mini|Klimadiagramm von MariehamnSoftware: Geoklima 2.1
() ist die Hauptstadt der autonomen finnischen Region Åland und die einzige Stadt der Ålandinseln. Sie liegt auf der Hauptinsel Fasta Åland und bildet eine von drei Verwaltungsgemeinschaften Ålands. Mariehamn ist schwedischsprachig und hat Einwohner (Stand ). Es ist Sitz des Lagtings (früher Landsting genannt), des Parlaments der autonomen Provinz Åland.
Benannt wurde Mariehamn („Mariahafen“) nach Maria Alexandrowna, der Gemahlin Zar Alexanders II., der 1861 die Stadt gründete, als Finnland und Åland zum Russischen Kaiserreich gehörten.
Geschichte Die rechtwinklige Stadtanlage der Innenstadt von Mariehamn geht auf einen Plan des Architekten Georg Theodor Chiewitz von 1859 zurück. Ursprünglich sollte die Stadt auf Befehl des Zaren ausschließlich aus Steinbauten bestehen; doch bereits 1863 wurde hiervon Abstand genommen und die Errichtung von Holzhäusern gestattet.Heiner Labonde: Finnland – Åland-Inseln. Offenbach 2011, S. 99.
Gegen Ende der 1880er Jahre entstanden Pläne, Mariehamn zu einem Kur- und Badeort auszubauen; daher wurden am heutigen Westhafen 1889 ein Kurhaus und 1900 ein großes Strandhotel gebaut.Kjell Ekström: Åland - skärgård i Östersjön. Mariehamn 2006, S. 53. Die beiden repräsentativen Lindenalleen, die noch heute das Gesicht der Stadt prägen und ihr den Beinamen „Stadt der 1000 Linden“ einbrachten, wurden 1900 angelegt.Kjell Ekström: Åland – skärgård i Östersjön. Mariehamn 2006, S. 51.
Von den 1920er bis in die 1940er Jahre war Mariehamn Heimathafen einer der letzten großen Windjammer-Flotten, unter dem Reeder Gustaf Erikson. Zu seinen Schiffen gehörten mehrere ehemalige Flying P-Liner, die für ihre Geschwindigkeit berühmten Schiffe der Hamburger Reederei F. Laeisz, so die 1957 unter deutscher Flagge gesunkene Pamir sowie die Schwesterschiffe Passat und Peking, die heute als Museumsschiffe in Travemünde beziehungsweise Hamburg liegen. Im Hafen von Mariehamn verblieben ist die Viermastbark Pommern, ebenfalls ein früherer Flying P-Liner und jetzt Exponat des Ålands sjöfartsmuseum.
Ende April 1994 fand in Mariehamn die erste der beiden Vorverhandlungen über das Waffenstillstandsabkommen im Ersten Krieg um Bergkarabach statt.
Bevölkerungsentwicklung Die Einwohnerzahl der Stadt ist in den letzten dreißig Jahren kontinuierlich angestiegen (Stand: 31. Dezember 2018): Bevölkerungsentwicklung von Mariehamn Jahr 1987 1990 1997 2000 2006 2012 2018 2022 Einwohner 9.966 10.263 10.408 10.488 10.824 11.346 11.743 11.757
Politik 2015 Bei der letzten Kommunalwahl 2015, die gleichzeitig mit der Parlamentswahl in Åland 2015 stattfand, wurde ein neuer Stadtrat gewählt. Als Wahlsieger ging die Moderate Sammlung für Åland hervor, dicht gefolgt von Ålands Sozialdemokraten. Beide Parteien errangen jeweils sieben Mandate. Im Vergleich zum Ergebnis der Landgemeinden auf Åland lässt sich in Mariehamn feststellen, dass die Moderate Sammlung für Åland sowie Ålands Sozialdemokraten in der einzigen Stadt Ålands deutlich bessere Wahlergebnisse erreichen als auf dem Land. Alle weiteren Parteien haben in Mariehamn ebenfalls ein durchschnittlich besseres Ergebnis eingefahren als auf dem Land, da auf dem Land viele unabhängige Kandidaten antraten. Nur das Åländische Zentrum als nordische Agrarpartei ist in Mariehamn im Gegensatz zu den Landgemeinden schwächer. Statistik 7: 2011 (ÅSUB), S. 5
2019 Bei den Kommunalwahlen am 20. Oktober 2019 kam es zu folgenden Ergebnissen: (); PDF 953,5 KB, abgerufen am 6. Mai 2020
