Das Neubaufahrzeug („Nb.Fz.“) war ein mehrtürmiger, deutscher Panzerkampfwagen, dessen Entwicklung im Auftrag des Heeresamtes sowohl bei der Firma Krupp als auch bei der Firma Rheinmetall 1932 begann. Es wurden fünf, teils unterschiedliche Fahrzeuge gefertigt und später im Zweiten Weltkrieg aufgebraucht.
Vorgeschichte Ab Mai 1925 begann die Organisation der Inspektion für Waffen und Gerät 6 vom Reichswehrministerium mit der Entwicklung von Panzerkampfwagen. Dies geschah heimlich, da solche Entwicklungen in Deutschland durch den Friedensvertrag von Versailles verboten waren. Eines von den damals projektierten Fahrzeugen war der Großtraktor, der eine gewisse Ähnlichkeit mit den Rhomboid-Panzern des Ersten Weltkrieges aufwies, jedoch über einen Hauptturm, einen Heckturm und ein Maschinengewehr in der Bugwanne verfügen sollte. Die Unternehmen Daimler, Krupp und Rheinmetall wurden mit der Entwicklung und dem Bau von jeweils zwei Prototypen beauftragt. Die Fahrzeuge wurden ab 1929 in der Panzerschule Kama in der Sowjetunion erprobt. Hierzu bekannt ist auch die Kooperation von der Reichswehr mit sowjetischen Offizieren, die erst bei der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten endete.Spielberger: Fzge der Reichswehr – Panzer. 2016, S. 26–48.
Entwicklung Auf einen Bericht von Oberstleutnant Heinz Guderian, zu dieser Zeit Stabschef des Inspektorat 6 des Heereswaffenamtes (HWA) hin, wurde von General Lutz dem Inspekteur der Kraftfahrtruppe im Jahr 1932 die Weiterentwicklung des Großtraktors zum Großtraktor-Neubaufahrzeug angeordnet.Spielberger: Fzge der Reichswehr – Panzer. 2016, S. 49. Hieraus ergab sich die spätere Fahrzeugbezeichnung.
Beauftragt wurden die Unternehmen Rheinmetall-Borsig und Krupp, wobei die Gespräche mit der Wehrmacht beim Essener Krupp-Mutterkonzern geführt wurden. mini|Vickers Mark III als Kommandopanzer, um 1931
Die Weiterentwicklung wurde dabei von mehrtürmigen Panzermodellen in anderen Staaten beeinflusst. So hatte Großbritannien den Vickers Mark III A6E1 vorgestellt und in der Sowjetunion wurden die T-28, T-29 und T-35 realisiert. Wie komplex die Führungsaufgabe des Fahrzeugkommandanten durch die vielen Türme und die große Zahl der Besatzungsmitglieder dadurch wurde, hatte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkannt.Spielberger: Fzge der Reichswehr – Panzer. 2016, S. 62.
Im Februar 1933 wurde durch die Abteilung WaPrüf 6 des HWA festgelegt, dass der Hauptturm dieses Panzertypen mit einer 7,5-cm-Kanone und einer koaxialen 3,7-cm-Kanone zur Bekämpfung gegnerischer Kampfwagen auszustatten war. Dabei sollte die 3,7-cm-Bewaffnung später gegen eine 5-cm-Kanone ausgetauscht werden können, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht verfügbar war. Am 16. Mai 1933 wurde der Einbau des neuen Einheits-MG (später MG 34) besprochen und vorgesehen.
Das Projekt „Neubaufahrzeug“ hat bei den beteiligten Abteilungen und Unternehmen verhältnismäßig viele Namen erhalten. Man muss bedenken, dass 1932 noch immer die höchste Geheimhaltung erforderlich war und manche Ingenieure nicht wussten, dass das entwickelte Bauteil für einen Panzerkampfwagen gedacht war. So sind die Namen „Haupttraktor“, „Großtraktor Neubau“, „mittlerer Traktor“, „mittlerer Traktor Neubaufahrzeug“ und „Neubaufahrzeug“ für das Projekt dokumentiert.Spielberger: Fzge der Reichswehr – Panzer. 2016, S. 63.
Die erste Entwurfszeichnung zum Fahrzeug von Rheinmetall zeigt eine im Wesentlichen vom Großtraktor übernommene Wannenkonstruktion. In der folgenden Zeichnung sind die Rollenwagen mit einer moderneren Aufhängung versehen. Die Begriffe „Neubaufahrzeug“ und „Nb.Fz.“ wurden am 3. Oktober 1933 festgelegt.
Es wurden zwei Rheinmetall-Fahrgestelle und Aufbauten in Flussstahl und drei Krupp-Prototypen in Panzerstahl gefertigt. Auf einem der nicht in Panzerstahl ausgeführten Fahrgestelle wurde ein Krupp-Turm montiert.
