mini|300px|Südseite der Münsterkirche St. Alexandri

Die Münsterkirche Sankt Alexandri wurde im 11. Jahrhundert als Kollegiatstiftskirche gegründet. Sie liegt im nördlichen Teil der Altstadt von Einbeck in Südniedersachsen. Das aus Buntsandstein errichtete Gebäude ist eine der größten gotischen Hallenkirchen Norddeutschlands. Das Chorgestühl von 1288 ist das älteste datierte Chorgestühl Deutschlands.

Das Stift bestand bis ins 19. Jahrhundert. Die Münsterkirche wird heute von der ev.-luth. Kirchengemeinde Einbeck genutzt.

Geschichte des Stifts mini|Innenansicht durch das Mittelschiff mini|hochkant|Zweigeschossige Doppelturmanlage mit barocker Turmspitze Graf Dietrich II. und seine Frau Gertrud die Jüngere von Braunschweig gründeten um 1080 bei ihrem herrschaftlichen Gutshof Einbeck nördlich der Bachaue des Krummen Wassers ein Kollegiatstift, das sie offenbar reich mit Gütern ausstatteten – die Stiftungsurkunde ist nicht überliefert. Die ersten Stiftsgebäude und die Kirche wurden 1108 fertiggestellt. Das Patrozinium des Märtyrers Alexander von Rom ist in Niedersachsen sehr selten und lässt sich für das Einbecker Stift zum ersten Mal anhand eines Siegels aus dem frühen 13. Jahrhundert belegen.

Durch Gertruds Tochter Richenza kam möglicherweise die Reliquie des Hl. Blutes Anfang des 12. Jahrhunderts – urkundlich nachgewiesen ist sie allerdings erst 1306 – nach St. Alexandri, worauf es zu einem Wallfahrtsort wurde. Unter ihren Erben, besonders unter Heinrich dem Löwen ab 1143 und unter Heinrich Mirabilis vergrößerte sich der Einfluss des Stifts durch Grundbesitz und Privilegien, wie eigene Verwaltung und Gerichtsbarkeit, kontinuierlich. Auch räumlich war es zunächst durch die etwa 200 Meter breite Talaue des Krummen Wassers von der Anfang des 13. Jahrhunderts entstehenden Marktsiedlung getrennt.

Nach der Gründung des Herzogtums Braunschweig-Grubenhagen begann Heinrich Mirabilis mit dem Umbau der romanischen Basilika zu einer deutlich größeren, heutigen gotischen Hallenkirche. Die Bedeutung des Stifts wurde dadurch hervorgehoben, dass der Erzbischof von Mainz es um 1300 aus dem Archidiakonat Nörten ausgliederte und zum Mittelpunkt eines eigenen Diakonats machte, dem die anderen Kirchen der Stadt und der umliegenden Orte unterstellt waren. Mit maximal 18 Kanonikerstellen im späten 13. Jahrhundert war St. Alexandri eine stattliche Einrichtung.

Um 1137 ist erstmals ein Propst als Vorsteher des Stiftes St. Alexandri überliefert. Propst Ekkehard († 1165) war ein langjähriger Vertrauter der sächsischen Herzöge und für einige Jahre auch gleichzeitig Leiter der Kanzlei Kaiser Lothars von Süpplingenburg. Seit dem späten 13. Jahrhundert finden sich oft nachgeborene Söhne der Herzöge von Braunschweig-Grubenhagen als Pröpste.

Die Herzöge von Grubenhagen hatten das Recht, wichtige Ämter wie das des Propstes zu besetzen. Der Propst war zugleich Archidiakon. Er verwaltete die Güter. Die Rechtsprechung übte er aber nicht selbst aus, sondern stellte zu diesem Zweck einen Geistlichen mit dem Titel „Offizial“ ein. Der Dechant wurde vom Stiftskapitel gewählt. Das Stiftsgebiet im engeren Sinne, wegen der eigenen Gerichtsbarkeit auch Stiftsfreiheit genannt, war Exklave in dem umgebenden geistlichen Gebiet. Da es aber die Seelsorger der Umgebung unterstützte, grenzte sein Einflussbereich in diesem Sinne im Norden an die Diözese Hildesheim, im Westen an die Diözese Paderborn und im Süden an das Archidiakonat Nörten. Seine Erzpriestersitze (Sedes) waren Einbeck, Salzderhelden, Stöckheim, Markoldendorf und Greene.

Das Stift war mit zahlreichen ganzen oder anteiligen Zehntrechten begütert. Diese umfassten: 23 Hufe bei Einbeck, 49 Hufe bei Holtensen, 43 Hufe bei Edemissen, 19 Hufe bei Negenborn, 25 Hufe bei Vogelbeck, eine Hufe bei Kuventhal, eine Hufe bei Andershausen, eine Hufe bei Kohnsen sowie 62 Meierhöfe in den Ämtern Grubenhagen, Hunnesrück und Brunstein. Zudem traten die Kalandsbrüder in der Umgebung um Einbeck im Jahr 1413 ein Drittel ihres Besitzes an das Stift ab.

