mini|M113 der US Army im Irak (2004)
Der gepanzerte Mannschaftstransportwagen (abgekürzt MTW), bei der Bundeswehr als Transportpanzer (kurz TPz), bei Wehrmacht und NVA als Schützenpanzerwagen (kurz SPW) bezeichnet, ist ein gepanzertes Ketten- oder Radfahrzeug, das zum Transport von Personal oder Material eingesetzt wird.
Bezeichnung und Abgrenzung zu anderen gepanzerten Fahrzeugen Im deutschen Sprachgebrauch sind die Begriffe Transportpanzer, Mannschaftstransportwagen und vor allem im Bereich der ehemaligen NVA der DDR oder historisch der Wehrmacht Schützenpanzerwagen gebräuchlich. Historische Fahrzeuge waren zumeist Halbkettenfahrzeuge, wie der US-amerikanische M3 in der Bundeswehr. Im englischen Sprachraum werden derartige Fahrzeuge als armoured personnel carrier, abgekürzt APC, im französischen Sprachraum als véhicule de transport de troupes, abgekürzt VTT, bezeichnet. Im Russischen sind die Bezeichnungen броневой транспортёр oder бронированный транспортёр bzw. бронетранспортёр, in allen drei Fällen als БТР (BTR) abgekürzt, üblich. Sinngemäß übertragen handelt es sich dabei um ein gepanzertes Transportfahrzeug. In der Wehrmacht wurden Fahrzeuge, die unter die obige Definition des Transportpanzers fallen, als Schützenpanzerwagen bezeichnet. Die NVA nutzte ebenfalls diese Bezeichnung, reihte darunter aber auch Fahrzeuge ein, die ursprünglich als Späh- und Patrouillenfahrzeuge konstruiert und eingesetzt wurden (BRDM-1 bzw. BRDM-2). Die Bundeswehr bezeichnete bzw. bezeichnet derartige Fahrzeuge teilweise als Mannschaftstransportwagen (M113), als Transportpanzer (Tpz Fuchs) oder als gepanzerte Transportkraftfahrzeuge (GTK Boxer). Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) definiert den Begriff „gepanzerter Mannschaftstransportwagen (MTW)“ im Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE-Vertrag) von November 1990 in Artikel II wie folgt:
mini|Der M577 ist ein Führungsfahrzeug auf dem Chassis des Mannschaftstransportwagens M113 mini|Die SNAR-10 ist ein Aufklärungsfahrzeug auf dem Chassis des Transportpanzers MT-LB Zu unterscheiden vom Transportpanzer ist der Schützenpanzer, der nach Definition der OSZE für den Transport einer Infanteriegruppe konstruiert und ausgerüstet ist, es den Soldaten normalerweise ermöglicht, geschützt durch die Panzerung aus dem Fahrzeug heraus zu wirken, und in der Regel mit einer integrierten oder organischen Waffe von mindestens 20 Millimetern Kaliber ausgerüstet ist. Schützenpanzer und Transportpanzer gehören nach Definition der OSZE zu den gepanzerten Kampffahrzeugen. Als gepanzertes MTW-ähnliches Fahrzeug und SPz-ähnliches Fahrzeug werden gepanzerte Fahrzeuge bezeichnet, die das gleiche Fahrwerk und ein ähnliches Äußeres haben wie ein gepanzerter Mannschaftstransportwagen oder ein Schützenpanzer, jedoch nicht mit einer Kanone oder einem Geschütz des Kalibers 20 mm und darüber ausgestattet sind und so gebaut oder verändert wurden, dass keine Infanteriegruppe damit transportiert werden kann.
Vorhandene Typen werden im Protokoll über vorhandene Typen konventioneller Waffen und Ausrüstungen, das eine Anlage des Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa ist, aufgeführt. Das Protokoll wird regelmäßig fortgeschrieben. Im populärwissenschaftlicher Literatur und im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Transportpanzer jedoch nicht stringent angewandt. Schwierig ist auch die Einordnung von historischen Fahrzeugen, deren Nutzung vor Abschluss des Vertrages endete und die daher im Protokoll nicht aufgeführt sind. Diese können je nach Betrachtungsweise auch Geschützte Fahrzeuge umfassen, die jedoch auf einem konventionellen, zivilen Fahrgestell überwiegend als Radfahrgestell aufgebaut sind. Ausnahme davon ist die geschützte Version des Bv 206-Kettenfahrzeugs.
