Herrig ist ein Stadtteil von Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Der drittkleinste Stadtteil hat etwas mehr als 500 Einwohner. Ortsbürgermeister in der Ratsperiode 2020–2025 ist Michael Vieth.
Lage Herrig liegt am westlichsten Rand des Stadtgebietes. Im Osten grenzt Lechenich an den Ort, im Süden Erp, im Westen und Norden die Nörvenicher Ortsteile Pingsheim und Wissersheim, die bis 1975 selbst Stadtteile von Erftstadt waren.
Geschichte Vorgeschichte und römische Zeit Ein Kreisgraben (für Urnenbestattung) und Keramikfunde aus der La-Tène-Zeit (500 v. Chr.) weisen auf eine vorgeschichtliche Siedlung hin. Mehrere römische Trümmerstellen und zwei Steinsarkophage in der Feldgemarkung belegen römische Siedlungsplätze.Bernhard Schreiber: Archäologische Funde und Denkmäler des Erftstädter Raumes. Erftstadt 1999. Seite 141–142
Mittelalter und Neuzeit Im frühen Mittelalter entstand um einen Fronhof mit Hofkapelle eine Ansiedlung, die 1155 in einer Handschrift des Benediktinerklosters Deutz als „Harge“ und Ort der Pfarre Lechenich genannt wurde.HAStK Bestand Abtei Deutz RH2, Abschrift des verschollenen Codex thiodorici 1293 verfügte der Erzbischof von Köln Siegfried von Westerburg in Herrig über umfangreichen Besitz, zu dem der erzbischöfliche Hof und acht weitere Höfe gehörten. Die Inhaber der Höfe zahlten dem Erzbischof ihre festgesetzten Abgaben sowohl in Geld als auch in Naturalien.HAStK Best. Auswärtiges 170b, veröffentlicht in: K. und H. Stommel, Quellen zur Geschichte der Stadt Erftstadt Band I Nr. 178
Über die folgenden Jahrhunderte hinweg stagnierte die Entwicklung Herrigs. Der Ort, der bei der Belagerung Lechenichs 1642 durch Einquartierung sehr belastet war, wurde beim Abzug der Belagerer in Brand gesteckt.Walram/Sarburg: Die heldenhafte Verteidigung von Burg und Stadt Lechenich 1642. Köln 1643 Bei der steuerlichen Veranschlagung 1664 bestand der Ort aus neun Häusern, davon waren sieben in bäuerlichem Besitz.HSTAD Bestand Kurköln II 1117, veröffentlicht in: Stommel, Quellen Band IV Nr. 2570 Die Bewohner, die zur Lechenicher Bürgerschaft gehörten, waren außer den Pächtern der beiden großen Höfe überwiegend Kleinbauern, die ihren eigenen Besitz von zwei bis drei Morgen Ackerland und ergänzend gepachtete Ländereien bearbeiteten.HAStK Bestand Domstift Urkunde 3/1978, veröffentlicht in: Stommel, Quellen Band III Nr. 1559 Neben Pacht und Grundpacht mussten von den Einwohnern Herrigs landesherrliche Steuern an den Erzbischof und Kurfürsten gezahlt werden.HSTAD Bestand Kurköln II 1904 und Kurköln II 1117, veröffentlicht in: Stommel, Quellen Band III 2063 und Nr. 2570 Eine weitere Belastung war der abzuführende große Zehnt an das Kölner Stift St. Aposteln.HSTAD Kurköln II A 3937, veröffentlicht in: Stommel, Quellen Band IV Nr. 2159
Adeliger und geistlicher Besitz Von den Ende des 13. Jahrhunderts genannten Höfen waren im 15. Jahrhundert noch zwei Höfe erhalten, die auch in den folgenden Jahrhunderten weiter bestanden.
