Feeling B war eine DDR-Punk-Band, die 1983 in Ost-Berlin unter dem Namen Feeling Berlin von Aljoscha Rompe gemeinsam mit Alexander Kriening und Paul Landers gegründet wurde. Sie zählte in der DDR zu den sogenannten anderen Bands und war die erste Amateurmusikgruppe, die noch unter dem DDR-Regime die Erlaubnis bekam, im staatseigenen Label Amiga eine Punkmusikplatte aufzunehmen. Mehrere Musiker gehören seit der Auflösung Feeling Bs Anfang 1994 der Band Rammstein an.

Bandgeschichte in der DDR Gründungsphase und Bandkultur Feeling B wurde 1983 unter dem Namen Feeling Berlin gegründet. Da es bereits eine Kapelle mit diesem Namen gab, nannte man sich in Feeling B um. Die Band bestand im Kern aus Paul Landers (Gitarre), „Flake“ Lorenz (Keyboard) – zu diesem Zeitpunkt 18 und 16 Jahre alt – und dem wesentlich älteren Aljoscha Rompe (Gesang). Die ersten eineinhalb Jahre gehörte auch Schlagzeuger und Gründungsmitglied Alexander Kriening zur Band, während Flake Lorenz erst einige Wochen nach Gründung einstieg.

Kriening hatte in den Jahren zuvor bereits mit Rompe in dessen Gruppe Feeling 14 musiziert, die nach eigenen Angaben Wanderklampfen-, Folklore- und internationale Songs spielten. Als die alte Feeling-14-Besetzung sich trennte und Rompe nach Musikern für eine Rockband suchte, stellte Kriening ihm zunächst den Gitarristen Landers vor, den er 1982 bei einem Konzert im Kulturpark Plänterwald kennengelernt hatte. Als der Bassist der Gruppe, Otto „Bass-Otto“ Leimer, ausfiel, nahm Kriening Kontakt zu dem erst 16-jährigen Lorenz auf, den er zwei Jahre zuvor bei einem Schulkonzert getroffen hatte. Lorenz besaß seit Kurzem eine sogenannte Weltmeister-Orgel, bei der die technische Möglichkeit bestand, Basstöne abzutrennen und so einen Bassisten zu ersetzen. Sowohl Landers als auch Lorenz stiegen bei dem Bandprojekt ein. Die Gruppe hatte in Rompes Wohnung an der Fehrbelliner Straße 7 in Berlin-Prenzlauer Berg ihr Probendomizil.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink; Punk im Osten – ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. 3. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2010, ISBN 978-3-89602-905-8, S. 41 ff.

Das erste Konzert vor Publikum fand am 14. Mai 1983 im Bluesclub „Sacken“ in der brandenburgischen Stadt Teltow statt. Die Band – die zu diesem Zeitpunkt noch ohne die in der DDR erforderliche Spielerlaubnis war – begleitete die Bluesrockgruppe Freygang dorthin und spielte dort illegal auf Einladung des Bandgründers André Greiner-Pol in einer Pause zwischen zwei Musikrunden Freygangs.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink; Punk im Osten – ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. 3. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2010, ISBN 978-3-89602-905-8, S. 53/54. Der zweite Auftritt fand in der Psychiatrischen Klinik Herzberge in Berlin-Lichtenberg statt, bevor die Gruppe schließlich gemeinsam mit den Punkbands Rosa Extra und Wutanfall in der Auferstehungskirche in Berlin-Friedrichshain ihr erstes richtiges – aber immer noch illegales – Konzert gab.Tim Mohr: Stirb nicht im Warteraum der Zukunft - die ostdeutschen Punks und der Fall der Mauer, Heyne Verlag München, 2017, ISBN 978-3-453-27127-2, S. 308. Zur erstgenannten Band wechselte Kriening 1984, als er Feeling B verließ. Alle Schlagzeuger und anderen Musiker, die in den Folgejahren bei Feeling B mitspielten, wurden von da an von Rompe, Landers und Lorenz nur als Gäste ohne Mitspracherecht betrachtet.

