Aeroflot – Russische Luftfahrtlinien (/Transkription ), ist die größte russische Fluggesellschaft mit Sitz in Moskau und Drehkreuz auf dem Flughafen Moskau-Scheremetjewo. Aeroflot war zu Zeiten der Sowjetunion mehrere Jahrzehnte lang die größte Fluggesellschaft der Welt. Als Staatsunternehmen befindet sich Aeroflot weiterhin zu 73,8 Prozenthttps://www.interfax.ru/business/989328 im Eigentum des russischen Staates; die Mitgliedschaft in der Luftfahrtallianz SkyTeam wurde nach der russischen Invasion in die Ukraine im April 2022 suspendiert. Die Fluggesellschaft Pobeda ist eine 100-prozentige Tochter der Aeroflot.

Geschichte Anfangsjahre Der 9. Februar 1923 wird offiziell als Geburtsdatum der russischen Zivilluftfahrt angesehen. Der Rat für Arbeit und Verteidigung gab an diesem Tag eine Entschließung heraus, die die Verwaltung der zentralen Luftflotte bevollmächtigte, die technische Überwachung von Fluggesellschaften und die Gründung eines Zivilluftfahrt-Rates vorzunehmen. In: aeroflot.ru, Aeroflot, abgerufen am 25. Januar 2017. Am 8. März 1923 wurde in der jungen Sowjetunion der „Verein der Luftfahrtfreunde“ gegründet, der es sich zum Ziel machte, Geldmittel für den Bau von Flugzeugen zu sammeln und die Vorteile der Luftfahrt zu propagieren. Am 17. März fand die konstituierende Versammlung der „Aktiengesellschaft Dobroljot“ (), der ersten Luftfahrtgesellschaft der Sowjetunion, statt. Neben den Vereinsmitgliedern kauften auch Funktionäre die zum Preis von je 1,05 Rubel emittierten Aktien. Lenin soll 60 Aktien gekauft haben.

Im selben Jahr wurden die ukrainische Luftfahrtgesellschaft „Ukrwosduchput“ sowie die kaukasische „SakAvia“ gegründet. Durch Parolen wie etwa „Wer nicht Aktionär von Dobroljot ist, der ist auch kein Bürger der Sowjetunion“ eingeschüchtert, spendeten die Arbeiter ihren Lohn und die Bauern ihre Erzeugnisse an den Verein unter Vorsitz von Feliks Dzierżyński und Michail Frunse oder kauften Aktien von Dobroljot.

Für die erste Flotte der neuen Luftfahrtgesellschaft wurden in Deutschland 15 Flugzeuge vom Typ Junkers F 13 gekauft. Die erste Linie von Moskau nach Nischni Nowgorod wurde am 15. Juli 1923 mit einer F 13, gesteuert von J. N. Moissejew, eröffnet. Ein großer Anteil ausländischer Typen, vor allem deutsche und US-amerikanische, sollten noch bis weit in die 1930er Jahre hinein das Bild der zivilen Luftfahrt der Sowjetunion prägen. Mit der AK-1 flog 1924 der erste einheimische Flugzeugtyp bei Dobroljot. Auslandsflüge konnte die Gesellschaft immer noch nicht ausführen und so verlängerte die Regierung der Sowjetunion den Vertrag mit der deutsch-russischen Fluggesellschaft Deruluft für Flüge von Moskau über Königsberg nach Berlin.

Am 29. Oktober 1930 fusionierte Dobroljot mit der Aktiengesellschaft Ukrwosduchput, die 1925 die SakAvia übernommen hatte, zur „Allunionsvereinigung der Zivilluftflotte“ (WO GWF).

Nach Entstehen der Aeroflot mini|Eine Iljuschin Il-14 der Aeroflot mini|Eine Tupolew Tu-124 der Aeroflot im Jahr 1967 mini|Eine Iljuschin Il-62 der Aeroflot im Jahr 1976 mini|Eine Tupolew Tu-144 der Aeroflot im Jahr 1976 mini|Aktuelles Logo der Aeroflot in kyrillischer Schrift

Am 25. Februar 1932 wurde die WO GWF zur „Hauptverwaltung der Zivilluftflotte“ (GU GWF) umgewandelt und ihr sämtliche zivilfliegerische Aktivitäten des Landes unterstellt mit Ausnahme der Polarluftflotte (Poljarnaja Awiazija), für die die Hauptverwaltung Nördlicher Seeweg verantwortlich zeichnete. Die mittlerweile zu einem riesigen Verband der zivilen Luftfahrt angewachsene GU GWF erhielt am 5. März desselben Jahres als Kurzbezeichnung den Namen „Aeroflot“. Die Flotte der Fluggesellschaft zählte nun über 100 aktive Flugzeuge, darunter einige sowjetische wie ANT-9 und K-5. Einer der wichtigsten Flugzeugtypen der Aeroflot war ab 1939 die in mehreren tausend Exemplaren produzierte Li-2, eine Lizenzversion der DC-3. Bis 1940 war das Streckennetz der Aeroflot auf 138.700 km angewachsen, auf denen in jenem Jahr 400.000 Passagiere und 58.400 t Fracht befördert wurden.Wilfried Kopenhagen: Lexikon Sowjetluftfahrt. Elbe–Dnjepr, Klitzschen 2007, ISBN 978-3-933395-90-0, S. 302. Während des Zweiten Weltkrieges wurden sämtliche Aktivitäten in den Dienst des Militärs gestellt. So wurden Transportflüge zur Versorgung des eingeschlossenen Leningrad oder von Partisanen im deutschen Hinterland ebenso durchgeführt wie das Absetzen von Luftlandetruppen oder Verwundetentransporte. Von 1941 bis 1945 beförderte Aeroflot solchermaßen 4,5 Mio. Personen sowie etwa 400.000 t Fracht.

