mini|Stadt Wolfhagen Wolfhagen ist eine Kleinstadt mit historischem Fachwerkkern im nordhessischen Landkreis Kassel. Sie trägt seit dem 21. Februar 2019 die amtliche Zusatzbezeichnung Hans-Staden-Stadt, nach dem deutschen Landsknecht in Diensten portugiesischer Siedler, der lange Zeit in Wolfhagen lebte und wirkte.Wolfhagen jetzt offiziell "Hans-Staden-Stadt" auf www.wolfhagen.de vom 28. Februar 2019, abgerufen am 6. Dezember 2019.
Geographie Lage Wolfhagen liegt in Nordhessen im äußersten Westen des Naturparks Habichtswald östlich des Langen Waldes. Östlich der Stadt befindet sich der Ofenberg (; mit Ofenberg-Turm), jenseits davon ragt der Isthaberg () empor. In Richtung Westsüdwesten steigt das Gelände sanft zum Stöckeberg (; mit Sendeturm und Wasserwerk) und nach Süden zum Graner Berg (; mit Flugplatz Wolfhagen-Graner Berg) an. Die Stadt befindet sich am Mühlenwasser, einem Zufluss zur Erpe, welche die Kernstadt etwas nordöstlich passiert; in das Mühlenwasser münden bei bzw. in Wolfhagen Duse- und Limeckebach.
Die Altstadt von Wolfhagen liegt auf einem Hügel im sogenannten Wolfhager Graben, einem nördlich gelegenen Teil der Westhessischen Senke.August Straub: Nordhessen. Das Bergland von Niederhessen. Nürnberg 1969, S. 91. Neuere Teile der Stadt wurden auf dem benachbarten Teichberg sowie am Fuß des Ofenbergs und Gotzenbergs angelegt.
Nachbargemeinden Wolfhagen grenzt im Nordwesten an die Stadt Volkmarsen (Landkreis Waldeck-Frankenberg), im Norden an die Gemeinde Breuna, im Osten an die Stadt Zierenberg und die Gemeinde Habichtswald, im Südosten an die Gemeinde Schauenburg, im Süden an die Gemeinde Bad Emstal und die Stadt Naumburg (alle im Landkreis Kassel) sowie im Südwesten an die Stadt Waldeck und im Westen an die Stadt Bad Arolsen (beide im Landkreis Waldeck-Frankenberg).
Stadtgliederung Neben der Kernstadt besteht Wolfhagen (mit dem Weiler Elmarshausen) aus elf weiteren Stadtteilen, die sich jeweils als Dorf rund um die Kernstadt erstrecken: Altenhasungen Bründersen Gasterfeld Ippinghausen Istha Leckringhausen Niederelsungen Nothfelden Philippinenburg und -thal, Viesebeck Wenigenhasungen
Geschichte Vorgeschichte In der ehemaligen Sandgrube im Wolfhager Stadtwald wurden Fußabdrücke von frühen Dinosauriern gefunden. Zwei der Saurier, Protochirotherium wolfhagense und Palaeochirotherium macrodactylum wurden hier erstmals entdeckt.Saurier-Fährten im Wolfhager Stadtwald gefunden, HNA, 26. April 2012. Einige der Spuren sind im Wolfhager Museum zu besichtigen.
Erste Spuren menschlichen Wirkens in der Wolfhager Gemarkung verweisen auf die mittlere Steinzeit.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. Kassel 1980, S. 18. Zahlreiche Hügelgräber im Wolfhager Stadtwald belegen eine bronzezeitliche Besiedlung.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 20.
Mittelalter Die Gegend um Wolfhagen gehörte zu Beginn des Mittelalters zum chattischen Siedlungsraum, der bald im fränkischen Herrschaftsbereich aufgehen sollte. Auch wenn Architektur und die niederdeutsche Sprache weit stärker sächsisch als fränkisch geprägt sind, ist eine Zugehörigkeit zum fränkischen Hessen anzunehmen.Gustav Siegel: Geschichte der Stadt Wolfhagen in Hessen. Wolfhagen 1929, S. 1. Die Gründungen von Gran und Langel, zwei Siedlungen chattisch-sächsischer Bauern auf heute Wolfhager Gebiet, wurden von einem Heimatforscher auf das Ende des vierten Jahrhunderts datiert.Gustav Siegel: Geschichte der Stadt Wolfhagen in Hessen. 1929, S. 2. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass diese Orte erst im 8. Jahrhundert besiedelt wurden.
