Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Ulm Gliederung: 26 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: 51.103 (31.12.2024) Adresse desDekanatamtes: Marienplatz 388212 Ravensburg DekanCodekan: Martin Hauff (seit 2022)Reimar Krauß (seit 2022) Karte 200px|rahmenlos|Lage des Kirchenbezirks Ravensburg innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg
Der Evangelische Kirchenbezirk Ravensburg ist einer von derzeit (2026) 35 Kirchenbezirken bzw. Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet ist deckungsgleich mit dem Dekanat Ravensburg.
Geografie Der Kirchenbezirk Ravensburg liegt im äußersten Süden der württembergischen Landeskirche. Er ist neben dem Kirchenbezirk Biberach der flächengrößte Kirchenbezirk der württembergischen Landeskirche. Seine Kirchengemeinden umfassen den Großteil des Landkreises Ravensburg (die Städte und Gemeinden Aichstetten, Aitrach, Amtzell, Argenbühl, Bad Waldsee, Bad Wurzach, Baienfurt, Baindt, Berg, Bergatreute, Bodnegg, Fronreute (nur Ortsteil Blitzenreute), Grünkraut, Isny im Allgäu, Kißlegg, Leutkirch im Allgäu, Ravensburg, Schlier, Vogt, Waldburg, Wangen im Allgäu, Weingarten, Wilhelmsdorf, Wolfegg und Wolpertswende) sowie den Osten des Bodenseekreises (die Städte und Gemeinden Eriskirch, Friedrichshafen, Kressbronn am Bodensee, Langenargen, Meckenbeuren, Neukirch, Oberteuringen und Tettnang), ferner die Gemeinde Tannheim, die Ortsteile Mühlhausen und Oberessendorf der Gemeinde Eberhardzell sowie die Ortsteile Ellwangen und Haslach der Gemeinde Rot an der Rot im Landkreis Biberach.
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Ravensburg grenzt im Norden an den Kirchenbezirk Biberach (Prälatur Ulm), im Osten und Südosten an die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Bayern, im Süden an den Bodensee und im Westen hat er eine Grenze mit der Evangelischen Landeskirche in Baden.
Geschichte mini|Evangelische Stadtkirche Ravensburg Im Gegensatz zu den meisten Dekanaten der württembergischen Landeskirche, die schon bald nach der Reformation errichtet wurden, ist der Kirchenbezirk Ravensburg eine Neugründung aus dem 19. Jahrhundert. Das Gebiet des heutigen Kirchenbezirks Ravensburg ist mehrheitlich katholisch geprägt, weil es überwiegend zu Vorderösterreich und zu kleineren Adels- und Klosterherrschaften gehörte, welche keine Reformation durchführten. Hier zogen evangelische Bewohner erst seit dem 19. Jahrhundert bzw. vermehrt nach dem Zweiten Weltkrieg zu. Einige Reichsstädte waren aber bereits seit der Reformationszeit ganz oder teilweise evangelisch. In der Reichsstadt Isny – dem Zentrum der Reformation im Allgäu – war sogar bis 1803 der Zuzug von Katholiken verboten. In Wangen und Ravensburg war die Reformation zwar eingeführt, aber später ganz oder teilweise rückgängig gemacht geworden. Wangen blieb dann bis 1810 ganz katholisch, in Ravensburg herrschte jahrhundertelang konfessionelle Parität. Die Reichsstadt Leutkirch wurde mit der Reformation zwar evangelisch, eine katholisch gebliebene Minderheit und die katholischen Christen des unmittelbaren Umlands konnten aber weiterhin die große Stadtpfarrkirche nutzen, während die evangelischen Bürger eine eigene Kirche neu errichteten.
Fast alle Gebiete des Dekanats kamen in den Jahren 1803–1810 an Württemberg und wurden zunächst dem Dekanat Blaubeuren, ab 1810 dem Dekanat Biberach zugeordnet. 1810 wurde Ravensburg Sitz eines Oberamts. 1829 wurde Ravensburg dann provisorisch Sitz eines Dekans innerhalb des Dekanats Biberach, das mit „oberer Sprengel der Diözese Biberach“ bezeichnet wurde. Zum Dekan wurde der Stadtpfarrer in Ravensburg ernannt. 1843 wurde das Dekanat Ravensburg dann endgültig eingerichtet. Ihm wurden die evangelischen Gemeinden des gesamten Umlands zugeordnet. Es gehört seit seiner Gründung zum Generalat Ulm, aus dem 1924 die heutige Prälatur Ulm hervorging.