In den Jahren nach Kriegsende sonderte Aeroflot ihre bis dahin genutzten Flugzeugtypen wie die Li-2 aus und ersetzte sie durch neuentwickelte Typen wie Il-12 oder Il-14. Im Jahr 1956 setzte die Gesellschaft als eine der ersten weltweit mit der Tu-104 ein ziviles Strahlverkehrsflugzeug ein. Weitere Meilensteine stellen die Einführung der Turboprop-Verkehrsflugzeuge Tu-114 und Il-18 Ende der 1950er Jahre dar. In großer Zahl wurden ab den 1960er Jahren die Tu-134 und Il-62 in den Bestand aufgenommen.

Die Aeroflot, mit rund 3000 Flugzeugen in den 1960er-Jahren größte Fluggesellschaft der Welt, ermöglichte es Sowjetbürgern, sehr günstig zu reisen. Die Tickets waren teils günstiger als eine Bahnfahrt und der Spiegel schrieb 1967, mit einem Korb Kirschen, den man schwarz in Moskau verkaufte, hätte man das Ticket von der Krim nach Moskau amortisieren können. Gemäß Sommerflugplan 1966 fanden täglich 1.700 Flüge statt; insgesamt flogen im Jahr 1966 48 Millionen Passagiere mit der Aeroflot, deren Liniennetz 565.000 Kilometer umfasste.

Im Jahr 1975 begann Aeroflot den Flugbetrieb des Überschallverkehrsflugzeuges Tu-144, der knapp drei Jahre später wieder eingestellt wurde.

Die Flotte der Aeroflot erreichte bis mehr als 10.000 Flugzeuge, davon etwa 700 größere Verkehrsflugzeuge, sie versorgte das Land flächendeckend. Im Jahr 1982 umfasste allein das Inlandroutennetz rund 1 Mio. Kilometer mit 3600 angeflogenen Zielen. Die Transportleistung betrug in jenem Jahr 500 Mio. Passagiere und 14 Mio. Tonnen Fracht. Im Ausland wurden 111 Ziele in 90 Ländern angeflogen. Die Aeroflot betrieb auch Hubschrauber und Agrarflugzeuge wie z. B. die Mi-6 oder An-2.

Aeroflot-Filialen waren während des Kalten Krieges Anlaufstellen für Kuriere und Verbindungsleute der sowjetischen Geheimdienste und gemäß Schätzungen zu über 50 Prozent mit Personal aus ausgebildeten KGB-, aber vor allem GRU-Agenten besetzt.Joachim Westerbarkey: Das Geheimnis: Zur funktionalen Ambivalenz von Kommunikationsstrukturen. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-322-83908-4, S. 87.James M. Olson: Fair Play: The Moral Dilemmas of Spying. Potomac Books, 2006, ISBN 1-57488-949-4, S. 253. Die Aeroflot-Beschriftung diente auch als Tarnung von militärischen Transportflugzeugen, Aufklärungsflugzeugen und Versuchsflugzeugen, die auf Grundmustern basierten (zum Beispiel Il-18, Il-76) die auch wirklich im Einsatz der Aeroflot waren.Jefim Gordon, Dmitriy Komissarov: Ilyushin Il-76: Russia's Versatile Jet Freighter. ISBN 978-1-85780-106-4.Jefim Gordon: Ilyushin IL-18/20/22: A Versatile Turboprop. ISBN 978-1-85780-157-6. Die Flugzeuge der Gesellschaft fertigten zudem strategische Luftaufnahmen an.Kaviar und Kognak. Spiegel, 4. September 1967. Bei der Privatisierung der Gesellschaft sei die Durchtränkung der Gesellschaft mit dem Geheimdienstnetzwerk und dessen mächtigen Interessen laut Alex Goldfarb als eine besondere Herausforderung während des Kaufs von Beteiligungen durch Boris Beresowski erkannt worden.Alex Goldfarb: Death of a Dissident: The Poisoning of Alexander Litvinenko and the Return of the KGB. Verlag Simon and Schuster, 2010, ISBN 978-1-4165-6076-0, S. 141. (Sinngemäß: Aeroflot war von allen großen Staatsbetrieben der am meisten mit Spionagediensten gesättigte.) Der durch die Fürsprache von Beresowski eingesetzte Manager Nikolai Gluschkow berichtete, er hätte bei einem Personalbestand von 14.000 Mitarbeitern im Jahr 1996 den Geheimdiensten einfach für jene 3000 Mitarbeiter, welche ihm gar nicht operationell unterstanden, Rechnungen für deren Gehälter versendet.Alex Goldfarb: Death of a Dissident: The Poisoning of Alexander Litvinenko and the Return of the KGB Verlag Simon and Schuster, 2010, ISBN 978-1-4165-6076-0, S. 142, (Sinngemäß übersetzt: Die Spione hatten die Fluggesellschaft in eine Milchkuh zur Finanzierung der Auslandsaktivitäten verwandelt. Alle Leiter der Auslandsbüros waren Geheimdienstmitarbeiter und dem Management keine Rechenschaft schuldig.) Zitiert auch als Fußnote 73 in Manfred Quiring: Russland: Orientierung im Riesenreich. Ch. Links Verlag, 2013, ISBN 978-3-86284-230-8.

