Kalisz ( Kalisch) ist seit Entstehung des Landes die älteste Stadt Polens und war 1000 Jahre zuvor eine von vielen schon in griechischen und römischen Quellen benannten Siedlungen östlich der Elbe.

Vorgeschichte

Die Stadt wurde (neben weiteren im heutigen Polen liegenden Siedlungsplätzen) als Calisia um das Jahr 150 n. Chr. vom alexandrinischen Geographen Claudius Ptolemäus in seinem Werke „Abriss der Geographie“ erwähnt, das Gebiet war aber bereits um das Jahr 1200 v. Chr. von der Bevölkerung der Lausitzer Kultur bewohnt, was man durch zahlreiche Ausgrabungen feststellen zu können glaubt.

In der Zeit von Ptolemäus lag Kalisch im Gebiet Germania magna als Knotenpunkt an einer der wichtigsten Handelsstraßen Zentraleuropas, Bernsteinstraße genannt, die das Römische Imperium im Süden mit der Ostseeküste verband.

Calisia war damals wahrscheinlich von Lugiern (griechisch: Lygiern) bewohnt, einer Kultgemeinschaft wandalischer, also ostgermanischer Völker in Schlesien und im späteren Westpolen. Dieses altertümliche Calisia lag indessen nicht im Tal der Prosna, wie der heutige Stadtkern, sondern ein paar Kilometer weiter östlich auf dem Gebiet der heutigen Alten Stadt. Später, in der frühen piastischen Zeit bestand dieses Kalisch aus der herzoglichen Burg mit der Paulskirche, der Handwerkersiedlung mit der Adalbertkirche, noch einer benachbarten Siedlung mit der Gotthardkirche und einer Judenstadt, die ebenfalls in der Nähe der Burg lag.

Mittelalter Der frühesten Erwähnung von Kalisch im Mittelalter begegnen wir 1106 in der Chronik des Gallus Anonymus, der die Kämpfe zwischen zwei Söhnen des Herzogs Władysław I. Herman, Bolesław III. Schiefmund und Zbigniew beschreibt: Kalisch geriet in die Machtsphäre Zbigniews, der 1102–1106 Herr der Stadt war.

Zum zweiten Mal erwähnt wird Kalisch im Jahre 1136 in der Bulle des Papstes Innozenz II., der über Kalisch als eine der wichtigsten Kastellaneien auf dem Gebiet Polens spricht. Nach Ansicht mancher Historiker war Kalisch damals auch Hauptstadt der Mittelpolnischen Provinz, die die Kastellaneien von Kalisch, Sieradz und Łęczyca umfasste.

Piastenzeit Im Testament Boleslaws III. wird Kalisch 1138 dem Senior-Herzogtum Krakau zugeteilt. Nach dem Aufruhr der jüngeren Brüder gegen Władysław II. den Vertriebenen 1146 wurde er gestürzt und Kalisch kam zum Herzogtum Großpolen, wo Mieszko III., genannt der Alte, regierte. Dieser stiftete um 1155 die romanische Schlosskirche zum Heiligen Paul, wo 1193 sein Sohn Mieszko und 1202 er selbst bestattet wurden. Die Fundamente dieser Kirche mit dem Grabstein Mieszkos wurden erst um 1960 auf dem Gebiet der sogenannten Schwedenschanze gefunden. 1193 wurde Kalisch zur Hauptstadt des gleichnamigen piastischen Herzogtums, das seine Grenzen oft änderte und wo verschiedene Nachkommen Mieszkos III. regierten.

Der schlesische Herzog Henrich I. der Bärtige führte 1233 Krieg gegen den großpolnischen Vetter Władysław Odon, belagerte die Kalischer Burg, eroberte und zerstörte sie. Das Herzogtum Kalisch ging danach an die schlesischen Piasten über. Um 1234 verlegte Heinrich I. die Burg und die Stadt an die heutige Stelle – eine Insel zwischen drei Armen der Prosna. Das alte Kalisch, nunmehr Alte Stadt genannt, sank zu einem Bauerndorf herab. Etwa um 1235 – die genaue Jahreszahl ist nicht bekannt – erhielt Kalisch das Magdeburger Recht und wurde nach dem Muster der schlesischen Städte in strenger Gitterform mit rechteckigem Marktplatz (Ring) aufgebaut. Das Gebiet der Stadt umfasste 18 ha, alle Gebäude außer zwei Kirchen – Nikolaus- und Franziskanerkirche – waren aus Holz. Die „Alte Stadt“ erhielt 1264 das Dorfrecht.

