Diese Liste der Pluraliatantum ist eine Zusammenstellung von in der deutschen Sprache gebräuchlichen Pluraletantums. Von einigen dieser Pluralwörtern gibt es zwar eine Singularform, sie werden aber nur fachsprachlich verwendet wie das Elter als Einzahl von die Eltern. Andere Wörter sind nur in einer bestimmten Bedeutung auf den Plural beschränkt wie die Pocken (eine Infektionskrankheit). Bei Pluralwörtern kann kein eigenes grammatisches Genus festgestellt werden. Das Gegenwort zu Pluraletantum ist Singularetantum (Einzahlwort).

Allgemeine Pluraliatantum meist deutscher Herkunft Personen: Amouren (Liebschaften, auch als Personen) Eltern (auch in Zusammensetzung: Großeltern, Stammeltern); nur fachsprachlich: das Elter Gebrüder („alle Brüder“, oder „Söhne der Familie“) Geschwister (auch in Zusammensetzung: Halb-, Stiefgeschwister), ein unechtes Pluraletantum, weil es die Einzahl das Geschwister gibt (selten) Leute (auch in Zusammensetzung: Fachleute, Kaufleute, Landsleute; im Singular gegendert: -mann, -frau) Versammelte

Sächliches: Aktiva (Finanzwirtschaft) Allüren (Benehmen) Arbeitspapiere (Dokumente im Arbeitsrecht) Aufbauten (bei einem Schiff) Diäten (Abgeordnetenentschädigungen) Drums (Schlagzeug) Effekten (Wertpapiere) Elbkähne (übergroße Schuhe, scherzh.) Ferien (Urlaub) Faxen (Unfug) Gezeiten (Tiden) Kosten (Ausgaben) Ländereien (Landbesitz) Masern (Infektionskrankheit) Memoiren (Erinnerungen) Miese (Schulden) Packeln (Fußballschuhe) Piepen (Geld) Prügel (Körperstrafe) Ränke (Intrige) Spesen (Verpflegungsmehraufwand) Unkosten (Auslagen) Wirren (Ereignisse)

Beispiele für Pluraliatantum bei Speisen Bambes (vogtländische Kartoffelpuffer) -kartoffeln: Stampfkartoffeln, Quetschkartoffeln, Rösterdäpfel Kutteln Mixed Pickles Pommes Teigwaren bilden regelmäßig Pluraliatantum: Dalken, Fettuccine, Makkaroni, Schlutzkrapfen, Spätzle

Beispiele für Pluraliatantum zur Bezeichnung von Zeitabschnitten Zeitläufte Entlehnungen aus dem römischen Kalendersystem oder römische Feste: Iden, Kalenden, Nonen, Saturnalien, Terminalien Ferien, auch in Zusammensetzungen: Sommerferien, Werksferien usw. -jahre: Entwicklungsjahre, Herrenjahre Jahrmillionen -stunden: Geschäftsstunden -wochen: Flitterwochen -tage: Hundstage

Beispiele für regelmäßige Lehnwortbildungen aus dem Lateinischen Das Lateinische benutzt Formen im Neutrum Plural zur Bezeichnung einer Gesamtheit. Daraus leiten sich zahlreiche Begriffe ab, die im Deutschen Pluraliatantum sind, oft vom Neutrum Plural substantivierter Adjektive (-a). Besonders häufig ist die Wiedergabe der lateinischen Adjektiveendungen -alis (> -alia, -alien), -(a)bilis (> -(a)bilia, -(a)bilien).

