mini|hochkant=1.2|Die Brücken der Île aux Cygnes, in Fließrichtung: Pont de Bir-Hakeim, Pont Rouelle und Pont de Grenelle, 2002Die Brücken in Paris überspannen als Straßen-, Eisenbahn- und Fußgängerbrücken die Seine sowie die Kanäle wie den Canal Saint-Denis und Canal Saint-Martin. Daneben existieren weitere Brücken, die nicht über ein Gewässer führen, sondern andere Verkehrswege kreuzungsfrei über andere Verkehrswege hinwegführen sowie Fußgängerbrücken in Parks. Allein die Ringautobahn Boulevard périphérique zählt 148 Autobahnbrücken. Verantwortlich für die kontinuierliche Instandhaltung, Renovierung und Restaurierung der Pariser Brücken sind die Abteilungen Direction de la voierie et des déplacements und die Division des ouvrages d’art der Stadtverwaltung. mini|220x220px|Fußgängerbrücke im Parc des Buttes-Chaumont Die Seinebrücken in Paris verbinden das Rive Droite genannte rechte, nördliche Ufer der Seine mit dem linken Ufer, der Rive Gauche, verschiedentlich liegen sie auf Flussinseln auf oder überqueren lediglich einen Flussarm. Von ihren rund 775 Kilometern Gesamtlänge und ca. 310 Brücken (vgl. Liste der Seinebrücken) fließt die Seine während 13 km durch die heutige Hauptstadt Frankreichs und hat im Stadtgebiet 37 Brücken, davon 31 Straßenbrücken, 4 Fußgänger- und 2 Eisenbahnbrücken.2016: paris.fr/services-et-infos-pratiques War die Seine als Transportweg einerseits der wichtigste Faktor für die Entstehung und Entwicklung der Stadt Paris, die an oder auf der größten Seineinsel ihren Ursprung hatte, so mussten andererseits schon sehr früh die Brücken die Landwege auf beiden Ufern verbinden. Zunächst hatten die Brücken aber auch einen die Einwohner schützenden Charakter. Die bekannteste Brücke ist die Pont Neuf, die wie viele ältere Brücken auf die Île de la Cité führen. Seit 1991 ist das Seineufer von Paris zwischen der Pont de Sully und den Brücken Pont d’Iéna (rechtes) und Pont de Bir-Hakeim (linkes Ufer) mit 365 Hektar Fläche Weltkulturerbe.600 Les rives de la Seine à Paris: délimitation du bien lors de son inscription sur la liste en 1991Nelly Martin: Atlas des biens français inscrits sur la liste du patrimoine mondial, rapport périodique de 2005, Atlas de l’architecture et du patrimoine, Ministère de la Culture (DAPA)Karte auf der Seite des Centre du patrimoine mondial de l’UNESCO : carte à l’échelle 1:25.000. mini|220x220px|Satellitenfoto der Agglomeration 220x220px|mini|Verlauf der Seine in den Arrondissements mini|220x220px|Fernblick vom Turm der Kirche St-Gervais-St-Protais über die Brücken des rechten Seinearms auf Höhe der Île de la Cité in Paris, ca. 1890–1900

Geschichte

Die Brücken in der Römerzeit

mini|Lutetia Die Petit Pont,Das französische Wort Pont = deutsch „Brücke“. Für die hier verwendeten französischen Namen (ungefähre deutsche Bezeichnung in Klammern) wird entsprechend dem deutschen Wort Brücke für le pont (mit männlichem Artikel) im Text grammatikalisch das weibliche Geschlecht verwendet. heute nach dem Pariser Kardinal Petit-Pont-Cardinal-Lustiger benannt, besteht in dieser Form erst seit 1853. Petit Pont und Grand Pont waren die beiden ältesten Brücken der Stadt. Als Bestandteil des römischen Bollwerks Cardo von Lutetia zwischen der Rue de la Cité und der Rue du Petit Pont existierte an dieser Stelle bereits vor der Eroberung Galliens durch die Römer eine Brücke über den Fluss. Als sich die Truppen von Titus Labienus im Jahr 52 v. Chr. der Stadt näherten, zerstörten die Parisii diese Brücken, um dem Gegner das Übersetzen und die Einnahme der Stadt zu erschweren. Doch die Römer siegten. Sie bauten die Brücke in Holz wieder auf (im Gegensatz zur Brücke über den großen Seinearm, für die sie Stein verwendeten) und machten sie zu einem zentralen Bestandteil der Römerstraße von Soissons nach Orléans und des Cardos der Stadt. Hiervon zweigte wenige Meter südlich zudem die Straßen nach Burgund und Lyon (siehe Rue Galande) ab. Während der Belagerung von Paris (885–886) wurde die Petit Pont erneut zerstört.

