Willibald Pschyrembel [], gebürtig Willibald Paul Bruno Przyrembel, Vorname bis 1940 Wilibald,So im Impressum und auf dem Titelblatt aller sieben Ausgaben seines Wörterbuches von 1932 bis 1940. Die NSDAP-Karteikarte (Antrag 1939, Eintritt 1. Februar 1940, Nummer 7464282) nennt „Willibald“. Der Verlag hielt bis 1940 in beiden Ausgaben noch an „Wilibald“ fest. Erst 1942 wurde die Schreibweise in beiden Ausgaben an die amtliche und heute übliche Form „Willibald“ angepasst. Nachname ab 1936 offiziell Pschyrembel (* 1. Januar 1901 in Berlin;Standesamt Berlin XIII; Geburtsurkunde Nr. 72 vom 7. Januar 1901 (Landesarchiv Berlin) † 26. November 1987 in West-Berlin) war ein deutscher Mediziner (Frauenarzt) und Universitätsprofessor in Berlin sowie 50 Jahre lang (von 1931 bis 1982) HerausgeberIn keiner Auflage wurde er als Redakteur bezeichnet. Vielmehr leitete seine Ehefrau Ingrid Pschyrembel die Redaktion der Auflagen 252 und 253. des von Otto Dornblüth begründeten Lexikons Klinisches Wörterbuch. Sein Name steht als Synonym für dieses deutschsprachige Standardnachschlagewerk der Medizin.Laura Isabel Koch: Für die Sprache der Duden, für den Mediziner der Pschyrembel – Willibald Pschyrembel (1901 bis 1987). In: mta im Dialog, 1. September 2016, Wolfgang Leistenschneider: Nachruf. In: Klinische Wochenschrift, 66. Jahrgang, Springer-Verlag 1988, S. 464 f. https://doi:10.1007/BF01745521.

Die Schreibweise Pschyrembel ist eine Germanisierung der Aussprache vom polnischen Przyrembel. Ob die Familie des Vaters ethnisch polnischer Abstammung war, lässt sich aus den verfügbaren Quellen jedoch nicht belegen. Sein Vorname wurde von 1932 bis 1940 konsequent Wilibald (mit nur einem l in Willi-) geschrieben.Anmerkung: Die Deutsche Nationalbibliothek kennt die beiden unterschiedlichen Schreibversionen des Vornamens mit einem und mit zwei l in Willi- (Zitat: „Andere Namen: Pschyrembel, Wilibald; Pschyrembel, W.; Pschyrembel; Przyrembel, Willibald; Pzyrembel, Willibald“).

mini|Signatur Willibald Pschyrembels

Leben Willibald Pschyrembels Eltern waren der Kaufmann Bruno Przyrembel (* 1870 Breslau; † 1919 Lüdenscheid) und Klara (Cläre) Przyrembel, geb. Clara Tweer (* 1878 London; † 1959 Berlin). Er wurde im Berliner Stadtteil Wedding geboren, wuchs aber ab 1905 in Lüdenscheid aufJoachim Wolfram Dudenhausen: Willibald Pschyrembel (1901-1987): Frauenarzt und Enzyklopädist der Medizin. In: Der Reidemeister Nr. 191 vom 13. Juli 2012, S. 1624–1627 und studierte von 1920 bis 1924 Naturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Physik an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, wo er 1924 zum Doktor der Philosophie promoviert wurde (Entwicklung und Stand der Elektrotechnik in Japan).

Danach übte er eine Tätigkeit als Physiklehrer aus, während derer er von 1926 bis 1932 in Berlin Medizin studierte. In dieser Zeit hielt er auch Vorträge im Rundfunk, so etwa am 1. April 1926 zum Thema „Die Elektrizität als Wärmequelle“ oder am 20. Januar 1927 über „Atomphysik“. Donnerstag, 20. Januar 1927 18.10 Stettin 251,2 m Seinen Lebensunterhalt bestritt der musikalisch begabte Student durch aktive Teilnahme an Hausmusikveranstaltungen, die in den Häusern stattfanden, in denen er zur Untermiete wohnte. Prominente Conmusikanten waren neben anderen Max Planck, Albert Einstein und August Bier.

Nach der Approbation war er ein Jahr als Medizinalpraktikant bei August Bier in der Inneren Abteilung am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin tätig. Im Jahr 1935 wurde Willibald Pschyrembel bei Ferdinand Sauerbruch mit der Arbeit Die Osteomyelitis der Patella zum Doktor der Medizin promoviert.

1935/1936 arbeitete er in der gynäkologischen Abteilung des Paul-Gerhardt-Krankenhauses in Berlin (Bezirk Wedding), ab 1936 als Oberarzt am Städtischen Krankenhaus in Berlin-Neukölln. Von 1945 bis 1961 leitete er als Chefarzt die Frauenklinik des Berliner Krankenhauses im Friedrichshain. Pschyrembel habilitierte sich 1950 bei Walter Stoeckel und wurde 1952 als außerplanmäßiger Professor an die Humboldt-Universität berufen. Bedingt durch den Mauerbau am 13. August 1961 endeten die Tätigkeit des damals in Berlin-Westend am Kaiserdamm wohnenden Mediziners an dem im Ostteil der Stadt gelegenen Krankenhaus im Friedrichshain und die Lehrtätigkeit an der Charité. Pschyrembel betrieb danach im Westteil der Stadt eine eigene Praxis und widmete sich verstärkt der publizistischen Tätigkeit als medizinischer Enzyklopädist.

Er und seine drei Oberärzte Hartmut Hoffbauer (1914–2013), Gramatté und Groher bildeten die Friedrichshainer Schule der Geburtshilfe und Gynäkologie, von der ganze Generationen von Ärzten, Schwestern und Hebammen geprägt worden sind.

