mini|Deutsches Erdölmuseum Wietze: Eine Frau schöpft zusammengelaufenes Öl aus Gruben in ein Fass (1916) mini|Das derzeit wichtigste deutsche Ölfeld, Mittelplate, liegt inmitten des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Im Hintergrund das Büsumer Hochhaus. mini|hochkant|Blowout-Preventer im Deutschen Erdölmuseum Wietzemini|hochkant|Erdölbohrtürme

Die Erdölförderung in Deutschland hat technikhistorische wie wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung, deckt den heimischen Bedarf allerdings nur zu ungefähr 2 Prozent. Im 20 km westlich von Celle gelegenen Ort Wietze begann bereits 1858 die industrielle Förderung von Erdöl. Georg Christian Konrad Hunäus ließ damals die wahrscheinlich erste Erdölbohrung der Welt durchführen. Zeitweise wurden bis zu 80 Prozent des nationalen Bedarfs vom Wietzer Ölfeld gefördert. Die heutige Förderung konzentriert sich vor allem auf die Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein und deckt etwa 2,5–3 % des deutschen Bedarfs. In Deutschland wurde ein Ölfördermaximum („peak oil“) mit 8,2 Millionen Tonnen bereits im Jahr 1968 erreicht., abgerufen am 21. September 2007. Derzeit werden rund 2,2 Millionen Tonnen pro Jahr gefördert.LBEG Niedersachsen: Jahresbericht „Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland“, Förderzahlen 2012.Michael Pasternak: Exploration und Produktion von Erdöl und Erdgas in Deutschland 2008. In: Erdöl Erdgas Kohle. 2009, S. 284.

Fördermengen In der Bundesrepublik Deutschland wurden im Jahr 2017 2,22 Mio. t Erdöl einschließlich eines Kondensatanteils von 0,6 Prozent produziert. Das entspricht insgesamt einer Verringerung um 5,8 Prozent gegenüber 2016. Die Erdölproduktion im Jahr 2017 hat zu 2,0 Prozent zur Deckung des Verbrauchs an Erdöl in Höhe von 109,4 Mio. t in Deutschland beigetragen. Eine Jahresförderung von rund 2 Mio. t Erdöl entspricht einem halben Promille der weltweiten Ölförderung von rund 4.400 Mio. t pro Jahr und unter drei Prozent des deutschen Rohölbedarfes. 2024 wurden 78,4 Mio. t importierthttps://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Aussenhandel/Tabellen/rohoel-jaehrlich.html, was 44,7 Mrd. Euro kostete; pro Kopf somit rund 500 Euro. Hinzu kommt der Import von Mineralölprodukten wie Gasöl (Diesel, Heizöl) – 2022 insgesamt 35,6 Mio. t – und Ausfuhr von Produkten Überschüssen wie Benzin – 2022 27,5 Mio. t.

Die geschätzten sicheren und wahrscheinlichen Erdölreserven in Deutschland beliefen sich am Stichtag 1. Januar 2018 auf 28,3 Mio. t Erdöl und liegen damit um 3,5 Mio. t oder 11,1 Prozent unter denen des Vorjahres. Die wirtschaftlich und technisch nicht förderbaren sowie die nicht nachgewiesenen, aber geologisch möglichen Erdölressourcen, lagen 2005 bei 20 Millionen Tonnen.