Die Brücken im Mittelalter

mini|Pont Saint-Michel mit Brückenhäusern um 1550 mini|Paris 1655 Danach hatte Paris bis zum 14. Jahrhundert nur zwei Holzbrücken, die Grand Pont (Pont au Changean, an der Stelle der heutigen Pont au Change) zum rechten und die Petit Pont zum linken Ufer. Die beiden im Zentrum liegenden Inseln Île de la Cité und Île Saint-Louis boten sich für Brückenschläge zwischen Norden und Süden an.

Die nicht mehr existierende Grand Pont war im Mittelalter die Pariser Hauptbrücke zur Flussinsel. Heute steht dort die Pont au Change. Erbaut wurde sie 861 – 862. Sie ersetzte die vermutlich beschädigte Pont Notre Dame. Diese stand geschützt durch ein Kastell auf der Nordseite an der Römerstraße von Soissons nach Orléans. Die Grand Pont wurde im Jahr 886 durch die Pont des Planches de Milbray ersetzt.Grand Pont (Paris ( 4.), 862). structurae.net; abgerufen am 3. März 2021 Das noch existierende Gegenstück auf der anderen Inselseite ist die Petit Pont. Immer wieder wurden die Brücken durch Eisgang und Hochwasser beschädigt oder fortgerissen. Deshalb wurde ab 1587 die erste Steinbrücke, die Pont Neuf, errichtet. Sie ist heute die älteste Brücke in Paris.

1313 baute man die ersten Uferbefestigungen, den Quai de Nesle (heute Quai de Conti) und den Quai des Grands Augustins, an deren oberen Ende die Pont Saint-Michel als Steinbrücke gebaut wurde.

Die Pont Marie hat ihren heutigen Namen nach dem Bauunternehmer Christophe Marie. Sie wurde 1635 fertiggestellt und war ursprünglich mit Häusern bebaut, was damals üblich war. Am 1. März 1658 wurde die Brücke mitsamt den sich auf ihr befindlichen 20 Häusern und 60 Bewohnern vom Hochwasser weggerissen. 1660 wurde ein Ersatz aus Holz errichtet. 1670 wurden die zwei zerstörten Bögen ohne Häuser darauf wieder aufgemauert. Danach wurde die Hausbebauung auf Brücken in Paris verboten.

Neben den drei mittelalterlichen Brücken zur Île de la Cité (Pont Neuf von 1607, Pont au Double von 1626, Pont Marie von 1635) existiert heute noch die Pont Royal, die im Bereich des Louvre eine 1689 eine ältere Fährverbindung ersetzte.

Neuzeit

19. Jahrhundert Das 19. Jahrhundert kann aus heutiger Sicht die große Zeit des Brückenbaus in Paris genannt werden. Die meisten Brücken wurden in dieser Zeit, u. a. in Vorbereitung auf die Weltausstellung Paris 1900, aus Eisen bzw. Stahl errichtet und seither benutzt. Ihre stilistische Ausformung ist deshalb oft durch Elemente der Gründerzeit geprägt. Ein Teil wurde inzwischen am gleichen Ort wieder rekonstruiert, praktisch alle wiederholt renoviert. Ein Teil der neuen Brücken dienten dem neuen Verkehrsmittel Schiene. Nur wenige Brücken kamen am Anfang des 20. Jahrhunderts oder später noch dazu. Die meisten Veränderungen ergaben sich durch den Zubau von Straßenspuren – was oft zu einer Verdoppelung der Bauwerke in der Breite führte. Auch die Trennung von Straßenfläche und Gehwegen sind ein häufiger Eingriff gewesen.

20. Jahrhundert Das Seinehochwasser 1910 richtete erhebliche Schäden an.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden einige Brücken durch Bombardierung der eigenen Alliierten beschädigt, die den deutschen Besatzern schaden sollten. Im Ersten Weltkrieg bereitete General Gallieni, der Militärgouverneur von Paris, die Sprengung aller Seinebrücken vor. Im Zweiten Weltkrieg wurden 14 Seinebrücken beim Angriff am 22. Juni 1944 zerstört.

Am Kriegsende konnte die angeordnete und von den Deutschen für den 24./25. August 1944 vorbereitete Sprengung der Brücken verhindert werden (vgl. La Libération). Nach der Räumung durch das deutsche Militär kam es in der Nacht vom 26. auf den 27. August noch zu einem Luftangriff.Vom 26. auf den 27. August warfen 50 Flugzeuge der Luftwaffe Bomben über Paris ab. Etwa 593 Gebäude wurden dabei zerstört.

