mini|hochkant=1.4|Bowling-Ball und Pins mini|Atmosphäre in einer Bowlinghalle (Tondokument)
Bowling ist eine in der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten entstandene Variante des Präzisionssports Kegeln, bei dem ein Ball, der mit Bohrungen für die Finger versehen ist, auf eine Formation von zehn Kegeln, auch Pins genannt, geworfen wird. Bowling ist eine Hallensportart, bei der der Spieler versucht, so viele Kegel wie möglich am Ende der Bahn mit einer geworfenen Kugel zu treffen.
Obwohl das Spiel in seiner aktuellen Form Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist, kann sein Vorgänger bereits im 4. Jahrtausend vor Christus gefunden werden. Obwohl das Spiel dem Kegelspiel ähnlich ist, gibt es Unterschiede zwischen den beiden Sportarten. Zum Bowling benötigt man eine Bowlingbahn mit zehn Kegeln, eine spezielle Bowlingkugel und spezielle Schuhe sind auch empfehlenswert. Beim Kegeln gibt es auf der Bahn nur neun Kegel und auch die Kugel ist unterschiedlich.
Während eines Bowlingspiels wirft der Spieler in zehn Runden auf die Kegel und versucht, sie alle zu treffen. Wenn er es nicht im ersten Wurf einer Runde schafft, hat er noch einen zweiten Wurf zur Verfügung. Wenn er im letzten – dem zehnten – Durchgang alle Kegel spätestens mit dem zweiten Wurf trifft, wirft er in dieser Runde ein drittes Mal. Für das gesamte Spiel können maximal 300 Punkte erzielt werden, wobei die getroffenen Kegel gezählt werden und zusätzlich, im Falle dass alle Kegel getroffen wurden, gibt es Bonuspunkte.
Ein Vorteil des Bowlings ist, dass es keine signifikanten körperlichen Einschränkungen für die Spieler gibt, sodass sowohl jüngere als auch ältere Spieler gegeneinander antreten können. Durch den schnellen Spielerwechsel auf der Bahn ist das Spiel spannend und dynamisch, da die Spieler ihre aktuellen Ergebnisse und Punktegewinne miteinander vergleichen können. Es handelt sich um einen bequemen und sicheren Sport, der dank der Tatsache, dass seine Spiele in Innenräumen ausgetragen werden, unabhängig von möglichen schlechten Wetterbedingungen ist.
Geschichte mini|Holzschnitt, 16. Jahrhundert mini|Bowlingbahnen im Windsor Club, um 1910 mini|Kegeljungen, um 1910
Bowling entstand in den USA aus dem europäischen Kegeln, das von deutschen und niederländischen Einwanderern mit in die neue Welt gebracht worden war. Vorläufer des Kegelns waren vermutlich schon im Ägypten des Altertums bekannt. Auch anderswo wurden ähnliche Spiele entwickelt. Das moderne Kegeln entstand im Mittelalter und verbreitete sich in dieser Zeit in Westeuropa. Der Anlass für das Entstehen von Bowling war ein Kegelverbot 1837 in Connecticut. Das Verbot des Spiels auf Lattenbahnen mit neun Kegeln war erfolgt, da oft Geld eingesetzt und auch betrogen wurde. Um das Verbot zu umgehen, fügte man den neun Kegeln einen zehnten hinzu, stellte diese im Dreieck statt im Viereck auf, nannte sie „Pins“ und das neue Spiel „Bowling“. Die auf diese Weise geborene neue Sportart verbreitete sich rasch und ist weiter verbreitet als das herkömmliche Kegeln. 1891 wurde in den USA der American Bowling Congress (kurz: ABC) gegründet.
Das „neue“ Spiel kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Europa zurück, verbreitete sich hier in der ersten Jahrhunderthälfte aber nur wenig. Dennoch wurde 1926 die International Bowling Association (kurz: IBA) gegründet. Am 17. Februar 1929 beschloss der Deutsche Keglerbund (kurz: DKB), die so genannte „Amerikabahn“ als Bundesbahn aufzunehmen und sie den bisherigen Bahnspieltypen Asphalt, Schere und Bohle als vierte Bahnart Bowling anzugliedern. Bereits 1931 gab es die ersten deutschen Einzelmeisterschaften der Männer – Frauen und Senioren folgten 1939. Ab 1932 gab es erste Meisterschaften für Vereinsmannschaften der Herren, die Clubmeisterschaften für 3er-Teams wurden 1933 ins Leben gerufen. 1937 gewann Deutschland die erste Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft in Berlin.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die IBA aufgelöst. Am 14. Oktober 1950 rief die im Jahre 1949 gegründete „Arbeitsgemeinschaft für Sportkegler“ in Bielefeld wieder den Deutschen Keglerbund e. V. ins Leben. 15 Monate später, am 27. Januar 1952, schloss sich die Bundesrepublik Deutschland dem Weltdachverband FIQ an. In den 1950er- und 1960er-Jahren verbreitete sich das Spiel auf zehn Pins dann immer stärker. Als Ursachen dafür gelten automatische Aufstellmaschinen und erste Übertragungen im Fernsehen. Anfang der Sechzigerjahre wurden die ersten Großanlagen installiert.
