Elstal ist mit 5882 Einwohnern (Stand: 31. Juli 2026) der größte Ortsteil der havelländischen Gemeinde Wustermark, nördlich von Potsdam und westlich von Berlin.
Geschichte mini|Wasserturm des Rangierbahnhof Wustermark in Elstal.
Entstehung bis 1945 Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auf freier Flur der Verschiebebahnhof Wustermark angelegt. 1909 ging der Bahnhof in Betrieb. Er wurde zu einem der größten Rangierbahnhöfe in Deutschland. Der Bau von Wohnungen (nach Vorbild des Ortes Gieschewald) für die Bahnmitarbeiter verzögerte sich durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Am 1. November 1918 wurde aus Teilen der Gemarkungen Dyrotz, Hoppenrade, Buchow-Karpzow und Ferbitz der Gutsbezirk Elstal mit einer Fläche von etwa 184 Hektar gebildet, worauf in den folgenden Jahren die Eisenbahnersiedlung Elstal entstand. 1920 konnten die ersten Wohnungen bezogen werden. Im selben Jahr wurde in der Siedlung eine Schule erbaut. Auch das Bahnbetriebswerk Wustermark neben dem Rangierbahnhof entstand im selben Zeitraum. Zum Bahnbetriebswerk Wustermark gehörten zwei Ring-Lokschuppen, zwei Drehscheiben, vier Bekohlungsanlagen und ein 56 Meter hoher Wasserturm, der zum Wahrzeichen der Ortschaft wurde.
Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Elstal aufgelöst und eine eigenständige Gemeinde Elstal gegründet. Aus dem Gutsbezirk Dyrotz wurde ihr zusätzlich eine Fläche von 40 Hektar zugeordnet. 1930 erhielt die junge Kommune, die zu diesem Zeitpunkt aus 86 Häuserblöcken mit insgesamt 376 Haushalten bestand, einen Marktplatz mit einem größeren Geschäftskomplex, in dem eine Fleischerei, eine Bäckerei und weitere Geschäfte untergebracht waren. 1936 wurde auf dem Marktplatz eine evangelische Kirche errichtet.
1936 fanden in Berlin die XI. Olympischen Sommerspiele statt. Für die Sportler wurde ab 1934 in Dallgow an der Grenze zu Elstal ein Wohnkomplex als Olympisches Dorf erbaut. Nach den Olympischen Spielen wurde das Olympische Dorf militärisch genutzt, daneben ließen die Nationalsozialisten weitere Kasernen und einen Fliegerhorst errichten.
1945 bis heute Ab 1945 wurden der stark zerbombte Bahnhof sowie die Siedlung wieder aufgebaut, das Olympische Dorf diente als Heimstätte des Sowjetischen Armeesportklubs Elstal (SASK Elstal). Der Verschiebebahnhof Wustermark wurde 1963 in Wustermark Rangierbahnhof umbenannt. Der zum Bahnhof gehörende Personenhaltepunkt heißt seit 1996 Elstal.
1992 richtete die Gemeinde den sogenannten DEMEX-Park ein, ein 350.000 m² großes Gewerbegebiet, auf dem 2009 das 10.300 m² große Einkaufsdorf Designer Outlet Berlin eröffnet wurde. Durch das 6. Gemeinde-Neugliederungs-Gesetz im Oktober 1996 wurde das Olympische Dorf, das vorher auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Dallgow lag, Elstal zugeschlagen.
Im Jahr 1997 verlegte das Theologische Seminar des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (heute: Theologische Hochschule Elstal) seinen Sitz von Hamburg-Horn nach Elstal. Auf dem Gelände des Bildungszentrums befinden sich neben der Hochschule weitere Bildungseinrichtungen sowie unter anderem die Verwaltungszentrale des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und der Europäisch-Baptistischen Mission. Das Oncken-Archiv, das ebenfalls auf dem Gelände des Bildungszentrums liegt, beherbergt neben umfangreichen Sammlungen zur Geschichte des Baptismus und der Freikirchen auch den Nachlass des Wuppertaler Soziologieprofessors Peter Dienel. Er gilt als Erfinder des Bürgerbeteiligungsverfahrens Planungszelle. mini|Campus des Theologischen Bildungszentrums Elstal
Am 31. Dezember 2002 wurde die Gemeinde Elstal nach Wustermark eingegliedert. Ein Teil des bereits erwähnten Rangierbahnhofs wurde 2008 vom Rail & Logistik Center Wustermark (RLCW) übernommen. Von 2002 bis 2019 fand auf dem Bahnhofsgelände jährlich ein Eisenbahnfest durch den Verein Historia Elstal statt.