21. Jahrhundert Die jüngste Brücke ist die Passerelle Simone-de-Beauvoir (Baujahr 2006).

mini|200px|Zuflüsse und Verlauf der Seine 200px|mini|Flusslauf der Seine in der Île-de-France

Seinebrücken in Paris

Die Seine fließt im Großraum Paris (Agglomeration Île-de-France) ab der Einmündung der Marne bei Vincennes im Pariser Becken in einem weiten Linksbogen von Südosten durch das Zentrum, um dann in einer engen Rechtskurve bei Boulogne-Billancourt sich wieder bis Saint-Denis nach Norden zu biegen und dabei noch einmal die City von Norden zu umfassen. Danach biegt sie in einem Bogen um Colombes/Villeneuve-la-Garenne erneut nach Nordwesten ab, um sich dann weiter Richtung Ärmelkanal zu schlängeln. Im weiteren Stadtgebiet überspannen 37 Brücken die Seine und verbinden die zentralen Arrondissements (Stadtbezirke). Zu abweichenden Zahlen führt die Berücksichtigung oder Nichtberücksichtigung der Brücken, die auf eine der Inseln führen. mini|Blick von der Pont National auf die Pont Amont

Pont Amont Die Brücke hat keinen offiziellen Namen. Es ist aber flussaufwärts gesehen die letzte Brücke vor Verlassen des Pariser Stadtgebiets, deswegen hat sie vom Volksmund die Bezeichnung Pont Amont (d. h. Flussaufwärts-Brücke) erhalten. Sie wurde in den Jahren 1967–69 erbaut und führt den Pariser Autobahnring Boulevard périphérique östlich über die Seine. Die Brücke ist mit einer Länge von 270 m die zweitlängste Seinebrücke innerhalb von Paris. Die nördliche Dehnungsfuge der Brücke dient als Nullpunkt für die Kilometereinteilung auf dem Boulevard périphérique.

Pont National Über 189 m Länge verbindet die Pont National den Boulevard Poniatowski am rechten Seineufer mit dem Boulevard Masséna. Sie diente auch dem Eisenbahnverkehr auf dem Inneren Gürtel. Sie wurde 1853 bzw. 1944 errichtet.National-Brücke (Paris (12.)/Paris (13.), 1853). structurae.net; abgerufen am 3. März 2021 mini|Pont de Tolbiac (dahinter die Nationalbibliothek)

Pont de Tolbiac Die Pont de Tolbiac wurde 1882 eröffnet. Sie hat fünf Bögen mit den Maßen von 29 m, 32 m, 35 m, 32 m und 29 m Spannweite. Der Entwurf stammt von Bernard und Pérouse. mini|Nach Simone de Beauvoir benannter Steg

Passerelle Simone-de-Beauvoir Die Passerelle Simone-de-Beauvoir ist eine 12 Meter schmale, teilweise zweigeschossige Fußgängerbrücke, die als Kombination aus Bogen- und Hängebrücke ohne Strebepfeiler die Seine überspannt. Ihre ungewöhnliche äußere Form erinnert etwas an die DNA-Struktur.

Sie ist 194 Meter lang, ihr Baujahr ist 2006. Damit ist sie die jüngste Seine-Brücke im Stadtgebiet. Architekt ist der Österreicher Dietmar Feichtinger. Benannt ist sie nach der insbesondere für die weltweite Frauenbewegung bedeutsamen Schriftstellerin Simone de Beauvoir (1908–1986).

Pont de Bercy mini|Pont de Bercy mit dem aufgesetzten Viadukt für die Métro; rechts das Finanzministerium 1832 wurde ein Vorgängerbau der Pont de Bercy unter Louis-Philippe I. eröffnet, 1864 rekonstruiert und 1904 um 5,5 m verbreitert, um den Viadukt der Métrolinie 6 aufzunehmen. Sie verbindet das 12. und 13. Arrondissement. Die Verdoppelung der Brücke mit Renovierung der alten Teile erfolgte 1992.

Die Brücke ist 175 m lang und heute 40 m breit. Die ursprüngliche Brücke besteht aus gemauerten Bögen mit 29 m Spannweite, der Verbreiterungsbau von 1992 aus Spannbeton mit Steinverkleidung. mini|Pont Charles-de-Gaulle

Pont Charles-de-Gaulle Die Pont Charles-de-Gaulle im Südosten ergänzt die Brücken Pont de Bercy und Pont d’Austerlitz seit 1996. Sie ist benannt nach dem General und Nachkriegspräsidenten Charles de Gaulle. Architekten waren Louis Arretche und Roman Karasinki, die Länge beträgt 207,75 m. Die Stahlbrücke ruht auf zwei Betonpfeilern mit einem Querschnitt, der an einen Flugzeugflügel erinnert. Sie ist am Quai d’Austerlitz und Quai de la Rapée gelegen.

Viaduc d’Austerlitz mini|Viaduc d’Austerlitz Die seit 1903 bestehende Brücke Viaduc d’Austerlitz steht seit 1986 unter Denkmalschutz. Es handelt sich um eine 140 m lange Eisenbahnbrücke, welche von der Métrolinie 5 benutzt wird.

Pont d’Austerlitz mini|Blick auf die Pont d’Austerlitz