Als Besonderheit liegt auf dem Gebiet des Kirchenbezirks Ravensburg auch die Evangelische Brüdergemeinde Wilhelmsdorf, eine von Pietisten gegründete unabhängige evangelische Gemeinde, die mit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg jedoch einen Vertrag abgeschlossen hat, wonach landeskirchliche Gemeindeglieder in Wilhelmsdorf entsprechend ihrem Wohnort auch vom jeweiligen Pfarrer der Brüdergemeinde seelsorgerlich betreut werden, auch wenn sie selbst nicht Mitglied der Brüdergemeinde sind. Die Brüdergemeinde Wilhelmsdorf ist eine Tochtergemeinde der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal.
Zwischen 1992 und 2003 gab es innerhalb des Kirchenbezirks Ravensburg zwei Dekanatsbezirke, Friedrichshafen und Ravensburg mit je einem Dekan an der Spitze. Zum 31. Oktober 2003 wurde das Dekanat Friedrichshafen wieder aufgehoben. Seither ist in Friedrichshafen ein Codekan ansässig. Der Dekan in Ravensburg hat seine Visitationsaufgaben im Raum Friedrichshafen an den Codekan delegiert.
Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Derzeitiger Dekan ist seit 2022 Martin Hauff, der zugleich geschäftsführender Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Ravensburg ist.
Dekane des Kirchenbezirks Ravensburg seit 1829 mini|hochkant|Dekanatsamt am Marienplatz in Ravensburg 1829–1842: Johann Martin Kutter (1763–1843); bereits seit 1819 Stadtpfarrer in Ravensburg 1843–1862: Johann August Beigel 1862–1872: Moritz Ernst Eggel 1872–1896: Wilhelm Max Theodor von Biberstein 1897–1908: Gotthold Felician Knapp (1848–1908) 1908–1913: Friedrich Fischer (1853–1933) 1913–1927: Karl Fauser 1927–1937: Hermann Ströle (1878–1950) 1937–1945: Eugen Kommerell 1946–1961: Gerhard Schnaufer 1962–1977: Johannes Maisch (1910–1985) 1978–1991: Gerhard Döffinger (1929–2001) 1991–1997: Jan-Adolf Bühner (* 1948) 1997–2008: Jochen Tolk (* 1943) 2009–2021: Friedrich Langsam (* 1956) 2022–: Martin Hauff (* 1963)
Dekane des Dekanats Friedrichshafen (1992–2003) bzw. Codekane des Kirchenbezirks Ravensburg in Friedrichshafen (seit 2004): 1992–2003: Werner Müller-Bay (* 1940), Dekan 2004–2012: Ulrich Lange (1960–2012), Codekan 2013–2021: Gottfried Claß (* 1954), Codekan 2022–: Reimar Krauß (* 1960), Codekan
Für die Betreuung und Beaufsichtigung des Religionsunterrichts an den allgemein- und berufsbildenden Schulen ist ein Schuldekan zuständig.schuldekan-ravensburg.de
Kirchenmusik
Bezirkskantorin ist seit Dezember 2024 Carmen Jauch, die Kantorin und Organistin an der Evangelischen Stadtkirche Ravensburg ist. Ihr Vorgänger in diesen Ämtern war seit 1989 Kirchenmusikdirektor Michael Bender.
Auch der Kantor und Organist an der Schlosskirche Friedrichshafen hat einen Bezirksauftrag inne (1992–2024: Kirchenmusikdirektor Sönke Wittnebel, seit 2024: Manuel Mader-Nachtrodt).
Einrichtungen des Kirchenbezirks
Das Diakonische Werk Oberschwaben Allgäu Bodenseebis 2020 Diakonisches Werk Ravensburg betreibt Beratungsstellen und Kindertageseinrichtungen.
Die Jugendarbeit im Bezirk wird vom Evangelischen Jugendwerk Ravensburg (ejw) koordiniert und begleitet. Das Jugendwerk ist seit 2020 in Friedrichshafen angesiedelt.
Die Erwachsenenbildung fördert das Evangelische Bildungswerk Oberschwaben (EBO), das zusammen mit dem Kirchenbezirk Biberach betrieben wird.
Die Evangelische Fachberatung für Kindertageseinrichtungen berät die evangelischen Kindertagesstätten im Bezirk.
Die Verwaltung des Kirchenbezirks war bis 2025 im Evangelischen Verwaltungszentrum Bereich Ev. Kirchenbezirk Ravensburg angesiedelt. Es versah außerdem die Aufgaben einer kirchlichen Verwaltungsstelle (der Landeskirche) für den Bezirk und die Verwaltung des Diakonischen Werks sowie der Kirchenpflegen Ravensburg, Weingarten und Baienfurt-Baindt. Mit der Verwaltungsreform der Landeskirche wurde die Evangelische Regionalverwaltung Ravensburg errichtet, die seit 2025 die Aufgaben des Verwaltungszentrums weiterführt und weitere übernahm. Neben dem Hauptstandort in Ravensburg werden Außenstandorte in Friedrichshafen und Isny betrieben.
