Breitenthal ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz. Sie gehört zur Verbandsgemeinde Herrstein-Rhaunen. Die nächsten größeren Orte sind die Gemeinden Herrstein und Rhaunen und die Städte Kirn und Idar-Oberstein.
Geographie Lage An der Hangseite des Hunsrücks, die gen Südosten zum Nahetal geneigt ist, liegt der Ort im Süden des Idarwalds und im Knie des Hosenbachs. Unweit der Ortsgrenze im Südwesten fällt das Gelände steil zum Fischbachtal hin ab.
Das Gemeindegebiet umfasst einen Höhenbereich von 187 Metern: Der tiefste Punkt befindet sich auf am Fuß des Schielenbachs (), der höchste Punkt auf im Sangwald/Jungenwald (). Angrenzende Gemeinden sind Oberhosenbach, Wickenrodt, Niederhosenbach, Herrstein, Mörschied und Weiden.
Geologie Geologisch wird der Raum um Breitenthal durch Tonschiefer (Hunsrückschiefer) stratigraphisch bestimmt. petrographisch besteht er aus Ton- und Siltstein (Schluff) mit geringmächtigen Einschaltungen von Sandstein. Er entstand aus den tonig/sandigen Ablagerungen von großen Flüssen des Old-Red-Kontinents, die in ein tiefes Meer geschwemmt wurden und im höheren Oberdevon und im Unterkarbon zum Meeresboden absanken. Diese Ablagerungen wurden später gefaltet und als Teil des variszischen Gebirges wieder gehoben. Durch den während der Faltung von Südost nach Nordwest gerichteten Druck entstanden die fast aufrecht stehenden Schieferflächen. Damit wurde die für eine spätere wirtschaftliche Nutzung wichtige Aufspaltbarkeit des Schiefers in dünne Platten ermöglicht.
Der Hunsrückschiefer ist oberflächennah von dem Breitenthaler Schielenberg über Bundenbach bis nach Gemünden fossilreich. Die Fossilien im Breitenthaler Schiefer sind zumeist entweder von einer dünnen Pyrit-Schicht überzogen oder als feine Kristalle (<20 µm) ausgebildet.D. E. G. Briggs, Peter R. Crowther: Palaeobiology II: A Synthesis. Blackwell Publishing, 2001, ISBN 0-632-05149-3, S. 347. 2014 konnte bei einer geologischen Exkursion ein vollständiges Exemplar des Schlangensterns Furcaster palaeozoicus geborgen werden.Wouter Südkamp: Sammlungen im Hunsrück: Die Schiefergrube Schielenberg. In: Fossilien-Journal. 4/2014, Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim.
Die äußerste nordwestliche Ecke des Gemeindegebiets im Staatsforst Rhaunen (Sang- und Jungenwald) wird durch einen Taunusquarzitblock eingenommen, mit dem sich der gleichartig aufgebaute westlich gelegene Höhenzug mit Sandkopf, Wildenburger Kopf und Mörschieder Burr fortsetzt (Stratigraphie: Taunusquarzit. Petrographie: Quarzsandstein und quarzitischer Sandstein mit Einschaltungen von Ton- und Siltstein).
Georisiken ergeben sich aus aufgelassenem Bergbau in der Schielenbach. Hierzu gehören bis zur Erdoberfläche durchdringende Senkungen durch unterirdischen Schieferabbau und die Mechanik der Schieferhalden.
Klimatologie Der Ort liegt in einer überwiegend maritim geprägten Zone mit einer vorherrschenden Windrichtung aus dem Südwest- bis Nordwestsektor. Die topographisch günstige Lage des größten Teils der Ortschaft in einer leicht nach Osten geneigten Talmulde führt zu einer klimatischen Begünstigung relativ zur Umgebung. Schwüle tritt nur äußerst selten auf.
Durch Lee-Effekte des westlich gelegenen Bergkamms der Wildenburg sowie des nördlich gelegenen Idarwalds sind die Schauer- und Gewitterintensitäten sowie die mittleren und absoluten Windgeschwindigkeiten signifikant niedriger als aus der synoptischen Struktur zu erwarten wäre.
Staueffekte mit anhaltenden Niederschlägen und niedrigen Wolkenuntergrenzen treten zumeist im Vorfeld von Warmfronten auf, solange bei geringer Taupunktdifferenz eine südliche Windrichtung (150° bis 210°) vorherrscht.
