Die Bahnstrecke Falkenberg–Beeskow ist eine über 113 Kilometer lange Nebenbahn in Brandenburg, die unter dem Namen Niederlausitzer Eisenbahn bekannt ist. Sie beginnt im Eisenbahnknoten Falkenberg (Elster) und führt über Luckau und Lübben nach Beeskow. Sie durchquert die Landkreise Elbe-Elster, Dahme-Spreewald und Oder-Spree und verläuft zum größten Teil durch die namensgebende Niederlausitz. Der Personenverkehr endete in den 1990er Jahren. Die Strecke wird heute nur noch auf einigen Teilstücken im Güterverkehr zur Bedienung mehrerer Gleisanschlüsse genutzt und befindet sich im Eigentum der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE).

Geschichte

Besitzverhältnisse:Niederlausitzer Eisenbahn (NLE) (Siehe Hinweise unter der Titelzeile)

1898: Niederlausitzer Eisenbahn A.G. 1948: Landesverkehrsamt Brandenburg 1949: Deutsche Reichsbahn 1994: Deutsche Bahn AG 1998: Deutsche Regionaleisenbahn GmbH

Niederlausitzer Eisenbahn A.G. (NLE AG)

links|mini|Stammaktie über 1000 Mark der Niederlausitzer Eisenbahn-Gesellschaft vom 1. April 1898

Als erster Abschnitt der Niederlausitzer Eisenbahn wurde am 20. Dezember 1897 die Teilstrecke Uckro Süd–Luckau eröffnet. Bereits am 15. März 1898 war der Streckenabschnitt Falkenberg–Lübben durchgehend hergestellt, sodass die Betriebsaufnahme durch die Niederlausitzer Eisenbahn A.G am 1. April 1898 erfolgen konnte. Der restliche Abschnitt von Lübben bis Beeskow folgte am 24. November 1901. Die NLE AG, die sich mehrheitlich im Besitz der Landkreise Schweinitz, Luckau und Lübben befand, hatte von Anfang an mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Erst durch den Zweiten Weltkrieg erfuhr die Bahnstrecke einen Aufschwung im Güterverkehr durch die an ihr gelegenen Munitionsfabriken in Rochau, Spreewerk Lübben und Krugau sowie den Anschluss zum Flugplatz Alteno. Nach Kriegsende mussten diese Anschlussgleise als Reparationsleistung an die UdSSR abgebaut werden.Jens Endler: Die Geschichte der Niederlausitzer Eisenbahn. In: Deutscher Bahnkunden-Verband, Regionalverband Niederlausitz: Niederlausitzer Bahnkunden-Report. Ausgabe September 2001, S. 7

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde am 25. April 1945 die Spreebrücke bei Briescht gesprengt, sodass der Zugverkehr eingestellt werden musste. 1948 konnte der Zugverkehr wieder zwischen Lübben und Spreebrücke Briescht sowie von der östlichen Spreeseite bis Beeskow West aufgenommen werden, wobei die Spreebrücke noch gesperrt war und die Reisenden etwa 400 Meter zu Fuß zurücklegen mussten. Die Brücke war dann 1951 wieder hergerichtet, sodass ein durchgehender Verkehr Lübben–Beeskow West möglich wurde.Niederlausitzer Eisenbahn (NLE) (Siehe Hinweis zur Spreebrücke Briescht)

Deutsche Reichsbahn (DR)

Es gab auf der NLE fast keine durchgehenden Züge; in der Regel verkehrten die Züge nach der Übernahme durch die Deutsche Reichsbahn von Falkenberg nach Luckau oder Lübben Hbf und von Luckau oder Lübben Süd nach Beeskow. Das Zugangebot war auf den Streckenabschnitten zwischen Falkenberg (Elster) und Herzberg (Elster) Stadt sowie zwischen Uckro und Lübben für eine Nebenstrecke im ländlichen Raum relativ hoch.

Nach der deutschen Teilung 1945 rückte die Strecke in den Fokus der Militärs. Durch die Tatsache, dass sie drei nach Berlin führende Hauptstrecken miteinander verband, Berlin selbst aber weiträumig umging, bekam sie den Status einer strategischen Bahn. Sie wurde von einer Neben- zu einer Hauptbahn aufgewertet, wobei u. a. die Achslast auf 20 Tonnen erhöht wurde.

Einzelne Züge hatten auch Ziele außerhalb der NLE: Beispielsweise gab es im Fahrplan 1986/87 Verbindungen von Lübben über Uckro nach Elsterwerda, Frauenhain und Baruth (Mark). Bei Störungen auf der Dresdener Bahn oder auf dem Berliner Außenring kam es vor, dass Fernzüge in der Relation Dresden–Berlin über den NLE-Streckenabschnitt Uckro–Lübben umgeleitet wurden. Dabei kamen als Triebfahrzeuge neben der Baureihe 132 auch die auf der NLE verkehrenden Baureihen 110 und 112 zum Einsatz. Während der Elektrifizierung der Strecke (Dresden-) Uckro – Berlin verkehrten 1981/1982 planmäßig einige Schnellzüge über Uckro–Luckau–Lübben nach Berlin.

