mini|hochkant|Aufnahme aus dem Forstatlas der Grafschaft Wittgenstein von 1739. Die Karte zeigt das erste Haus in Benfe, erbaut um 1713. |alternativtext= Benfe (auch die Benfe, mundartlich e da Benfe) ist der am höchsten gelegene Ortsteil von Erndtebrück im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen. Das Dorf hat etwa 370 Einwohner.
Geographie Lage Benfe liegt auf einem Hochplateau am südwestlichen Rand des Wittgensteiner Lands.Werner Wied: Der Lebensraum des Dorfes Benfe - ein Stimmungsbild aus vergangener Zeit. In: Dorfbuch Benfe. Ein Streifzug durch 300 Jahre Dorfgeschichte. Heimatverein Benfe 1992 e. V., Erndtebrück 2015, S. 309. Es befindet sich im Südteil des Rothaargebirges bzw. im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge. In der Umgebung liegen unter anderem die Quellen von Sieg, Eder und Lahn sowie auch der Benfe, die den Ort als Eder-Zufluss unmittelbar östlich umfließt. Benfe ist eingebettet zwischen dem Kleinen Kopf (; Norden), dem Weibelskopf (; Osten), dem Aukopf (; Süden) und dem Jagdberg (; Nordwesten) und liegt auf 550 bis . Durch das Dorf führt die Kohlenstraße (einstiger Wirtschaftsweg zwischen Wittgensteiner Land und Siegerland) und durch die südlichen Dorfteile u. a. der Rothaarsteig und der Siegerland-Höhenring, die hier streckengleich sind. In den Tallagen unterhalb des Dorfes vorgenommene Temperaturmessungen der letzten Jahre indizieren, dass das Benfetal das kälteste Tal in Nordwestdeutschland ist. Zur Absicherung des Ergebnisses wurde dort eine Wetterstation eingerichtet und am 18. November 2019 freigeschaltet.
Nachbarorte Nachbarorte von Benfe sind Erndtebrück im Norden, Rückershausen im Nordosten, Volkholz im Osten, Großenbach im Südsüdosten, Walpersdorf im Südsüdwesten, Sohlbach im Westnordwesten und Lützel im Nordwesten.
Geschichte Im Mannbuch des Herrn von Bicken, einem Lehnsregister aus dem Jahr 1344, wird die noch unbewohnte Gegend erstmals erwähnt: Das „Gewelde und Gehölze heißt die Benphe“.Das Original des Bicken’schen Mannbuches befindet sich im Staatsarchiv Koblenz, Abt. 54/32 III Nr. 2485. Weitere Beurkundungen des Raumes auf der Benfer Hochfläche finden bei Grenzbeschreibungen in den Jahren 1515 und 1630 statt.22. September 1515: Im Vergleich über die Landesgrenze zwischen Wittgenstein und Nassau wird der Grenzverlauf u. a. wie folgt beschreiben: „...furth den berg ab biß in die Lutzell und das fluß abhien biß in die Benff, uß der Benff den Berg anhien den gezeichneten malen noch über...“ Quelle: BA Urk.Nr. 1493.31. Mai 1630: Grenzzug um die Grafschaft Wittgenstein-Wittgenstein auf Veranlassung des Grafen Ludwig: Zum Raum Benfe wird u. a. notiert: „… fürters den waldt hinauß uf den Benffer Rücken (14) ein stein, item am weg stehet wiederumb ein stein; von dar alß hinab biß in der Bänff, ist auch ein stein gesetzt beym eichbaum, undt dan den grundt des waßer die Lützel genant hinauf...“ Quelle: Fürstliches Archiv Wittgenstein, WA Acta G 52. Im Jahre 1713 begann mit Johann Jost Hippenstiel (1665–1738) die Besiedelung.WA, Renteirechnung von 1713, Seite 130: „In der Benfe ohnweit Ludwigseck – Johann Jost Heppenstiel von Haus und Hoff und erlaubnus 12 Stück Vieh und ein Pferd zu halten, 10 rh, hatt 3 Jahr Freyheit, gehet an 1713 im 7bris, also frey bis in 7bris 1716.“ Die ersten Siedler waren Köhler. Die Eisenhämmer in Ludwigseck benötigten eine große Menge an Holzkohle. Die waldreiche Region bot die besten Voraussetzungen für das Köhlerhandwerk. 1758 zählte Benfe zwei Kanongüter, zwei weitere Dorfbewohner werden in der Untertanenliste des „Feudinger Viertels“ als Beisitzer erwähnt. Ab 1819 gehörte der Ort zum Schultheißenbezirk Erndtebrück. 1845 war Benfe ein Teil des Amtes Erndtebrück.