Transportpanzer dienen in vielen Fällen als Basis für Aufklärungs- und Führungsfahrzeuge. Prägnantes Beispiel dafür sind der amerikanische M113 oder der sowjetische MT-LB, deren Fahrgestell bzw. seine Variante MT-LBu als Chassis für eine Vielzahl von Führungs- und Funktionsfahrzeugen dienen. Diese Fahrzeuge gelten nach Definition der OSZE als gepanzerte MTW-ähnliche Fahrzeuge. Verschiedentlich wurden bzw. werden Transportpanzer als Träger schwerer Waffensysteme verwendet. Sofern dabei eine Kanone mit einem Kaliber von mindestens 75 mm zum Schießen im direkten Richten integriert oder organisch mit dem Fahrzeug verbunden ist und dessen Leergewicht mindestens 6 Tonnen beträgt, handelt es sich um ein Kampffahrzeug mit schwerer Bewaffnung. Im Gegensatz dazu werden Waffen, die Bodenziele in erster Linie durch Schießen im indirekten Richten bekämpfen können, als Artillerie bezeichnet. Moderne selbstfahrende Artilleriesysteme sind oftmals auf Fahrgestellen aufgebaut, die von Transportpanzern abgeleitet wurden. Beispiele dafür sind die amerikanische Panzerhaubitze M109 bzw. die sowjetische 2S1, die auf einem vom Transportpanzer M113 bzw. MT-LBu abgeleiteten Chassis aufgebaut sind. Auch der M113 Panzermörser 120 mm und die sowjetische 2S9 sind nach dieser Definition keine Transportpanzer, sondern gehören zur Artillerie.
Entsprechend den Genfer Konventionen vom 12. August 1949 – zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte im Felde – haben Sanitätsfahrzeuge einen Sonderstatus. Daher gelten gepanzerte Sanitäts-MTW nicht als gepanzerte Kampffahrzeuge oder gepanzerte MTW-ähnliche Fahrzeuge.
Technik Fahrwerk Bei Transportpanzern handelt es sich um gepanzerte Rad- oder Kettenfahrzeuge. Halbkettenfahrzeuge haben nur noch im historischen Kontext eine Bedeutung. Beide Typen besitzen eine hohe Geländegängigkeit, wobei Radfahrzeuge in Beschaffung und Unterhalt günstiger sind. Angetrieben werden moderne Fahrzeuge von Dieselmotoren. Kraftübertragung und Lenkung folgen den bei Rad- und Kettenfahrzeugen üblichen Konstruktionsprinzipien. Bei Radpanzern sind mehrere Achsen als Lenkachsen ausgeführt, um einen geringen Wendekreis zu erreichen. Schutz mini|Test eines V-förmigen Minendeflektors (engl. V-hull) Als Panzerung kommt eine Aluminium- oder Stahlpanzerung zum Einsatz, die bei modernen Fahrzeugen durch eine Verbundpanzerung sowie aktive und weitere passive Elemente ergänzt werden kann. Angestrebt und auch erreicht wird bei neueren Fahrzeugen Sicherheit gegen Beschuss mit mittleren Kalibern sowie gegen Einwirkung von Artilleriesplittern (Kaliber 155 mm) und Bomblets. Besonderer Wert wird in neuerer Zeit auf den Schutz vor Minen gelegt. Dieser Schutz wird nicht nur durch die Panzerung, sondern vor allem durch die Konstruktion des Wannenbodens und die Anordnung von Baugruppen und Ausrüstung im Fahrzeug erreicht. Spezifiziert sind die Anforderungen in der STANAG 4569 – Schutzstufen für Insassen von Logistik- und leichten Panzerfahrzeugen.
Bewaffnung Als Bewaffnung werden schnellfeuernde, großkalibrige Maschinengewehre in die Fahrzeuge eingerüstet. Bei modernen Fahrzeugen sind Nebelmittelwurfanlagen vorhanden. Die Bewaffnung wurde bei sowjetischen Fahrzeugen im Regelfall in einem kleinen Drehturm installiert. Auf westlichen Fahrzeugen wurde die Waffenanlage freistehend installiert, was den Bediener feindlicher Waffenwirkung aussetzte. Bei modernen Fahrzeugen zeichnet sich ein Trend zu fernbedienbaren Waffenanlagen ab.
