Die Deutsche Dogge ist eine von der FCI anerkannte deutsche Hunderasse (FCI-Gruppe 2, Sektion 2.1, Standard Nr. 235). Die Rasse ist der offizielle State Dog des US-Bundesstaats Pennsylvania.

Herkunft und Geschichtliches Vor allem in der kynologischen Fachliteratur des ausgehenden 19. Jahrhunderts wurden Versuche unternommen, die doggenartigen europäischen Hunde, also die Englische Bulldogge, den Mastiff, die Bordeauxdogge sowie die Deutsche Dogge, auf antike oder gar frühgeschichtliche Hundetypen zurückzuführen. Ob diese Zusammenhänge bestehen, ist ungewiss. So besaßen bereits die Assyrer vor über 4000 Jahren große, schwerfällige, stumpfschnauzige, kurz behaarte Kampfhunde, denen teils zugeschrieben wurde, Vorläufer der heutigen Doggen zu sein. Auch eine Verwandtschaft mit der Tibetdogge wurde vermutet; dies wurde inzwischen durch einen Vergleich der mitochondrialen DNS verschiedener Hunderassen einschließlich der von Tibetdoggen widerlegt.Peter Savolainen et al.: Genetic Evidence for an East Asian Origin of Domestic Dogs. In: Science. 298, 1610 (2002) . Möglicherweise wurden die Doggen-Urahnen von den Kelten nach England und Irland gebracht. Im 2. Jahrhundert kämpften die „breitmäuligen Hunde Britanniens“, bei denen es sich um Doggen gehandelt haben könnte, in römischen Zirkuskämpfen die Hunde von Molossis nieder, welche zuvor als die stärksten Hunde galten.

16. bis 18. Jahrhundert mini|Kaiser Karl V. mit Leibhund, um 1533Wolfgang Wippermann: Biche und Blondi, Tyras und Timmy. Repräsentation durch Hunde. In: Lutz Huth, Michael Krzeminski: Repräsentation in Politik, Medien und Gesellschaft. Königshausen & Neumann, Würzburg 2007, ISBN 3-8260-3626-3, S. 187–188: „Offensichtlich eine Art Dogge“.

Die Geschichte der Deutschen Dogge lässt sich vom Anfang des 16. Jahrhunderts an lückenlos verfolgen. Damals wurden von England her starke, hochläufige Hunde eingeführt, die aus Kreuzungen des breiten Mastiffs mit dem großen irischen Wolfshund stammten. Es handelte sich aber wohl noch um keine verfestigte Rasse nach heutigem Verständnis, sondern eben um Kreuzungsergebnisse mit durchaus unterschiedlichen Phänotypen.Ludwig Beckmann: Geschichte und Beschreibung der Rassen des Hundes, Bd. 2 (1895), S. 6 (Digitalisat). Die Zucht dieser Hunde, welche man als Englische Docken, Englische Tocken oder Englischer HundJohannes Coler: Oeconomia, ruralis et domestica. Mainz 1645, S. 469: „Es haben auch etliche grosse Herrn, reiche Leute, Edelleute, Graven, Fürsten Ihre Molossen, und Englische starcke Hunde“ (Digitalisat). bezeichnete, wurde in Deutschland seit Anfang des 17. Jahrhunderts selbständig betrieben.Ludwig Beckmann: Geschichte und Beschreibung der Rassen des Hundes, Bd. 2 (1895), S. 7 (Digitalisat).Johann Täntzer: Jagdbuch oder der Dianen hohe und niedrige Jagdgeheimnisse, Abschnitt: Von den Englischen Hunden. Kopenhagen 1682 (diverse Neuauflagen): „Jetziger Zeit werden solche Hunde jung an Herrenhöfen erzogen, und gar nicht aus England geholet.“ - zitiert nach Ludwig Beckmann: Geschichte und Beschreibung der Rassen des Hundes, Bd. 2 (1895), S. 7.

Die Bezeichnung Docke oder Dogge ist auf das englische Wort dog für „Hund“ zurückzuführen. Der Name Englische Dogge bzw. Englischer Hund hielt sich bis ins 19. Jahrhundert.Georg Franz Dietrich aus dem Winckell: Handbuch für Jäger, Jagdberechtigte und Jagdliebhaber, F. A. Brockhaus, Bd. 1 (1858), S. 188: „Englische Doggen. Dies ist die stärkste Hunderasse“ (Digitalisat). Im Laufe der Jahrhunderte wurde diese Benennung aber nicht mehr als Herkunftsbezeichnung im eigentlichen Sinne verstanden, sondern sollte diesen Hundetyp bezeichnen und seine spezielle Eigenartigkeit hervorheben. In diesem Sinne wurden auch die Zwinger der Doggen als „englischer Stall“Vgl. Johann Täntzer: Der Dianen hohe und niedere Jagdgeheimnüß, Weidmannsche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1731, 2. Teil, S. 53 (Digitalisat). und ihre Pfleger als englische Hunds-Jungen bezeichnet. In ähnlicher Weise wurden auch andere Hundetypen mit anderen Landesbezeichnungen belegt, beispielsweise dä[h]nische, was darauf hinweisen sollte, dass es sich um besondere, von anderen Hunden zu unterscheidende Typen handelte, ohne dass dazu auch tatsächlich eine herkunftsmäßige Verbindung bestehen musste.Leonhard Hoffmann: Das Buch vom gesunden und kranken Hunde. Lehr- und Handbuch für das Ganze der wissenschaftlichen und praktischen Kynologie, Wien 1901, S. 144 (Digitalisat).