Seit dem 7. Jahrhundert wurde die Gegend von iro-schottischen Mönchen christianisiert.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 315. Wahrscheinlich war es Bonifatius, der um 752 auf späterem Wolfhager Gebiet die Erzpriesterkirche auf dem Schützeberg als einflussreiches kirchliches Zentrum in der Region weihte. Eine Urkunde des 13. Jahrhunderts benennt dagegen einen Alkmar als ihren Gründer.
Um 1200 wurde Nordhessen Schauplatz blutiger Adelsfehden. Die damals in diesem Teil Hessens regierenden Landgrafen von Thüringen waren deshalb bestrebt, die Bevölkerung in befestigten Städten anzusiedeln, um sie so aus den Kämpfen heraushalten und gleichzeitig zur organisierten Landesverteidigung dienstbar machen zu können. Wolfhagen wurde dazu auf einem strategisch günstigen Hügel nahe der Grenze zu Waldeck, Westfalen und zu Besitzungen des Erzbistums Mainz gegründet. Die Bewohnerschaft stammte aus den umliegenden unbefestigten Orten, die dann zum größten Teil wüst fielen.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 31. Mit dem Bau der befestigten Stadt und Burg Wolfhagen muss frühestens 1200 und spätestens 1226 begonnen worden sein.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 19.
1231 erwähnt Landgraf Konrad, der die hessischen Besitzungen der Ludowinger verwaltete, eine Hofstätte in nostro oppido Wolfhain, das erste schriftliche Dokument der Existenz der Stadt.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 29. Diese Ersterwähnung markiert das offizielle Gründungsdatum des Orts. Im Jahr 1235 wurde der Altar der Stadtkirche geweiht.Gustav Siegel: Geschichte der Stadt Wolfhagen in Hessen. 1929, S. 15. Bei Ausbesserungsarbeiten im Jahr 2010 wurden unter der Kirche Reste eines romanischen Vorgängerbaus gefunden, die es denkbar scheinen ließen, dass Stadt und Kirche auf eine ältere Vorgängersiedlung zurückgehen,Kirche schon vor St. Anna, HNA, 28. Oktober 2011. die aber wahrscheinlich nur auf einen provisorischen Kirchenbau verweisen. Die Kirche auf dem Schützeberg verlor nach dem Bau der Stadtkirche an Bedeutung und wurde schließlich aufgegeben.
Im Jahre 1264 erhielt der Ort das Stadtrecht, und ab 1302 hatte die Stadt eine vollständige Befestigungsanlage. Organisatorisch war Wolfhagen in vier Bauerschaften, also Bezirke, unterteilt. Der Vogt, Schultheiß oder Amtmann residierte auf der Burg und war der Vertreter des Landgrafen. Er war vor allem für Polizei, Rechtsprechungs- und Verteidigungsaufgaben zuständig. Die Verwaltung der Stadt oblag dem Bürgermeister, der von einem Rat angesehener Bürger gewählt wurde. Der Rat betreute auch das Stadtgericht, dessen Vorsitz der Vogt hatte. Ab 1313 bekamen auch Abgeordnete der Zünfte und der Bauerschaften Stimmrecht im Rat. Da die Ratswürde vererbt werden konnte, sahen sich aber weiterhin große Teile der Bevölkerung von einer Mitbestimmung ausgeschlossen. Sie gründeten ihren eigenen Rat, der einen eigenen Bürgermeister wählte. Ab dem 15. Jahrhundert hatte Wolfhagen dann auch ganz offiziell zwei Bürgermeister und zwei Räte: einen Gemeinderat und einen ordentlichen Rat. Beide wählten zwei Kämmerer, die die Verwaltung der Finanzen regelten.Karl Hühnermund: Wolfhagen im Wandel der Geschichte. In: Magistrat der Stadt Wolfhagen (Hrsg.): 750 Jahre Wolfhagen. Wolfhagen, 1981, S. 27. Das Amt Wolfhagen umfasste einen Gerichtsbezirk des Landgrafen. Ab 1240 wurden eigene Münzen geprägtKarl Hühnermund: Wolfhagen im Wandel der Geschichte. 1981, S. 26. und im Jahre 1286 wurde die Knabenschule erstmals erwähnt.Karl Hühnermund: Wolfhagen im Wandel der Geschichte. 1981, S. 32.
1268 wurde Wolfhagen von den westfälischen Truppen des Bischofs Simon I. von Paderborn bedrängt. Landgraf Heinrich von Thüringen trat diesen erfolgreich entgegen, wobei 150 der Angreifer getötet wurden. Zwei Jahre später gelang es den Westfalen jedoch, die Stadt in Brand zu setzen.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 34. Im Sommer 1372 wurde Bischof Heinrich von Paderborn mit einem Teil seines Gefolges durch Wolfhager Bürger unter der Führung von Werner und Heinrich von Gudenberg gefangen genommen, in Wolfhagen festgesetzt und schließlich gezwungen, die Seiten im Sternerkrieg zu wechseln.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 44.
