hochkant|miniatur|Adolph Johannes Fischer, Porträt mit Pinsel und Palette, eigenhändig signiert Adolph Johannes Fischer (* 7. Juli 1885 in Gmunden, Oberösterreich; † 22. November 1936 in Salzburg) war akademisch ausgebildeter Maler, Schriftsteller, Kunstsammler, Kunsthistoriker und Mittelschullehrer, der seine Wiederentdeckung den künstlerischen Auswirkungen seiner 1928 in Salzburg erfolgten Begegnung mit James Joyce verdankt.
Leben und Werk hochkant|miniatur|Jakob Ceconis Jugendstil-Wohnhaus (Salzburg, Haydnstraße 5), wo Fischer von 1918 bis 1936 gelebt hat Schon früh war Fischer als Maler so angesehen, dass seine Bilder im HerrenhausFischers Porträt von Alexander Schönburg-Hartenstein befindet sich heute im Österreichischen Parlament., im Linzer Museum Francisco-Carolinum sowie in der Kaiservilla in Bad Ischl hingen. Für sein 1908 als Geschenk des Salzkammerguts zum 60-jährigen Regierungsjubiläum gemaltes Aquarell Empfang Franz Josephs I. durch Kinder in Ischl wurde er vom Jubilar mit der „Allerhöchsten Anerkennung“ ausgezeichnet.Fischer, Adolph Johannes. In: Deutschlands, Österreich-Ungarns und der Schweiz Gelehrte, Künstler und Schriftsteller in Wort und Bild. Albert Steinhage, 1911. S. 129. Dennoch ließ Fischer seine bildnerische und schriftstellerische Tätigkeit allem Anschein nach bald ruhen. Erst in den 1920er Jahren veröffentlichte er in seiner Wahlheimat Salzburg seine Jugendgedicht-Bände (Die versunkene Stadt, Satan) und den Roman Ich suche Myriam (1924). Später folgten die Novelle Die Dame mit dem Brokatmuff (1931) sowie der expressionistische Science-Fiction-„Abenteurer-Roman“ Zwei Männer spielen um die Welt (1932), der ihn auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt macht.
Fischers früher Tod, die unterlassene Pflege seines Werkes und Nachlasses, der baldige Verkauf seiner berühmten Gemälde- und Gotik-Sammlung,Dorotheum: Die Skulpturenbestände des Prof. Adolf J. Fischer, Salzburg. 19. und 20. November 1937 (Katalog Nr. 450). die dadurch in alle Winde zerstreut wurden, führten dazu, dass sein Leben und Werk rasch aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwanden.
Dieses Versäumnis wird anschaulich durch die Tatsache illustriert, dass Fischers sterbliche Überreste, die Ende November 1936 in der Gmundner Familiengruft bestattet wurden, schon 1954 gemeinsam mit denen seiner Ahnen aus dieser letzten Ruhestätte delogiert wurden, als das Grabmal in leerem Zustand an einen Nachmieter verkauft wurde,Andreas Weigel: Bruchstückhafte Biografien. Spurensuche und -sicherung zu Adolph Johannes Fischer und Fritz Willy Fischer-Güllern. In: Michael Ritter (Hrsg.): praesent 2011. Das österreichische Literaturjahrbuch. präsens, Wien 2010, S. 21–35. obwohl allein der Verkauf von Fischers Gotiksammlung Ende 1937 dem alleinerbenden Adoptivsohn Fritz Willy Fischer an die 33.000.- Schilling eingebracht hat, was im Jahr 2010 einem Wert von über 100.000.- Euro entspricht.Dorotheum (Wien): Die Skulpturenbestände des Prof. Adolf J. Fischer, Salzburg. 19. und 20. November 1937 (Katalog Nr. 450).
Künstlerisches Elternhaus Adolph Johannes Fischer wurde 1885 in eine angesehene oberösterreichische Künstlerfamilie geboren. Schon sein mit Franz Stelzhamer und Adalbert Stifter befreundeter Großvater Michael Fischer (* 1821, Aurolzmünster; † 1888, Linz) gestaltete als akademischer Graveur und Xylograph Metallplatten und Edelsteine.
Der Vater Adolf Fischer war akademischer Maler und Illustrator, der neben zahlreichen Aquarelllandschaften, Handzeichnungen, Ehrenurkunden und landschaftlichen Illustrationen unter anderem auch die Illustrationen zu Ferdinand Krackowizers dreibändiger „Geschichte der Stadt Gmunden“ (1898–1900) sowie zu den „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm gezeichnet hat.