Die Moderate Sammlungspartei verlor ihre Position als stärkste Kraft im Stadtrat an die Liberalen. Neu hinzugekommen ist die Nachhaltige Initiative, die für ökologisch orientierte Politik im Sinne Grüner Parteien eintritt. Die Åländischen Demokraten verloren ihren bei der letzten Wahl errungenen Sitz wieder. 2023 Bei den Kommunalwahlen am 15. Oktober 2023 kam es zu folgenden Ergebnissen:
Wirtschaft, Transport, Infrastruktur und Bildung mini|Fähren im Hafen von Mariehamn Mariehamn ist per Schiff erreichbar. Die großen Fähren aus Stockholm, Kapellskär, Turku, Helsinki und Tallinn der Fährgesellschaften Viking Line, Silja Line und Tallink legen teilweise mehrmals täglich in Mariehamn an. Mariehamn ist, gemessen an der Tonnage der Handelsflotte, die zweitgrößte finnische Hafenstadt nach Helsinki. Die Attraktivität des Hafens beruht auf der Abgabenfreiheit verschiedener Produkte, da Åland zollrechtlich gesehen außerhalb der gemeinsamen EU-Zollzone liegt und daher bestimmte Güter duty-free auf den Inseln verkauft werden können.
Der Flughafen Mariehamn befindet sich in der Nachbargemeinde Jomala, etwa 3 Kilometer nordwestlich des Zentrums von Mariehamn.
Mariehamn ist Hauptsitz der meisten großen åländischen Unternehmen. So haben die åländischen Reedereien Viking Line und Rederiaktiebolaget Eckerö, die Fabrik Taffel zur Produktion von KartoffelchipsWebsite Taffel, abgerufen am 11. Juli 2024. sowie die Ålandsbanken hier ihren Hauptsitz.
In Mariehamn befindet sich auch das Hauptkrankenhaus der Insel, das Ålands Hälso- och Sjukvård. Der elektrische Strom für die Inselbewohner und dortigen Unternehmen wird aus Windkraft und Sonnenenergie gewonnen, ergänzend kann Atomstrom vom Festland zugeschaltet werden. Der Stromnetzbetreiber ist Åland's Elandelslag. Langfristig ist eine komplette Umstellung auf Erneuerbare Energien geplant. Ein Pumpspeicherkraftwerk, das anstelle eines alten Erzschachtes eingerichtet werden soll, puffert Zeiten mit wenig Wind und wenig Sonnenschein ab.Aland setzt auf erneuerbare Energien, abgerufen am 11. Juli 2024.
Eine früher vorhandene Eisenbahnlinie auf der Insel wurde wohl in den 1950er Jahren eingestellt.
Ein gut ausgebautes Straßensystem, deren Hauptrouten als Autoschnellstraßen ausgelegt sind, verbindet alle Ortschaften der Hauptinsel. Außerdem verkehren auch reguläre Omnibuslinien.
Während in jeder Gemeinde mindestens eine Schule für die ersten neun Jahre betrieben wird, sind alle weiterführenden Lehranstalten, insbesondere die gymnasiale Oberstufe, in Mariehamn konzentriert. Für Besucher wird auch ein Schulmuseum unterhalten. Auch die Universität für angewandte Wissenschaften (Högskolan på Åland) hat ihren Sitz in Mariehamn.Website der Uni, abgerufen am 11. Juli 2024.
Kultur und Sehenswertes Mittelpunkt Mariehamns ist der Marktplatz (Torget), auf dem ein Glockenturm und ein Musikpavillon errichtet wurden. Hier befindet sich auch das mit weißem Marmor verkleidete Parlamentsgebäude (Lagting) der Åland-Inseln, das 1976–1978 nach Plänen von Helmer Stenros erbaut wurde.Heiner Labonde: Finnland – Åland-Inseln. Offenbach 2011, S. 110. Auf einem Hügel südlich des Marktplatzes erhebt sich das repräsentative Rathaus Stadshus der Stadt, 1938 nach den Plänen des finnischen Architekten Lars Sonck (1870–1956) im typischen Stil der 1930er Jahre errichtet.Kjell Ekström: Åland – skärgård i Östersjön. Mariehamn 2006, S. 46. Das Rathaus ist von gepflegten Parkanlagen umgeben, in denen mehrere Denkmäler errichtet wurden, z. B. für die russische Zarin Maria Alexandrowna, nach der die Stadt benannt ist. In der nahegelegenen Straße Södragatan sind noch zahlreiche Gebäude aus der Zeit der Gründung Mariehamns erhalten.