Eine Stellungnahme des Allgemeinen Heeresamtes vom 22. Januar 1936 an General Beck, den Chef des Generalstabs des Heeres, erläutert, wie die größeren Panzertypen (bereits ein Fahrzeug von der Größe eines Pz.Kpf.Wg. III mit 3,7-cm-Kanone und drei Maschinengewehren) zu dieser Zeit bewertet wurden: „… seine Nachteile sind das zu große äußere Erscheinungsbild und die damit zu große Zielfläche, sein zu hohes Gewicht und der zu hohe Beschaffungspreis.“Jentz: Die deutsche Panzertruppe Band 1. 1998, S. 25. Die Panzer wurden später nicht in Serie produziert, da man letztlich Mehrturmpanzer als zu kompliziert betrachtete. Die Erfahrungen aus diesem Entwicklungsprojekt lieferten jedoch wichtige Erkenntnisse zur Technik und den Einsatzmöglichkeiten künftiger Panzertypen, insbesondere für die Entwicklung des meistgebauten deutschen Panzers des Zweiten Weltkriegs, dem Panzerkampfwagen IV.
Technische Beschreibung mini|Vickers Independent
Zehn kleine Laufrollenwagen und vier Stützrollen bildeten das Laufwerk. Die Silhouette ähnelte dem Vickers Mark III A6E1 von 1929. Fotos von diesem Panzer wurden von Norman Baillie-Stewart 1931 der deutschen Armee zugespielt und nicht, wie während seines Prozesses behauptet, Unterlagen vom Independent.
Da im Jahr 1933 noch kein leistungsfähiger Maybach-Motor zur Verfügung stand, wurde der bereits im Großtraktor verwendete Sechszylinder-Flugmotor BMW Va mit 250 PS Dauerleistung in die ersten zwei fertiggestellten Fahrzeuge eingebaut. Nach Entwicklung der Maybach-Motoren (HL 108 TR und HL 120 TR, jeweils 12-Zylinder-V-Motoren) mit ihren knapp 300 PS wurden diese eingebaut. Es waren Benzinmotoren, die mit 33er-Gemisch fuhren. Das Motorengeräusch entsprach dem des Panzer IV mit stärkerem Geräusch des Lüfters.
Wie bei den Großtraktoren wurde letztmals bei einem deutschen Panzerkampfwagen dieser Zeit ein Antriebskonzept mit einem Hecktriebrad konzipiert.
Die bei Rheinmetall verwendete große umlaufende Antenne und die „rundere“ und konische Formgebung des Turmes machen diesen Typen leicht erkennbar. Der Krupp-Turm, von F. Krupp Grusonwerk AG in Magdeburg-Buckau entwickelt, ist insgesamt eckiger ausgeführt und sowohl seine Kommandantenkuppel als auch die seitlichen Turmluken weisen bereits die Merkmale der später gebauten frühen Panzer IV auf. Beim Fahrzeug von Rheinmetall war bei der Konzeption des Turms berücksichtigt worden, dass man seitens des HWA auch die Überlegung hatte das Fahrzeug vielleicht später mit einer 10,5-cm-Waffe auszurüsten. Die Bewaffnung des Hauptturms wurde beim Rheinmetall- und beim Krupp-Modell unterschiedlich montiert. Während Rheinmetall die 3,7-cm-Kanone über der 7,5-cm-Kanone installierte („Entwurf A“), wählte Krupp eine horizontale (koaxiale) Montage („Entwurf B“). Grund hierfür waren die unterschiedlichen Verschlusstechniken welche Rheinmetall und Krupp bei ihren Geschützen verwendeten. Während Krupp selbsttätige Fallblockverschlüsse verwendete (vertikaler Mechanismus), setzte Rheinmetall auf Seitenkeilverschlüsse (horizontaler Mechanismus).Spielberger: Panzerkampfwagen IV 1998, S. 58.
Die beiden in Flussstahl ausgeführten Rheinmetall-Wannen erhielten zwei vor und hinter dem Hauptturm seitlich abgesetzte Maschinengewehr-Türme mit je einem 7,92-mm-MG, die speziell für den Fahrzeugtyp hergestellt wurden und eine sehr breite runde Waffenblende aufwiesen. Die drei in Panzerstahl ausgeführten Fahrzeuge wurden spätestens bei Kriegsbeginn mit den für den Panzerkampfwagen I von Krupp entwickelten Maschinengewehr-Gefechtstürmen mit je zwei 7,92-mm-MG versehen.
Die Panzer verfügten über eine Bordsprechanlage und das modernste Funkgerät (10-Watt-Langwellensender und Empfangsgerät) der Berliner C. Lorenz AG. Nach 1935 erhielten sie UKW-Funkgeräte.