Seit Oktober 2020 sind Schuldekanat, Verwaltung, Bildungswerk, Kindergartenfachberatung und Leitung und Beratungsstellen des Diakonischen Werks im neben dem Matthäus-Gemeindehaus gelegenen, eigens errichteten Haus der Evangelischen Kirche in der Ravensburger Innenstadt ansässig.
Partnerschaft Der Kirchenbezirk unterhält seit 1999 eine Partnerschaft mit dem Fako South Presbytery der Presbyterianischen Kirche in Kamerun. Neben der Unterstützung für Projekte in Kamerun (etwa für den Bau einer Mädchenschule in Limbe) lebt die Partnerschaft vom Erfahrungsaustausch bei gegenseitigen Besuchen von Delegationen in Kamerun und Deutschland.Glauben verbindet über Kontinente hinweg, Schwäbische Zeitung, 18. Juni 2023
Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Ravensburg gibt es insgesamt 20 Kirchengemeinden. Davon haben sich drei Gemeinden zu einer Verbundkirchgengemeinde zusammengeschlossen, bleiben aber weiterhin eigenständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Das Gebiet des Kirchenbezirks Ravensburg ist traditionell katholisch geprägt. Aus historischer Zeit evangelisch sind nur die ehemalige Reichsstadt Isny und teilweise die ehemaligen paritätischen Reichsstädte Ravensburg und Leutkirch. Die anderen evangelischen Gemeinden entstanden erst ab dem 19. Jahrhundert.
Kirchengemeinde Alttann mini|Evangelische Kirche Alttann Die Kirchengemeinde Alttann (915 Mitglieder)Stand: 31. Dezember 2024 umfasst die Gemeinde Wolfegg, mit ihren zugehörigen Weilern, darunter Alttann und die Gemeinde Bergatreute sowie den Stadtteil Eintürnen der Stadt Bad Wurzach. Der Raum Wolfegg blieb nach der Reformation katholisch. Seit dem 19. Jahrhundert zogen auch evangelische Bewohner zu, so dass 1922–1925 im „Höll“ genannten Tal der Wolfegger Ach in Alttann eine eigene evangelische Kirche mit Schulhaus erbaut werden konnte. 1965 wurde dort ein Vikariat und später eine eigene Pfarrei errichtet.
Kirchengemeinde Atzenweiler-Vogt Die Kirchengemeinde Atzenweiler-Vogt (1.806 Mitglieder) umfasst die Gemeinde Grünkraut mit den zugehörigen Weilern, darunter Atzenweiler sowie die Gemeinden Bodnegg (ohne Hinterberg und Schmitten, die 1961 der Kirchengemeinde Wangen zugeordnet wurden), Waldburg und Vogt. Bis 1920 gehörte auch der Weiler Hinzistobel zur Kirchengemeinde Atzenweiler. Durch Bekanntmachung des Konsistoriums vom 21. April 1920 wurde dieser der Kirchengemeinde Ravensburg zugeordnet. Bis 1964 gehörte auch der heutige Wangener Ortsteil Karsee zur Kirchengemeinde Vogt. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 13. Februar 1964 wurde Karsee der Kirchengemeinde Wangen im Allgäu zugeordnet.Website der Ev. Kirchengemeinde Atzenweiler-Vogt Bis 1975 gehörten auch die evangelischen Bewohner von Ittenbeuren und Knollengraben (beide Stadt Ravensburg) zur Kirchengemeinde Atzenweiler, bevor diese gemäß Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 13. Februar 1975 der Kirchengemeinde Ravensburg zugeordnet wurden.
Der Raum blieb nach der Reformation katholisch. Im 19. Jahrhundert zogen auch evangelische Bewohner zu, so dass 1898 eine eigene Pfarrei im Grünkrauter Ortsteil Atzenweiler errichtet wurde. Bereits 1884 war dort ein Schulhaus mit Betsaal erbaut worden. 1899 wurde in Vogt eine Filialgemeinde eingerichtet, 1901 dort die Christuskirche erbaut. Zuständig blieb jedoch der Pfarrer von Atzenweiler. Paul Knapp, Pazifist und Gründer der Deutschen Friedenspartei, war von 1908 bis 1911 Pfarrverweser und dann bis 1949 Pfarrer in Atzenweiler. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen die beiden Gemeinden durch Flüchtlinge und Zugezogene aus anderen Teilen Deutschlands stark an. In Vogt wurde 1972 ein Gemeindehaus, 1994 auch ein Pfarrhaus errichtet. 2003 erhielt die Kirchengemeinde Vogt zum ersten Mal eine ständige Pfarrstelle.