Entwicklung der Förderung in den alten Bundesländern bis zur Wiedervereinigung In den alten Bundesländern wurden folgende Jahresförderungen in Tonnen erbracht:

Jahr Erdölförderung Jahr Erdölförderung Jahr Erdölförderung Jahr Erdölförderung 1947 576.611 1958 4.431.596 1969 7.875.727 1980 4.631.343 1948 635.240 1959 5.102.758 1970 7.535.221 1981 4.458.967 1949 841.576 1960 5.529.892 1971 7.420.354 1982 4.225.758 1950 1.118.613 1961 6.204.463 1972 7.098.311 1983 4.115.854 1951 1.336.685 1962 6.776.353 1973 6.637.661 1984 4.055.380 1952 1.755.389 1963 7.382.712 1974 6.191.061 1985 4.105.150 1953 2.188.696 1964 7.672.618 1975 5.741.386 1986 4.017.014 1954 2.666.314 1965 7.883.893 1976 5.524.257 1987 3.792.834 1955 3.147.234 1966 7.868.217 1977 5.401.139 1988 3.937.492 1956 3.506.219 1967 7.927.193 1978 5.058.943 1989 3.770.096 1957 3.959.641 1968 7.982.136 1979 4.773.515 1990 3.605.667

Entwicklung der Förderung nach der Wiedervereinigung

Jahr Erdölförderungin Tonnen Aktive Felder Jahr Erdölförderungin Tonnen Aktive Felder 1991 3.486.998 110 2007 3.415.374 44 1992 3.303.634 105 2008 3.053.998 45 1993 3.055.901 94 2009 2.800.063 50* 1994 2.946.290 84 2010 2.511.174 50 1995 2.958.794 75 2011 2.677.136 49 1996 2.851.925 71 2012 2.621.352 49 1997 2.820.398 66 2013 2.638.379 49 1998 2.894.526 60 2014 2.429.789 50 1999 2.740.074 49 2015 2.412.643 50 2000 3.119.593 48 2016 2.355.028 50 2001 3.444.300 46 2017 2.218.406 50 2002 3.704.525 46 2018 2.066.642 51 2003 3.808.946 46 2021 1.805.932 44 2004 3.516.318 44 --- --- --- 2005 3.572.462 44 --- --- --- 2006 3.515.401 44 --- --- --- * 2009 Anstieg der Feldanzahl durch Neuordnung der Felder sowie ein neues Feld.

Erdölförderung in ausgewählten Jahren von 1997 bis 2021 +Jahr1997201120142016201720182021BundeslandFörderungin TonnenAnteilin %Förderungin TonnenAnteilin %Förderungin TonnenAnteilin %Förderungin TonnenAnteilin %Förderungin TonnenAnteilin %Förderungin TonnenAnteilin %Förderungin TonnenAnteilin %Baden-Württemberg4.2020,15 – – – –2510,01850,01760,01210,0Bayern46.0431,6332.40681,242.7171,837.0081,645.2362,042.2942,036.5402,0Brandenburg11.6860,4116.0140,68.8980,49.9100,45.4190,25.4720,37.4410,4Hamburg25.1210,8918.6510,711.0230,512.7720,515.1840,712.3300,62160,0Mecklenburg-Vorpommern13.2080,474.0710,24.6860,23.6770,24.3670,23.6520,29.2280,5Niedersachsen1.894.55967,17966.22036,1825.08834,0802.43934,1788.04635,5733.65835,5563.85331,2Nordrhein-Westfalen7050,03 – – – – – – – – – – – –Rheinland-Pfalz145.3255,15170.0196,4192.4977,9187.4948,0126.6355,7148.4837,2132.6747,3Schleswig-Holstein679.54924,091.469.75754,91.344.88055,31.301.47855,31.233.33455,61.119.94654,21.055.85858,5Summe2.820.3981002.677.1361002.429.7891002.355.0281002.218.4061002.066.6421001.805.932100

Fördergebiete mini|Pferdekopf-Pumpe auf dem ehemaligen Erdölfeld Varel. mini|Wappen der Gemeinde Lieth/Kreis Dithmarschen Die Ölfelder Schleswig-Holsteins und Niedersachsens produzierten 2017 zusammen 2,0 Mio. t Öl. Das sind 91 Prozent der deutschen Gesamtproduktion. Schleswig-Holstein hat mit dem Ölfeld Mittelplate einen Anteil an der Gesamtförderung von 55,6 Prozent, gefolgt von Niedersachsen mit 35,5 Prozent. Der Anteil von Rheinland-Pfalz mit dem Ölfeld Römerberg folgt mit 5,7 Prozent.