Ergänzende technische Daten Kettenbreite: 38 cm Kettenspurbreite 2,37 m, mittig gemessen Bodenfreiheit: 45 cm Grabenüberschreitfähigkeit: bis 240 cm Kletterfähigkeit: bis 120 cm Steigfähigkeit: max. 30° Wattiefe: 80 cm Umwerfvermögen: Bäume 20–25 cm Durchmesser Tankinhalt: 457 l Bewaffnung: 1 × Kanone 7,5 cm L/24 (NbFz V) mit 80 Granaten (theoretisch 1 × Haubitze 10,5 cm (NbFz VI)) 1 × Kanone 3,7 cm L/46,5 mit 50 Granaten, 5 × MG 7,92 mm mit insgesamt 6000 Schuss Hersteller: Rheinmetall und F. Krupp Grusonwerk Magdeburg
Erprobung öffentliche Vorstellung mini|links|Im Hafen von Oslo, 19. April 1940 mini|Überholung des NbFz Nr. 1 bei Alkett Tegel-Borsigwalde, 1940
Die Geschichte der Panzer ist vom gezeichneten Entwurf über das Holzmodell (Werksfoto bei Firma Rheinmetall – links neben dem Modell des Zugführerwagens) bis hin zum Einsatz in Norwegen außerordentlich gut fotografisch dokumentiert. Bis November 2024 sind 341 Fotografien bekannt, jedoch keine mit Detailansichten oder Innenaufnahmen. Von Nr. 1 Rheinmetall gibt es eine kurze Filmsequenz: General von Brauchitsch steht auf dem Panzer und hält eine Ansprache vor den Arbeitern eines Rüstungsbetriebes im Jahre 1938.
Nach 1935 nennen die Unterlagen die letzten 3 Panzer „Nb.Fz. verbessert“. Oberstleutnant Ernst Volckheim, Kommandeur der Panzertruppe 1940 in Norwegen, verwendete in seinem Bericht die Bezeichnung „Neubau-Panzerkampfwagen IV“. Im Kampfbericht werden sie „Panzer IV (Neba)“ genannt. Im Monatsheft Die Panzertruppe vom August 1939 wird zusätzlich die Bezeichnung „Geschützkampfwagen“ verwendet.
Am 1. Februar 1935 wurde durch den Chef der Heeresleitung das erste Mal die Verwendung des Begriffes der Panzerdivision offiziell für das deutsche Heer genehmigt. Diese Versuchs-Panzerdivision sollte in ihrem Panzer-Regiment 1 und 2 jeweils über zwei Abteilungen (Bataillone) mit je einer schweren Panzerkompanie mit 7,5-cm-Geschützkampfwagen verfügen. Tatsächlich standen für die schweren Kompanien in dem Manöver auf dem Truppenübungsplatz Munster im August 1935 jedoch nur drei Leichttraktoren, vier Großtraktoren und die ersten beiden Neubaufahrzeuge zur Verfügung.Jentz: Die deutsche Panzertruppe – Band 1. 1998, S. 12–14. Auf Fotos sind die taktischen Nummern der PzKw zu erkennen: Leichttraktoren mit Dreißiger-Nummern, Großtraktoren mit Vierziger-Nummern und die Haupttraktoren (= Neubaufahrzeug) mit Fünfziger-Nummern. Das erste Nb.Fz. mit Rheinmetallturm trug die Nummer 051, die spätere Nr. 9 hatte die Nummer 054 und die spätere Nr. 10 trug die Nummer 055. Nb.Fz. Typ I hatte folglich die Nummer 052 und die spätere Nr. 8 besaß erst die taktische Nr. 053. Nr. 1 wurde zuerst mit einer Rahmenantenne hergestellt, die auf Filmaufnahmen von 1938 nicht mehr am Panzer zu sehen ist.
Die Fahrzeuge Nr. 8 und 9 wurden im Oktober 1937 in Putlos in Dienst gestellt. Der dritte Panzer wurde 1938 bei der Panzertruppenschule Wünsdorf/Zossen in Dienst gestellt. Ein Foto (mit Aufschrift „Zossen“) zeigt ihn in Buntfarbentarnung (dreifarbig) mit der Nullseriennummer 055 zusammen mit einem Panzer mit Geschützturm Rheinmetall (Nr. 046). Er kam dann zum Panzerregiment 6 in Zossen. 1940 wurde die 6. Kompanie dieses Panzerregiments als 1. Kompanie der Panzerabteilung z.b.V.40 zum Einsatz nach Norwegen abgestellt.
Im Frühjahr 1939 wurde Nr. 8 in Berlin auf der 29. Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung (IAMA) vorgestellt. Es war der erste deutsche Kampfpanzer, welcher der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Nr. 8 und 9 wurden am 20. April 1939 bei der Geburtstagsparade für Adolf Hitler vorgeführt. Am 2. Juni 1939 nahmen alle drei Neubaufahrzeuge (Nr. 8, 9 und 10) an der Militärparade für Prinz Paul von Jugoslawien teil.
Das Exemplar Nr. 1 mit dem Rheinmetall-Turm wurde auf dem Truppenübungsplatz Putlos zu Ausbildungszwecken eingesetzt; Ein Fotodokument von 1939 zeigt den NbFz V bei Alkett in Borsigwalde. Die Rahmenantenne wurde bereits 1938 entfernt. Im April 1939 wurde dann ein stärkerer Motor eingesetzt. Der Panzer wurde massiv für Propagandazwecke vermarktet. (Farbzeichnung eines Amerikaners, mit Hitlerbild am Ende der Werkhalle, mit Girlande zum 50. Geburtstag.)