mini|Peter Stein (2015) Peter Stein (* 1. Oktober 1937 in Berlin) ist ein deutscher Theater-, Opern- und Filmregisseur und ehemaliger Theaterleiter. Er führte Regie an international maßgeblichen Bühnen. Zahlreiche seiner Inszenierungen haben Theatergeschichte geschrieben, insbesondere die bahnbrechenden Aufführungen an der Berliner Schaubühne, die er inhaltlich erneuert und seinerzeit zum bedeutendsten Theater der Bundesrepublik gemacht hatte.Gerhard Stadelmaier: Kein Kind seiner Zeiten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 1. Oktober 2007.

Leben Peter Stein ist der Enkel von Rudolf Stein, der seit den 1920er Jahren eine Motorradfabrik besaß und leitete. Sein Vater Herbert Stein studierte Maschinenbau in Hannover und ging später nach Berlin zur Firma ATE Alfred Teves als technischer Direktor im Bereich Motorenbau und nach Kriegsende als Werksleiter nach Südbaden. Hier wurde Peter als Neunjähriger im Jahr 1946 in Blumberg eingeschult. Nach nur zwei Jahren in der Grundschule wechselte er 1948 auf das Fürstenberg-Gymnasium in Donaueschingen, das er bis 1953 besuchte. Steins Vater wurde 1953 Direktor der Firma ATE in Frankfurt am Main, Peter wechselte an das Frankfurter Lessing-Gymnasium. Er fiel wegen häuslicher Auseinandersetzungen in den Leistungen stark ab. Dennoch konnte er bis zum Abitur 1956 wieder aufholen und zu einem der besten seines Jahrgangs werden. Er studierte Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte von 1956 bis 1958 in Frankfurt am Main und von 1958 bis 1964 in München.John O’Mahony: Master of the rebels. In: The Guardian, 9. August 2003. Eine Dissertation über E. T. A. Hoffmanns Erzählungen brach er aus Unzufriedenheit mit seiner Arbeit wieder ab.

Stein war von 1967 bis 1984 mit der Schauspielerin Jutta Lampe verheiratet und von 1985 bis 1990 mit Beatrice Leppert. Seit 1999 ist er mit der italienischen Schauspielerin Maddalena Crippa verheiratet. Seit einigen Jahren lebt Stein mit seiner Frau in dem Gutshof San Pancrazio nahe Rom und betreibt dort auch Landwirtschaft mit dem Anbau von Oliven, Wein und Obst.

Er ist Kuratoriumsmitglied der Akademie für gesprochenes Wort in Stuttgart.

Wirken Erste Theatererfahrungen und -erfolge In München besuchte er regelmäßig die Münchener Kammerspiele und begeisterte sich für die Arbeit von Fritz Kortner. Nach Beendigung seines Studiums begann er bei den Kammerspielen als Kortners Assistent. 1967 erhielt er dort erstmals Gelegenheit zu einer eigenen Inszenierung: Gerettet von Edward Bond. Die Zeitschrift Theater heute schrieb, dass mit Stein „eine neue Generation im deutschen Theater“ erschienen sei. Für einen Theaterskandal sorgte er durch eine Spendensammlung nach einer Aufführung des Vietnam-Diskurses von Peter Weiss 1968. Stein wurde daraufhin von Intendant August Everding entlassen.

Zunächst ging er nach Zürich und dann zu Kurt Hübners Theater in Bremen. Am Theater Bremen sammelte Hübner in den 1960er Jahren einige aufstrebende junge Regisseure und viele talentierte Schauspieler um sich. So trug auch Peter Zadek mit seinen Inszenierungen von Frank Wedekinds Frühlings Erwachen oder Friedrich Schillers Die Räuber zum besten Theater in Westdeutschland in dieser Zeit bei. Peter Stein konnte 1969 zu dieser Reihe von Inszenierungen, die der Pop-Art verpflichtet waren, Johann Wolfgang Goethes Torquato Tasso beisteuern – eine bis heute paradigmatische Inszenierung.

Schaubühne 1970 kam Stein mit seinem in Bremen und Zürich gewachsenen Ensemble an die Schaubühne am Halleschen Ufer in Berlin, die er, geprägt durch die politischen Ereignisse rund um 1968, in Form eines Mitbestimmungstheaters leitete. Mit dem Schaubühnenensemble entwickelte und vervollkommnete er seinen Regiestil, und nicht wenige seiner Mitstreiter entwickelten sich zu Theaterstars, so Edith Clever, Jutta Lampe, Otto Sander, Udo Samel, Ernst Stötzner und Bruno Ganz. Der große Erfolg seiner Inszenierungen in dem sehr kleinen Theater am Halleschen Ufer ermöglichte es ihm 1981, in ein neues Haus umzuziehen, das nach seinen Wünschen gebaut wurde. Es entstand mit der Schaubühne am Lehniner Platz ein multifunktionales Haus, dessen technischer Standard bis heute (2014) in der deutschen Theaterszene unübertroffen ist.