1368 wurde das Spital gegründet. Im Januar 1376 wurden große Teile der Stadt von einem Feuer zerstört. Ab 1385 war der Ort für längere Zeit an das Erzbistum Mainz verpfändet.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 46. 1420 brannte es in Wolfhagen erneut. In den Jahren 1464 und 1465 kam es erneut zu mehreren Angriffen aus Paderborn.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 52. Ab dem 14. Jahrhundert war Wolfhagen Sitz des Amtes Wolfhagen.
Neuzeit Im Jahre 1527 hielt die Reformation Einzug in Wolfhagen.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 55. Im Jahre 1576 raffte die Pest einen großen Teil der Bevölkerung dahin. Noch mehr Todesopfer gab es im Jahr 1597 durch mit Mutterkornpilz verunreinigtes Getreide.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 57. mini|Wolfhagen – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt nahezu vollkommen zerstört. Von vormals 394 Wohnhäusern standen am Ende des Kriegs nur noch 81. Die Behebung der Schäden dauerte Jahrzehnte. Von 370 Wolfhager Bürgern (also allen Haushaltsvorständen ohne die jüdischen Bewohner und die Bewohner der Garthaus Vorstadt, die alle nicht als rechtlich vollwertige Bürger eingestuft wurden) waren 1646 nur noch 81 zu finden.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 73. Ab 1699 kam es zum Zuzug von Hugenotten.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 76. Im Siebenjährigen Krieg kam es in und um Wolfhagen zu mehreren Gefechten, von denen das größte allein mehreren Tausend Menschen das Leben kostete. Zeitweise war die Stadt französisch besetzt.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 84 f. Um Bevölkerungsverluste auszugleichen, wurden nach dem Krieg auf Wolfhager Gebiet die Kolonien Philippinendorf, -burg und -thal gegründet, deren Siedler zumeist aus anderen Teilen Hessens stammten.
Während der Zeit des napoleonischen Königreichs Westphalen (1807–1813) war die Stadt Verwaltungssitz des Kantons Wolfhagen. Der Dörnbergsche Aufstand gegen Napoleon im Jahr 1809 endete nicht zuletzt deshalb so unglücklich, weil die beteiligten Wolfhager Aufständischen so dilettantisch vorgegangen waren, dass die Truppen König Jérômes rechtzeitig gewarnt wurden.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 98 ff.
Im Jahre 1815 wurde Hessen-Kassel Kurfürstentum. 1821 wurden die Ämter Wolfhagen, Naumburg, Volkmarsen und Zierenberg zum neuen Landkreis Wolfhagen zusammengefasst.Karl Hühnermund: Wolfhagen im Wandel der Geschichte. 1981, S. 29. Im Jahre 1866 wurde Kurhessen preußisch und 1867 wurde das Wolfhager Justizamt zum Amtsgericht Wolfhagen umbenannt. Im Jahre 1896 wurde Wolfhagen an das Eisenbahnnetz angebunden.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 125.
20. und 21. Jahrhundert Von November 1918 bis Februar 1919 wurde die Stadt von einem Arbeiter-Soldaten- und Bauern-Rat verwaltet.Paul Görlich: Wolfhagen. Geschichte einer nordhessischen Stadt. 1980, S. 138 f. Ab ca. 1925 vergrößerte sich die bebaute Fläche, die über Jahrhunderte fast konstant geblieben war, rapide. Neubaugebiete wurden erschlossen. Dieser Prozess beschleunigte sich noch einmal nach dem Zweiten Weltkrieg. Parallel dazu stieg die Bevölkerungszahl. Hatte die Stadt 1931 noch 3200 Einwohner,Wilhelm G. Winter: Die Gebietsreform von 1971/72 und die Neugliederung des Wolfhager Raums. In: Magistrat der Stadt Wolfhagen (Hrsg.): 750 Jahre Wolfhagen. Wolfhagen 1981, S. 34. so betrug die Zahl der Bewohner 1951 schon 5500.Karl Hühnermund: Wolfhagen im Wandel der Geschichte. 1981, S. 30. 30 Jahre später waren es 7000. Hinzu kamen noch einmal etwa 5500 Bewohner der 1971 eingemeindeten umliegenden Dörfer, so dass die Großgemeinde Wolfhagen nun auf etwa 12.500 Einwohner kam.