Im letzten Fahrplanjahr der Deutschen Reichsbahn 1993/94 verkehrten zwischen Falkenberg und Luckau (Kursbuchstrecke 213) fünf Zugpaare, die zwischen Falkenberg und Herzberg sogar auf zehn Zugpaare verdichtet wurden. Genauso viele Zugpaare verkehrten zwischen Uckro und Luckau. In der Kursbuchtabelle 208 wurden zwischen Luckau und Beeskow drei tägliche Zugpaare aufgeführt, die zwischen Lübben Süd und Beeskow um ein weiteres Zugpaar ergänzt wurden. Entsprechend der Bedeutung der Stadt und der Funktion als Betriebsmittelpunkt war Luckau an Lübben Hbf mit neun täglichen Fahrtenpaaren angebunden. In diesem Fahrplanjahr gab es ein durchgehendes Zugpaar zwischen Falkenberg und Beeskow, für das eine Fahrzeit zwischen drei und dreieinhalb Stunden vorgesehen war.Deutsche Bundesbahn, Zentrale; Deutsche Reichsbahn, Zentrale Hauptverwaltung (Hrsg.): Kursbuch 93/94. 23. Mai 1993 bis 28. Mai 1994

Deutsche Bahn AG (DB)

Die Deutsche Bahn AG betrieb die Strecke zwischen 1994 und 1998. Diese Zeit war gekennzeichnet durch die abschnittsweise Einstellung des Schienenpersonenverkehrs auf der gesamten Strecke. Im Mai 1995 endete der Personenverkehr sowohl zwischen Lübben und Beeskow als auch zwischen Uckro und Herzberg. Auf dem Abschnitt Uckro–Luckau benötigten die Personenzüge für die vier Kilometer zwischen Uckro und Zöllmersdorf 17 Minuten. Aufgrund des schlechten Zustands der Holzschwellen im moorigen Untergrund wurde dieser Abschnitt im Februar 1996 betrieblich gesperrt. Obwohl die Vorbereitungen für die Streckensanierung bereits begonnen hatten, wurde der Schienenpersonennahverkehr zwischen Herzberg und Beeskow vom Land Brandenburg abbestellt.Eine Reise auf der Niederlausitzer Eisenbahn. In: Deutscher Bahnkunden-Verband, Regionalverband Niederlausitz: Niederlausitzer Bahnkunden-Report. Ausgabe September 2001, S. 4 f. Ab dem 1. Juni verkehrten auch zwischen Lübben und Luckau keine Reisezüge mehr. 1998 endete auch der Personenverkehr zwischen Falkenberg und Herzberg Stadt. Der Güterverkehr wurde bedarfsweise von Lübben ausgehend in Richtung Krugau (Bundeswehr) und Luckau (Zement) weiterhin aufrechterhalten. Die Strecke zwischen Krugau und Beeskow wurde betrieblich gesperrt.

Deutsche Regionaleisenbahn GmbH (DRE)

mini|Bahnhof Luckau Zentrum mini|Elbe-Elster-Express in Herzberg (Elster) Stadt anlässlich des Schliebener Moienmarktes (30. Juni 2006) mini|Rochau Forst (9. Dezember 2007)

Nach fast dreijährigen Verhandlungen hat die Privatbahn Deutsche Regionaleisenbahn GmbH (DRE) (die damalige Bezeichnung war Deutsche Regionalbahn (DR) GmbH) im Auftrag des Deutschen Bahnkundenverbands (DBV) am 31. Dezember 1999 die Strecke von Herzberg (Elster) nach Beeskow von der DB übernommen und damit vor der geplanten Stilllegung für 15 Jahre gerettet.Deutscher Bahnkundenverband: Niederlausitzer Eisenbahn (NLE) unter neuer Regie. In: Signal, Heft 1/1999, S. 12, GVE-Verlag Berlin, Dabei sollte gezeigt werden, dass auch ohne größere staatliche Subventionen der Schienenverkehr im dünn besiedelten ländlichen Raum aufrechterhalten werden kann. Dies sollte durch eine Kombination von Güter- und Personenverkehr ermöglicht werden. Es zeigte sich jedoch, dass dieses Ziel mit spärlichem Verkehr nicht erreicht werden kann.

Zur Wiederherstellung der Strecke bot sich die Landesgartenschau 2000 in Luckau an, zu der ein Sonderverkehr zwischen Lübben und Luckau eingerichtet wurde.Peter Neumann: Niederlausitzer Eisenbahn wird wieder belebt. Triebwagen pendelt ab April. In: Berliner Zeitung, 22. März 2000 Die beantragte Bestellung des Verkehrs wurde jedoch zur Vermeidung eines Präzedenzfalles vom Land Brandenburg abgelehnt. Auch wurde die NLE nicht in ein Bahn/Bus-Kombiticket aufgenommen, da der Landkreis Dahme-Spreewald als Eigentümer der Regionalen Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald mbH (RVS) dies ablehnte. Die Konsequenz war eine relativ geringe Auslastung der DRE-Züge.Deutscher Bahnkundenverband: Aus Angst vor Fahrgästen: keine Bestellung auf der NLE. In: Signal, Heft 4–5/2000, S. 25 f., GVE-Verlag Berlin,