Geschichte Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges mini|Der britische Mark IX war das erste gepanzerte Fahrzeug, das für den Transport von Truppen auf dem Gefechtsfeld gebaut wurde Vor dem Ersten Weltkrieg wurde eine Notwendigkeit für den Schutz der Truppen auf dem Gefechtsfeld nicht erkannt. Dies lag auch an der allgemein geringen Motorisierung der Truppen jener Zeit. Das Gefecht wurde zu Fuß geführt, Verlegungen erfolgten ebenfalls im Fußmarsch und über längere Strecken mit der Eisenbahn. Auch zu Beginn des Weltkrieges änderte sich daran zunächst nichts. Während der Grenzschlachten erlitten die angreifenden Truppen gegen Verteidiger, die Maschinengewehre einsetzten, teilweise verheerende Verluste. Mit dem Beginn des Stellungskrieges trat die Notwendigkeit geschützter Fahrzeuge jedoch wieder in den Hintergrund. Beide Seiten fanden lange Zeit kein Mittel um die durch Stacheldraht gesicherten und mit Maschinengewehren verteidigten Grabensysteme des Gegners zu überwinden.
Dies änderte sich erst mit dem Einsatz der ersten Panzer ab 1916. In der Folge zeigte sich, dass zwar ein Einbruch in bzw. ein Durchbruch durch die gegnerischen Grabensysteme gelang, der Erfolg jedoch nicht ausgeweitet werden konnte. Die mit den Panzer vorrückende Infanterie war dem Abwehrfeuer schutzlos ausgesetzt und wurde in Deckung gezwungen. Dadurch konnten sie den Panzern beim Durchbruch nicht folgen, Grabenabschnitte nicht in Besitz nehmen und von den Panzern genommenes Gelände nicht halten. So versuchte man zunächst, Infanteristen in den Panzern auf dem Gefechtsfeld zu transportieren. Platzverhältnisse und Atemluft ließen das jedoch nicht zu, so dass entsprechende Versuche abgebrochen werden mussten.
In Folge wurde ab 1917 der Mark IX entwickelt. Das Fahrzeug konnte neben einer Besatzung von vier Mann bis zu dreißig Infanteristen aufnehmen. Gepanzert war es mit Stahlplatten mit einer Stärke von 10 mm. Angetrieben wurde der Mark IX von einem Ricardo-6-Zylinder-Benzinmotor mit einer Leistung von 150 PS, was dem Fahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 6,9 km/h ermöglichte. Bewaffnet war der Mark IX mit zwei Maschinengewehren des Kalibers 7,7 mm. Zusätzlich konnten die aufgesessenen Infanteristen durch 16 Luken mit ihren Handfeuerwaffen feuern. Geschwindigkeit und Schutzniveau lagen auf dem Niveau der damaligen Panzer. 200 Mark IX wurden in Auftrag gegeben, jedoch bis zum Waffenstillstand nur drei Fahrzeuge fertiggestellt. Sowohl nach seiner Bestimmung als auch nach seinen Konstruktionsmerkmalen kann der Mark IX als weltweit erster Transportpanzer bezeichnet werden.
In den anderen kriegführenden Ländern kam es nicht zur Entwicklung derartiger Fahrzeuge. In Frankreich und Deutschland wurde die Produktion gepanzerter Fahrzeuge erst spät aufgenommen, in Russland fehlte vor allem die industrielle Basis für die Entwicklung und Produktion derartiger Fahrzeuge. Außerdem bestand an der Ostfront kein Bedarf für gepanzerte Durchbruchsfahrzeuge. Stattdessen wurden in den genannten Ländern, aber auch im Vereinigten Königreich, Panzerwagen gebaut.
Zeit zwischen den Weltkriegen mini|Sowjetischer Transportpanzer D-14 In den 1920er Jahren wurden von Tuchatschewski und Triandafillow (Tiefe Operation) in der Sowjetunion, Lidell Hart im Vereinigten Königreich, de Gaulle in Frankreich sowie von Nehring und Guderian in Deutschland Konzepte für eine bewegliche Gefechtsführung entwickelt, die sich hauptsächlich auf gepanzerte Truppen abstützte. Diese Ideen erforderten konsequenterweise auch die Entwicklung entsprechend beweglicher, geschützter Transportfahrzeuge. Demgegenüber standen Ansätze, die von einer mehr statischen, auf Stellungen wie im Ersten Weltkrieg abgestützten Gefechtsführung ausgingen. Die Entwicklung dieser Auseinandersetzung verlief wechselhaft. Letztendlich konnten sich in Deutschland und der Sowjetunion die Vertreter einer beweglichen Gefechtsführung durchsetzen, während sich in Frankreich ein auf Befestigungen gestützter Kampf als Doktrin durchsetzte. In der Folge wurden in vielen Ländern Transportpanzer auf Rad- und Kettenfahrgestellen, aber auch Halbkettenfahrzeuge entwickelt. Die Entwicklung war einerseits gekennzeichnet von der Suche nach brauchbaren technischen Lösungen, andererseits von der Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der beiden militärtheoretischen Ansätze, die zu unterschiedlichen und oft wechselnden Vorgaben führten.
Sowjetunion