mini|Michael Triegel (re), Neo Rauch und Rosa Loy bei der Finissage zur Triegel-Ausstellung „Verwandlung der Götter“, Leipzig 2011
Michael Triegel (* 13. Dezember 1968 in Erfurt) ist ein deutscher Maler, Zeichner und Grafiker. Er lebt und arbeitet in Leipzig.
Leben und Werk Nach dem Abitur 1987 arbeitete Michael Triegel zunächst als Schrift- und Grafikmaler. 1990 begann er das Studium der Malerei und Grafik bei Arno Rink an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, das er 1995 mit Diplom abschloss. Nach eigenen Aussagen fällt in diese Zeit sein künstlerisches Erweckungsmoment in einer römischen Kirche: Zeit Magazin vom 9. Juni 2011. Regelmäßige Reisen nach Italien, Großbritannien und in die Schweiz prägten seine Landschaftsmalerei. Als Landesstipendiat absolvierte er von 1995 bis 1997 ein Aufbaustudium bei Ulrich Hachulla und erhielt 1998 das Meisterschülerdiplom. 1996 erhielt Michael Triegel den Deutschen Kunstpreis der Volks- und Raiffeisenbanken und drei Jahre später den Helen-Abbott-Förderpreis, Berlin-New York für bildende Kunst. 1998 erhielt er den Kunstpreis Der Mensch im Raum der Dragoco AG. 2009 folgte die Verleihung des Kulturpreises Kunst und Ethos vom Verlag Schnell und Steiner.
Mit der Ausführung des Wandbildes im historischen Rathaus Plochingen (Baden-Württemberg) im Jahre 2000 wurde auch eine breite Öffentlichkeit auf Michael Triegel aufmerksam. Seine Allegorie der Guten Regierung lehnt sich an die bereits in der italienischen Frührenaissance entstandenen Rathausbilder an. Triegel entwirft hierbei ein Panorama allegorischer Darstellungen, die ein Programmbild repräsentativer Stadtführung entstehen lassen.
Auf Empfehlung von Werner Tübke erhielt Triegel seinen ersten kirchlichen Auftrag, die Neugestaltung der Predella für den spätgotischen Schnitzaltar in der kleinen Kapelle in Barsinghausen-Langreder bei Hannover. 2005 wurde ihm die Ausführung eines Flügelaltars durch die evangelische Kirchengemeinde von Grave im Weserbergland anvertraut, den er 2006 vollendete. Der Altar zeigt im geschlossenen Zustand eine Darstellung des Jüngsten Gerichts, in der Triegel der Christusfigur sein eigenes Antlitz verliehen hat. Die Innenansicht zeigt mittig eine Anbetung des Kindes, der linke Flügel die Taufe Christi, der rechte eine Abendmahlszene. Noch im selben Jahr erteilte man ihm als Wettbewerbssieger unter dem Thema Gottes Wort den Auftrag für die Neugestaltung eines abgebrannten Seitenaltarretabels in der Pfarrkirche St. Laurentius (Ebern) in Unterfranken. Ende 2007 wurde es vollendet und eingeweiht. Die Außenansicht zeigt Abraham und Isaak, im Zentrum der Innenansicht steht die Bekehrung Pauli, links davon offenbart sich die Steinigung des Stephanus, rechts die Auferweckung der Tabea.
Die Ausführung eines Deckengemäldes für die Dommusik in Würzburg 2009/2010 setzt die Reihe der kirchlichen Aufträge fort. Das mit 3,8 m mal 2,3 m monumentale Deckenbild mit dem Titel Harmonia Mundi kann hierbei als Beispiel nicht nur für die handwerkliche Virtuosität Triegels dienen, sondern auch als Beweis seiner umfassenden geistes- und kulturgeschichtlichen Bildung. Mittels der Kombination verschiedener Göttergestalten, wie Pan, Apoll oder Athene, gelingt ihm die Verbildlichung der „auf der Ordnung der Zahlen beruhende[n] Weltdeutung des Pythagoras.“Richard Hüttel: Michael Triegels Harmonia Mundi. In: Richard Hüttel (Hrsg.): Michael Triegel. Verwandlung der Götter. 2010, S. 192.