Die Anteile nach Förderregionen lagen 2017 bei 55,9 % nördlich der Elbe (Mittelplate), 5,0 % zwischen Elbe und Weser, 8,3 % zwischen Weser und Ems und zu 22,5 % westlich der Ems. Weitere Gebiete lagen im Oberrheintal (5,7 %), im Alpenvorland (2,0 %), im Gebiet Oder/Neiße-Elbe (0,4 %) sowie in der Nordsee mit 0,1 %.

Offshore-Erdölförderung mini|Förderplattform A6-A Die erste deutsche Offshore-Förderung von Erdöl fand von 1984 bis 2000 in der Kieler Bucht im Feld Schwedeneck-See statt. Hier wurden insgesamt 3,5 Millionen Tonnen Öl gefördert. Nach Einstellung der Förderung im Sommer 2000, wurden die beiden Förderplattformen abgerissen. Im Jahre 2000 wurde die Förderung von Erdgas im Feld A6/B4 im sogenannten Entenschnabel der deutschen Nordsee aufgenommen. Dabei fällt auch Erdöl in Form von Kondensat an.

Aktive Felder Erdölförderung (einschließlich der Kondensate aus der Erdgasförderung) Ölfelder Nordsee Fundjahr Förderung2011 in t Förderung2017 in t Gesamtförderungin Tonnenbis 2017 A6 / B4 1974 12.725 2.513 802.462 Im Erdgasfeld A6/B4 fallen bei der Förderung kondensierbare Gasbestandteile an welche wie Erdöl weiterverarbeitet werden. Diese werden unter der Erdölförderung erfasst.

Nördlich der Elbe mini|Förderplattform Mittelplate Mittelplate, das größte deutsche Ölfeld, befindet sich im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer vor Friedrichskoog. Seit 1987 wird von der Bohr- und Förderinsel und der Landstation Dieksand in Friedrichskoog aus verschiedenen Sandsteinlagen des Jura in 2000 bis 3000 m Tiefe Erdöl gefördert. Mit 1,2 Mio. t Öl aus 28 Förderbohrungen produzierte das Feld im Jahr 2017 über 55 Prozent der deutschen Erdölerträge. Bis 2015 wurden über 30 Mio. t Öl gefördert; 20 bis 25 Mio. t gelten als noch gewinnbar.

Mittelplate ist eine stationäre Erdölerkundungs- und Förderplattform. Das dort geförderte Rohöl wird über eine Pipeline erst zur Landstation Dieksand, dann zur Weiterverarbeitung nach Brunsbüttel geleitet.

Aktive Felder Erdölförderung (einschließlich der Kondensate aus der Erdgasförderung) Ölfelder nördlich der Elbe Fundjahr Förderung2011 in t Förderung2016 in t Gesamtförderungbis 2016in Tonnen Mittelplate / Dieksand 1980 1.457.004 1.299.772 33.516.947 Reitbrook – Alt 1937 9.481 2.240 2.595.073 Reitbrook – West / Allermöhe 1960 4.276 5.242 3.414.085 Kondensat aus der Erdgasförderung – – – Aus aufgegebenen Vorkommen 20.044.746 Summe Gebiet 1.470.761 1.307.254 59.570.851

Oder/Neiße-Elbe Die Förderregion Oder / Neiße-Elbe erstreckt sich zwischen den namensgebenden Flüssen im Raum der neuen Bundesländer. Aktive Felder mini|Pferdekopfpumpe im Ölfeld Lütow Erdölförderung (einschließlich der Kondensate aus der Erdgasförderung) Ölfelder Oder / Neiße – Elbe Fundjahr Förderung 2011in t Förderung 2016in t Gesamtförderungin Tonnenbis 2016 Kietz 1987 16.014 9.910 295.692 Lütow 1965 3.019 2.173 1.348.679 Mesekenhagen (Kirchdorf-) 1988 1.052 1.504 116.969 Kondensat aus der Erdgasförderung – – – Aus aufgegebenen Vorkommen 1.554.781 Summe Gebiet 20.085 13.587 3.316.120