Am 18. März 2023 eröffnete das gemeinnützige Café Zwischenhalt in einem ehemaligen Eisenbahnwaggon der ÖBB.https://www.zwischenhalt.de/pdf/andersLEBEN.pdf
Neun Rechenzentren mit insgesamt 204 Megawatt im „Gewerbegebiet Nord Teil 1“ auf 35 Hektar für 3 Mrd. Euro baut seit Mai 2026 Virtus Deutschland. Die deutsche Niederlassung des britischen Rechenzentrumsbetreibers Virtus Data Centres, deren Hauptanteilseigner die US-amerikanische börsennotierte Beteiligungsgesellschaft KKR & Co. und die singapurische Konzern ST Telemedia Global Data Centres (STT GDC), ein Entwickler und Betreiber von Rechenzentren für Cloud-Computing, Künstliche Intelligenz (KI) und Hochleistungsrechnen (High Performance Computing, HPC) sind, planen die Inbetriebnahme 2028.
Bevölkerungsentwicklung +Einwohnerzahlen von 1925–2000Jahr19251928192919311939194719561974198719881989199019911993199519982000Einwohnerzahl12691324133012951417302417001864169118001731170316771655169818462442 +Einwohnerzahlen von 2001–2024Jahr2001200220032005200620082011201320142015201620172018201920202021202220232024Einwohnerzahl247228023126320032273261333534033587361739224047406857125775
Ortsgliederung
Politik Ortsbeirat Der aktuelle Ortsbeirat von Elstal besteht aus 7 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis: Partei / WählergruppeStimmenanteilSitzeCDU30,7 %2SPD25,0 %2Die Linke13,8 %1Wustermarker WählerGemeinschaft12,0 %1Bündnis 90/Die Grünen8,5 %1
Ortsvorsteher Amtierender Ortsvorsteher ist Matthias Kunze. Er wurde auf der konstituierenden Sitzung am 1. Juli 2024 zum Vorsitzenden des Ortsbeirates gewählt. +Bisherige Ortsvorsteher und BürgermeisterName Amtsbezeichnung Parteizugehörigkeit von bis BesonderheitenHerr OertelAmtsvorsteher19201929Heinrich NowackGemeindevorsteher1929Juli 1933Herr LangeGemeindevorsteherNSDAP19331945Richard FrenzBürgermeisterKPD1945März 1946durch die sowjetische Kommandantur für Elstal eingesetztHerr RotherBürgermeisterKPD1945März 1946durch die sowjetische Kommandantur für Elsgrund eingesetztHerr BöttgeBürgermeisterKPDMärz 1946Oktober 1948Herr WolterBürgermeisterSED18.11.1948April 1950Herr SchönrockBürgermeisterSEDMai 1950Februar 1952Herr KleyBürgermeisterSED1952Dezember 1959Edith BöttgeBürgermeisterinSEDMärz 1960März 1975Ingrid SchönefeldBürgermeisterinSEDApril 1975Februar 1983Peter WegenerBürgermeisterSED24.02.198330.06.1986Katrin SchieweBürgermeisterinDFD -parteilos1986November 1993Manfred SchieritzBürgermeisterCDU -parteilosDezember 199316.04.1996Dietmar SeibtBürgermeisterCDU07.07.1996Oktober 1998Erwin SchlüterBürgermeisterSPDOktober 1998Januar 2002Dietmar SeibtOrtsbürgermeisterCDU20022003Leon BucherOrtsbürgermeisterSPD19.11.200301.07.2006Lothar BahnemannOrtsbürgermeisterPDS04.07.20062008Sabine StollOrtsvorsteherinDie Linke22.10.20082014Matthias KunzeOrtsvorsteherSPD25.5.20142019Oliver KreuelsOrtsvorsteherCDU20192023Fabian StreichOrtsvorsteherDie Linke20232024
Sehenswürdigkeiten Zu den Sehenswürdigkeiten gehört der Rangierbahnhof, der seit 1993 unter Denkmalschutz steht. Besonderes Interesse findet auch das 1936 errichtete Olympische Dorf. Bei beiden Orten werden Führungen angeboten.
