mini|Oktoberfest in München mini|Gäubodenvolksfest in Straubing – Von der Donaubrücke mit Blick aufs Geschehen mini|Riesenrad und Losbude auf dem Cannstatter Volksfest in Stuttgart mini|Pfeilwerfen auf Ballons, ein Volksfestvergnügen mini|Gesamtansicht Hamburger Dom mini|Riesenrad am Albanifest in Winterthur Ein Volksfest (auch Kirmes, Jahrmarkt oder Rummel genannt) ist ein im Brauchtum verankertes regionaltypisches Fest, das häufig eine lange Tradition besitzt. Oft beziehen sich die Volksfeste auf kirchliche Feste aus dem Mittelalter oder regional typische Bräuche. In Deutschland werden sie in kleinsten Dörfern und in Großstädten unterschiedlich gefeiert. Manche haben sich im Laufe der Jahrhunderte aus einem Jahrmarkt entwickelt, als welche sie auch häufig noch bezeichnet werden.

Beschreibung Im Unterschied zu Stadtfesten und anderen Großveranstaltungen wird das Erscheinungsbild eines Volksfestes von den zum Teil riesigen Fahrgeschäften (wie Kinder-Karussells und schnelle Rundfahrgeschäfte, Riesenrädern, Schiffschaukeln und fliegenden Teppichen, Achterbahnen, Wildwasserbahnen, Freifalltürmen, Autoscootern, Geisterbahnen, Kindereisenbahnen) und Laufgeschäften (wie Spiegellabyrinthen und Fun-Häusern) geprägt. Auch Riesenrutschen wie z. B. Wellenrutschen oder Toboggane erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie werden, wie auch die vielen anderen Attraktionen – von den mobilen Gastronomiebetrieben über die Festzelte bis zu den Spielgeschäften – von den Schaustellern betrieben. Selten geworden sind dagegen Schaugeschäfte, wie z. B. mobile Illusionsshows oder Sensationsdarsteller. Ebenfalls nur noch selten anzutreffen sind Belustigungsgeschäfte wie Teufelsrad (bei dem Gäste durch die Fliehkraft auf einer drehenden Scheibe nach außen von der Scheibe rutschen) und Rotor (wo die Gäste in einem rotierenden Zylinder – ebenfalls durch die Fliehkraft – an der rotierenden Wand haften). Da bei ihnen unbeteiligte Zuschauer von Tribünen o. ä. zusehen können, nehmen sie eine Zwischenstellung zwischen Fahr- und Schaugeschäft ein.

mini|Typische Beleuchtungen der einzelnen Betriebe mit Kappenlampen (hier auf dem Aachener Bend, 2007) Typisch sind auch die aufwendigen Beleuchtungen der einzelnen Betriebe, die vor allem durch zahlreiche Glühbirnen (bzw. heutzutage LED-Lampen) mit transparenten, bunten Gehäusen – den sogenannten Kappenlampen – realisiert werden und nach Anbruch der Dunkelheit für zusätzliches Ambiente sorgen sollen.

Große Volksfeste werden von bis zu 500.000 Leuten pro Tag besucht, doch sind genaue Zahlen nur schwer zu bekommen, da das Areal eines Volksfestes im Regelfall frei zugänglich ist und jeder auf dem Fest vertretene Schaustellerbetrieb als eigenständiges Unternehmen geführt wird. In den meisten Städten finden Volksfeste auf einem eigenen Platz, dem Festplatz statt. Es gibt aber auch Volksfeste, welche -wie die Soester Allerheiligenkirmes- in der Innenstadt stattfinden und bisweilen jedoch mehr Stadtfesten ähneln.