Zerfall der Sowjetunion Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 ging auch der Zerfall der Aeroflot und ihrer Flotte von über 5.000 Flugzeugen einher. Zahlreiche Gesellschaften wurden regional selbständig und bildeten hunderte Einzelgesellschaften.Aeroflot – Phönix aus der Asche. aero.de, 23. September 2010. Einzelne daraus hervor gegangene Gesellschaften konkurrieren heute mit der Aeroflot. Seit 1992 ist diese eine offene Aktiengesellschaft und im RTS-Index gelistet. 1993 richtete sie sich neu aus und benannte sich in „Aeroflot – Russian International Airlines“ (ARIA) um.

mini|Business-Klasse an Bord eines Airbus A330-200 der Aeroflot

Seit dem 14. April 2006 ist Aeroflot Mitglied der Luftfahrtallianz SkyTeam, der beispielsweise auch Air France angehört. Zu diesem Zeitpunkt war sie die erste russische Fluggesellschaft in einer weltweiten Allianz. Im Februar 2010 wurde bekannt, dass Aeroflot binnen zwei Jahren mit Rossija sowie weiteren fünf kleineren russischen Regionalfluggesellschaften unter der Marke Aeroflot fusionieren soll: In: airliners.de, 3. Februar 2010, abgerufen am 25. Januar 2017. Vladivostok Avia, Kavminvodyavia, Orenair, Saravia und SAT Airlines.

Am 30. März 2014 musterte Aeroflot ihre letzten von ehemals sechs Iljuschin Il-96-300 aufgrund deren bereits länger bemängelten Unwirtschaftlichkeit aus. Aeroflot retires the Ilyushin IL-96 from service. In: ch-aviation.com, 1. April 2014, abgerufen am 25. Januar 2017 (englisch).

In den Jahren 2014 und 2015 flog die Aeroflot Verluste ein im Zusammenhang mit der Rubel-Abwertung und Wirtschaftskrise. 2016 schrieb die Gesellschaft wieder Gewinn, unter anderem nach einer Passagierzunahme um 10 Prozent nach der Einstellung der Flüge von Transaero.Der Kreml will russische Maschinen am Himmel sehen. NZZ, 31. Januar 2017.

Bei Antritt des neuen CEO Michail Polubojarinow 2020 wurde ein Wachstum von 60 Millionen Passagieren der Gruppe im 2020 auf 130 Millionen 2028 angepeilt. Aeroflot sollte dabei die internationale Premium-Airline sein, während ein Teil der Aeroflot-Strecken günstiger von Pobeda übernommen werden sollten.

Russischer Überfall auf die Ukraine Am 6. März 2022, gut 10 Tage nach dem Überfall auf die Ukraine, stellte Aeroflot den Flugbetrieb ins Ausland ein. Die beiden CEOs von Aeroflot und Pobeda traten zurück.Der Begründer der Aeroflot-Strategie verließ Russland, RBK, 12. März 2022 Am 11. April 2022 wurde die Gesellschaft auf die als „Schwarze Liste“ bezeichnete EU-Flugsicherheitsliste gesetzt und ihr damit der Betrieb in der EU untersagt. Grund dafür ist, dass die russische Föderale Agentur für Lufttransport russischen Gesellschaften erlaubt, ausländische Luftfahrzeuge ohne gültiges Lufttüchtigkeitszeugnis zu betreiben. Am 27. April 2022 wurde die Skyteam-Mitgliedschaft „vorübergehend suspendiert“.

Vor dem Krieg hatte Aeroflot 56 Länder angeflogen, im Mai 2022 noch 13 Länder. Für die Zeit nach Sommer 2022 wurde zu diesem Zeitpunkt erwartet, dass Aeroflot einen Teil der Flotte als Ersatzteilspender verwenden werde.Bloomberg: „Aeroflot“ wird aufgrund eines Ersatzteilmangels in drei Monaten mit der Demontage seiner Flugzeuge beginnen müssen, Meduza, 22. Mai 2022 Im ersten Halbjahr 2022 beförderte Aeroflot 17 Millionen Passagiere, 7,4 % weniger als im Vorjahr.