mini|Fluss-Szene an der Lauter, Blickrichtung flussaufwärts

Lauterbach (Hessen) ist die Kreisstadt des mittelhessischen Vogelsbergkreises. Der Name der Stadt leitet sich von der Lauter ab, die durch die Stadt fließt.

Geografie Lauterbach liegt am nordöstlichen Rand des Vogelsbergs am Fuße des Hainigs etwa 25 km nordwestlich von Fulda. Gießen liegt ca. 50 km westlich von Lauterbach.

Nachbargemeinden Lauterbach grenzt im Norden an die Stadt Grebenau, im Nordosten an die Stadt Schlitz, im Osten an die Gemeinde Wartenberg, im Süden an die Stadt Herbstein sowie im Westen an die Gemeinden Lautertal und Schwalmtal.

Stadtgliederung Die Stadt besteht neben der Kernstadt Lauterbach aus den elf Stadtteilen Allmenrod, Blitzenrod, Frischborn, Heblos, Maar, Reuters, Rimlos, Rudlos, Sickendorf, Wallenrod und Wernges.

Geschichte mini|links|Lauterbach Hessen, Marktplatz etwa 1898 Mittelalter Wie viele Orte, deren Name mit „-bach“ endet, wurde Lauterbach in der fränkischen Rodungs- und Siedlungszeit (400–800 n. Chr.) gegründet.

Am 20. September 812 wurde die Siedlung erstmals in der Markbeschreibung der Stadtkirche Schlitz erwähnt, welche der heiligen Margareta von Antiochia geweiht war. Die Stelle im Codex Eberhardi, einem berühmt-berüchtigten Kopiar des Klosters Fulda,Franz Staab: Echte Termineiurkunden aus dem frühen Mittelalter und die Fälschungen Eberhars von Fulda. Sonderdruck aus: Fälschungen im Mittelalter. = Monumenta Germaniae Historica. Schriften. Band 13, III. Hannover 1988. S. 293–295. wurde um 1160 verfasst und lautet: „A lapideo ponte qui est inter lantenhusen et Zangeresbah usque ad fontem qui est in villa qui est in ungefures dicitur inde ad Sterrenrot ... deinde an Wigandes inde ad superiorem luterenbach.Ernst Friedrich Johann Dronke: Traditiones et antquitates Fuldenses. Fulda 1844. Kap. 18, S. 58.“ Übersetzung: „Von der steinernen Brücke zwischen lantenhusen und Zangersbach bis zum Brunnen in villa,das ungefures genannt wird, von dort nach SternrodeLutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 361. Der Ort lag südlich von Rudlos. ... dann nach WigandesDer Name der späteren Wüstung veränderte sich zu Weilands. Lutz Reichardt: Siedlungsnamen, S. 389 f. Die spätere Wüstung lag ca. 2 km von Lauterbach emtfernt. von dort nach Ober-Lauterbach.“ Eine Erwähnung eines „gut(es) zu Obernluternbach“ datiert von 1341 und findet sich in einem Weistum.Jacob Grimm: Weisthümer III. Bd. 1–6, Göttingen 1840-69. S. 528.

Im Mittelalter gehörte Lauterbach zum großen Territorium der Abtei Fulda. Die Äbte durften als Geistliche keine weltliche Gerichtsbarkeit ausüben und setzten zu diesem Zwecke Vögte ein. Seit dem 12. Jahrhundert besaßen daher die Grafen von Ziegenhain als Vögte den Ort als fuldisches Lehen. Diese wiederum setzten die bei Angersbach wohnenden Herren von Wartenberg als Untervögte ein. Als die Wartenberger im Jahre 1265 in einer Fehde zwischen Abt Bertho II. von Leibolz und Graf Gottfried V. von Ziegenhain die Seite des Vogts (Grafen) ergriffen, unterstützten die Lauterbacher den Abt. Abt Bertho war siegreich, zerstörte die Burg Wartenberg. Die Brüder Dietrich und Heinrich von Wartenberg wurden mit der Hälfte des Dorfes Lauterbach belehnt: „… medietatem ville nostre Luterenbach …“ Demnach war Siedlungsform von Lauterbach vor der Stadterhebung eine villa. Gemeinsam beabsichtigten der Abt und die Wartenberger Brüder hier auf gemeinsame Kosten eine Befestigung bzw. Stadt: „municionem sive opidum“ errichten. Diese neue Befestigung sollten die Herren von Wartenberg besetzen. Am 16. März 1266 erhielt Lauterbach die Stadtrechte.Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Band 2. Nr. 6, S. 3 f. Die von Wartenberg starben in der Mitte des 14. Jahrhunderts aus und die Stadt geriet als Erbe an die Familie der Riedesel.