Am Osthafen ist das aus renovierten Bootsschuppen und Holzhäusern bestehende Seefahrerviertel (Sjökvarteret) sehenswert, wo in einer kleinen Werft alte Schiffe restauriert und neue Schiffe nach historischen Plänen gebaut werden. Unmittelbar am Meer steht die kleine ökumenische Seefahrerkapelle (Sjöfararkapellet), die eine Grundfläche von ca. 5 × 7 m bedeckt und im Jahr 2008 von freiwilligen Helfern aus Holz errichtet wurde. Sie dient u. a. für Trauungen und Taufen und erinnert an die Tradition, dass früher für Seefahrer unmittelbar vor dem Beginn einer gefährlichen Reise Gottesdienste abgehalten wurden.
Zu den markantesten Neubauten Mariehamns zählt die 1989 nach Plänen von Hans J. Stenius fertiggestellte Stadtbibliothek. 2009 wurde das nach den Plänen der dänischen Architekten Kjaer & Richter errichtete Kultur- und Kongresszentrum Alandica am Osthafen eröffnet.alandica.ax abgerufen am 14. Dezember 2023.
Am Westhafen befindet sich das bekannte Seefahrtsmuseum der Åland-Inseln (Ålands Sjöfartsmuseum), vor dem 1936 zum Gedenken an die auf See gebliebenen Seeleute das Denkmal Der Mann am Steuer von dem Bildhauer Emil Cederkreutz aufgestellt wurde.Heiner Labonde: Finnland – Åland-Inseln. Offenbach 2011, S. 105. Zum Denkmal gehört ebenfalls eine Mauer, auf der die Namen vieler Seeleute, die dieses Schicksal erlitten, eingraviert sind. Unweit des Westhafens erhebt sich auf einem Hügel die Seefahrtsschule, 1937–1938 von Lars Sonck geplant, die inzwischen ein Teil der Hochschule der Ålandinseln ist. Die Seefahrtsschule wurde 1854 in Godby gegründet und 1866 an die heutige Stelle verlegt.
Ein beliebtes Ausflugsziel ist die südlich gelegene, zu Mariehamn gehörende Insel Storlandet mit der ehemaligen Lotsenstation Kobba Klintar.
Ausgewählte Bauwerke und Sehenswertes
Städtepartnerschaften Partnerstädte Mariehamns sind Gotland, Schweden Kragerø, Norwegen Valkeakoski, Finnland Kópavogur, Island Tórshavn, Färöer Lomonossow, Russland Kuressaare, Estland
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt Hilda Hongell (1867–1952), Baumeisterin Kaarlo Mäkinen (1892–1980), Ringer und Olympiasieger Johan Hellström (1907–1988), Boxer Clas Zilliacus (1943–2026), Literaturwissenschaftler und Übersetzer Mikael Granskog (* 1961), Fußballspieler und -funktionär Stefan Lindfors (* 1962), Innenarchitekt und Designer Henrik Klingenberg (* 1978), Keyboarder Daniel Sjölund (* 1983), Fußballspieler Adelina Engman (* 1994), Fußballspielerin Oscar Wiklöf (* 2003), Fußballspieler
Personen mit Beziehungen zur Stadt Amanda Chanfreau (* 1983), Künstlerin, in Mariehamn aufgewachsen Gustaf Erikson (1872–1947), letzter Großreeder einer reinen Seglerflotte, in Mariehamn gestorben Pekka Yli-Niemi (1937–1963), Skispringer, in Mariehamn gestorben
Siehe auch Godby (Åland)
Weblinks
Webpräsenz von Mariehamn
Einzelnachweise
Kategorie:Seutukunta in Finnland Kategorie:Verwaltungsgemeinschaft in Åland Kategorie:Ort in Åland Kategorie:Marie von Hessen-Darmstadt als Namensgeber Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1861