mini|hochkant|Maintor, um 1600, Stadtseite mini|Haus zur Groe, 1725 erbaut
Marktbreit am Main ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen in Bayern. Die Stadt ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Marktbreit.
Geografie Geografische Lage Die Marktbreit liegt an der südlichsten Stelle des Maindreiecks am linken Ufer des Mains.
Gemeindegliederung Es gibt zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Gnodstadt (Pfarrdorf) Marktbreit (Hauptort)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Gnodstadt und Marktbreit. Die Gemarkung Marktbreit hat eine Fläche von 7,917 km². Sie ist in 2472 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3202,75 m² haben.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Marktsteft, Obernbreit, Martinsheim, Oberickelsheim, Ochsenfurt, Frickenhausen am Main und Segnitz.
Naturräumliche Lage Marktbreit und ihr seit 1978 eingemeindeter Stadtteil Gnodstadt haben Anteile an zwei Naturräumen. Die Stadt Marktbreit liegt im tief in den Muschelkalk eingeschnittenen Tal des Breitbachs, der dort in den Main mündet. Ein weiterer, von Gnodstadt her fließender Bach, der Steingraben (in Gnodstadt: Bräubach), mündet im ehemaligen westlichen Stadtgraben ebenfalls in den Main. Die Ackerflächen Marktbreits mit seiner knapp 8 Quadratkilometer umfassenden Gemarkung, liegen im Osten und Westen des Ortes auf der Hochebene des Fränkischen Gäulandes. 3,5 km südwestlich liegt Gnodstadt mit einer Gemarkung von etwas über 12 Quadratkilometern, dessen Feldflur mit ihrem flachwelligen Relief und äußerst fruchtbaren Lösslehmböden zum Naturraum Ochsenfurter Gau und Gollachgau gehört. mini|hochkant|Hochwassermarken am Rathaus von Marktbreit. Höchststand 1784. Das Maindreieck zählt zu den wärmsten und trockensten Regionen Frankens. Dieses Klima ist besonders günstig für den Anbau von Wein, Obst und Gemüse. Marktbreit wird einige Male pro Jahrhundert vom Hochwasser des Mains heimgesucht. Dies dokumentieren die Hochwassermarken, die am Rathaus von Marktbreit sowie am gegenüberliegenden Barockpalais Zur Groe und anderen Gebäuden eingekerbt sind.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Im Jahre 1985 wurde bei einem Flug des Luftbildarchäologen Otto Braasch das Römerlager Marktbreit entdeckt, ein frührömisches (augusteischesM. Pietsch, Dieter Timpe, Ludwig Wamser: Das augusteische Truppenlager Marktbreit. Ber. RGK 72, 1992.) Lager für zwei Legionen mitten im germanischen Siedlungsgebiet auf dem Kapellenberg.Vgl. auch Ludwig Wamser: Ein augusteisches Legionslager auf dem Kapellenberg bei Marktbreit, Lkr. Kitzingen, Ufr. (Arch. Jahr Bayern 1986). 1987, S. 105–108.
Erstmals erwähnt wurde Marktbreit als „broite inferior“, das heißt Unter- oder Niedernbreit, in einer Urkunde des Grafen zu Castell 1266. So hieß Marktbreit im späteren Mittelalter Unternbreit oder Niedernbreit oder auch Breit und unterschied sich dadurch vom benachbarten Obernbreit. Der Name Marktbreit wurde bereits 1567 genannt. Vermutlich gab es bereits einige hundert Jahre früher eine Siedlung an der Mündung des Breitbaches, über die aber wenig bekannt ist.
Im Jahr 1557 verlieh König Ferdinand I. dem Ortsherrn und fränkischen Reichsritter Georg Ludwig von Seinsheim (1514–1591) das Marktrecht.Museum Malerwinkelhaus Marktbreit (Hrsg.): Ein Blick in die Renaissance. Georg Ludwig von Seinsheim und seine Zeit. Faltblatt zur Ausstellung vom 24. März 2007-21. Oktober 2007. Die Namensänderung auf Marktbreit geht wohl darauf zurück. Es kam zu einer ersten Blütezeit des kleinen Ortes unter der Ortsherrschaft Georg Ludwigs von Seinsheim, mit Handel für Tabak, Wein, Textilien und Korn. Eine Besonderheit Marktbreits war zudem, dass die ortsansässigen Juden dieselben Handelsrechte besaßen wie die christlichen Großhändler.Ruth Weiss: Der Judenweg Verlag Edition AV Bodenburg, 2020. S. 29 1618 gab es in Marktbreit 268 Haushalte. 1634 wurde es geplündert und Opfer einer Pestepidemie, die 800 Menschenleben forderte. Der vorher so blühende Marktort am Main verödete.