mini|Statut von Kalisz, Visualisierung von Arthur Szyk (1894–1951), Deckblatt mit Kasimir dem Großen, 1927. Statut kaliski (deutsch: Statut von Kalisch), war ein Judenschutzbrief, der von Herzog Bolesław dem Frommen (poln.: Bolesław Pobożny, 1224/27–1279) am 8. September 1264 in Kalisch erlassen wurde. Mit dem Statut wurden unter anderem Strafen für die Schändung von jüdischen Friedhöfen und Synagogen angedroht. Das Statut enthielt Vorschriften zur Bestrafung jener, die Juden des Ritualmordes beschuldigten. Es regelte die Grundsätze der Handelstätigkeit durch die Juden und sicherte ihnen die Unantastbarkeit des Lebens und des Besitzes zu.Sofia Kowalska, Die großpolnischen und schlesischen Judenschutzbriefe des 13. Jahrhunderts im Verhältnis zu den Privilegien Kaiser Friedrichs II. (1238) und Herzog Friedrichs II. von Österreich (1244), Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung, Bd. 47, Nr. 1 (1998). Abgerufen am 16. August 2022.

Nach der Wiedervereinigung Polens wurde unter König Władysław I. Ellenlang 1305 eine Verwaltungsreform durchgeführt. Neue Verwaltungseinheiten, Woiwodschaften genannt, wurden geschaffen. Kalisch wurde zur Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft, die (mit gewissen Grenzänderungen) bis zum Jahre 1793, der 2. Teilung Polens bestehen sollte. Sie umfasste Süd- und Ostgroßpolen mit Kalisch, Gnesen, Pyzdry/Peisern, Konin und Środa/Schroda und außerdem Nakło nad Notecią/Nakel an der Netze. Am 21. September 1331 belagerte das Heer des Deutschen Ordens unter dem Oberstmarschall Dietrich von Altenburg die Stadt Kalisch, zog jedoch nach ein paar Tagen ab, ohne Erfolge erzielt zu haben. Einige Jahre später, im Juli 1343, liefen Vorbereitungen zum „Kalischer Frieden“ zwischen dem Königreich Polen und dem Deutschen Orden, die eine große Tagung in Kalisch mit sich brachten, an der König Kasimir III. der Große persönlich teilnahm. Mehrere damals bedeutende polnische Städte, unter ihnen Kalisch selber, sind Unterzeichner des Vertrags von Kalisch, der am 23. Juli in Kraft trat und strittige Fragen regelte. Die Regierung des letzten Piastenkönigs, Kasimir III. des Großen, 1333 bis 1370 bedeutete einen großen Fortschritt in der Entwicklung der Stadt Kalisch: Um 1361 erbaute man aus Ziegeln die Wehrmauer der Stadt, um 1363 erweiterte man das alte Schloss Heinrichs des Bärtigen. Es entstanden neue Vorstädte, die Breslauer Vorstadt am Breslauer Tor und die Thorner Vorstadt am Thorner Tor und eine neue Pfarrkirche, zur Mariae Himmelfahrt. Außer dem alten Franziskanerkloster gab es nun zwei gemauerte neue Klöster in der Stadt, das der Kanoniker zum Hl. Geist und das der Kanoniker vom Lateran. 1353 wurde auch das erste Palais der Gnesener Erzbischöfe in der Stadt errichtet. Die erste Städtische Schule entstand 1372.

Jagiellonenzeit 1410 nahmen Truppen aus der Woiwodschaft Kalisch unter eigener Fahne an der großen Schlacht gegen den Deutschen Orden bei Tannenberg (in polnischer Geschichte als „Schlacht bei Grunwald“ bekannt) teil. 1425 befreite Wladyslaw II. Jagiello die Salzhändler aus der Stadt von Steuern auf dem Territorium Polens und Litauens. Gleichzeitig empfing er den dänischen und schwedischen König Erich X. von Pommern im Kalischer Schloss. Das erste Rathaus mit einem Turm wurde 1426 in Kalisch errichtet. Um diese Zeit entstand auch die zweite Städtische Schule an der Himmelfahrtskirche, die gewisse akademische Rechte hatte und unter der Obhut der Krakauer Universität stand. Während des Dreizehnjährigen Krieges des Königs Kasimir IV. gegen den Deutschen Orden nahmen 1454 Kalischer Truppen an der Belagerung Marienburgs teil. 1461 entstand das Hospital zur Heiligen Dreieinigkeit in der Breslauer Vorstadt, 1489 das hölzerne Bernhardiner-Kloster und die Bernhardiner-Kirche in der Thorner Vorstadt.