mini|Ein Kammerhund mit vergoldetem Halsband, Brandenburg 1705

Als Bären-, Eber- und Hirschhunde wurden sie an Fürstenhöfen gehalten, wo die schönsten und stärksten als Kammerhunde mit vergoldetem Halsband des nachts im Schlafgemach des Fürsten blieben. Sie bekamen gemeinhin große Lagerstätten mit Polstern oder Bärenhäuten. Die am zweitschönsten Geratenen bekamen silberne Halsbänder und wurden „Leibhunde“ genannt.Johann Täntzer: Jagdbuch oder der Dianen hohe und niedrige Jagdgeheimnisse, Abschnitt: Von den Englischen Hunden, Kopenhagen 1682 (diverse Neuauflagen) – zitiert nach Ludwig Beckmann: Geschichte und Beschreibung der Rassen des Hundes, Bd. 2 (1895), S. 9.Bei Johann Friedrich von Flemming: Der vollkommene teutsche Jäger, Abschnitt: Von denen Englischen Docken, Leipzig 1719, Bd. 1, S. 169 (Digitalisat) sind es samtbezogene Halsbänder mit silbernen Buchstaben für die Kammerhunde und plüschbezogene mit messingfarbenen Buchstaben für die Leibhunde. Zumindest von den Kammer-Hunden versprach man sich des nachts Schutz vor Attentätern; zugleich wurde bei den Kammer- und Leibhunden besonders auf Sozialisierung und Führigkeit geachtet. Die übrigen nannte man nur Englische Doggen;Johann Friedrich von Flemming: Der vollkommene teutsche Jäger, Abschnitt: Von denen Englischen Docken. Leipzig 1719, Bd. 1, S. 170 (Digitalisat). sie erhielten keine besonderen Halsbänder und wurden im „englischen Stall“ gehalten.

Diese Einteilung der in drei Stufen „ästimierten“ und „separierten“ Hunde legt nahe, dass bei der Zucht entsprechend verfahren wurde und Tiere mit höherem Zuchtwert beim jagdlichen Einsatz besonders geschont wurden. Aber auch die gewöhnlichen Englischen Doggen waren so wertvoll, dass man sie nicht leichtfertig einsetzte.

mini|Dogge im Jagdpanzer, 17. Jahrhundert

Bei Saujagden wurden zunächst die Saufinder vorausgeschickt, die die Wildschweine durch Verbellen anzeigten und damit die Saurüden auf selbige aufmerksam machten. Die Saurüden hetzten die Wildschweine dann aus dem Wald ins Freie. Dieser Part war am gefährlichsten und verlustreichsten, weshalb es sich bei den Saurüden um Hunde handelte, die grundsätzlich nicht aufwändig gezüchtet wurden und die von der Landbevölkerung zu stellen waren. Jeder Hund, der groß, kräftig und jagdtriebig war, war dafür prinzipiell geeignet. Sofern vorhanden, konnten auch noch sogenannte Courshunde hinzukommen, womit meist Kreuzungen verschiedener Hundetypen gemeint waren. Erst dann wurden die Doggen auf die Wildschweine gehetzt, die sie zu packen bzw. zu decken, also festzuhalten hatten, bis sie vom Jäger abgefangen, also mit einer Stichwaffe getötet wurden. Zu ihrem eigenen Schutz trugen die Doggen Panzer aus dickgefüttertem Stoff, die mit Fischbeinstäben an der Bauchseite verstärkt waren.Johann Täntzer: Der Dianen hohe und niedere Jagdgeheimnüß, Leipzig 1731, Weidmannsche Verlagsbuchhandlung, 3. Teil, S. 136 (DS.-S. 248) (Digitalisat).

mini|Kurhessische Doggen, 1807

Bei der Jagd auf Bären wurden zunächst die Bärenbeißer eingesetzt, um den Bären zu ermüden. Erst danach fanden die Doggen Verwendung und der Bär wurde in gleicher Weise wie bei der Saujagd erlegt.

19. Jahrhundert Als die Jagdbräuche sich, vor allem durch das Aufkommen von Schusswaffen, änderten und Hetzjagden in Form der Sauhatzen unüblicher wurden, wurden die Doggen nicht mehr gebraucht. Viele der an den Hetzjagden beteiligten Hundetypen wie der Saufinder, die Saurüden, die Courshunde und die Bärenbeißer verschwanden. Auch die Dogge wurde selten und hielt sich nur noch als Liebhaberhund. Maßgeblich im ländlichen Württembergischen hielt sie sich als der Ulmer Hund bzw. Ulmer Dogge.