Das 2009 geschaffene Porträt des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller bereitete Triegel den Weg hin zur Auftragsvergabe, 2010 Papst Benedikt XVI. zu malen. Das Bistum Regensburg beauftragte ihn mit einem Porträt für das Institut Papst Benedikt XVI. Es wurde am 27. November 2010 zusammen mit sämtlichen Vorarbeiten und Studien im Museum der bildenden Künste in Leipzig der Öffentlichkeit vorgestellt. Karin Schulze schrieb dazu im Spiegel:
Sven Behrisch schrieb in der Zeit:
Eine zweite Fassung des Porträts von Benedikt XVI., dem ersten ähnlich, wurde am 16. April 2013, dem 86. Geburtstag Benedikts XVI., in der deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl enthüllt. Ein weiterer Höhepunkt im Jahr 2010 und Beweis für die breite öffentliche Anerkennung seines kontrovers diskutierten Werks stellte die erste umfassende Retrospektive Verwandlung der Götter im Leipziger Museum der bildenden Künste dar. Über 60 Gemälde erlaubten einen repräsentativen Einblick in sein Œuvre und gaben dem Kunstpublikum die Möglichkeit, die künstlerische Entwicklung Michael Triegels von der Mitte der 1990er Jahre bis zum Jahr 2010 nachzuvollziehen. Ende des Jahres 2010 erhielt Triegel einen weiteren Auftrag durch die katholische Kirche. Für die neu renovierte Stadtpfarrkirche St. Augustinus in Dettelbach (Bistum Würzburg) fertigte er ein Altarretabel mit Szenen aus dem Leben des Heiligen Augustinus. Der Flügelaltar wurde am Gedenktag des Heiligen Augustinus, am 28. August 2011, geweiht. Das Werk Karfreitag 1300 entstand 2012.
In der Osternacht 2014 wurde Triegel von Bischof Heiner Koch in der Dresdner Hofkirche katholisch getauft. Im Zeitraum 2014/15 gestaltete Michael Triegel zwei Thermenfenster in der Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in Köthen.
Von 2020 bis 2022 schuf er eine neue Mitteltafel für den Marienaltar von Lucas Cranach im Westchor des Naumburger Doms, von dem nur die Seitenflügel erhalten waren.So hat ein Leipziger Künstler den Marienaltar im Naumburger Dom vervollständigt, MDR vom 8. Juli 2022, abgerufen am 8. Juli 2022. Im Dezember 2022 wurde der gesamte Marienaltar samt der Mitteltafel aufgrund der Intervention der Denkmalschutz-Behörde wieder entfernt, kehrte aber im Dezember 2023 wieder an seinen Standort im Westchor zurück, wo er vorbehaltlich einer im Juli 2025 erwarteten endgültigen Klärung wieder zu sehen war. Vgl. Naumburger Dom, Das Altarprojekt im Naumburger Westchor. Vgl. ferner Karl Schwind (Hrsg.), Triegel trifft Cranach. Die Entstehung des Naumburger Altars von Michael Triegel. Edition Galerie Schwind, Leipzig u. a. 2022; Georg Habenicht, Der Naumburger Bilderstreich zum Triegel-Cranach-Altar. Ein Kunststück in fünf Aufzügen. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2023; Karin von Welck, Andreas Ranft (Hrsg.): Das Cranach-Triegel-Retabel im Westchor des Naumburger Doms. Geschichte – Deutung – Wirkung. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2024. Das daraufhin vorliegende Urteil der UNESCO verlangt den Standortwechsel vom Westchor zum Nordquerhaus. Da hierfür weiterer Klärungsbedarf besteht, wird der Altar seit Herbst 2025 vorerst für voraussichtlich zwei Jahre in einer Kirche in Rom ausgestellt.Vgl. auch den Film Triegel trifft Cranach – Malen im Widerstreit der Zeiten. Regie: Paul Smaczny, 2025, Accentus Music GmbH
Das Werk Michael Triegels umfasst bisher Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Radierungszyklen. Neben Landschaften, Stillleben und Porträts sind es vor allem die komplexen künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem antik-mythologischen und christlich-heilsgeschichtlichen Erbe, die als charakteristisch für seine Kunst wahrgenommen werden. Immer wieder wird Triegel deshalb auch in eine Traditionslinie mit renommierten Künstlern aus der ehemaligen DDR gerückt, so vor allem Werner Tübke.Wolf-Dietrich Löhr: Was siehst Du? Zu Michael Triegels Spiel mit der Fragwürdigkeit der Bilder. In: Richard Hüttel (Hrsg.): Michael Triegel. Verwandlung der Götter. 2010, S. 65. Neben der Aufarbeitung biblisch-mythologischer Stoffe und deren Übertragung in die eigene Gegenwart verbindet ihn mit Tübke auch die zeichnerische Präzision, das handwerkliche Können. Das wurde Triegel in seinem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst vermittelt. Seine Arbeitsweise ist sehr zeitintensiv. Auf einem aufwendig grundierten Malgrund wird die Komposition der zentralen Linien und Objekte festgehalten. Dann arbeitet der Künstler mit reduzierten Grisaille-Tönen sukzessive einzelne Partien plastisch heraus. Die Farbe wird schließlich in vielen Lasuren aufgetragen, um eine intensive und strahlende Farbwirkung zu erzielen.
