Die Bundesstraße 9 (Abkürzung: B 9) führt im Westen Deutschlands von Kranenburg im Kreis Kleve an der niederländischen Grenze bis nach Lauterbourg an der pfälzisch-französischen Grenze. Die Straße folgt auf weiten Strecken den kaiserlichen Hauptstraßen des Mittelalters über Köln, Bonn, Koblenz, Mainz, Worms und Speyer nach Straßburg, die ihrerseits weitgehend einen römischen Ursprung (Rheintalstraße) haben, sie verläuft komplett linksrheinisch mehr oder weniger parallel zum Rhein.

Verlauf mini|links|Europabrücke in Koblenz mini|links|Oggersheimer Kreuz mini|links|hochkant|Luftaufnahme der B 9 entlang des Rheins bei Laubenheim

Die B 9 verläuft direkt vom niederländischen Grenzübergang bei Nijmegen 57 Kilometer lang immer nahe der Grenze durch die Städte Kleve, Goch, Kevelaer nach Geldern. Dort entfernt sie sich weiter von der niederländischen Grenze und führt an Kerken und Hüls vorbei in den Süden von Krefeld. Am südlichen Stadtrand Krefelds besteht Anschluss an die A 44 (Anschlussstelle Fichtenhain). Der weitere Abschnitt zwischen Meerbusch-Osterath und Düsseldorf-Heerdt (Anschlussstelle Büderich) (zehn Kilometer) wurde im Januar 2008 aufgrund der parallel verlaufenden A 57 zu mehreren Landesstraßen abgestuft.

Ab der Anschlussstelle Neuss-Norf der A 57 wird die B 9 fortgesetzt und verläuft ab hier immer linksrheinisch durch Deutschland, zunächst nach Köln (144 km). Von dort bis Bonn (172 km) ist sie durch die Bundesautobahn 555 ersetzt worden. Die alte B 9 trägt die Bezeichnung L 300. In Bonn beginnt die B 9 wieder am Bertha-von-Suttner-Platz, führt in südliche Richtung und unterquert Bonn-Bad Godesberg im Bad Godesberger Tunnel.

Die Abschnitte von Remagen bis Bad Breisig und von Brohl bis Koblenz sind autobahnähnlich ausgebaut. In Koblenz überquert sie über die Europabrücke die Mosel und stellt die verkehrsreichste und wichtigste Nord-Süd-Achse der Stadt dar. Ab Koblenz führt sie mit Aussicht auf die rechtsrheinischen Burgen, Schlösser und Weinberge durch das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal über Boppard, Sankt Goar und Oberwesel nach Bingen (297 km). Von Bingen bis Mainz wurde sie auf etwa 35 km durch die Bundesautobahn 60 ersetzt. Ab Mainz geht es weiter auf der linksrheinischen Seite zur alten Kaiserstadt Worms (364 km) und über Ludwigshafen zur nächsten alten Kaiserstadt Speyer (395 km). Die Strecke führt weiter über Germersheim, vorbei an der Anschlussstelle B 35, Wörth und Kandel zur Staatsgrenze bei Lauterbourg. Bei Schwegenheim zweigt die B 272 nach Landau in der Pfalz ab. Bei Lauterbourg setzt sich die B 9 als französische Autobahn A 35 durch das Elsass nach Straßburg fort.

Ab Worms ist die Straße durchgehend bis Wörth am Rhein vierstreifig ausgebaut. Zwischen Wörth und Kandel ist die B 9 durch die A 65 ersetzt.

Die in den 1960er Jahren erbaute Krahnenbergbrücke bei Andernach wurde bis 2014 umfassend saniert.

Die gesamte Streckenlänge der Bundesstraße 9 liegt bei etwa 450 Kilometern.

Geschichte Frühere Strecken und Bezeichnungen Die Basel-Nimwegener Straße wurde am 16. Dezember 1811 zur Route impériale Nr. 86 erklärt. Nach 1815 wurde das Rheinland auf verschiedene deutsche Staaten aufgeteilt, während das Elsass weiterhin französisch blieb. In der preußischen Rheinprovinz bestanden folgende Staatsstraßen: die Cöln-Nymwegener Staatsstraße und die Cöln-Mainzer Staatsstraße

Die bayerischen Staatsstraßen in der seit 1815 bayerischen Pfalz wurden ihrem Anfangsort entsprechend nummeriert: Staatsstraße Nr. 129: Speyer – Germersheim – Kandel – Lauterburg Staatsstraße Nr. 131: Speyer – Worms

1932 wurde die Fernverkehrsstraße 9 (FVS 9) eingeführt und ab 1934 als Reichsstraße 9 (R 9) bezeichnet.Reichsstraßen 1934 : (zur Verfügung gestellt von Henk Brouwer aus Amsterdam)

Bevor sie an die A 35 in Frankreich angeschlossen wurde, ging die B 9 in Lauterbourg auf die N 68 über, die während der Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg Teil der Reichsstraße 9 war.