Hof des Domkapitels Der Hof des Erzstiftes, der im Jahre 1597 von Koadjutor Ferdinand, dem späteren Kölner Erzbischof und Kurfürsten, verpachtet wurde,HSTAD Bestand Kurköln II 1947, veröffentlicht in: Stommel, Quellen Band IV Nr. 2140 gelangte durch einen Gütertausch im Jahre 1605 in den Besitz des Domkapitels. Der „Domhof“ mit ungefähr 200 Morgen Ackerland behielt nach dem Tausch seine früheren Privilegien wie das Recht, 12 Wagen Holz aus der Ville zu erhalten und zwei Wagen Heu aus den kurfürstlichem Benden (Wiesen) sowie die Befreiung von Einquartierung und gewöhnlichen Lasten.HSTAD Kurköln IV 675 und Kurköln XIII 664a, veröffentlicht in: Stommel, Quellen Band V Nr. 2656
Hof des Klosters St. Pantaleon Neben dem erzbischöflichen Hof gab es einen weiteren Hof in Herrig, mit dem die Adelsfamilie Wolff von Rheindorf belehnt war.HSTAD Kurköln II 1257, veröffentlicht in: Stommel, Quellen Band II Nr. 1094 Er wurde 1463 mit Zustimmung des Erzbischofs als Lehnsherr an Abt und Konvent des Benediktinerklosters St. Pantaleon in Köln verkauft.HAStK Bestand St. Pantaleon Urkunde 3/339, veröffentlicht in: Stommel, Quellen Band II Nr. 1175
Landbesitz der Schlosskapelle Auch Ländereien der Kapelle des Lechenicher Schlosses lagen in Herrig. Seit 1556 erhielten die Franziskaner-Observanten aus BrühlFritz Wünsisch, 500 Jahre Franziskanerkloster in Brühl. Brühl 1991 für den Gottesdienst in der Schlosskapelle die Einkünfte aus den von der Kellnerei des Schlossherren verpachteten 53 Morgen Land.Pfarrarchiv St. Kilian Lechenich Teil I Akte 5 Band 1 Nach 1620 erhielten die Franziskaner statt der bisherigen Naturalien von der Kellnerei jährlich ungefähr 200 Gulden oder 65 Reichstaler ausgezahlt. Diese Zahlung ging an die Franziskaner in Lechenich über, die gleichzeitig die Verrichtung des Gottesdienstes übernahmen.HSTAD Kurköln IV 3482 (Kellnereirechnungen) und Kurköln IV 1822, veröffentlicht in: Stommel, Quellen Band IV Nr. 2364 und Nr. 2659
Vertreter der Gemeinde Die wenigen Einwohner von Meller wurden bis zum Ende des 18. Jahrhunderts mit Herrig zusammen steuerlich veranschlagt und gemeinsam vom Herriger Ortsvorsteher in den Versammlungen des Lechenicher Stadtrates vertreten.Archiv Schloss Gracht Akte 53
19. und 20. Jahrhundert 1802 wurde der geistliche Besitz infolge der Säkularisation verstaatlicht und in den folgenden Jahren nach und nach verkauft. Den Hof des Domkapitels, den Domhof, ersteigerte 1812 der ehemalige Pächter Päffgen, der Hof von St. Pantaleon wurde bereits 1810 unter dem Namen Schöddershof an den früheren Pächter Rolshoven verkauft.Schieder (Hrsg.), Säkularisation und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements, Kanton Lechenich Seite 477–478
Im Jahre 1801 hatte Herrig 17 Häuser mit insgesamt 112 Einwohnern, davon waren 29 Kinder unter 12 Jahren. Von den Haushaltsvorständen waren zwei Pächter großer Güter, fünf weitere bezeichneten sich als Landwirte, sieben als Tagelöhner, einer war Hufschmied, einer Fuhrmann und einer Leineweber.K. Stommel, die französischen Einwohnerlisten aus Erftstadt 1798–1801 Seite 256–261 Bei der Schaffung der Kantone und Mairien durch die französische Verwaltung 1798/1800 gehörte Herrig mit Meller zum Kanton Lechenich und zur Mairie Lechenich. Die Ortschaften gehörten nach 1815 zur Bürgermeisterei Lechenich (seit 1927 als Amt bezeichnet) bis zur kommunalen Verwaltungsreform und der Bildung der Stadt Erftstadt im Jahr 1969.
Die Einwohner Herrigs betrieben weiterhin überwiegend Landwirtschaft. Neben den beiden großen Höfen gab es mehrere mittlere Betriebe. Mit der Intensivierung des Braunkohleabbaus am Ende des 19. Jahrhunderts verdienten ehemalige Tagelöhner ihren Lebensunterhalt in den Gruben oder Brikettfabriken der Rheinischen Braunkohlebetriebe in der Umgebung.
Der Ausbau der Straße Lechenich – Düren über Herrig im Jahre 1856 brachte dem Ort eine wichtige Verbesserung der regionalen Verkehrsanbindung.
Seit 1828 hatte Herrig eine eigene Schule, die 1861/62 und 1954 durch Anbauten erweitert wurde.Stadtarchiv Erftstadt Lechenich 2013 (neue Signatur A 03 1095), F. Bartsch und H. Stommel, Lechenich von der Römerzeit bis heute Seite 46 Bei der Schulreform im Jahre 1968 wurde die Herriger Schule aufgelöst und die Schüler den Lechenicher Schulen zugewiesen.