Stilistisch orientiert sich Michael Triegel überwiegend an den Malern der italienischen Renaissance und des Manierismus, wie Raffael, Leonardo, Pontormo oder Bronzino. Dabei geht es ihm nicht um ein bloßes kunsthistorisches Zitat, sondern vielmehr um die Suche nach „Gegenmodellen“Peter Guth: Mystik, Spiel und göttlicher Funken. In: Karl Schwind (Hrsg.): Michael Triegel. Im Spiegel die Welt. 2003, S. 17. und Archetypen.
Michael Triegel ist mit der Künstlerin und Illustratorin Christine Salzmann verheiratet. Sie sind Eltern einer erwachsenen Tochter.
Aufgrund einer Betroffenen in seinem engen persönlichen Umfeld engagiert sich Triegel für die Mukoviszidose-Hilfe. Er war mehrmals Schirmherr des Leipziger Mukolaufs – ein jährlicher Spendenlauf des Vereins „Mukoviszidose Selbsthilfe Leipzig e. V.“. mini|Triegel erhält Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig 2025 Michael Triegel erhielt am 29. April 2025 im Paulinum die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig für seine „herausragende künstlerische Aufnahme und Interpretation biblischer, christlich-religiöser und antiker Motive und Symbole“.
Werkstandorte Triegels Werke befinden sich im Kunstmuseum Walter in Augsburg, Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen, im Bundespräsidialamt Schloss Bellevue Berlin, in der Stadtpfarrkirche St. Augustinus Dettelbach, in St. Laurentius zu Ebern, im Angermuseum Erfurt, in der Evangelische Kirche, Grave, in der Kunstsammlungen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, im Leipziger Museum der bildenden Künste, in der Kunsthalle der Sparkasse Leipzig, Grassimuseum Leipzig, in der Sammlung der Leipziger VNG AG, in der Kunstsammlung Galerie Leipziger Hof, in der Sammlung Fritz P. Mayer, Kunstsammlung Dresdner Bank Naumburg, im Rathaus Plochingen, im Kulturamt des Landkreises Prignitz, in der Sammlung der Ostdeutschen Landesbausparkasse Potsdam, im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, im Kartäusermuseum Tückelhausen, im Minneapolis Institute of Art in den USA, in St. Mauritius Wiesentheid, in der Sammlung der Commerzbank zu Wittenberg, in der Würzburger Dommusik, im Museum am Dom in Würzburg, in St. Peter und Paul Würzburg, in den Städtischen Museen Zittau sowie in verschiedenen privaten Sammlungen.
Das Gemälde „Menschwerdung“ aus dem Jahr 2017 befindet sich in der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Oswald in Baunach.
Ausstellungen (Auswahl) 1995: Neue Sächsische Galerie, Chemnitz 1996: Galerie Hotel Leipziger Hof 1996: Nassauischer Kunstverein, Wiesbaden 1996: Kunstmuseum, Bonn 1997: Museum der bildenden Künste, Leipzig 1997: Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 1997: Kunstverein Pirmasens, Pirmasens 1998: Art Show, New York 1999: Stadtmuseum, Bautzen 1999: Rupertinum, Salzburg 2000: Schloss Arolsen, Bad Arolsen 2000: Museum für Moderne Kunst, Bozen 2000: Art Frankfurt, Frankfurt am Main 2001: Kunstverein, Frankfurt am Main 2002: Art Cologne, Köln 2002: ARCO, Madrid 2002: Jesuitenkirche, Aschaffenburg 2002: Museum Maagdenhuis, Antwerpen 2003: Museum am Dom, Würzburg 2003: St.-Matthäus-Kirche, Berlin 2003: Neues Museum, Güstrow 2004: Museum am Dom, Würzburg 2005: Galerie Schwind, Leipzig 2006: Panorama Museum, Bad Frankenhausen 2007: Museum Giersch, Frankfurt am Main 2007: Kunstverein Südsauerland, Olpe/Biggesee 2008: Museum am Dom, Würzburg 2008: Galerie Schwind, Leipzig/Frankfurt am Main 2008/2009: Leopold Museum, Wien 2009: Drents Museum, Assen, Niederlande 2009: Kunstverein Panitzsch bei Leipzig 2010: Museum St. Ulrich, Regensburg 2010: Galerie Alain Blondel, Paris 2010/2011: Museum der bildenden Künste, Leipzig (Verwandlung der Götter) 2011: Stiftung St. Matthäus, Berlin (Per Visibilia ad Invisibilia) 2011: Dommuseum Frankfurt (Papst Benedikt XVI Porträts)