Die alte Trasse der B 9 zwischen Bingen-Bingerbrück und Mainz ist bis auf die Ortsdurchfahrt von Bingen-Gaulsheim (Mainzer Straße) heute eine Landesstraße (L 419). Den Abschnitt von Mainz bis südlich von Nackenheim bildet die L 431. Nördlich von Oppenheim ist sie zunächst eine Stadtstraße (Mainzer Straße); in der Ortsmitte ein kurzes Stück als Kreisstraße 44; südlich verläuft sie dann als K 40 bis Guntersblum, wo sie anschließend eine Landesstraße bis Worms ist (L 39). Von Worms bis Frankenthal trägt die alte B 9 die Nummer L 523. Im Kreis Worms trug die Straße den zusätzlichen Namen „Liebfrauenmilchstraße“, um damit Werbung für den Wein Liebfrauenmilch zu machen.Werbestempel der Post; Mettenheim vom 11. Mai 1958

Etwas südlich der Anschlussstelle Frankenthal der A 6 wird sie dann zur K 4; außer im Stadtzentrum, die teilweise Fußgängerzone ist. Ab Ortsmitte Studernheim trägt sie keine Nummer und ist am Südrand durch eine Bahnstrecke bedingt nur für Fußgänger und Fahrradfahrer passierbar. Auf der Südseite der Bahnstrecke verläuft sie dann als K 11 bis Ludwigshafen-Oggersheim Ortsmitte. Ab dem Südrand von Oggersheim folgen die K 6 und K 11 bis Mutterstadt. Von dort an ist sie wieder Landesstraße (L 524 und L 533), bis sie südöstlich von Limburgerhof an der Anschlussstelle Schifferstadt Nord wieder auf die heutige B 9 stößt.

Schäden durch die Unwetter-Katastrophe im Juli 2021

Während der Unwetter-Katastrophe am 14. Juli 2021 wurde die zweiteilige Brücke über die Ahr im Bereich Sinzig einseitig so stark zerstört, dass sie abgerissen werden musste.Droht der beschädigten Ahrbrücke auf der B 9 der Abriss? auf t-online.de vom 20. Juli 2021, abgerufen am 21. Juli 2021 Im Folgenden wurde die beschädigte Brückenhälfte der Fahrtrichtung Koblenz abgerissen und die Brückenhälfte der Fahrtrichtung Bonn am 3. September 2021 einspurig für den Verkehr freigegeben.B 9-Ahrbrücke Sinzig wird für Verkehr freigegeben auf aktiplan.de vom 3. September 2021, abgerufen am 24. September 2021 Der Ersatzneubau der Brücke wurde im September 2022 abgeschlossen.

Streckenverlauf Köln bis Bonn Von Norden (aus Neuss) kommend erreicht die B 9 unmittelbar am Rhein den nördlichsten Vorort Kölns: Worringen; er grenzt unmittelbar an Dormagen. Als Neusser Landstraße führt die Straße wenige Kilometer weiter südlich durch den sehr dörflich wirkenden Vorort Fühlingen und passiert anschließend östlich die Stadtteile Chorweiler und Seeberg. Weiter Richtung Süden wird kurz danach die A 1 unterquert, die man als äußerste der sieben Ringstraßen betrachten kann, die Köln linksrheinisch umgeben. Nach der Kreuzung mit dem Militärring (der zweiten Ringstraße) führt die B 9 etwa 14 Kilometer durch bebautes Kölner Stadtgebiet durch die Stadtteile Weidenpesch, Mauenheim, Nippes und das Agnesviertel zum Ebertplatz als Neusser Straße; weiter führt die B 9 über die Ringe um die Kölner Innenstadt herum, bis sie in der Südstadt wieder an den Rhein stößt. Knapp drei Kilometer weiter südlich trifft die B 9 wieder auf den Militärring, dem sie nun für eineinhalb Kilometer bis zu ihrem ersten Endpunkt am Kölner Verteilerkreis folgt. Dort trifft sie auf die A 555, über die die Fortsetzung der B 9 in Bonn erreicht wird., Verweis durch Drucksache 9701172 der Stadt Bonn „Umstufung von Bundesstraßen, hier: Abstufung der B 9 zur L 300“

Die bis 1997 gültige Streckenführung zweigt 500 m vor dem Verteilerkreis ab und verläuft als Landesstraße 300 durch die Stadtteile Rodenkirchen und Sürth, bis die Straße am Godorfer Hafen erneut auf den Rhein stößt. Über Wesseling, Widdig und Hersel gelangt man nach rund 14 Kilometern an die nördliche Stadtgrenze von Bonn. Innerhalb des Bonner Stadtgebietes verläuft die vormalige Bundes- und heutige Landesstraße auf der Kölnstraße.