Daneben war Adolf Fischer Zeichenlehrer an Gmundener Mittelschulen und Leiter einer landesbehördlich konzessionierten Zeichen- und Malschule. Als professioneller Kunstpädagoge unterrichtete er auch seinen Sohn Adolph Johannes, der in Gmunden bald als Wunderkind galt, weil er als Siebzehnjähriger seine erste Ausstellung hatte und das literarische Jugendwerk des Sechzehnjährigen, die Reim-Novelle „San Loretto“, Peter Roseggers freundliche Zustimmung erhalten hat: „Ich habe mich an der Form und dem Inhalt erbaut und beglückwünsche den Autor.“Reinhold Glaser: Vorwort. In: Adolph Johannes Fischer: Zwei Männer spielen um die Welt (1932). S. 3–6. S.4.
Der Achtzehnjährige hat laut den „Annalen des k.k. naturhistorischen Hofmuseums“ dessen „Geologisch-paläontologischer Abteilung“ 1903 „verschiedene Photographien von Kriechspuren aus dem Flysch von Pinsdorf bei Gmunden“ geschenkt.Franz Steindachner: Jahresbericht für 1903. Die Vermehrung der Sammlungen. In: „Annalen des k.k. naturhistorischen Hofmuseums“. Band XIX (1904). S.37. Falls Fischer die Fotografien der archäologisch rätselhaften Funde, über die sich am 17. Juli 1911 auch Ernst Haeckel schriftlich geäußert hat,Roman Moser: Das Flyschphänomen des Pinsdorfberges. Eine Anregung zur Bewahrung seltsamer Spuren im Flysch. In: Apollo. Band 30, 1972, S. 1–2 (). selbst aufgenommen, nicht nur gekauft hat, was aber anhand der im Wiener Naturhistorischen Museum befindlichen Fotografien nicht mehr zweifelsfrei geklärt werden kann, wären diese eine Art Prä-Fluviana.
Künstlerische Ausbildung hochkant|miniatur|Im Miethaus „Zum grünen Kleeblatt“ (Neustiftgasse 25) wohnte Fischer während seines Studiums in Wien Nach der Matura studierte Adolph Johannes Fischer an der Universität Wien Kunstgeschichte, klassische Archäologie, Germanistik und Philosophie. Daneben besuchte er die Wiener Kunstgewerbeschule, wo er zwischen 1904 und 1906 gemeinsam mit Anton Kolig und Oskar Kokoschka Anton von Kenners „Abteilung für Lehramtscandidaten des Freihandzeichnens an Mittelschulen“ besuchte. Anschließend studierte er an der allgemeinen Maler- und Meisterschule der Akademie der bildenden Künste bei den Professoren Christian Griepenkerl und Rudolf Bacher und war Meisterschüler von Kasimir Pochwalski. Im Jahr 1911 dissertierte er zwar bei Max Dvořák und Josef Strzygowski über „Die Wiener Kupferstecher 'Schmuzer' im 18. und 19. Jahrhundert“, trat aber aus bislang unbekannten Gründen nicht zum Rigorosum an, weshalb zwar seine Dissertation gerade noch approbiert, Fischer selbst aber nicht promoviert wurde (Somit zählt Fischer zu jener kleinen Minderheit von Studienabbrechern, die eine approbierte Dissertation verfasst, aber mangels bestandenem Rigorosum keinen Doktorgrad erhalten haben).Die im Rigorosenakt enthaltene Dissertationsbegutachtung von Dvořák und Strzygowski schließt: „So konnte die Arbeit nur mit Anwendung der größten Nachsicht als eine gerade noch den gesetzlichen Anforderungen entsprechende bezeichnet werden.“
Der Schriftsteller Felix Braun beschreibt in seiner 1949 veröffentlichten Autobiografie „Das Licht der Welt“ seinen mit Franz Theodor Csokor befreundeten Studententage-Freund Adolph Johannes Fischer, der ihm bei den Vorlesungen von Franz Wickhoff und Friedrich Jodl als Art „romantischer oder savoyardischer Jüngling“Felix Braun: „Das Licht der Welt“. Autobiografie (1949). S.396. Weitere Fischer-Nennungen folgen auf den Seiten 402f. sowie 447f. aufgefallen war. Wenig später stellte sich Fischer Braun selbstbewusst als Dichter vor. Brauns Memoiren verdanken wir den Hinweis, dass Fischer auch mehrere Musikinstrumente, darunter die italienische Streichmandoline, spielte, sowie eine detaillierte Zeitzeugenbeschreibung Fischers.Felix Braun: „Das Licht der Welt“. Autobiografie (1949). S. 447f.