Das Alexander-Stift blieb zunächst katholisch, als die Stadt Einbeck 1527 zur lutherischen Lehre konvertierte, und wurde erst 1545 zwangsreformiert. Die Landesherren von Braunschweig-Grubenhagen übernahmen Propstei und Kirchenvermögen. Ein Teil der Bücher der gut bestückten Stiftsbibliothek, vorwiegend Werke der Jahrzehnte um 1500, gelangte 1831 an die Königliche Bibliothek Göttingen.Alfred Bruns: Mittelalterliche Bibliotheken in Einbeck. In: Einbecker Jahrbuch 25, 1961/62, S. 24–56 Zu Beginn des Jahres 1837 ging die Stifts-Gerichtsbarkeit auf die Stadtverwaltung über, die Sonderstellung des Stiftsbezirkes innerhalb der Stadt war damit aufgehoben. Zu dieser Zeit umfasste die Stiftsfreiheit 30 Wohngebäude mit 205 Einwohnern, d. h. etwa 4 Prozent der Stadtbevölkerung. Das Stift wurde wie alle hannoverschen Männer-Stifte 1850 per Gesetz aufgelöst und das Vermögen dem Allgemeinen Klosterfonds zugewiesen. Nach einer Übergangszeit verwaltet seit 1863 bis heute die Klosterkammer Hannover das Stiftsvermögen.

Zum Stift gehörte auch seit 1209 eine in Norddeutschland berühmte Lateinschule, in der bis zur Priesterweihe ausgebildet wurde. Mitte des 18. Jahrhunderts waren allerdings die Schülerzahlen stark gesunken und durch Verlust der Lateinklasse war sie nur noch zweitklassige Elementarschule. Die Stiftschule bestand noch bis Ende 1847.

Gebäude mini|Krypta Das Stift setzte sich aus zwei Gebäuden, der Kirche und dem Wohnhaus der Stiftsherren zusammen, die zudem ein Refektorium, einen Kapitelsaal, die Bibliothek, den Kreuzgang und eine Schule beinhalteten. Der Innenhof des Kreuzgangs war zugleich der Friedhof. Am 26. Juli 1540 wurden die meisten Gebäude durch einen Brand vernichtet. Die südlich des Kirchengebäudes gelegenen Stiftsgebäude mit der Schule und Bibliothek sowie der westliche Teil des Kirchendachs und die Orgel verbrannten. Nur die Kirche und das Kapitelhaus überstanden das Feuer, doch wurde Letzteres 1873 abgebrochen.

Teile des ursprünglichen Kirchengebäudes wurden 1975 bei der Anlage einer Fußbodenheizung in der heutigen Münsterkirche entdeckt. Es handelte sich bei dem Vorgängerbau um eine dreischiffige Basilika mit östlichem Querhaus und einem querrechteckigen Westbau, der von zwei Rundtürmen flankiert wurde. Im Zusammenhang mit der Sanierung fand man in besonderer Lage in der Mittelachse des Querhauses ein steingefasstes Grab, das als Grablege des Stifters Graf Dietrich II. angesehen werden kann. Im nördlichen Querhaus fand sich das Grab des am 3. September 1153 im Exil in Einbeck verstorbenen Mainzer Erzbischofs Heinrich I.

Der Aus- und Neubau in der Regierungszeit von Heinrich Mirabilis stand vermutlich in Zusammenhang mit der zunehmenden Bedeutung als Wallfahrtsstätte und mit der Wahl St. Alexandris als herzoglichem Bestattungsplatz. Um 1290 wurde im Osten der Stiftskirche mit dem Neubau eines gotischen Chores aus Buntsandstein und, für eine gotische Kirche ungewöhnlich, einer darunter liegenden Krypta begonnen. Das alte Langhaus wurde zunächst noch weitergenutzt, während in den folgenden 200 Jahren darum eine größere Hallenkirche von 74 m Länge entstand. Das Mittelschiff hat die doppelte Breite eines Seitenschiffes. Die Querhäuser entstanden im 14. Jahrhundert. An den Baumaßnahmen am Schiff war der Baumeister Molderam beteiligt.Horst Hülse: DI 42 / Nr. 8, St. Alexandri. In: www.inschriften.net Die Fenster waren wahrscheinlich bunt verglast. Von den einst vorhandenen Kapellen sind noch drei erhalten, darunter die Blutskapelle an der Ostwand des südlichen Querschiffarms. Erst nach längerer Unterbrechung wurde eine größere Doppelturmanlage im Westen errichtet, die allerdings 1506 auf Höhe der Langhauswände mit provisorischer Errichtung eines Glockenstuhls eingestellt wurde. Erst 1735 wurde der heutige barocke Turmaufsatz errichtet.