Der Ort ist praktisch nebelfrei, lediglich Strahlungsnebel ist gelegentlich zu beobachten, ebenso wie seltene advektive Nebeleinbrüche aus dem Hosenbachtal im Rahmen einer lokalen Zirkulation, die sich bei schwachgradientigen antizyklonalen Wetterlagen (Hochdruckwetterlagen) ausbildet. Bei westlichen Windrichtungen mit geringen Windgeschwindigkeiten kann es gelegentlich zu advektiv induzierter orographischer Nebelbildung auf dem Sattel südlich des Orts (im Bereich des Trainingsplatzes) kommen, wenn die aus der Schielenbach anströmende feuchte Luft nach Hebung kondensiert. Die Ortslage ist hiervon in der Regel nicht betroffen.
Seltene Extremereignisse können sommerliche Wärmegewitter sein, die im Nahetal entstehen und bei einer überlagernden südöstlichen Höhenströmung über das Hosenbachtal nach Breitenthal gelangen. Bedingt durch eine orographisch induzierte Verstärkung von Hebungsprozessen intensivieren sich diese Gewitter, so dass dort ungewöhnlich hohe Niederschlagsmengen innerhalb kurzer Zeit fallen können. Anlässlich eines solchen Ereignisses kam es in den tieferen Lagen des Neubaugebiets zu Wassereinbrüchen in Kellerräume, worauf die Abflussmöglichkeiten von Oberflächenwasser durch die Aufbereitung von Abflussgräben erheblich verbessert wurden.
Geschichte Der 1282 als „Breydendale“ erstmals erwähnte, aus einem Hofgut zur Versorgung der herrschaftlichen Familie hervorgegangene Ort bildete zusammen mit dem Nachbardorf Oberhosenbach ein rhein- und wildgräfliches Hochgericht in dem wild- und rheingräflichen Amt Wildenburg. Mit der Versteigerung der herrschaftlichen Güter als Volksbesitz („bien national“) durch die Franzosen an Privatleute konnte sich Breitenthal als eigenes Dorf entwickeln.Hugo Klar: Ortsnamen und Siedlungsgeschichte an der Oberen Nahe. In: Aufsätze zur Heimatkunde des Landkreises Birkenfeld. Band 2.
Grafische Übersicht zur territorialen Zugehörigkeit von Breitenthal ab der ersten Nennung des Orts:
Für die Bronzezeit kann nach Bodenfunden eine Besiedlung in der Breitenthaler Gemarkung östlich des Hosenbachs angenommen werden.
Im Bereich der an die Gemarkung Breitenthal grenzenden Flurbezirke Hirtenbösch und im Hardtwald finden sich Siedlungsspuren und Grabanlagen aus der frühen Hallstatt- und der La-Tène-Zeit.
Im Bezirk Battenhofen wurden in unmittelbarer Nähe zu der Römerstraße an mehreren Stellen sichere römische Siedlungsspuren festgestellt.
Der Hof Breitenthal (Breydendale) wurde 1282 in einer Urkunde erwähnt, mit der Konrad von Schmidtburg den Hof seinem Bruder Gottfried von Kyrburg überlässt. 1318 wurde der Dinghof Breidindeil durch den Wildgrafen Friedrich zu Kyrburg dem Trierer Erzbischof Balduin überlassen und zugleich als kurtrierisches Lehen zurückgegeben. Seit 1409 gehört Breitenthal zum Amt Wildenburg; er fiel mit diesem 1515 dem Wild- und Rheingrafen von Kyrburg zu, nach dem Aussterben der Alt-Kyrburger Linie kam er an die Alt-Dhaunische Linie der Wild- und Rheingrafen und nach deren Spaltung in den gemeinsamen Besitz der Wild- und Rheingrafen von Grumbach zu drei Vierteln und der Salm-Salm und Salm-Kyrburg zu je einem Achtel.
Die Wild- und Rheingrafschaft bzw. das frühere Fürstentum Salm-Kyrburg (ab 1743) bestand als reichsunmittelbares Territorium im Oberrheinischen Reichskreis von 1499 bis zum Frieden von Lunéville (1801). Hauptort dieses Landes war Kirn. Nachdem das Fürstentum Salm-Kyrburg 1794/1795 von französischen Revolutionstruppen erobert und 1798 von Frankreich annektiert worden war, trat das Heilige Römische Reich das Land im Frieden von Lunéville an Frankreich ab. Die Fürsten zu Salm-Kyrburg residierten vornehmlich in Paris (siehe hierzu auch: Hôtel de Salm). Dort verlor Friedrich III., Fürst zu Salm-Kyrburg 1794, in den Revolutionswirren unter der Guillotine sein Leben.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Region nach dem Sieg der Liga über die Protestantische Union bei Wimpfen und Höchst 1620 durch spanische Truppen besetzt und war seitdem stark von Kriegslasten betroffen. Über Breitenthal sind keine Dokumente aus dieser Zeit bekannt. Nach alten Überlieferungen soll im Bereich der Jammereiche an der Gemarkungsgrenze zwischen den Orten Breitenthal und Niederhosenbach eine Anzahl Geflüchteter aus den beiden Orten durch spanische (brabantische) Soldaten umzingelt und in furchtbarer Weise umgebracht worden sein. Dieses Ereignis wurde wiederholt in literarischer Form aufgearbeitet.Beispielsweise: G. Bergen: An der Jammerseiche. In: Blätter für Mosel, Hochwald und Hunsrück. Oktober 1911 (2. Jahrgang, No. 1), S. 6.