Unter der seit 1643 bestehenden Herrschaft der mit den Seinsheimern verwandten Familie Schwarzenberg entwickelte sich der Ort zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten Handelsorte am Main, davon zeugt der Alte Kranen am Hafen. Vor allem durch die günstige geografische Lage am südlichsten Punkt des Mains und damit der kürzesten Verbindung zur Donau konnte Marktbreit profitieren. Im Jahre 1806 kam der Ort zum Königreich Bayern und wurde danach für wenige Jahre dem Großherzogtum Würzburg zugeschlagen. Im Jahre 1814 kam er endgültig zu Bayern und erhielt 1819 das Stadtrecht.
Mit der Erschließung Frankens durch die Eisenbahn ab Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Bedeutung der Mainschifffahrt und des Fuhrbetriebs zwischen Main und Donau stark zurück, und damit auch die Bedeutung kleinerer Handelsorte wie Marktbreit. Viele Kaufleute verließen die Stadt.
Ab 1900 In der Zeit des Nationalsozialismus kam es 1938 zu massiven Übergriffen gegen die Einwohner jüdischen Glaubens und zur Schändung der Synagoge. Bevor er Gauleiter und Regierungspräsident von Unterfranken („Mainfranken“) in Würzburg wurde, war der in Markt Einersheim gebürtige fanatische Nazi und Antisemit Otto Hellmuth Zahnarzt in Marktbreit.
Bis in die 1980er Jahre war Marktbreit für das Umland ein Unterzentrum, in dem man (fast) alles bekam, was man brauchte. Seit einiger Zeit ist der Einzelhandel in der Innenstadt stark zurückgegangen – vor allem in der früher so belebten Schustergasse.
Marktbreit war und ist eine Schulstadt. Im Unterschied zum benachbarten, weitaus größeren Ochsenfurt ist in Marktbreit ein Gymnasium ansässig, das nicht zuletzt von den Schülern aus Ochsenfurt und dem Ochsenfurter Gau besucht wird.
Eingemeindungen Mit der Gebietsreform in Bayern wurde das etwa vier Kilometer entfernte Gnodstadt, bis dahin zum Landkreis Würzburg gehörend, mit rund 700 Einwohnern am 1. Mai 1978 zu einem Gemeindeteil von Marktbreit.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 3658 auf 3917 um 259 Einwohner bzw. um 7,1 %. Quelle: BayLfStat
Politik Stadtrat Bei den Kommunalwahlen 2014 und 2020 wurden jeweils 16 Stadträte gewählt. Sie verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Parteien und Gruppierungen:Liste der Stadträte 2020, abgerufen am 27. Juni 2020 Partei / Liste Sitze 2014 Sitze 2020 CSU 4 4 SPD 5 4 Grüne / Breiter Bürger 1 0 Freie Wählergruppe Gnodstadt 4 5 Freie Wähler e. V. 2 3
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2020 Harald Kopp (SPD), der in der Stichwahl am 29. März 2020 gegen Sven Biebelriether (Freie Wählergruppe Gnodstadt) mit 62,5 % der Stimmen gewählt wurde. Sechs Jahre zuvor, am 16. März 2014, unterlag Harald Kopp mit 49,05 % der Stimmen dem damaligen Amtsinhaber Erich Hegwein (CSU), der mit 50,95 % der abgegebenen Stimmen als erster Bürgermeister wieder gewählt wurde. Wahl 2014 Bürgermeister Amtszeit Anmerkungen Adolf Hartmann 1886–1904 Johann Christian Lenz 1904–1905 Martin Schnerr 1905–1916 Georg Eichhorn 1917–1924 Georg Holeisen 1925–1937 Albert Lucas 1937–1943 Adam Fuchs 1943–1945 lediglich kommissarischer Bürgermeister, erste Amtszeit Ernst Heywang 1946–1948 Adam Fuchs 1948–1969 zweite Amtszeit Willi Kleinschroth 1969–1974 Karl Schubert 1974–1990 Walter Härtlein 1990–2002 Freie Wähler Erich Hegwein 2002–2020 CSU Harald Kopp seit 2020 SPDWalter Härtlein, Simone Michel-von Dungern: Festschrift. 200 Jahre Stadtrecht Marktbreit. 1819–2019. Marktbreit 2019. S. 70.
