de Für die Preisverleihung ist ein zweijähriger Turnus vorgesehen.Homepage regensburger-preis-fuer-essayistik.de
Preisträger 2019: Raoul Schrott 2022: Lisa Herzog (Verschiebung auf 2022 wegen der Corona-Pandemie) 2024: Sophie Schönberger (Preisverleihung krankheitsbedingt erst im Jahr 2025)
Weblinks Offizielle Website Regensburger Preis für Essayistik im Literaturportal Bayern
Einzelnachweise
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