Es folgten nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs lothringische Einfälle und die Reunionskriege mit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg des französischen Königs Ludwig XIV. Zur Bekämpfung der lothringischen Truppen schlossen sich die Landesherren der Gegend (die Rheingrafen, der Herzog von Pfalz-Zweibrücken und die Herren von Oberstein) 1651 zu einem Bündnis zusammen und stellten eine angesichts der damals sehr niedrigen Bevölkerungszahl große Truppe von 1700 Mann Infanterie und 300 Mann Kavallerie auf, die unter der Führung des Rheingrafen Johann Ludwig auf der Wildenburg und in Herrstein stationiert wurden. Noch im Dezember 1651 und erneut im Jahre 1652 kam es zu zwei Schlachten in dem Gebiet zwischen Herrstein und der Wildenburg (die dabei zerstört wurde), bei denen die Lothringer besiegt und dann vertrieben werden konnten. Ein Schwerpunkt der Kämpfe war der Höhenrücken zwischen dem Fischbach und Oberwörresbach, der von Breitenthal aus über die Schielenbach einsehbar ist. Erst 1713 mit dem Frieden von Utrecht bekam die Landschaft nach 93 verheerenden Jahren eine Chance zur Regeneration.
Durch die territoriale Zersplitterung waren die wild- und rheingräflichen Gebiete für ihre Zeit sehr rückständig. Bis zur Besetzung durch französische Revolutionstruppen im Jahre 1795 waren die Menschen unfreie Leibeigene und unterlagen der kaum kodifizierten Gerichtsbarkeit der Herrschaft.
Zwischen dem 15. und 17. Dezember 1795 fanden in der Linie von Hennweiler über Wickenrodt nach Asbach, also auch im Bereich Breitenthal, Gefechte zwischen französischen und österreichischen Truppen statt.Heinrich Baldes: Geschichtliche Heimatkunde der Birkenfelder Landschaft. 1923, S. 292. Die Österreicher unterlagen und zogen sich zurück. Der sponheimische Nachbarort Niederhosenbach wurde wegen seiner Unterstützung der Österreicher von den Franzosen schwer bestraft, Hottenbach am 17. Dezember vollständig geplündert. Am 30. Dezember 1795 wurde ein Waffenstillstand geschlossen, nach dem auch Breitenthal den Franzosen überlassen wurde.
Unter der französischen Verwaltung nach der Eroberung der linksrheinischen Gebiete im Jahre 1795 war Breitenthal eine Commune in der Mairie Hottenbach des Kantons Herrstein des Arrondissements Birkenfeld in dem 1798 eingerichteten Saardepartement in der Ersten Französischen Republik bzw. nach 1804 des Ersten Kaiserreichs Frankreich. Die Einwohner Breitenthals kamen damit aus der Leibeigenschaft, die Wild- und Rheingrafen verloren ihre Privilegien gegenüber den Bauern. Diese durften nun weitgehend ungehindert fischen und jagen, der Zehnt wurde abgeschafft, die Gleichheit vor dem Gesetz und die Siedlungsfreiheit wurden hergestellt. Sie wurden freie französische Staatsbürger mit allen Rechten und Pflichten, nach dem Frieden von Lunéville vom 9. Februar 1801 auch im völkerrechtlichen Sinne. Der Code civil wurde eingeführt. Nachteilig waren die recht hohen Abgaben und die Militärdienstpflicht.
Die französische Episode endete im Januar 1814 mit der Besetzung durch die Truppen Blüchers. Das Gebiet wurde zunächst dem Generalgouvernement Mittelrhein unter preußischer Verwaltung, aber bereits am 16. Juni 1814 der gemeinsamen K.u.K. österreichischen und bayerischen Landesadministrationskommission unterstellt. Ab dem 2. Juni 1815 wurde der Raum um Herrstein auf der Grundlage des 25. Artikels der Schlussakte des Wiener Kongresses durch einen Kreuznacher Vertrag an Preußen gegeben und als Kreis Oberstein verwaltet.