Zur Band- und Fankultur von Feeling B gehörte ein vergleichsweise sorgloser Alkoholkonsum. Der Titel Slamersong beschreibt eine der Trinkpraktiken, die Band baute hierzu eine Slamermaschine – ein um die eigene Achse rotierendes Brett, auf dem sich Konzertbesucher und Bandmitglieder festschnallen und drehen ließen, während sie ein Sekt-Tequila-Gemisch tranken. Das Gerät entstand nach Aussage des Feeling-B-Wegbegleiters und Steinbrücken-Festival-Organisators Uwe Hager aus einer Idee von Paul Landers.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink; Punk im Osten – ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. 3. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2010, ISBN 978-3-89602-905-8, S. 310. Insbesondere Rompe war bei vielen Konzerten stark alkoholisiert. Nach Aussagen von Flake Lorenz konnte die Gruppe bis zur Wende nur vier Konzerte beenden, alle weiteren Vorspiele endeten vorzeitig, da Rompe nicht mehr weitersingen konnte.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink; Punk im Osten – ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. 3. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2010, ISBN 978-3-89602-905-8, S. 82. Dennoch galt Rompe als Kopf der Band. Er verwaltete die Finanzen, organisierte Konzerte und die benötigte Technik, wobei für ihn die Reisefreiheit dank eines Schweizer Passes von Vorteil war. Dennoch war Feeling B – wie die meisten Punkbands – oftmals pleite und hantierte zumeist mit einfachsten Mitteln.

Eine wichtige Nebenerwerbsquelle wurde der Verkauf von selbst gebasteltem Modeschmuck, der in der DDR schwer zu bekommen war. Rompe nutzte seine Reisefreiheit, um in West-Berlin versilberten Kupferdraht zu kaufen, den die Mitglieder zu Ohrringen verarbeiteten und für 20 Ost-Mark das Paar verkauften.Tim Mohr: Stirb nicht im Warteraum der Zukunft - die ostdeutschen Punks und der Fall der Mauer, Heyne Verlag München, 2017, ISBN 978-3-453-27127-2, S. 310. Damit und mithilfe eines Schweizer Stipendiums, das Rompe für ein Theaterwissenschaftsstudium in West-Berlin bekam und stattdessen in Ostwährung umtauschte, erwirtschaftete die Band einiges an Geld und konnte sich ein eigenes Fahrzeug leisten. So erwarb Rompe zunächst einen Trabant 500, später ein altes gepanzertes Entstörfahrzeug von Robur, das sich die Band zum Wohnmobil ausbaute. Der „LO“ wurde zu einem Markenzeichen Feeling Bs, obwohl die Musiker mit ihm häufig liegen blieben.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink; Punk im Osten – ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. 3. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2010, ISBN 978-3-89602-905-8, S. 63/69/471/472. In den frühen Neunzigerjahren war dieses Fahrzeug der Ort, an dem der Name für die spätere Band Rammstein entstand, zu der Landers und Lorenz sowie der spätere Feeling-B-Gastdrummer Christoph Schneider heute gehören.

Im weiteren Verlauf gingen die Bandmitglieder den Weg einer Gratwanderung zwischen Punk und staatlich anerkannter Musikgruppe. Sie verstanden sich weniger als Ankläger des Staates, sondern als fröhlich-unabhängige Menschen, die den klassischen Lebensweg eines DDR-Bürgers konsequent ablehnten und ironisierten – ohne klar systemkritisch aufzutreten.

Einstufung als staatlich anerkannte DDR-Amateurband Die Band entschied sich nach eigener Aussage ein halbes Jahr nach der Gründung, eine staatliche Einstufung zu absolvieren, um eine anerkannte Amateurmusikgruppe mit Spielerlaubnis zu werden. Dies verstörte die zumeist illegal im Untergrund agierende und vom Staat besonders Ende der Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre verfolgte Punk-Szene, ermöglichte es Feeling B jedoch, Vergütungen für Konzerte zu erhalten.

Stand eine neuerliche Einstufung an – diese musste alle zwei Jahre wiederholt werden – übersetzten sie Landers zufolge heikle Liedtexte ins Englische, so dass die Jury sie nicht oder nur wenig verstand oder spielten diese erst gar nicht. Zudem inszenierten sie für diese Vorspiele aufwendige Showelemente, um das Gremium für sich einzunehmen.