Alkoholika Aktiva Dissidien (Streitpunkte) Diversa (‚Vermischtes‘) Ferien, auch in Zusammensetzungen: Sommerferien, Werksferien usw. Funeralien (‚Trauerfeierlichkeiten‘) Imponderabilien Intrusiva (‚Intrusivgestein‘) Kameralien (‚Staatswissenschaft, Staats- und Volkswirtschaftslehre‘) Kombustibilien (‚Brennstoffe‘) Konsumptibilien (‚Verbrauchswaren‘) Kopialien (‚Kopiergebühren‘) Laudes (liturgisches Morgenlob) Minuzien (‚Kleinigkeiten‘) Miscellanea, Miszellaneen, Miszellen (‚kleine Aufsätze verschiedenen Inhalts, besonders in wissenschaftlichen Zeitschriften‘) Musikalien Naturalien Passiva Pastoralien (‚Pfarramtsangelegenheiten‘) Posteriora Thermen (in der Bedeutung als römische Badeanstalt) Trivia Varia Vegetabilien (‚pflanzliche Nahrungsmittel‘)

Beispiele für weitere entlehnte Pluraliatantum Alimente (Unterhaltszahlungen) Amouren (‚Liebschaften‘) Bramburi (österreichisch scherzhaft) Chaps Cornflakes (die Singularform Cornflake ist aus praktischen Gründen selten; vgl. Haferflocken)Meldung (ap): Internet-Auktion: 1350 Dollar für ein Cornflake. In: RP online. 22. März 2008, abgerufen am 23. März 2022. Daten Diäten (‚Tagesgelder‘) Dramatis Personae (‚Personen eines Dramas‘) Effekten Ephemera Finanzen (i. S. v. ‚Geldvermögen‘) Fisimatenten Frutti di Mare Gemarchen Jeans Kinkerlitzchen Knickerbocker Kontenten (‚Verzeichnis der Ladung‘) Kosten i. S. v. ‚Ausgaben‘, auch in Zusammensetzungen: Fahrtkosten, Staatskosten, Geschäftskosten, Portokosten Krethi und Plethi (‚gewöhnliche Leute‘) Manieren Memoiren Meriten Molesten (‚Beschwerden‘) Mores Muckis (Muskeln) News (Neuigkeiten) Noten (i. S. v. ‚notierte Musik‘) Ottaverime Papiere (i. S. v. ‚Dokumente‘): Fahrzeugpapiere Posteriora Public Relations Relikten ‚Hinterlassenschaft, Hinterbliebene‘ Shorts Sperenzien Spesen, auch in Zusammensetzungen: Diskontspesen Standing Ovations Tropen

Beispiele für zusammengesetzte Pluraliatantum Viele Wörter werden durch Zusammensetzungen zu Pluraliatantum:

-arbeiten: Gleisarbeiten, Innenarbeiten, Wartungsarbeiten -ausgaben: Sozialausgaben, Verteidigungsausgaben -aussichten: Wetteraussichten, Zukunftsaussichten -bedingungen: Haftbedingungen, Marktbedingungen, Witterungsbedingungen -beine: Kindesbeine, X-Beine -beschwerden: Magenbeschwerden, Schluckbeschwerden -bezüge: Naturalbezüge, Sachbezüge, Versorgungsbezüge -daten: Eckdaten, Kenndaten, Wetterdaten -dinge: Glaubensdinge, Liebesdinge -einkünfte: Kapitaleinkünfte, Zinseinkünfte -einrichtungen: Sanitäreinrichtungen -farben: Landesfarben, Regenbogenfarben -gelder: Dispositionsgelder -gewohnheiten: Konsumgewohnheiten -gründe: Fanggründe, Fischgründe -kräfte: Leibeskräfte, Seestreitkräfte -mittel: Geldmittel, Grundmittel, Fördermittel, Steuermittel -rechte: Taschenbuchrechte, TV-Rechte -sachen: Anziehsachen, Maßsachen, Nippsachen, Spielsachen -schwierigkeiten: Lernschwierigkeiten, Verständigungsschwierigkeiten -spiele: Festspiele Kammerspiele, Olympische Spiele -stiefel: Siebenmeilenstiefel -strahlen: Wärmestrahlen, X-Strahlen, Röntgenstrahlen -streitkräfte: Seestreitkräfte, Landstreitkräfte -teile: Schamteile, Weichteile -tropfen: Herztropfen, Hustentropfen, Magentropfen, Nasentropfen -übungen: Leibesübungen -umstände: Lebensumstände, Zeitumstände -verhältnisse: Lebensverhältnisse, Vermögensverhältnisse -verluste: Anlaufverluste, Menschenverluste -waren: Esswaren, Haushaltswaren, Rauchwaren, Spezereiwaren, Teigwaren, Zuckerwaren -wege: Atemwege, Harnwege -werke: Stadtwerke -werkzeuge: Gehwerkzeuge, Kauwerkzeuge -zinsen: Sollzinsen, Verzögerungszinsen -zungen: Engelszungen

