Fischbach bei Dahn ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Südwestpfalz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Dahn hat; gemessen an der Fläche von etwa 33 km² ist Fischbach die zweit- und gemessen an der Einwohnerzahl die drittgrößte Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde.

Fischbach ist ein staatlich anerkannter Erholungsort sowie Grenzort zu Frankreich.

Der Ort wurde erstmals 1196 urkundlich erwähnt und war im Laufe seiner Geschichte Teil verschiedener Herrschaftsgebiete. Fischbach spielte eine Rolle in der Französischen Revolution und war mehrfach von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. Heute ist die Gemeinde vor allem als Wohnort und touristisches Ziel bekannt. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen Überreste eines ehemaligen NATO-Sondermunitionslagers, die Ulrichskapelle und bizarre Felsformationen. Die Wirtschaft basiert hauptsächlich auf Tourismus, wobei das Biosphärenhaus und der Baumwipfelpfad bis zu ihrer Schließung 2023 wichtige Attraktionen waren.

Geographie Geographische Lage mini|links|Fischbach bei Dahn

Fischbach liegt im südlichen Pfälzerwald, dem deutschen Teil des Wasgaus, in dessen Teilbereich Stürzelbronn-Schönauer Felsenland, das eine Untereinheit des Dahner Felsenlands bildet. Lediglich der Norden der Gemarkung gehört zur Wasgauer Untereinheit Südwestlicher Pfälzerwald. Nächstgelegene Stadt ist Dahn 8 km (Luftlinie) im Nordosten. Die deutsch-französische Grenze zum Elsass bildet die südliche Ortsgrenze, nächster Straßen-Grenzübergang ist in 6 km Entfernung Hirschthal.

Dem Hauptort Fischbach sind der Ortsteil Petersbächel, der Wohnplatz Wappenschmiede und der zu Petersbächel gehörende Unterpetersbächlerhof angegliedert. Weitere Höfe, darunter der seit dem 12. Jahrhundert bestehende Faunerhof und mehrere im 18. Jahrhundert auf Fischbacher Gemarkung gegründete Höfe wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts abgebrochen. Lediglich der 1770 erstmals erwähnte Wolfsägerhof hatte Bestand bis 1957.

Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Dahn, Bruchweiler-Bärenbach, Rumbach, Schönau, Niedersteinbach, Obersteinbach, Ludwigswinkel und Lemberg.

Erhebungen Die Senke, in der Fischbach liegt, wird eingeschlossen von etwa hohen Erhebungen. Die höchsten Berge der weiteren Umgebung sind im Nordosten der Große Eyberg () und im Süden, schon hinter der französischen Grenze, der Maimont (). Die Gipfel beider Berge sind jeweils etwa 4 km vom Ort entfernt jenseits der Gemarkungsgrenze.

Im Norden der Gemarkung unweit der Grenze zu Dahn erstrecken sich der hohe Große Mückenkopf, der den höchsten Punkt innerhalb der Gemeindegemarkung bildet, und südlich von ihm der Nollenkopf () sowie der Stolzenberg. Weiter südwestlich erhebt sich der hohe Mückenberg. Im Nordwesten liegen der Großebet () sowie der Kleinebet () und ganz im Nordwesten der Dielkopf (). Weiter in Siedlungsnähe liegt der Große Helmersberg () samt seinem Südostsporn, dem Kleinen Helmersberg (). Unmittelbar nordwestlich des Siedlungsgebiets erhebt sich der hohe Große Samsberg.

Im Nordosten der Gemarkung erstrecken sich der hohe Große Deckenberg und der Kleine Dahlberg; unmittelbar südöstlich schließt sich der messende Lüderkopf an und direkt an der Grenze zu Rumbach der Große Roßberg (). Weiter westlich erheben sich der Lindenfels () und die Alte Kupp (). Im Südwesten der Gemarkung befindet sich außerdem der hohe Lindelskopf und im Süden unweit der Grenze zu Frankreich der Große Florenberg ().

Gewässer mini|hochkant|Namensgebender Fluss in der Ortsmitte Fischbach breitet sich auf Höhe in einer weitläufigen Talaue des in diesem Bereich in West-Ost-Richtung verlaufenden Saarbachs aus, der wenige Kilometer weiter Deutschland nach Frankreich hin verlässt und im Nachbarland Sauer heißt. Durch das Siedlungsgebiet verläuft der Fischbach, der von links in den Saarbach mündet. Wenig später kommt von rechts das Petersbächel, das nordöstlich des gleichnamigen Fischbacher Ortsteils entspringt. Weiter östlich folgen von links unmittelbar nacheinander der Brunnengraben und der Spießbach. Der Roßbach bildet in seinem Oberlauf teilweise die Gemarkungsgrenze zu Dahn und mündet schließlich in den Spießbach. Unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zu Rumbach mündet von links außerdem der Sumpflochgraben.