Am südlichen Ortsrand befindet sich ein 36 Hektar großes Schaugehege; es wurde 2006 von der Sielmannstiftung als Teil des Projektes Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide eröffnet. Die Gesamtgröße der Sielmanns Naturlandschaft beträgt ca. 3.600 Hektar.
Im Mai 2014 eröffnete in Elstal in der Nähe der B 5 Karls Erlebnis-Dorf. Zusätzlich zu diversen Attraktionen gibt es dort auch den Bauernmarkt und die Hofküche von Karls. Es gibt dort einen direkten Zugang zum Schaugehege von Sielmanns Naturlandschaften.
In Karls Erlebnisdorf entsteht 2026/2027 durch massive Geländeerweiterung – um 36.000 Quadratmeter – der weltweit erste Bibi & Tina-Freizeitpark (Namen nach dem beliebten Kinderhörspiel Bibi und Tina), das Richtfest fand am 1. Juli 2026 statt. Besuchern werden Reiterhofatmosphäre, Jahrmarkt, ein Festivalbereich mit Musikbühnen und ein Theater mit Lichtshow, überdachte Höfe und vor allem zahlreiche Tiere (Pferde, Hühner, ein Ziegenbock) geboten. Die beliebten Fahrgeschäfte werden um elf neue Attraktionen ergänzt, darunter ein Duelling Launch Coaster im Moebius-Design.Oliver Weinlein: Achterbahn, Hotel und freier Eintritt, Berliner Zeitung, 2. Juli 2026, S. 9.Zum Duelling Launch Coaster www.youtube.com, abgerufen am 3. Juli 2026.
Verkehr Elstal hat einen Bahnhalt an der Bahnstrecke Berlin–Lehrte, bedient von dem RE 4 sowie der RB 21. Er befindet sich am Rangierbahnhof Wustermark.
Der öffentliche Personennahverkehr wird unter anderem durch den PlusBus des Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg erbracht. Folgende Verbindungen führen, betrieben von Havelbus und ViP, durch Elstal: Linie 662: Elstal – Priort – Potsdam Linie 663: Nauen – Wustermark – Elstal – Dallgow-Döberitz Linie 668: Elstal Bahnhof – Karls Erlebnis-Dorf
Literatur Historia Elstal e. V.: 100 Jahre Elstal Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft. Wustermark OT Elstal 2018 Christian Bedeschinski, Bernd Neddermeyer: Der Rangierbahnhof Wustermark und die Eisenbahnersiedlung Elstal. VBN Verlag 2004, ISBN 978-3-933254-43-6 Christian Bedeschinski, Bernd Neddermeyer, Jörg Schulze: Vom Rangierbahnhof Wustermark zur Drehscheibe für Schienenverkehr und Bahntechnologie. VBN Verlag 2018, ISBN 978-3-941712-68-3 Peter Koehler, Wolfgang List: Das Bahnbetriebswerk zur Dampflokzeit. Transpress 1987, ISBN 978-3-87094-216-8 Wolfgang Cilleßen: Das Olympische Dorf 1936, Potsdam 1996 Andreas Heinze: Truppenübungsplatz Döberitz. Eigenverlag 2002
Weblinks
Historia Elstal: Chronik Historia Elstal: Ortsgliederung Beitrag in der RBB-Sendung Landschleicher vom 14. September 2008
Einzelnachweise
Kategorie:Wustermark Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Havelland) Kategorie:Gemeindeauflösung 2002 Kategorie:Ort im Landkreis Havelland