Am 27. September 1970 erfolgte der Start der neu gegründeten Bowling-Bundesliga der Männer mit zwölf Clubmannschaften, drei Jahre später die der Frauen. Die Gründung der World Tenpin Bowling Association (kurz: WTBA) erfolgte 1973. Seit 1979 gilt Bowling als olympiawürdig. Am 13. Oktober 1986 hat das IOC die Aufnahme bei den Olympischen Spielen abgelehnt. Bei den Olympischen Spielen 1988 gehörte Bowling zu den Demonstrationswettbewerben, wurde jedoch nicht ins olympische Programm übernommen.
Spielregeln mini|Pin-Anordnung
Die Pins sind als gleichseitiges Dreieck mit einer Kantenlänge von 36 in (91,44 cm) angeordnet; eine Spitze des Dreiecks zeigt zum Spieler.
Ein Spiel (Game) besteht aus zehn Durchgängen (Frames). Ziel ist es, in jedem Frame die maximale Anzahl an Pins, also alle zehn, umzuwerfen. Dazu hat ein Spieler pro Frame maximal zwei Würfe. Räumt ein Spieler beim ersten Wurf alle zehn Pins ab, so nennt man das Strike. Werden alle Pins erst mit Hilfe des zweiten Wurfs in einem Frame abgeräumt, so ist das ein Spare. Können auch mit dem zweiten Wurf nicht alle Pins abgeräumt werden, so spricht man von einem Open Frame (offener Durchgang).
Für die zu wertenden Punkte werden pro Frame die umgeworfenen Pins gezählt. Bei einem Spare werden zusätzlich zu den zehn Punkten (für zehn Pins) die Punkte des nächsten Wurfs dazugezählt, die höchste erreichbare Punktzahl ist hierfür also 20 (Spare, im nächsten Frame ein Strike). Beim Strike werden die nächsten zwei Würfe dazugezählt, so dass sich die Höchstpunktzahl je Frame auf 30 erhöht (drei Strikes in Folge). Wird im letzten Frame des Spiels ein Spare erzielt, darf noch ein dritter Ball geworfen werden, um das Ergebnis zu ermitteln. Wird ein Strike geworfen, folgen noch zwei Extrawürfe. Das höchste zu erreichende Ergebnis ist damit 300 Punkte (perfektes Spiel), das heißt zwölf Strikes in Folge in einem Spiel.
Die Bowlingbahn mini|Bowlingbahnen unter UV-Licht mini|Bowlerwurf Die Bowlingbahn bestand bis Anfang des 21. Jahrhunderts meist aus lackiertem Holz, seit rund zwei Jahrzehnten gibt es fast nur noch Kunststoffbahnen. Üblicherweise wird sie regelmäßig gewaschen sowie mit einem dünnen Ölfilm überzogen – der letzte Teil der Bahn bleibt trocken. Art und Länge der Ölung richtet sich bei Freizeitanlagen nur danach, dass die Bahn durch die Bowlingbälle weniger beansprucht wird. Bei Sportanlagen mit Ligabowling gibt es eine Vielzahl von „Ölbildern“ mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Bei einem Hakenball sorgt das Öl dafür, dass die Seitenrotation erst kurz vor den Pins Wirkung zeigt. Eine ungeölte Bahn würde schneller abgenutzt werden und jede Rotation den Ball unmittelbar in die Rinne befördern. Fortgeschrittene Spieler besitzen mehrere Bälle unterschiedlicher Härte und Oberflächenbeschaffenheit, um sich den für Meisterschaften aufgelegten Ölbildern sowie im Spielverlauf den wechselnden Bedingungen durch mehr oder weniger Öl auf der Bahn anzupassen.