Kirche St. Clemens mini|hochkant|Sankt Clemens
Seit dem Jahre 1463 hatte die Kirchengemeinde Herrig ein Gotteshaus,HAStK, Bestand St. Pantaleon, Urkunde Nr. 3/399, veröffentlicht in Stommel Quellen II Nr. 1175 das dem heiligen Clemens geweiht war. Von 1892 bis 1893 wurde von dem Kölner Regierungsbaumeister Heinrich Krings eine neue Kirche errichtet, die das Patrozinium der alten Kirche beibehielt.Pfarrarchiv St. Kilian Lechenich, Teil I, Abteilung 1, Band 6 Sie wurde im Zweiten Weltkrieg mehrfach stark beschädigt. Auf Grund dieser Kriegsschäden erbaute man 1952 die heutige Kirche St. Clemens und ließ diese 1996/1997 grundlegend restaurieren.F. Gaspers, Herrig, ein Gotteshaus stellt sich vor. In: „informiert“. St. Kilian Pfarrbrief Nr. 3 2003, S. 12.
Einwohnerentwicklung
Die Ortsvorsteher von Herrig
von bis Name 1883 1920 Ludwig (Louis) Pilgram 1920 1924 Leonhard Pilgram 1924 (1930) Peter Grouven (1936) Peter Krebs 1945 1965 Johann Baptist Ohrem 1965 1969 Ernst Wilhelm Contzen
Heutiges Ortsbild Herrig blieb ein relativ kleines Dorf und hat mit den außerhalb des Ortskerns errichteten neuen Wohnhäusern etwa 500 Einwohner. Das repräsentative Wohnhaus des Conzenhofes, des ehemaligen Pantaleonshofes, liegt von einer Mauer geschützt etwas abseits der Straße in einer großen Gartenanlage. Das Ortsbild prägen jedoch der Domhof und die Kirche sowie einige große in Backstein errichtete Gebäude. In dem ehemaligen Schulgebäude ist ein städtischer Kindergarten untergebracht.
Die Landwirtschaft spielt nur noch eine geringe Rolle. Lediglich zwei in Herrig ansässige Bauern sind verblieben. Die Besitzer des Domhofes bewirtschaften den Betrieb von ihrem auswärts gelegenen Wohnsitz aus. Die übrigen Einwohner sind Pendler zwischen ihrem Wohnort und ihrem zumeist in Köln gelegenen Arbeitsplatz. Die durch Herrig führende Straße ist stark frequentiert. Über sie fahren auch die Buslinien von VRS und AVV, die Herrig mit Lechenich, Nörvenich, Brühl-Mitte und dem überörtlichen Verkehrsnetz verbinden.
Linie Betreiber Verlauf
Durch die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten vor Ort sind die Bewohner stark nach den Geschäften des nahe gelegenen Lechenichs ausgerichtet. Das örtliche kulturelle Leben ist aufgrund der geringen Einwohnerzahl bescheiden. Es wird vornehmlich durch die Schützenbruderschaft gefördert, die mehrere Veranstaltungen im Jahr durchführt, einige in Verbindung mit dem sehr aktiven städtischen Kindergarten.
2007 stellte der örtlichen Fußballverein SV Herrig den Spielbetrieb ein, in der Folge wurde der Platz unter anderem noch zu Trainingszwecken von Jugendmannschaften anderer Vereine genutztHorst Komuth: Stadt übernimmt Sportheim, Kölner Stadtanzeiger, 30. April 2009. Von 2016. In: sport-rhein-erft.de. 24. November 2016. bis 2022 wurde der Platz von der American-Football-Abteilung des Erfa 09 Gymnich (Erfa Bravehearts) für Training und Spielbetrieb genutzt.
Literatur Cornelius Bormann: Das Dorf Herrig. Jahrbuch der Stadt Erftstadt. Erftstadt 2000. Bernhard Schreiber: Archäologische Funde und Denkmäler des Erftstädter Raumes. Erftstadt 1999. Karl und Hanna Stommel: Quellen zur Geschichte der Stadt Erftstadt. Bd. 1–5. Erftstadt 1990–1998.
Weblinks
Herrig auf www.erftstadt.de (abgerufen am 10. April 2016)
Einzelnachweise Horst Matzerath (Hrsg.): Auf dem Weg zur Erftstadt - Politik und Verwaltung im 19. und 20. Jahrhundert, mit Beiträgen von Frank Bartsch, Horst Matzerath, Ralf Othengrafen. Schriften des Geschichtsvereins Erftstadt, Band 2. ISBN 978-3-921300-50-3, erschienen 2015. Seite 158 Horst Matzerath (Hrsg.): Auf dem Weg zur Erftstadt - Politik und Verwaltung im 19. und 20. Jahrhundert, mit Beiträgen von Frank Bartsch, Horst Matzerath, Ralf Othengrafen. Schriften des Geschichtsvereins Erftstadt, Band 2. ISBN 978-3-921300-50-3, erschienen 2015. Seite 177
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