Ausstattung der Kirche Durch die bedeutende Heilig-Blut-Reliquie und die damit verbundene Wallfahrt im Mittelalter war die Ausstattung von St. Alexandri überdurchschnittlich reichhaltig. So sollen 22 gemalte Tafelaltäre und zahlreiche Altarschreine sowie Antependien vorhanden gewesen sein.

Chorgestühl mini|Teil des geschnitzten Chorgestühls von 1288 Das aus Eichenholz gefertigte, zweiteilige Chorgestühl ist durch eine lateinische Inschrift auf das Jahr 1288 datierbar und damit das älteste datierte Chorgestühl in Deutschland. Die Inschrift lautet: ANNO D(OMI)NI MCC LXXXVIII DVX HENRICVS HAS SEDES ORDINAVIT (Im Jahre des Herrn 1288 hat Herzog Heinrich diese Sitze gestiftet). Es weist mit dem um 1284 geschaffenen Chorgestühl aus dem ehemaligen Kloster Pöhlde eine enge stilistische Übereinstimmung auf. Wahrscheinlich waren am Einbecker Gestühl mehrere Meister, wahrscheinlich Steinmetze, tätig, da in der Qualität der Darstellung der geschnitzten Gesichter Unterschiede vorhanden sind.

Das Chorgestühl ist in fast ursprünglichem Zustand erhalten, nur der dachförmige, mit einem Zinnenkranz versehene Abschluss und ein Teil der mit einem rautenförmigen Muster bemalten Rückwand sind neu. Es besteht aus zwei Teilen mit jeweils neun Sitzen auf einer Länge von 5,79 m zwischen hohen Außenwangen. Zwischen den Sitzen befinden sich Trennwände. Die Vorderseite jeder Trennwand ist im unteren Teil mit geschnitzten Säulen mit Basis und Kapitell gestaltet. Darüber weicht die Trennwand halbkreisförmig zurück und endet in einem Blattknauf, auf dem die Armlehne ruht. An jedem dieser Bögen befindet sich ein zusätzlicher Blattknauf, der beim Aufstehen als Stütze dienen sollte. Jeder Knauf ist zu einem individuellen, ausdrucksstarken Kopf ausgearbeitet. Auch die Miserikordien weisen (bei hochgeklappten Sitzen) individuell geschnitzte menschliche Köpfe auf. Auffällig sind Blattornamente, die oft aus Mund, Augen, Nase und Stirn hervorwachsen. Die Abschlusswangen zeigen Rankenwerk, das in drachen- und schlangenähnlichen Gebilden endet. Eine der Ranken wächst aus einem jugendlichen Kopf mit einem Fürsten- oder Grafenhut. Es könnte sich dabei um ein Abbild des Stifters Herzog Heinrich handeln.

Radleuchter

Über dem heutigen Hauptaltar hängt ein spätgotischer Radleuchter aus Messing mit einem Durchmesser von etwa 3,25 m, als Abbild des „Himmlischen Jerusalem“ mit seinen zwölf Toren. Auf der Inschrift auf der Halterungskrone steht das Jahr 1420. Der Kanoniker Degenhard Ree soll den Radleuchter gestiftet haben. Aufgrund der stilistischen Ähnlichkeit, vor allem auch der Inschriften, wird er demselben Künstler zugewiesen, wie das Taufbecken. Die Komposition soll auf ein nicht erhaltenes Vorbild im Kloster Pöhlde zurückgehen. Im Wechsel sind die zwölf Apostel unter den Torbögen und etwas kleiner die zwölf Propheten des Alten Testaments dargestellt; vor jeder Figur befindet sich ein Kerzenhalter. Wahrscheinlich sind im Laufe der Zeit einige Figuren bzw. deren Heiligenscheine vertauscht worden. Zu Füßen der Apostel steht jeweils ein Teil des Apostolischen Glaubensbekenntnisses in lateinischer Sprache.

Der Radleuchter ist heute von einer dicken Farbschicht überzogen. Es ist unbekannt, welche Werkstatt ihn geschaffen hat oder ob er von Anfang an bemalt war.

Taufbecken mini|Taufbecken Ein bronzenes Taufbecken, das heute in der Heilig-Blut-Kapelle steht, ist ebenfalls von Degenhard Ree 1427 gestiftet worden. Das Taufbecken stand bis zum 19. Jahrhundert im Westen der Kirche. Auf einem kräftigen Mittelfuß, gestützt von vier Löwen mit Wappenschilden vor der Brust, ruht ein achteckiger Taufkessel. Acht Felder, durch gotische Pfeiler getrennt, zeigen Christus, die Rechte segnend erhoben, in der linken die Weltkugel haltend, die Gottesmutter Maria, Johannes den Täufer, die Jünger Johannes und Petrus (zu dessen Füßen der Name des Gießers Regnerus Hennyngus), den Hl. Alexander und neben ihm seine Mutter, die Hl. Felicitas sowie den Hl. Thomas (vor ihm kniend den Stifter des Taufbeckens mit Jahreszahl 1427). Um den oberen Rand verlaufen die Verse 9 und 10 des 51. Psalms.

Heilig-Blut-Kapelle