Die Lage des Wittgensteiner Dorfes in unmittelbarer Nähe zum Siegerland brachte es mit sich, dass einige Dorfbewohner zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen, an der Kohlenstraße, südwestlich des Dorfes Benfe zu siedeln. Dort hatte die Oberförsterei Netphen um 1900 eine kleine Dienstwohnung eingerichtet, die mit dem Neubau des Forsthauses HohenrothDas Forsthaus Hohenroth im Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein beherbergt heute ein Waldinformationszentrum, ist Sitz des Vereins „Waldland Hohenroth“ und des Lokals „Cafe Waldland“. im Jahre 1910 wieder aufgegeben wurde. 1911 konnte das bescheidene Anwesen auf dem Gebiet der Gemeinde Nauholz, das sog. „Waldheim“ von einem Benfer WaldarbeiterDieter Bald: Dorfbuch Benfe, Hofgründungen im 20. Jahrhundert, Nauholz 26, Seite 126 ff, Herausgeber: Heimatverein Benfe 1992 e. V., Erndtebrück 2015 erworben und ausgebaut werden. Im Laufe der 1930er Jahre wurden am Dorfrand von Benfe noch zwei weitere Häuser gebaut. Diese neue Siedlung wurde nach der ehemaligen Försterwohnung „Waldheim“ genannt. Bereits am 29. April 1914 stellte der Amtmannders. hier: Dorfchronik Benfe, Seite 148 von Netphen bei der Gemeinde Benfe den Antrag, ein Kind der Siedlung „Waldheim“ solle „gastweise“ und gegen Zahlung von Schulgeld die Dorfschule in Benfe besuchen, da ihm der weite Schulweg nach Brauersdorf nicht zuzumuten sei. Am 6. November 1935 stellten die Einwohner von Waldheim erfolgreich einen Antragders. hier: Dorfchronik Benfe, Seite 153 auf Umpfarrung zur Kirchengemeinde Erndtebrück. Am 7. August 1967 beschlossders. hier: Dorfchronik Benfe, Seite 165 der Rat der Gemeinde Nauholz auf Antrag der betroffenen Einwohner die Ausgliederung des Gemeindebezirks „Waldheim“. Durch Erlass des IM NRW vom 17. April 1968 wurde die Eingliederungders. hier: Dorfchronik Benfe, Seite 165 der Siedlung „Waldheim“ in die Gemeinde Benfe besiegelt. Im Jahr 2018 befinden sich hier inzwischen neun Häuser.
Ab 1952 errichtete die Deutsche Bauernsiedlung in Röspe und Ludwigseck zwei Neubausiedlungen im Kreis Wittgenstein. Der Bau der „Siedlung Ludwigseck“, erfolgte etwa zur Hälfte auf dem Gemeindegebiet Benfe. Hier fanden Vertriebene aus Schlesien sowie Ost- und Westpreußen eine neue Heimat und sorgten für einen deutlichen Bevölkerungsanstieg in der Gemeinde.
Der Ort war bis zur Eingemeindung eine selbstständige Gemeinde im damaligen Kreis Wittgenstein und gehört seit der Gebietsreform, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, zur Gemeinde Erndtebrück.
Einwohnerentwicklung mini|Postkartenansicht Benfe von 1910. Fotograf unbekannt. Scan vom 4. April 2014. Ansicht vom Oberdorf Benfe; im Hintergrund rechts: Rohbau der Dorfschule Benfe, nachdem der Vorgängerbau abgebrannt war.1819: 48 Einwohner in 5 Häusern 1854: 128 Einwohner in 13 Häusern 1900: 156 Einwohner 1925: 210 Einwohner 1939: 208 EinwohnerAdolf Wörster: Die Entwicklung des Amtes Erndtebrück. In: 700 Jahre Erndtebrück, Festschrift der Gemeinde Erndtebrück, 1956, S. 91. 1946: 275 Einwohner 1956: 422 Einwohner 1961: 364 Einwohner 1968: 394 Einwohner in 65 HäusernHeimat-Adressbuch Landkreis Wittgenstein 1968, Amt Erndtebrück, S. 22. 1970: 383 Einwohner 1974: 380 Einwohner 1992: 384 Einwohner 1995: 446 Einwohner 1997: 432 Einwohner 2000: 451 Einwohner 2002: 457 Einwohner 2005: 431 Einwohner 2007: 421 Einwohner 2010: 395 Einwohner 2012: 395 Einwohner 2018: 388 Einwohner 2020: 384 Einwohner 2022: 373 Einwohner 2025: 349 Einwohner
Literatur Dieter Bald: Aktionswoche „Kohlenmeiler Benfe 1995“ . In: Wittgenstein. Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins, 1996, Heft 2, S. 69 ff. Jochen Karl Mehldau: Zur Orts- und Familiengeschichte von Benfe. In: Wittgenstein. Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins, 1990, Heft 2, S. 57 ff. Werner Wied: Hof Ludwigseck. In: Erndtebrück – ein Heimatbuch des obersten Edertales, herausgegeben von Werner Wied, Erndtebrück 1977, Band II, S. 83 ff. Werner Wied: Schürmannshof. In: Erndtebrück – ein Heimatbuch des obersten Edertales, herausgegeben von Werner Wied, Erndtebrück 1977, Band II, S. 113 ff. Dieter Bald: Die Siedlung Ludwigseck. In: Flüchtlinge und Vertriebene in Erndtebrück, Ein Beitrag zur Ortsgeschichte seit 1946, herausgegeben von Adolf Laues, Erndtebrück 1996, Seite 100 ff. Dieter Bald: Anmerkungen zur Ersterwähnung des Dorfes Benfe. In: Dorfbuch Benfe – Ein Streifzug durch 300 Jahre Dorfgeschichte, herausgegeben vom Heimatverein Benfe 1992, Erndtebrück 2015, S. 10 ff.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ortsteil von Erndtebrück Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Kreis Siegen-Wittgenstein) Kategorie:Gemeindeauflösung 1975