1985 legte Stein die künstlerische Leitung des Hauses nieder, arbeitete fortan freischaffend und kam nur für einzelne Projekte an die Schaubühne zurück. Schaubühne: Geschichte, 1970–1985, abgerufen am 26. April 2017

mini|Fierrabras, Salzburger Festspiele 2014

Salzburger Festspiele

Von 1991 bis 1997 leitete Stein das Schauspiel bei den Salzburger Festspielen und begann seine Intendanz mit zwei monumentalen Shakespeare-Inszenierungen in der Felsenreitschule: Julius Caesar (1992) und Antonius und Cleopatra (1994). Er sorgte für die Gleichstellung des Schauspiels mit Oper und Konzert, fand als neue dauerhafte Spielstätte die Pernerinsel in Hallein und inszenierte – mit Libussa und Der Alpenkönig und der Menschenfeind – zwei österreichische Klassiker.

In Salzburg wandte er sich auch der Oper zu und setzte 1996 Moses und Aron und 1997 Wozzeck in Szene, mit Pierre Boulez bzw. Claudio Abbado am Pult. 2011 kehrte er für Verdis Macbeth (Dirigent Riccardo Muti) nach Salzburg und in die Felsenreitschule zurück. 2013 inszenierte er im Großen Festspielhaus Verdis Don Carlos (Dirigent Antonio Pappano), 2014 im Haus für Mozart Fierrabras von Franz Schubert (Dirigent Ingo Metzmacher).

Das Faust-Projekt

Für die Expo 2000 in Hannover inszenierte er den kompletten Faust von Johann Wolfgang Goethe – ungekürzt mit allen 12.110 Versen des ersten und zweiten Teiles. Für diese 15-Millionen-Euro-Produktion gründete Stein seine eigene Firma mit über 80 Mitarbeitern, die Produktionsleitung oblag Vera Neuroth, die kaufmännische Leitung Christian Meyer. Das Ensemble bestand dabei aus 35 Schauspielern, darunter als Gaststars in den Hauptrollen Bruno Ganz, Johann Adam Oest, Robert Hunger-Bühler und Dorothee Hartinger. Peter Stein beginnt Faust-Projekt. In: Hamburger Abendblatt, 1. September 1999, abgerufen am 26. April 2017. Susanne Steinrück: „… Gültig wie das Matterhorn“, ein Interview mit dem Faust-Regisseur Peter Stein. In: Der Europäer, Jg. 6, Nr. 5, März 2002, abgerufen am 26. April 2017

Wallenstein Stein inszenierte mit dem Berliner Ensemble ab Mai 2007 auf dem Gelände der alten Kindl-Brauerei in Berlin-Neukölln die elf Akte der „Wallenstein“-Trilogie von Friedrich Schiller in einer zehnstündigen Aufführung. Klaus Maria Brandauer spielte die Titelrolle.Gerhard Stadelmaier: Wahnsinn Wallenstein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Mai 2007. Mit Brandauer in der Hauptrolle inszenierte Stein auch den Zerbrochnen Krug am Berliner Ensemble (2008) und König Lear am Wiener Burgtheater (2013).

Scala 2016 inszenierte er Die Zauberflöte an der Mailänder Scala. 2017 inszenierte er dort Don Carlos, eine Übernahme seiner Produktion von den Salzburger Festspielen 2013.

Ehrungen 1970: Deutscher Kritikerpreis 1971: Deutscher Kritikerpreis für Schaubühne Berlin, Ensemble von Peer Gynt 1978: Schillerpreis der Stadt Mannheim 1988: Goethepreis der Stadt Frankfurt am MainFrankfurt am Main: Goethepreis bei frankfurt.de 1989: Theaterpreis Berlin 1992: Ritter der französischen Ehrenlegion 1993: Erasmuspreis 1996: Fritz-Kortner-Preis der Zeitschrift Theater heute 2001: Goldene Goethe-Medaille der Goethe-Gesellschaft in Weimar 2005: Ehrendoktorwürde der Universität Salzburg 2008: Ehrenbürgerwürde der Friedrich-Schiller-Universität Jena 2008: Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland 2008: Orden der FreundschaftUkas des Präsidenten Russlands vom 29. Oktober 2008 Nr. 1539 der Russischen Föderation 2009: Zürcher Festspielpreis 2011: Aufnahme in den Orden Pour le Mérite 2011: Europäischer Theaterpreisorf.at: Europäischer Theaterpreis. Artikel vom 16. April 2011, abgerufen am 29. November 2017. 2012: Großes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland 2015: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse

Filmografie von Peter Stein 1969: Torquato Tasso (Inszenierung, Theaterstück fürs Fernsehen) 1976: Sommergäste (als Regisseur, Fernsehfilm nach Maxim Gorki) 1983: Klassen Feind (als Regisseur, Filmdrama) 2002: Carrie (Dialogbuch und Dialogregie, US-Horrorfilm)

über Peter Stein 1987: Eine Bühne verändert die Theaterlandschaft. Peter Stein und die Schaubühne. Film von Hans-Christoph Knebusch, Produktion: ZDF 1992: Peter Julius Caesar Stein. Shakespeares Schauspiel in Salzburg. Buch und Regie: Norbert Beilharz, Produktion: ARTE 1994: Antiken-Drama im Armeetheater. Peter Stein inszeniert die Orestie in Moskau. Ein Bericht von Andreas Christoph Schmidt, Produktion: SFB. 1995: Schaubühne Berlin. Von Peter Stein zu Andrea Breth. Des „années Stein“ à nos jours. Ein Film von Helmar Harald Fischer, Produktion: SFB. 25 Jahre Schaubühne Berlin 2013: Peter Stein in Square: geradlinig und geradeheraus. Gespräch mit Video-Einspielungen, Deutschland, 2013, 43 Min., Moderation: Anja Höfer, Produktion: arte, Reihe: Square, Erstsendung: 31. März 2013 bei arte, Inhaltsangabe von arte 2013: Lontano – Die Schaubühne von Peter Stein von Andreas Lewin, Kinodokumentarfilm, 90 min., Erstaufführung Akademie der Künste am 7. September 2013 2015: Peter Stein – 46 Videos, Ausstellungskatalog von Christian Meyer, Hg. Wallenstein Betriebs-gGmbH und Wiener Künstlerhaus

Literatur Dagmar Hahn, Jochen Hahn (Hrsg.): Die Orestie des Aischylos. Die Inszenierung von Peter Stein in Moskau 1994. Fotografien von Bernd Uhlig. Alexander Verlag, Berlin 1994, ISBN 978-3-89581-024-4 Gerhard Kaiser: Gibt es einen 'Faust' nach Peter Stein? 'Faust' in Weimar. Dramatische Zuspitzung nach Steins leuchtender theatralischer Bilderflut. In: Goethe-Jahrbuch 118 (2001), S. 315–321 (online) Michael Patterson: Peter Stein. Germany's leading theatre director. Cambridge University Press, Cambridge 1981 Roswitha Schieb: Peter Stein. Ein Portrait. Berlin-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-8270-0540-X Roswitha Schieb (Hrsg.): Peter Stein inszeniert Faust von Johann Wolfgang Goethe. Das Programmbuch Faust I und II. [anlässlich der Aufführung der Faust-Inszenierung von Peter Stein auf der EXPO in Hannover (22./23. Juli – 24. September 2000), in Berlin (21./22. Oktober 2000 bis 15. Juli 2001) und in Wien (8./9. September – 16. Dezember 2001)]. Unter Mitarbeit von Anna Haas. DuMont, Köln 2000, ISBN 3-7701-5418-5

Weblinks

„Gründerfigur des Theaters“, Neue Zürcher Zeitung, 1. Oktober 2007, Luc Bondy zu Steins Theaterarbeit „Ein Feldherr ohne Armee. Peter Stein liest Schillers „Wallenstein“ – in Berlin. Und schaut zurück auf seine Bühnen. Begegnung mit einer Legende“, Tagesspiegel, 1. Oktober 2005 Benjamin Henrichs: Benjamin Henrichs über Peter Steins Kritikerbeschimpfungen. In: Die Zeit, Nr. 49, 1996

Interviews „Glücksmaschine Theater“. In: Lettre International, Nr. 94, Herbst 2011, Auszug des Gesprächs mit Frank M. Raddatz „Haben Sie etwa das Gefühl, ich sei kokett?!“ In: Hamburger Abendblatt, 23. Oktober 2009 Audio- und Videoaufnahmen mit Peter Stein im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek (Interviews und Proben- und Aufführungsmitschnitte)

Einzelnachweise

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