Städtepartnerschaften : Fléac im südwestfranzösischen Département Charente : Benshausen, Ortsteil der Stadt Zella-Mehlis im Landkreis Schmalkalden-Meiningen : Seit 2012 Städtepartnerschaft mit Asch
Wappen
mini|Malerwinkelhaus, im Kern 17. Jahrhundert, bezeichnet „1774“ Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Das Museum Malerwinkelhaus befindet sich links vor dem Stadttor. Realistisch dargestellt werden die Lebensbedingungen von Frauen verschiedener sozialer Schichten und Konfessionen, die zwischen dem letzten Viertel des 19. und dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts geboren wurden. Weiterhin werden Erläuterungen zum Aufbau und zur Marschleistung der römischen Kohorten und Centurien gegeben. Regelmäßige Sonderausstellungen zu kulturhistorischen Themen ergänzen die Dauerausstellungen.Offizielle Website des Museums Malerwinkelhaus In der Ochsenfurter Straße 15 a befindet sich seit 1995 die Alois-Alzheimer-Gedenk- und Tagungsstätte mit vier Ausstellungsräumen. In diesem Haus wurde, wie auch eine Gedenktafel besagt, am 14. Juni 1864 Alois Alzheimer geboren. Es ist nach Anmeldung bei der Stadtinformation zugänglich.Eckart Roloff und Karin Henke-Wendt: Erste Zeugnisse eines wegweisenden Psychiaters. (Die Alois-Alzheimer-Gedenk- und Tagungsstätte) In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. Band 2, Süddeutschland. Verlag S. Hirzel, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-7776-2511-9, S. 111–112. mini|St.-Nikolai-Kirche Bauwerke
mini|Haus Wertheimer, 1717–19, Architekt: Joseph Greissing mini|Seinsheimsches Schloss, um 1585 mini|hochkant|Maintor, um 1600, und Rathaus, 1579–81 durch Hans Keesenbrod mini|hochkant|Maintor, um 1600, Wiederaufbau 1946/47 mini|hochkant|Alter Kranen, 1774 mini|Marktbreit, Lagerhaus am Main, erbaut 1754, 1951 weitgehend erneuert
Die historische Altstadt Marktbreits ist als Ensemble unter Schutz gestellt. Frachtkran aus dem Jahr 1773/74: Der Alte Kranen diente dem Umschlag der Waren zwischen Fluss- und Landtransport. Auf der Ostseite schützt ein angemauerter Eisbrecher vor Eisgang und Hochwasser. Der Warenumschlag florierte wegen des Marktrechts, das das Dorf 1557 erhalten hatte, und der günstigen Verkehrsanbindung (Main). Lagerhaus aus dem Jahr 1754, zerstört 1945, 1951 Wiederaufbau, restauriert 2003.Stadt Marktbreit (Hrsg.): Nimm dir Zeit für Marktbreit. Faltblatt 05/2015. Renaissance-Rathaus mit Ratssaal und angeschlossenem Stadttor (erbaut 1579–1581 von Hans Keesebrod im Auftrag von Georg Ludwig von Seinsheim). Seinsheimsches Schloss, erbaut ab 1585 als Residenz der Frau von Georg Ludwig von Seinsheim mit hohen Renaissancegiebeln Evangelische Kirche St. Nikolai (Turmunterbau 14. Jahrhundert, Chor 15. Jahrhundert, Langhaus 1438; mehrfach verändert, Turmaufbau 1587 und 1703. Interessante Ausstattungsstücke, u. a. zahlreiche Grabdenkmäler, auch Jörg Riemenschneider zugeschriebene.) Katholische Kirche St. Ludwig (1846 in romanisierenden Formen) Handelshäuser im Stil des Würzburger Barock (Greissingstil): Haus Wertheimer, erbaut 1718–19 im Auftrag des Kaiserlichen Oberhoffactors Samson Wertheimer zu Wien für dessen in Marktbreit lebenden Bruder Emanuel durch den Hochfürstlich Würzburgischen Stadt- und Landbaumeister Joseph Greissing. Als freie Nachschöpfung dazu das Haus zur Groe, erbaut 1725 für den Kaufmann Günther. Malerwinkelhaus aus dem 17. Jahrhundert, mehrfach umgebaut, u. a. um 1774 Hotel Löwen. Es ist das zweitälteste Gasthaus in Bayern und steht am Marktplatz. Es wurde erstmals 1450 urkundlich erwähnt. Das Fachwerk stammt aus dem 18. Jahrhundert. Das Gasthaus war früher die Fürstlich Schwarzenbergische Herberge. St. Peter und Paul, Gnodstadt, 13. Jahrhundert, einzigartiges historisches Geläut Mautpyramide von Gnodstadt Kreuzigungsbildstock in Gnodstadt. Katholisches Kleindenkmal auf protestantischem Boden. Die Stadtmauer ist teilweise mit Wohnhäusern bebaut. Viele runde Wehrtürme sind noch erhalten und waren teilweise bis Mitte des 20. Jahrhunderts benutzt oder bewohnt. Die Ortsummauerung stammt aus dem 16. Jahrhundert. Früher gab es vier Tore, von denen noch das 1600 erbaute Maintor, das im Krieg 1945 zerstört und 1946/47 erneuert wurde, erhalten ist. Ein Rundweg führt abwechselnd außerhalb und innerhalb der Stadtmauer entlang.