Flake Lorenz zufolge absolvierte Feeling B zwischen 1983 und 1988 insgesamt drei Einstufungen. Die erste fand am 27. Oktober 1983 im Kulturhaus Karlshorst im Bezirk Berlin-Lichtenberg statt, die zweite im Berliner Prater im damals eigenständigen Bezirk Prenzlauer Berg sowie eine dritte im Jugendklub Langhansstraße in Berlin-Weißensee. Zweimal erhielt die Band die mit einem Stundenlohn von damals 7,50 Mark lukrativere Sonderstufe – bei der dritten Einstufung gab es dabei den Zusatz „mit Konzertberechtigung“, was die höchste Stufe bedeutete und der Band ermöglichte, im Gegensatz zu niedriger eingestuften Gruppen die Länge und Art des Konzerts selbst zu bestimmen –, einmal musste sie sich mit einer Oberstufe (6,50 Mark/Std.) zufriedengeben.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink; Punk im Osten – ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. 3. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2010, ISBN 978-3-89602-905-8, S. 73–75.

Sowohl Landers als auch Lorenz gaben zudem später immer wieder an, dass sie die in der DDR bestehende Arbeitspflicht – eine weitere Grundvoraussetzung für eine Spielerlaubnis – durch echte oder manchmal auch vorgetäuschte Halbtagsjobs erfüllten und sich so drohenden Konsequenzen bis zur Wende entzogen. So war beispielsweise Paul Landers zeitweise halbtags als Heizer in der Treptower Stadtbibliothek tätig.Anton Hiersche: Wie ein Traum verloren wurde, Erinnerungen eines Slawisten. Verlag am Park Berlin 2013, ISBN 978-3-89793-262-3, S. 458.Viva Jam Folge 176: Rammstein: Wer sie sind, O-Ton ab 2:22 Min., 1997 Später schafften Lorenz und Landers es, sich im Nachgang zu den Dreharbeiten der 1988 erschienenen DEFA-Dokumentation flüstern & SCHREIEN – Ein Rockreport – Feeling B gehörte in diesem Film zu den Protagonisten – von einigen Filmverantwortlichen zum Schein anstellen zu lassen. Um die für die Amateur-Spielerlaubnis notwendige Tätigkeit nachweisen zu können, arbeitete Flake offiziell als Sekretär, Paul Landers als Musikredakteur.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink; Punk im Osten – ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. 3. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2010, ISBN 978-3-89602-905-8, S. 199.

Liveauftritte im In- und Ausland Die Band spielte in der gesamten DDR, oft in Dorfsälen und vor bunt gemischtem Publikum, aber auch mithilfe von Autobatterien am Strand der Ostseeinseln Rügen und Hiddensee. Letztere wurde im Sommer regelmäßig von der Band besucht.

Die Qualität des Feeling-B-Vorspiels blieb nach eigener Aussage der Mitglieder in den Achtzigerjahren eher dürftig, was der geringen Probenintensität, der häufigen Alkoholeinwirkung und einer eher schwach ausgeprägten Musikalität Rompes – er hatte oft Schwierigkeiten, den Takt zu finden und zu halten – geschuldet sein dürfte. Dieses Manko versuchte die Gruppe durch unterhaltsame Effekte und Showteile auszugleichen. So experimentierten Rompe, Landers und Lorenz mit langen Intros und Stroboskoplicht, spannten farbig besprühte transparente Planen vor die Bühne und traten bei einem Konzert in einem Freibad im sächsischen Freiberg unbekleidet auf.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink; Punk im Osten – ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. 3. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2010, ISBN 978-3-89602-905-8, S. 89/90/94.

1986 gelang es der Band, sich trotz der angespannten politischen Verhältnisse durch die Solidarność-Revolution über Kontakte zu einem Berliner Angehörigen der FDJ-Kulturabteilung einen Dienstreiseauftrag zu erschleichen, um nach Polen reisen zu dürfen. Dort besuchten sie das Jarocin-Festival und waren von der Größe der Veranstaltung so beeindruckt, dass sie beschlossen, hier spielen zu wollen. Ein Jahr später gab Feeling B dort – nicht auf der Bühne, aber auf der Festivalwiese – ein Konzert.