Lehr- und Künstlertätigkeit Nach Abschluss des Lehramtsstudiums kehrte Fischer 1909 in seine Heimatstadt Gmunden zurück, wo im August 1907 vom „Gmundner Saisontheater“ sein Einakter „Nitokris“ aufgeführt worden war. Wie sein 1908 verstorbener Vater, dessen 1887 gegründete, landesbehördlich konzessionierte Zeichen- und Malschule er fortführte, unterrichtete Fischer am Gmundner Gymnasium Zeichnen (sowie Mathematik und Darstellende Geometrie) und malte im Auftrag der Stadt Gmunden sowie des Salzkammergutes für diverse Herrscherhäuser und deren Umfeld. Weiters gestaltete Fischer anlässlich des „50 Jahr“-Jubiläums der „Kurstadt Gmunden“ 1911 das Jubiläumsfestschiff der Stadtgemeinde und Kurkommission Gmunden für den großen Kurstadt-Jubiläums-Blumenkorso auf dem Traunsee.
Während des Ersten Weltkriegs schuf er für die oberösterreichische Stadt Enns das „Eiserne Edelweiß“, einen für die öffentliche Benagelung gedachten Wehrschild, der die Bevölkerung zu Spenden für die Witwen und Waisen, der im Weltkrieg ums Leben gebrachten Männer anhalten sollte und seit 2011 im „Tirol Panorama“ ausgestellt wird:Die folgende zeigt Fischers Wehrschild im Abschnitt der „Tiroler Kaiserschützen“. „Der Wehrschild, ein großes Edelweiß, das dem Regiment verliehene Feldzeichen, wurde in mächtiger monumentaler Wirkung von Professor Ad. Joh Fischer geschaffen, der auf Einladung des Offizierskorps der erhebenden Feier beiwohnte. Der Wehrschild wird zur Vernagelung auch an die Front gesendet und sodann im Regimentsmuseum ausgestellt werden.“Wiener Zeitung: „(Wehrschild des Landesschützenregiments Nr. II“. Samstag, 27. November 1915).
Nach dem Tod seiner Mutter Julie Fischer (26. Jänner 1850 – 23. November 1917) übersiedelte Fischer Anfang 1918 nach Salzburg, wo er am k.k. Staatsgymnasium Zeichnen, Mathematik, Schreiben und Kunstwissenschaft unterrichtete und 1921 Vorbereitungen für die Adoption des damals 18-jährigen Friedrich Wilhelm Heinrich Christoph Edler von Güllern traf, die 1925 offiziell erfolgt ist, deren Beweggründe aber vorerst nicht zu eruieren sind.
Schriftsteller und Kunstsammler Neben seiner Unterrichtstätigkeit wendet sich Fischer in Salzburg wieder der Literatur zu. Er veröffentlicht zwei Bände mit Jugendgedichten („Die versunkene Stadt“, 1923; „Satan“, 1923) und den Roman „Ich suche Mirjam“ (1924). Gelegentlich schreibt er auch für Zeitungen und Zeitschriften. Zudem wird er eingeladen, im Rahmen des „VI. Internationalen Kongresses für Zeichnen, Kunstunterricht und angewandte Kunst in Prag“ (29. Juli – 5. August 1928), wo auch Zeichnungen seiner Schüler ausgestellt werden, einen Vortrag über „Neue Wege der Kunsterziehung“ zu halten.
Die Entstehungsgeschichte von Fischers wertvoller Gemälde- und Gotik-Sammlung, die weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt war, ist nicht bekannt – möglicherweise hat er sie von seinem Vater geerbt. Sicher ist, dass seine mit kostbaren gotischen Plastiken, Bildern und wertvollen Kunstgegenständen ausgestattete Wohnung, in dem von Jakob Ceconi geplanten und erbauten Haus Haydnstraße 5, von der Salzburger Festspielprominenz als Sehenswürdigkeit wahrgenommen wurde: „Sein Prunkstück, um dessentwillen Kenner aus aller Welt sich in seinem Atelier, die seine Wohnung auch war, einfanden, ist eine herrliche gotische Madonna, die Schöne Madonna genannt; wenn er die edle Schönheit dieser Statue vollends zeigen wollte, verdunkelte er den Raum und ließ das herrliche Madonnenprofil im sanften Kerzenschein bewundern.“Professor i.R. Adolph Fischer gestorben. Salzburger Chronik, 23. November 1936, S. 5.
Begegnung mit James Joyce Die bekanntesten Besucher der Wohnung, die laut Zeitungsberichten „einem Museum oder einer Galerie“ glich, waren Marlene Dietrich und der im Sommer 1928 in Salzburg urlaubende irische Schriftsteller James Joyce, den Fischer damals kennenlernte und für das Salzburger Volksblatt porträtiert hat.Adolph Johannes Fischer: . Salzburger Volksblatt. (25. August 1928) Das geschriebene Porträt erfreute Joyce so sehr, dass er „Prof. Fischer“ eigens die jüngste Ausgabe der Avantgarde-Zeitschrift „Transition“ mit dem jüngsten Kapitel seines „Work in Progress“ zusenden ließ.