Der Saarbach und seine Nebenbäche sind an mehreren Stellen zu Woogen aufgestaut, die früher für die Trift von Holz oder als Mühlenteiche dienten. Die Wooge werden mittlerweile als Badeweiher oder Fischteiche genutzt. Im Oberlauf des Spießbachs erstreckt sich der Spießwoog, im Südwesten unweit der Grenze zu Ludwigswinkel der Pfälzerwoog.

Geschichte Mittelalter Gegründet wurde Fischbach wahrscheinlich im Zuge der Aufsiedelung des Gebirgslandes im Wasgau Ende des 11./Anfang des 12. Jahrhunderts. Erstmals erwähnt wird das Dorf in einer Schenkungsurkunde des Jahres 1196 von Friedrich (Ferry) von Bitsch, Sohn des Herzogs Matthäus I. von Lothringen, an das Kloster Stürzelbronn. Der Ortsname betont den Fischreichtum, den der Saarbach und seine Zuflüsse auch heute noch aufweisen.

Die Herrschaftsverhältnisse im Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren aufgrund der Grenzlage zwischen mehreren Herrschaftsgebieten kompliziert. Der eigentliche Ort Fischbach, nördlich und östlich des Fischbaches gelegen, gehörte als Lehen des Hochstifts Speyer den Herren von Dahn und deren verschiedenen Zweigen. Als im frühen 14. Jahrhundert eine der Dahner Linien (Burg Grafendahn) ausstarb, gelangte ein Viertel der Dahner Herrschaft an Günther von Landsberg und Wilhelm von Winstein und dann 1329 an die Grafen von Sponheim. Nach mehreren erbschaftsbedingten Herrschaftswechseln (u. a. Sponheim, Zweibrücken-Veldenz, Markgrafschaft Baden, Kurpfalz, von Trott, von Fleckenstein) kam dieses Viertel 1641 an den kurfürstlich-mainzischen geheimen Rat und Freiherrn Gerhard von Waldenburg genannt Schenkern und verblieb bei den Freiherren von Waldenburg genannt Schenkern bis zur Französischen Revolution.Die von Waldenburg genannt Schenkern sind nicht zu verwechseln mit den 1473 ausgestorbenen Freiherren von Waldenburg

Drei Viertel verblieben bei den Herren von Dahn. Nach deren Aussterben fiel 1603 der weiterhin zur Familie gehörende Teil des Amtes Dahn, zu dem Fischbach gehörte, als heimgefallenes Lehen zurück an den Bischof von Speyer.

Der Bereich südlich und westlich des Fischbaches mit dem Hofgut Faunen des Klosters Stürzelbronn und mit dem im Obersteinbacher Forst gelegenen St. Ulrichsbann gehörte zur lothringischen Herrschaft Bitsch, die durch Verträge in den Jahren 1297 und 1302 als erbliches Mannlehen an die Grafen von Zweibrücken ging. Als Kleinstsiedlung gehörte dieser Teil von Fischbach historisch zu Obersteinbach, das im Amt Lemberg der Grafschaft Zweibrücken-Bitsch lag und dort zur gleichnamigen Amtsschultheißerei Lemberg gehörte.Knöpp, S. 11; Matt, S. 9.

Frühe Neuzeit Nach mehreren Erbteilungen und dem Aussterben des gräflichen Hauses Zweibrücken-Bitsch (Tod von Graf Jakob von Zweibrücken-Bitsch) kam es zu einem langwierigen Erbstreit zwischen Lothringen und der Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Das Amt Lemberg ging nach testamentarischer Verfügung an Jakobs Tochter Ludovica Margaretha von Zweibrücken-Bitsch, die mit dem (Erb-)Grafen Philipp (V.) von Hanau-Lichtenberg verheiratet war. Ihr Schwiegervater, Graf Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg, gab durch die sofortige Einführung des lutherischen Bekenntnisses dem streng römisch-katholischen Herzog Karl III. von Lothringen Gelegenheit, militärisch zu intervenieren, da dieser die Lehnshoheit über die ebenfalls zum Erbe gehörende Herrschaft Bitsch besaß. Im Juli 1572 besetzten lothringische Truppen die Grafschaft. Da Philipp IV. der lothringischen Übermacht nicht gewachsen war, wählte er den Rechtsweg. Beim anschließenden Prozess vor dem Reichskammergericht konnte sich Lothringen hinsichtlich der Herrschaft Bitsch durchsetzen, das Amt Lemberg dagegen – und somit auch dieser Teil Fischbachs – wurde der Grafschaft Hanau-Lichtenberg zugesprochen.