Je nach Organisationsform spricht man auch von Straßenfesten, wenn sich beispielsweise die anliegenden Läden und Firmen einer Einkaufsstraße dazu zusammenfinden. Volksfeste werden oftmals durch den Anstich eines Bierfasses durch einen hohen Kommunalpolitiker der Gemeinde, in der das Fest stattfindet, eröffnet. Während in Deutschland ein Volksfest oftmals aus Fahrgeschäften und Buden vieler verschiedener Schausteller von einem sogenannten „Platzmeister“ zusammengestellt wird, werden in anderen Ländern teilweise ganze Festplätze von einem einzigen Schausteller bestückt. Anders hingegen gestalten sich Volksfeste in kleineren Orten, Gemeinden oder Stadtteilen (Stadtteilfest) – dort oftmals Kirchweih oder Kerb genannt – bei dem der Schwerpunkt weniger in den Fahrgeschäften als in den feierlichen Aktivitäten liegt.

In ländlichen Gegenden besitzt der Besuch der eigenen oder der Kirmessen der Nachbardörfer/gemeinden eine lange Tradition. So wird eine Dorfkirmes von der dortigen Burschenschaft ausgerichtet, die dann von den Burschenschaften umliegender Orte besucht wird. Im Gegenzug fährt die ausrichtende Burschenschaft auf die Volksfeste der anderen. In der Regel ist bei einem größeren Volksfest (oft in einer Stadt) der Eintritt frei und sind die Attraktionen einzeln zu bezahlen. Es gibt allerdings auch Ausnahmen wie den FunFair Boulevard in den Niederlanden, bei dem ein geringer Eintrittspreis zu zahlen ist, der dann teilweise als Mindestumsatz wieder eingelöst werden kann. In den Niederlanden ist ein Preissystem verbreitet, bei dem der Veranstalter einen sehr geringen Maximalpreis für die Attraktionen festlegt. Da diese Maximalpreise teilweise deutlich unter den üblichen Preisen der Fahrgeschäfte liegen, werden die Fahrzeiten dann unter Umständen aus Kostengründen gekürzt oder die Schausteller vom Veranstalter subventioniert. Bei der größten Kirmes der Niederlande, der Tilburgse Kermis, werden die Preise dagegen von der aktuellen Nachfrage abhängig gemacht, so dass bei geringem Andrang mit einem niedrigen Preis gelockt wird und bei höherem Aufkommen die Preise erhöht werden.

Der Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute engagiert sich für ein digitales Archiv des Kulturguts Volksfest, mit dem ein deutsches Schausteller-Archiv als wissenschaftliches Nachschlagewerk für das Kulturgut Volksfest geschaffen werden soll.Grußworte Hans-Peter Arens, Ehrenpräsident – Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute e. V. kulturgut-volksfest.de; abgerufen am 25. März 2019 Auch gibt es Bestrebungen, verschiedene Fahrgeschäfte als technische Denkmäler zu erhalten.

Liste der größten Volksfeste in Deutschland mini|Bedeutende Volksfeste in Deutschland In Deutschland gibt es etwa 9750 Volksfeste mit bis zu 200 Millionen Besuchern pro Jahr.Svenja Brüggemann: Die Fahrt ins Paradies. In: Monumente, 6/2022, S. 68–73, hier S. 70. In der nachfolgenden Liste sind einige der größten und berühmtesten deutschen Volksfeste – sortiert nach Besucherzahlen – aufgeführt. Alle Zahlen sind ungefähre Angaben, die Besucherzahlen sind witterungsbedingt starken Schwankungen ausgesetzt. Es muss auch darauf hingewiesen werden, dass die Vergleichbarkeit der Zahlen problematisch ist, da nach unterschiedlichen Zähl- beziehungsweise Schätzverfahren vorgegangen wird.

Das subjektive Empfinden der Größe eines Volksfestes ist stark von belegter Fläche und der Besucherzahl pro Tag bestimmt. Während sich das Cannstatter Volksfest in Stuttgart und das Münchner Oktoberfest in puncto Fläche deutlich von anderen deutschen Volksfesten absetzen, fallen bei der täglichen Besucherzahl neben diesen mehrere Volksfeste kleinerer Städte auf.