Felder und Geschichte der Förderregion Seit den 1960er Jahren fanden an verschiedenen Stellen im Norden der DDR Probebohrungen statt; so zum Beispiel auf der Insel Hiddensee. Das erste Vorkommen, das auf dem Gebiet der DDR entdeckt worden war (1960), lag in Reinkenhagen bei Grimmen. Erst 1996 wurde die Förderung eingestellt. Mit ca. 1,25 Millionen Tonnen gefördertem Erdöl von 1966 bis 1990 lag das wichtigste Erdölvorkommen in Lütow auf der Insel Usedom, dessen Ausbeutung gegenwärtig (Stand: 2019) noch läuft.

Die DDR galt als das am intensivsten prospektierte Land der Welt, da man sich mangels Devisen aus der Abhängigkeit von sowjetischem Öl gerne lösen wollte (aber kaum konnte). Im Auftrag von Walter Ulbricht wurde versucht, der Bundesrepublik nachzueifern, die damals noch über 30 % des heimischen Bedarfs selber förderte.Rainer Karlsch, Raymond G. Stokes: Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859–1974. Verlag C. H. Beck, München, 2003, ISBN 3-406-50276-8. Eine weitere Lagerstätte mit besonders hochwertigem Erdöl befand sich im Osten der Halbinsel Zingst, wo allerdings nur geringe Mengen gefördert wurden. Der Zivilbevölkerung war dies weitgehend unbekannt, da es sich um ein militärisches Sperrgebiet handelte. Das hier geförderte Öl wurde mit Tanklastwagen und später per Eisenbahn in die Sowjetunion transportiert, wo es für die Raumfahrt benötigt wurde. Vermutlich wurde es daher auch als „Weißes Öl“ bezeichnet.

In der Bundesrepublik fand der Ölpreisschock 1973 statt. Die Ölkrise kam, wegen der unterschiedlichen Verrechnungspreise (im fünfjährigen Mittel des Weltmarktpreises) im RGW, in der DDR erst 1977 und noch einmal verschärft Anfang der 1980er Jahre an. Auch nach den externen Ölpreiserhöhungen wurde der Preis an den Tankstellen des staatseigenen Mineralölunternehmens VEB MINOL nicht erhöht, dieser wurde durch die Parteiführung der SED festgesetzt. Er betrug pro Liter einheitlich 1,40 M für VK-79, 1,50 Mark für „VK-88“, 1,65 Mark für „VK-94“ und 1,40 Mark für „DK“ (Dieselkraftstoff). In den 1980er Jahren wurde die Produktion von „VK-79“ eingestellt und „VK-88“ in „Normal“ und „VK-94“ in „Extra“ umbenannt. Die Preise blieben unverändert.

Seit 2002 werden Erdöl und Erdgas in Brandenburgs bisher einzigem Ölförderfeld bei Manschnow (Gemeinde Küstriner Vorland, Landkreis Märkisch-Oderland) gewonnen. Das Erdgas wird im Blockheizkraftwerk vor Ort verarbeitet, das Erdöl mit LKW nach Schwedt/Oder in die PCK-Raffinerie transportiert. Die anfangs höheren Fördermengen sanken auf 9910 t Öl und 4,7 Mio. m³ Gas im Jahr 2016 bzw. 5419 t Öl und 2,6 Mio. m³ Gas im Jahr 2017.Joachim Göres: Deutlich weniger Erdöl aus Kietz. In: Märkische Oderzeitung. 14. März 2018, S. 7.