Schließlich gab es in Fischbach bis weit in das 17. Jahrhundert hinein noch die sogenannten „Königsleute“, die Hörige des nahe gelegenen Amtes Wegelnburg waren. Diesen stand im Dorf „Wasser, Wunne und Weide“ zu, und sie durften Haus, Hof und Feldgüter in Fischbach besitzen. Fron, Zins und Bede kamen jedoch dem jeweiligen Besitzer der Wegelnburg zu.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde auch die Gemeinde Fischbach schwer in Mitleidenschaft gezogen und nahezu entvölkert. Hatten hier 1623 noch 25 Familien gewohnt, so waren es am Ende des Kriegs nur noch 7.

18. Jahrhundert 1736 starb mit Graf Johann Reinhard III. der letzte männliche Vertreter des Hauses Hanau. Aufgrund der Ehe seiner einzigen Tochter, Charlotte (1700–1726), mit dem Erbprinzen Ludwig VIII. (1691–1768) von Hessen-Darmstadt fiel die Grafschaft Hanau-Lichtenberg nach dort.

Im weiteren Verlauf des 17. und im 18. Jahrhundert führten die Expansionskriege Ludwigs XIV. immer wieder zu Verwüstungen. Auch nach dem Ende der Kriegshandlungen dehnte Frankreich, gestützt auf seine militärische Überlegenheit, seinen Einfluss auf die Wasgauregion und damit auch auf Fischbach systematisch aus. Durch sogenannte „lettres patentes“ mussten viele Landesherren Zug um Zug die Oberhoheit der Krone Frankreichs anerkennen, so auch das Hochstift Speyer in 1680 und 1756. Für Fischbach führte dies zu der paradoxen Situation, dass es im Dorf Ende des 18. Jahrhunderts eine hanauische, eine speyerische und eine königlich-französische Zollstätte gab.

Fischbach war das erste Dorf in Deutschland, das sich der französischen Revolution anschloss und die geltende Feudalordnung beseitigte („Fischbacher Aufstand“, 29. Juli 1789 und Folgetage).Fischbacher Aufstand auf demokratie-geschichte.de, abgerufen am 15. Februar 2022.Helmut Seebach: Revolutionäre Freiheitskämpfe in der Pfalz im 18. und 19. Jahrhundert (1789, 1832, 1849), Mainz-Gonsenheim 2024 Nach wechselhaften Kämpfen im Rahmen des ersten Koalitionskrieges (u. a. Schlacht bei Bundenthal, französisch Combat de la Chapelle Sainte Anne, 12.–14. September 1793)Die Schlacht am Mäuerle im Jahr 1793 auf nothweiler.de, abgerufen am 15. Februar 2022. war Fischbach (wie die gesamte Pfalz) fest in der Hand Frankreichs. Formell wurden die linksrheinischen Gebiete durch den Sonderfrieden von Basel mit Preußen am 5. April 1795 und durch die Frieden von Campo Formio 1797 und Lunéville 1801 mit Kaiser und Reich an Frankreich abgetreten.

19. Jahrhundert Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Fischbach in den Kanton Dahn eingegliedert und wurde während dieser Zeit zur selbstständigen Gemeinde erhoben. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft wurde der Ort 1815 Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte die Gemeinde in das Königreich Bayern und war dort Teil der Exklave Rheinkreis.Beamtenverzeichniß. Ab 1818 war der Ort Bestandteil des Landkommissariats Pirmasens, das 1862 in ein Bezirksamt umgewandelt wurde. 1828 wurde der Nachbarort Petersbächel nach Fischbach eingemeindet.

Seit dem 20. Jahrhundert 1939 wurde Fischbach in den Landkreis Pirmasens (ab 1997 Landkreis Südwestpfalz) eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Fischbach 1972 der neugeschaffenen Verbandsgemeinde Dahner Felsenland zugeordnet.