Wasazeit und schwedische Kriege Bischof Stanislaus Karnkowski holte 1583 die Jesuiten nach Kalisch, die ihre Lehrtätigkeit ein Jahr später in einem provisorischen Schulgebäude begannen. (1584: 200 Schüler, 1586: schon 500 Schüler.) Die barocke Jesuitenkirche zum Hl. Stanislaus und Hl. Adalbert mit dazugehörigem Kloster und Kollegium wurde 1585 bis 1591 aus Karnkowskis Privatmitteln errichtet. Die Architekten waren italienische Jesuiten. 1592 nahm auch das Jesuitentheater am Kollegium seine Tätigkeit auf. Zuerst wurden nur lateinische Stücke inszeniert, später auch polnische.

1603 eröffnete die erste Buchdruckerei in Kalisch (Besitzer: Meister Johann Wohlraab, danach bis 1632 Adalbert Gedelius), es wurden aber ausschließlich Werke von religiösem Inhalt verlegt. Nach dem Tode von Gedelius (um 1636) wurde die Druckerei von den Jesuiten übernommen, die sie bis 1773 betrieben. 1655 begann der „Polnische Krieg“ des Schwedenkönigs Karl X. Gustav, im Zuge dessen schwedische Truppen unter Feldmarschall Arvid Wittenberg Posen besetzten und am 7. August Kalisch erreichten. Der Kalischer Magistrat huldigte dem König von Schweden und zahlte eine Kontribution von 6000 Gulden. Ein großer Brand verheerte am 10. und 11. August 1656 die Stadt. Erhalten blieben nur gemauerte Gebäude: Kirchen, Rathaus, eine Ringseite und ein paar Häuser in der Breslauer Vorstadt. Im darauf folgenden Jahr nahm König Johann II. Kasimir die Schäden in Augenschein und befreite die Stadt und die ihr zugehörigen Dörfer von allen Steuerlasten. Dies half jedoch wenig, der Aufbau der Stadt dauerte sehr lange.

1700 begann der Große Nordische Krieg, in dem Dänemark, Polen, Russland und Sachsen gegen den Schwedenkönig Karl XII. kämpften, der Subsidien aus Frankreich erhält. Am 29. Oktober 1706 wurde die Schlacht bei Kalisch zwischen den Schweden und den polnischen Anhängern des Königs Stanislaus I. Leszczyński (zusammen 15.000 Mann) und Sachsen, Russen und Polen (Anhängern August II. des Starken – zusammen 35.000 Mann) ausgefochten. Die Schweden verloren, ihr Befehlshaber Arvid Axel Mardefelt wurde gefangen genommen. Die Stadt Kalisch zählte nach der schwedischen Okkupation 1707 nur 1000 Einwohner. Ab 1726 wurde dann das schwer beschädigte Kalischer Schloss wiederaufgebaut (die Arbeiten dauern bis 1730).

Ausklang der Adelsrepublik Kriegshandlungen während der Konföderation von Bar zerstörten die Stadt 1769 noch mehr. Der Aufbau der Stadt unter der Leitung der „Kalischer Kommission für gute Ordnung“, die von Grundbesitzern der Woiwodschaft gebildet wurde, begann 1776 und führte zur Wiederbelebung des Handels und Handwerks. Ein weiterer Rückschlag ereilte die Stadt 1792, als der große Brand vom 13. September, der in der Breslauer Vorstadt begann, alle Häuser der Stadt außer Kirchen und Klöstern zugrunde gehen ließ. Der große Wirbelwind am 14. Dezember vollendete den Untergang von Kalisch.

Preußische und napoleonische Zeit Am 23. Januar 1793 unterschrieben Preußen und Russland den Vertrag über die 2. Teilung Polens. Die Woiwodschaften Posen und Kalisch wurden Preußen zugesprochen. Bis Mai 1793 stand Kalisch daher unter preußischer Militärverwaltung. Am 7. Mai huldigten die Stände Großpolens dem König von Preußen Friedrich Wilhelm II. Die annektierten Gebiete erhielten den Namen Südpreußen, Kalisch wurde dem Regierungsbezirk Posen unterstellt. Im Oktober desselben Jahres entsandte Berlin nach Kalisch eine Aufbaukommission unter der Leitung des Majors von Schack, die die Aufgabe erhielt, das alte Jesuitenkollegium zu einer Kadettenschule umzubauen. Im selben Jahr kam auch die erste Welle der deutschen Übersiedler, vor allem aus der Mark Brandenburg und Niederschlesien. Die Zahl der deutschsprachigen Einwohner von Kalisch betrug in diesem Jahr 120 Personen, bei einer Gesamt-Einwohnerzahl von 3.832 (1793). Da die ehemaligen polnischen Beamten keine Deutschkenntnisse hatten, begann man 1794 Beamte aus Berlin und Ostpreußen hierher zu versetzen, was zu Reibungen führte, da die neuen Beamten die polnische Sprache nicht beherrschten und lokale Juden, deren Sprache Jiddisch ein deutscher Dialekt ist, als Dolmetscher heranziehen mussten.