Im Jahresfahrplan 2000 waren im Zeitraum 28. Mai bis 15. Oktober an Wochenenden drei Fahrtenpaare zwischen Luckau-Uckro und Lübben vorgesehen, wobei je ein Zugpaar nach Herzberg (Elster) Stadt und Falkenberg (Elster) verlängert war. Jedoch hat der Landesbevollmächtigte für Bahnaufsicht (LfB) des Landes Brandenburg dem eingesetzten MAN-Schienenbus wegen der für dieses Bundesland fehlenden Zulassung bereits nach drei Tagen den Betrieb untersagt. Da der Triebwagen jedoch die Zulassung für Deutschland besaß, konnte dieser den Betrieb im Dezember wieder aufnehmenPeter Neumann: Privatbahn fährt am Wochenende nach Luckau. Rechtsstreit beigelegt. In: Berliner Zeitung, 9. Dezember 2000 (die Fahrten fanden an den Wochenenden 9./10. und 16./17. Dezember 2000 statt).

Ein weiteres großes Ereignis war der 6. Brandenburg-Tag in Luckau am 1. und 2. September 2001. Hierzu wurde ein Stunden-Taktverkehr zwischen Lübben und Luckau-Uckro mit zwei Zügen eingerichtet, die jeweils in Luckau wendeten. Einzelne Fahrten wurden nach Groß-Leuthen-Gröditsch bzw. Falkenberg (Elster) verlängert. Ansonsten sah der Saisonfahrplan vom 10. Juni bis 31. August 2001 an Wochenenden und Feiertagen wieder Personenverkehr zwischen Falkenberg und Groß Leuthen-Gröditsch vor.

Der Fahrplan vom 16. Juni bis 3. November 2002 sah vier Zugpaare zwischen Lübben Süd und Groß Leuthen-Gröditzsch am Wochenende vor. Dabei wurde jeweils ein Zugpaar nach Alt Herzberg und Luckau-Uckro verlängert.

Im Jahr 2003 (18. April bis 2. November) sollten nur noch drei Zugpaare zwischen Lübben Süd und Groß Leuthen-Gröditzsch am Wochenende verkehren, wobei zwei bereits in Luckau-Uckro begannen bzw. endeten. Am 14. September 2003 wurde der erst kürzlich hauptuntersuchte Uerdinger Schienenbus 798.01 vom LfB mit Amtshilfe der Polizei wegen angeblich technischer Mängel stillgelegt. Daraufhin wurde ein kurzfristig angemieteter Schienenbus der Hochwaldbahn am folgenden Wochenende eingesetzt. Da jedoch die geringe Nachfrage die Mietkosten nicht deckte, wurde am 26. September 2003 der Betrieb auf der NLE vorzeitig eingestellt.

2004 musste der Saisonstart wegen Gleisarbeiten im Raum Berga auf den 1. Mai verschoben werden. Der Jahresfahrplan endete am 3. Oktober. In Abweichung zum Vorjahr wird einmal Alt-Herzberg mit dem neu eingesetzten Uerdinger Schienenbus an Sonn- und Feiertagen angesteuert. An insgesamt fünf Wochenenden gab es verdichteten Sonderverkehr zwischen Alt Herzberg und Schlieben.

Im Jahr 2005 fand trotz des veröffentlichten Jahresfahrplans außer den Fahrten zum Schliebener Moienmarkt kein Schienenpersonenverkehr auf der NLE statt. Dies war wegen Bauarbeiten an verschiedenen Stellen (Streckensanierung östlich von Luckau-Uckro, Sanierung der Brücken über die Schwarze Elster in Herzberg und über die Dresdener Bahn bei Langengrassau, Neuerrichtung von Bahnsteigen und Erneuerung der Bahnübergangssicherung an der Bundesstraße 87) sowie zum Wiederaufbau der Strecke zwischen Groß Leuthen-Gröditsch und Beeskow erforderlich. Letzteres konnte allerdings bis heute nicht umgesetzt werden.

Nach längerer Vorbereitung (Gleissanierung, Bahnsteigbau, Abstellhalle, Modernisierung des Schienenbusses) erfolgte am 30. Juni 2006 die Jubiläumsfahrt des Bürgerbahnprojektes Elbe-Elster-Express zwischen Falkenberg (Elster) und Schlieben. Dabei wurde in der Leader+-Region Wald- und Heideland im Elbe-Elster-Kreis die Idee des Deutschen Bahnkundenverbandes (DBV) umgesetzt, durch Eigeninitiative den Schienenpersonennahverkehr im ländlich geprägten Raum aufrechtzuerhalten beziehungsweise wiedereinzurichten. Die Idee der Bürgerbahn basiert auf den zahlreichen Bürgerbus-Projekten, in denen ehrenamtliche Fahrer mit Kleinbussen den öffentlichen Personenverkehr im ländlichen Raum ermöglichen.