Bonn/Bonn-Bad Godesberg mini|links|Nordportal des Bad Godesberger Tunnels mini|links|Das Koblenzer Tor in Bonn, durch das die B 9 führt. mini|links|Friedrich-Ebert-Allee in Bonn

In Bonn beginnt die B 9 nach ihrer Unterbrechung durch die L 300 am Bertha-von-Suttner-Platz. Bis zum Koblenzer Tor, welches zum Universitäts-Hauptgebäude gehört, trägt sie den Namen Belderberg. Der Straßenabschnitt Belderberg war in kurfürstlicher Zeit eine Allee aus Pappeln, die mundartlich auch „Beller“ oder „Belder“ genannt werden. Durch die zwei Pforten des Koblenzer Tores hindurch führt die B 9 über die Adenauerallee in Richtung Bundeskanzlerplatz.

Der Abschnitt der B 9 vom Bundeskanzlerplatz bis zur Bad Godesberger Kreuzung mit der Elsässer Straße / Wurzerstraße, an welcher auch die Einfahrt in den Godesberger Straßentunnel liegt, wurde zur Zeit Bonns als Bundeshauptstadt auch, ebenso wie die A 555, als „Diplomatenrennbahn“ bezeichnet. Auf dieser Strecke trägt die B 9 in folgender Reihenfolge die Straßennamen: Willy-Brandt-Allee, Helmut-Kohl-Allee, über den Helmut-Schmidt-Platz (Trajektknoten) zur Friedrich-Ebert-Allee (hier befindet sich der Anschluss an die Konrad-Adenauer-Brücke, der südlichsten der Bonner Rheinbrücken, mit der A 562) und Godesberger Allee.

Hintergrund des volkstümlichen Begriffs „Diplomatenrennbahn“ war die besonders hohe Dichte von diplomatischen Vertretungen anderer Staaten in den Stadtvierteln, die der B 9 anliegen, sowie das zulässige Tempolimit von 70 km/h auf einigen innerstädtischen Streckenabschnitten der B 9.

Im Bereich des Bundesviertels (früher Regierungsviertel) in Bonn hat die B 9 seit 1989 auch den stadtplanerischen Beinamen Bundesallee (früher Regierungsallee). Der Hintergrund dieses Beinamens ist, dass die B 9 in diesem Bereich seit den 1990er Jahren umfangreich ausgebaut wurde: Unter anderem wurden Kreuzungen umgebaut, die Beleuchtung erneuert, der Stadtbahntunnel verlängert, neue Reihen Alleebäume und Hecken gepflanzt sowie die Radwege und Gehwege großzügig neu angelegt. Entlang dieser Bundesallee befindet sich die „Museumsmeile“ mit den Museen Bundeskunsthalle, Kunstmuseum, Haus der Geschichte und Museum Koenig.

Von 2003 bis 2011 wurde der Stadtbahntunnel im Bereich der Museumsmeile erneut verlängert und die Haltestellen entlang der B 9 erneuert. Zuerst wurde die Haltestelle Olof-Palme-Allee fertiggestellt, die jetzt das Autobahnende der A 562 dominiert.

Unter der Bad Godesberger Innenstadt verläuft die B 9 seit 1999 auf der Hauptstrecke des Godesberger Straßentunnels, dessen südliches Ende auf den äußeren Abschnitt der Koblenzer Straße trifft. Im Übergang von der Koblenzer auf die Mainzer Straße überquert die B 9 die DB-Bahnstrecke Köln-Bonn-Koblenz-Mainz. Der Stadtteil Mehlem erhielt mit der Remagener Straße eine geradlinige Umgehung, wodurch die B 9 nicht mehr durch den Ortskern führt. Mit dem Passieren der südlichen Bonner Stadtgrenze überquert die B 9 die Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz.

Koblenz bis Bingen mini|links|Falckenstein-Kaserne an der B 9 mini|links|Bundesstraße 9 zwischen Bingen und Burg Rheinstein mit Blick auf das Schweizerhaus mini|links|Bundesstraße 9 in Oberwesel

In Koblenz überquert die B 9 die Mosel über die Europabrücke und trifft dann auf den ehemaligen Saarplatz; einen Kreisverkehr, der von der B 9 überbrückt und von der B 49 untertunnelt wird. Sie bildet in Koblenz die wichtigste Nord-Süd-Verbindung durch die Stadt und gilt hier als eine der am stärksten befahrenen Straßen Deutschlands. Von der Europabrücke bis zum Anschluss an die Südbrücke wurde die B 9 in den 1980er und 1990er Jahren vierstreifig ausgebaut. Von Koblenz bis Bingen am Rhein erstreckt sich das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Die B 9 erschließt im Wechsel mit der Bahnstrecke Koblenz–Mainz – in großen Abschnitten direkt am Rheinufer – die Ortschaften Koblenz-Stolzenfels, Rhens, Boppard, Sankt Goar, Oberwesel und Bingen am Rhein.