Beispiele für Pluraliatantum für Begriffe der Biologie und Medizin Die Begriffe für Taxa, also Gattungen, Familien, Ordnungen der Lebewesen, sind regelmäßig Pluraliatantum: Bivalvia, Chiroptera, Chlamydien, Fungi, Rosaceae Zahlreiche Krankheiten werden mit Pluraliatantum bezeichnet. Sie sind teilweise mit den Namen entsprechender Viren oder Bakterien identisch: Blattern, Feigwarzen, Masern, Molesten, Pocken, Ringelröteln, Röteln, Salmonellen, Windpocken

Beispiele für Pluraliatantum bei Toponymen Regelmäßig kommen Pluraliatantum vor zur Bezeichnung von geografischen Namen (vergleiche Ortsnamenforschung: Toponomastik), insbesondere, wenn diese eine Gruppe oder Gesamtheit bilden.

Länder: Niederlande, Vereinigte Staaten von Amerika Staatenbünde: Vereinigte Arabische Emirate, Vereinigte Staaten Inselgruppen: Aleuten, Azoren, Bahamas, Balearen, Hebriden, Kanaren, Molukken, Philippinen, Salomonen Gebirge: Alpen, Anden, Appalachen, Ardennen, Dolomiten, Karawanken, Karpaten, Kordilleren, Pyrenäen, Rocky Mountains, Vogesen Landschaften: Dardanellen, Everglades, Highlands, Niederlande, Obere Gäue, Vierlande Sternbilder: Hyaden, Jagdhunde, Plejaden

Literatur Angelika Wöllstein, Duden-Redaktion (Hrsg.): Duden: Die Grammatik (= Der Duden. Band 4/12). 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-411-04049-0, S. 180–181, Randnummern 276–277: Pluraliatantum ().

Einzelnachweise Worteintrag: Pluraletantum, das. In: Duden online. Abgerufen am 22. März 2022; Zitat: „Bedeutung: Substantiv, das nur als Plural vorkommt; Herkunft: zu lateinisch pluralis (Plural) und tantum = nur; […] Plural: die Pluraletantums und Pluraliatantum“. Angelika Wöllstein, Duden-Redaktion (Hrsg.): Duden: Die Grammatik (= Der Duden. Band 4/12). 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-411-04049-0, S. 157, Randnummer 233 (); Zitat: „Bei Substantiven, die nur im Plural vorkommen (Pluraliatantum), kann daher kein Genus festgestellt werden: die Leute, die Trümmer, die Gliedmaßen, die Masern“. Gerhard Stickel: Beantragte staatliche Regelungen zur „Sprachlichen Gleichbehandlung“: Darstellung und Kritik. In: Zeitschrift für germanistische Linguistik. Jahrgang 16, Nr. 3, 1988, S. 330–355, hier S. 342 (IDS-Direktor; PDF: 4,8 MB, 26 Seiten auf bsz-bw.de); Zitat: „Neben den genuslosen, geschlechtsübergreifenden Ausdrücken Eltern und Geschwister finden sich gelegentlich die geschlechtsneutralen Neutra Kind, Mitglied, im StGB auch Opfer (§ 177), außerdem die geschlechtsneutralen Maskulina Mensch, Vormund, Abkömmling, wiederholt auch das geschlechtsneutrale Femininum Person.“

Pluraliatantum