Die Bahn wird in folgende Bereiche eingeteilt: Anlauf (Approach) der Bereich, in dem sich die Spieler bewegen, um ihren Wurf durchzuführen. Foullinie (Foul Line) eine (meist) schwarze Linie, die Anlauf und Lauffläche voneinander abgrenzt. Zusätzlich ist diese durch eine Lichtschranke mit dem Computer verbunden. Wird diese ausgelöst, so wird für den Wurf ein F (Foul) eingetragen, die gefallenen Pins zählen nicht. Lauffläche (Lane) der 60 Fuß lange Bereich zwischen Anlauf und Pindeck. Dieser Bereich darf von den Spielern nicht betreten werden – passiert das trotzdem, ist das ein Foul – der Wurf wird mit Null gewertet und die Pins werden wieder aufgestellt. Der Ball durchläuft diesen Bereich auf seinem Weg zu den auf dem Pindeck stehenden Pins. Die verschiedenen Ölbilder machen aber auch für Sportler den Reiz des Spielens aus, da sie je nach Art ein mehr oder weniger anspruchsvolles Spiel verlangen – auch die Ölmenge in Querrichtung ist im Regelfall unterschiedlich. Die Lauffläche ist wiederum in drei jeweils 20 Fuß lange Bereiche unterteilt, die Heads, die Pines und das Backend (ein Bereich zwischen Öl und Pins, der nicht geölt wird, um den Bällen Haftung zu geben und ihnen Zeit zu lassen, einen „Hook“ in Richtung Gasse zu schlagen). Pindeck der Bereich, in dem die Pins stehen. Rinne (Gutter) die tieferliegenden Bereiche rechts und links neben Lauffläche und Pindeck.
Abmessungen Breite der Bahn: 41,5 Zoll (1,04 m), Toleranz ±1/2 Zoll Länge des Anlaufbereichs: mindestens 15 Fuß (4,57 m) Gesamtlänge der Bahn: 62 Fuß und 103/16 Zoll (19,20 m) Länge von der Foul-Linie bis zum ersten Pin: 60 Fuß (18,29 m) Länge vom ersten Pin bis zum Ende des Pindecks: 343/16 Zoll (0,87 m)
Die Pins mini|Bowling-Pins Ein Pin besteht entweder aus einem Holzkern, der mit Kunststoff ummantelt ist (gibt es heute kaum mehr), bzw. vollständig aus Kunststoff. Ein Pin ist 15 in (38,1 cm) hoch und hat einen Durchmesser von 4,75 in (12,06 cm). Die Masse liegt zwischen 3 lbs 6 oz (1,53 kg) und 3 lbs 10 oz (1,64 kg).
Bahnölung und -pflege mini|Ölmuster-Erstellungsprogramm für eine Bahnenpflegemaschine. Dieses zeigt die Länge und Verteilung des Öls auf der Bahn an. mini|Detailliertere Ansicht des Ölmusters
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Ölung der Bahn zu einer unverzichtbaren Komponente des Bowlingsports entwickelt, da diese eine Erweiterung des Schwierigkeitsgrads darstellt und der Spieler sich auf unterschiedliche Bahnenverhältnisse ein- und umstellen muss. Ursprünglich diente die Bahnenölung vor allem bei den Holzbahnen als Schutz vor Verschmutzung und Feuchtigkeit, sowie um die Kräfte, die beim Aufkommen der Bälle auf der Bahn entstehen, abzufangen und zu verteilen. Kunststoffbahnen, wie sie vorwiegend vorkommen, sind kaum mehr so empfindlich gegen Verschmutzung und Feuchtigkeit, sehr wohl jedoch gegen die Reibungskräfte der Bälle. Holzbahnen müssen in regelmäßigen Abständen abgeschliffen und neu lackiert werden.
Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre begann eine wahre Materialschlacht auf dem Bowlingsektor. Ballhersteller entwickelten neue Oberflächen (siehe Der Ball), die dem Öl trotzen, worauf die Bahnenhersteller neue Ölungen bereitstellten. Dieses Wechselspiel hat sich fortgesetzt. Seit einigen Jahren gibt es im Sportbowling vorgeschriebene Standards bei den Ölungen.
Eine gute Bahnpflegemaschine beherrscht diverse Varianten von Ölmustern. Diese Maschinen fahren über die Bahn, waschen zuerst den abgenutzten Ölfilm und den Schmutz weg und tragen parallel dazu einen neuen Ölfilm auf. Bei internationalen Meisterschaften bzw. großen Turnieren hängt das verwendete Ölmuster in der Regel zur Information für die Spieler aus (siehe Grafiken). Die Bahnen werden dann vor jedem neuen Durchgang geölt, um einen gleichbleibenden Standard und damit möglichst gleiche Chancen für alle Spieler zu gewährleisten.
Im täglichen Spielbetrieb ist eine häufige Ölung aus Kostengründen nicht möglich. Hier unterscheiden sich die Bahnbetreiber in ihrer Kundenausrichtung. Eher auf Spaßpublikum abzielende Betreiber betreiben lediglich eingeschränkte Bahnpflege (dies oft nur einmal in der Woche), was sowohl zum Ausbleiben von Sportbowlern als auch zu einem schnelleren Verschleiß der Bahnoberfläche führt. Bahnbetreiber, die auch Sportbowler ansprechen wollen, ölen ihre Bahnen dementsprechend häufiger.
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