Der Ortsname Lauterbach findet sich 1336 als „Lutirnbach“Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. Nr. 101, S. 28. sowie 1474 als „Luthermbach“ und 1476 als „Luterbach“.Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. Nr. 1200, S. 342 und Nr. 1267, S. 361. In der Sprachwissenschaft wird der Ortsname als „Siedlung am reinen, hell erscheinenden Bach“ gedeutet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 224 f.

Die Besitzverhältnisse an der Stadt waren in der Folge äußerst kompliziert, mehrere Male wurde Lauterbach verpfändet.

Neuzeit Im 15. und 16. Jahrhundert versuchte das Adelsgeschlecht der Riedesel – diesem gehörte bereits ein großer Teil des Umlands – Lauterbach in seinen Besitz zu bekommen. Hierdurch kam es zu ernsten Auseinandersetzungen mit der Abtei Fulda um den Besitz der Stadt. Der endgültige Bruch mit Fulda kam durch die Einführung der Reformation unter Hermann IV. Riedesel im Jahr 1527.

Erst durch einen Vertrag aus dem Jahr 1684 wurde Lauterbach offiziell als Lehen den Riedesel übertragen. Die Herrschaft der Riedesel bestand als selbständiger Kleinstaat (→ Herrschaft Riedesel) bis zur Mediatisierung 1806. In Lauterbach galten deshalb die Riedesel’schen Verordnungen als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit diese Verordnungen keine Bestimmungen enthielten. Dieses Sonderrecht behielt theoretisch seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, in der gerichtlichen Praxis wurden aber nur noch einzelne Bestimmungen angewandt. Das Partikularrecht wurde zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst., S. 29, Anm. 92 und S. 103, Anm. 14.

Ab 1806 gehörte Lauterbach zum Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt). 1852 wurde Lauterbach Kreisstadt des neu gegründeten Kreises Lauterbach, der 1972 im Vogelsbergkreis aufging. Ab 1821 war die Stadt Sitz des Landgerichts Lauterbach, ab 1879 des Amtsgerichts Lauterbach.

Die 1908 eingeweihte Synagoge wurde bei den Novemberpogromen 1938 durch Brandstiftung zerstört, die Brandruine wurde 1942 abgebrochen.

In Lauterbach waren die Milchwerke Fulda-Lauterbach sowie die Milchverwertungs-Gesellschaft mbH. Fulda-Lauterbach ansässig.Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 224 (zum Geschäftsführer beider Unternehmen Werner Dietrich).

Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den damals von der Bundesregierung noch verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Eingemeindungen Blitzenrod und Rudlos gehören seit dem 1. April 1939 zur Stadt Lauterbach. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden auf freiwilliger Basis eingegliedert: am 1. Juli 1971 die bis dahin selbständige Gemeinde Wernges; am 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Heblos, Maar, Reuters, Rimlos und Wallenrod. Am 1. Februar 1972 kamen Frischborn und Sickendorf hinzu. Allmenrod folgte am 1. August 1972 durch Landesgesetz. Für alle durch die Gebietsreform eingegliederten Gemeinden und Rudlos wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Lauterbach 13.263 Einwohner. Darunter waren 667 (5,0 %) Ausländer, von denen 130 aus dem EU-Ausland, 443 aus anderen europäischen Ländern und 104 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 13,3 % einen Migrationshintergrund. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 13,0 %.) Nach dem Lebensalter waren 2204 Einwohner unter 18 Jahren, 5051 zwischen 18 und 49, 2840 zwischen 50 und 64 und 3170 Einwohner älter. Die Einwohner lebten in 5915 Haushalten. Davon waren 1892 Singlehaushalte, 1761 Paare ohne Kinder und 1576 Paare mit Kindern, sowie 541 Alleinerziehende und 145 Wohngemeinschaften. In 1483 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 3753 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Religionszugehörigkeit • 1961: 7205 evangelische (= 73,97 %), 2246 katholische (= 23,06 %) Einwohner • 1987: 10.319 evangelische (= 73,7 %), 2406 katholische (= 17,2 %), 1269 sonstige (= 9,1 %) Einwohner • 2011: 8700 evangelische (= 66,0 %), 2160 katholische (= 16,4 %), 210 orthodoxe (= 1,6 %), 400 andersgläubig (= 3,0 %), 1560 sonstigeKeiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft angehörig. (= 11,9 %) Einwohner

Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Lauterbach erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 47,21734,91337,91433,91339,01437,214 22,9924,5932,91232,51238,31438,614 13,9514,4513,9514,156,735,32 10,1411,7415,366,938,236,83 5,824,32——4,11———— BLL Bürgerliste Lauterbach——10,24———————— ——————4,527,8312,14 UBL Unabhängige Bürgerliste——————4,01———— Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 63,8 46,7 51,2 50,4 50,3 56,3 mini|Rathaus der Stadt

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Kreisstadt Lauterbach (Hessen) neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und acht weitere Stadträte angehören.Kreisstadt Lauterbach: Magistrat, abgerufen am 14. August 2023 Bürgermeister war vom 1. Oktober 1996 bis 30. Juni 2026 Rainer-Hans Vollmöller (CDU). Sein Amtsvorgänger Otto Falk (SPD) hatte die zweite Amtszeit am 30. September 1996 mit Erreichen der damaligen gesetzlichen Altersgrenze von 68 Jahren vorzeitig beenden müssen und war in den Ruhestand getreten. Rainer-Hans Vollmöller wurde am 28. April 1996 im ersten Wahlgang gewählt. Es folgten vier Wiederwahlen, zuletzt, pandemiebedingt verschoben, ohne Gegenkandidaten im November 2020.Votemanager: Bürgermeisterwahl Kreisstadt Lauterbach 2020 - hessenschau: Bürgermeisterwahl am 1. November 2020 in Lauterbach osthessen-zeitung, 6. April 2020: Nach Terminverschiebung: Bürgermeister bleiben länger im Amt Seit dem 1. Juli 2026 ist Holger Marx (CDU) direkt gewählter Bürgermeister von Lauterbach.https://www.lauterbach-hessen.de/rathaus/stadtverwaltung/stadtpolitik.html, abgerufen am 25. September 2026.

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: Nur das Einzelergebnis 2014 ist archiviert - Votemanager: Wahltermine Kreisstadt Lauterbach, seit 2003Kreisstadt Lauterbach: Bürgermeister ab 1948 seit 2026 Holger Marx (CDU) 1996–2026 Rainer-Hans Vollmöller (CDU)Kreisstadt Lauterbach: Der Bürgermeister - Rainer-Hans Vollmöller, abgerufen am 14. August 2023 1987–1996 Otto Falk (SPD) (1928–2018)osthessen news, 2. September 2018: Nachruf: Lauterbachs Ehrenbürgermeister Otto Falk (89) verstorben; „1993 war Otto Falk der erste Bürgermeister in Hessen, der sich einer Direktwahl zu stellen hatte. … Das Gesetz erlaubte die Amtsausübung nur bis zum 68. Lebensjahr, also nur noch dreieinhalb Jahre.“ - Traueranzeigen Otto Falk 1981–1987 Rainer Visse (CDU) (* 1946 in Münchweiler)Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1281. 1979–1981 Frank Dieter Walter Mudrack (parteilos) 1954–1979 Willi Georg Fiedler (parteilos) 1948–1954 Fritz Geißler (FDP) 1945–1948 Georg Schwarz, eingesetzt von der amerikanischen Besatzungsmacht 1935–1945 Friedrich Thiele 1934–1935 Konrad Peter II 1933–1934 kommissarische Verwaltung durch Beigeordnete 1922–1933 Johann Hermann Walz (SPD) 1887–1922 Alexander Stöpler (NLP) 1871–1887 Theodor List (NLP)