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts fand sie mit dem Aufkommen des Rassehunde-Wesens und dem Anstieg des Interesses an diesen Rassehunden unter den Namen „Ulmer Dogge“ und „Dänische Dogge“ wieder in größerem Umfang Beachtung. Im englischsprachigen Ausland wurde sie dabei ursprünglich als „German Boarhound“ bezeichnet. Da diese Bezeichnung der Verwendung und dem Vertrieb als Luxushund nicht zuträglich war, soll versucht worden sein, die Bezeichnung „German Mastiff“ oder „German Dogge“ einzuführen, was dann dazu geführt habe, dass die Bezeichnung „Grand Danois“ bevorzugt wurde. Im Zuchtbuch Englands wurde der Name „German Boarhound“ „nicht vor 1894“ in „Great Dane“ geändert.S. William Haas in: Great Dane: A Comprehensive Guide to Owning and Caring for Your Dog (Reihe: Comprehensive Owner's Guide), Kennel Club Books, 2003, S. 13

Auf der ersten größeren deutschen Hundeausstellung 1863 in Hamburg wurden acht Hunde als „dänische“ und sieben als Ulmer Doggen ausgestellt. Dies wiederholte sich 1869 auf einer Altonaer Ausstellung, obwohl keiner dieser Hunde aus Dänemark kam oder abstammte. Erst 1876 wurde den Züchtern der „dänischen“ und der Ulmer Doggen-Schläge anlässlich einer Hundeausstellung in Hamburg durch die Preisrichter vorgeschlagen, sich auf den gemeinsamen Namen „Deutsche Dogge“ zu verständigen.Ludwig Beckmann in: Geschichte und Beschreibung der Rassen des Hundes, Bd. 2, 1895, S. 14

Am 12. Januar 1888 wurde in Berlin mit dem Deutsche Doggen-Club der erste Rassezuchtverein Deutschlands für Hunde gegründet.

Dennoch konnte sich der Name „Deutsche Dogge“ nach und nach durchsetzen. Der Züchter Otto Friedrich, aus dessen Zucht „Tyras II.“ stammte, der Nachfolger von Bismarcks Lieblings-Dogge, vertrieb noch 1889 sowohl die Varietät der „Ulmer“ als auch die der „dänischen“ Dogge unter diesen Bezeichnungen. Die Letztere sei aus einer Kreuzung der Ulmer Dogge mit dem Englischen Windhund entstanden und etwas kleiner sowie weniger massig als die Ulmer Dogge.Otto Friedrich in: Des edlen Hundes Aufzucht, Pflege, Dressur und Behandlung seiner Krankheiten., 7. Auflage, 1889, S. 40 und S. 45 Leonhard Hoffmann bezeichnete sie noch im Jahre 1900 als die „Ulmer Dogge“, „heutige sogenannte Deutsche Dogge“.Leonard Hoffmann in: Das Buch vom gesunden und kranken Hunde. Lehr- und Handbuch für das Ganze der wissenschaftlichen und praktischen Kynologie. Wien 1901, S. 144 ff (Digitalisat bei Internet Archive)

Otto von Bismarck besaß seit seiner Jugend Doggen. Von seiner Dogge „Ariel“ vermochte er sich selbst während seiner Zeit als Student der Rechtswissenschaften ab 1832 in Göttingen nicht zu trennen. Im Kaiserreich wurden die Tiere gelegentlich als „Reichshunde“ bezeichnet.Wolfgang Wippermann: Biche und Blondi, Tyras und Timmy. Repräsentation durch Hunde. In: Lutz Huth, Michael Krzeminski: Repräsentation in Politik, Medien und Gesellschaft, S. 185–202. Königshausen & Neumann, 2007, ISBN 3-8260-3626-3 Online (unvollständig) Weitere Bekanntheit erlangte die Rasse durch den Maler Wilhelm Trübner, der seine Dogge Cäsar häufig in teils ironischen Porträts darstellte.

Beschreibung mini|Schwarz-weiß gefleckte Dogge oder „Tigerdogge“ Die Deutsche Dogge ist eine der größten Hunderassen; die FCI gibt eine Mindestgröße von 80 cm bei Rüden und 72 cm bei Hündinnen an.

Der heutige Rassestandard beschreibt insgesamt fünf Farben in den drei Farbschlägen „Gelb und Gestromt“, „Gefleckt und Schwarz“ sowie „Blau“.

Gelbe Doggen sind solche von hellgoldgelb bis goldgelber Farbe mit schwarzer Maske. Gestromte Doggen haben die Grundfarbe der Gelben mit schwarzen, möglichst gleichmäßig und klar gezeichneten in Richtung der Rippen verlaufenden Streifen. Auch hier ist die Maske erwünscht. Im gelb-gestromten Farbschlag sind kleine weiße Abzeichen an Brust und Zehen unerwünscht.