Am 13. Februar 1844 gründete Carl Mayer, der spätere Schwiegervater von Rudolf Virchow, gemeinsam mit neun weiteren geburtshilflich tätigen Ärzten die "Gesellschaft für Geburtshilfe" in Berlin. Eduard Arnold Martin, August Martin, Paul Straßmann und Walter Stoeckel prägten die Arbeit der Gesellschaft vor 1933, nach 1945 waren unter anderem Helmut Kraatz und Willibald Pschyrembel bestimmende Persönlichkeiten.Joachim Wolfram Dudenhausen: In: Matthias David, Andreas D. Ebert: Berühmte Frauenärzte in Berlin. Band 1, Mabuse Verlag, Frankfurt am Main, Januar 2018, ISBN 978-3-8632-1481-4, S. 191–198, DOI:10.5771/9783863214814-191. Pschyrembel war Vorsitzender und auch Ehrenmitglied.

Er wurde Mitglied der Sektion Medizin der Akademie der Wissenschaften.

Privates mini|Grabstätte Willibald Pschyrembels, seiner Frau Ingrid sowie seiner Mutter Pschyrembel wohnte mindestens von 1927 bis 1954 in der gerade neu erbauten Siedlung Schillerpark in Berlin-Wedding, zuerst Bristolstraße 3A, dann Bristolstraße 11 und zuletzt Bristolstraße 15.In der NSDAP-Kartei wurde 1940 als Anschrift die Rädowerstr. 56 angegeben. Einen solchen Straßennamen gab es nie. Gemeint ist die Rudower Straße 56. Das war nicht seine Privatadresse, sondern die Dienstanschrift des Städtischen Krankenhaus Berlin-Neukölln, in dem er damals arbeitete. Ab 1954 war er (parallel) im Kaiserdamm 82 in Berlin-Charlottenburg (heute Ortsteil Westend) gemeldet und ab 1970 in der Halmstraße 5 in Berlin-Charlottenburg.

Er war in dritter Ehe verheiratet mit der Oberärztin Ingrid Pschyrembel, geborene Stiefel (1935–1993).Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 252. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin / New York 1975, ISBN 3-11-004844-2, S. III–IV. Sie war auch seine Mitarbeiterin.

Er liebte vor allem die französische Literatur, die er nicht nur in der Originalsprache gelesen hatte, sondern bei jeder passenden Gelegenheit auch zu zitieren wusste, selbstverständlich in fließendem Französisch. In Paris hatte er sogar sein Dolmetscherdiplom erworben; gemeinsam mit Paul Schober gab er ein medizinisches Wörterbuch „Französisch/Deutsch“ heraus.Paul Schober, Willibald Pschyrembel: Medizinisches Wörterbuch der deutschen und französischen Sprache: französisch-deutsch, deutsch-französisch. Nebentitel: Dictionnaire médical des langues allemande et française, zwei Teile in einem Band, 7. neubearbeitete Auflage, Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1949, 448 Seiten. Die 1. Auflage erschien 1898 in Paris und Stuttgart – zunächst zweibändig: Französisch-deutsches medizinisches Wörterbuch = Dictionnaire médical français-allemand. Mit einer Vorrede von Adolphe Villaret. Paris: Haar & Steinert; Stuttgart: Ferdinand Enke Verlag, 1898. Deutsch-französisches medizinisches Wörterbuch = Dictionnaire médical allemand-français. Mit einer Vorrede von Louis Lereboullet. Paris: Haar & Steinert; Stuttgart: Ferdinand Enke, 1900. Seinen Horizont erweiterte er durch mehrere Aufenthalte in Frankreich und durch Weltreisen, die er meist mit beruflicher Tätigkeit verband; so war er zum Beispiel auch für einige Monate als Schiffsarzt tätig.

Willibald Pschyrembel starb nach kurzer Krankheit im November 1987 im Alter von 86 Jahren in Berlin.Burkhard Schneeweiß, Sabine Berndt: Willibald Pschyrembel. Enzyklopädische Fähigkeiten. In: Deutsches Ärzteblatt. Jahrgang 68, Nr. 6, 2001, . Abgerufen am 15. November 2019.Der Spiegel, Nummer 51/1987 vom 14. Dezember 1987, Nachruf, S. 204. Beigesetzt wurden seine sterblichen Überreste auf dem landeseigenen Friedhof Heerstraße im heutigen Ortsteil Berlin-Westend (Grablage: 11-B-6).Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 493. Diese ruhen neben denen seiner Mutter Cläre Pschyrembel und denen seiner Gattin Ingrid.

Werk Durch Vermittlung seines Gönners August Bier hatte Pschyrembel eine Empfehlung zum Direktor des weltberühmten de Gruyter-Verlages, Kurt-Georg Cram senior, erhalten und die Herausgabe des Dornblüthschen Wörterbuchs übertragen bekommen.

Von 1931 bis 1982 (254. Auflage) ergänzte er das von Otto Dornblüth 1894 (zuerst noch unter dem Titel Wörterbuch der klininischen Kunstausdrücke. Für Studierende und Ärzte.)Otto Dornblüth: Wörterbuch der klinischen Kunstausdrücke für Studierende und Ärzte. Leipzig 1894, unveränderter fotomechanischer Nachdruck, Walter de Gruyter, Berlin u. a. 1985. begründete Klinische Wörterbuch fortlaufend und gab es ab der 16. AusgabeKlinisches Wörterbuch. Begründet 1893 durch Otto Dornblüth in Freiberg/Schlesien, ab der 16. Ausgabe (= 19.–20. Auflage) herausgegeben von Willibald Pschyrembel in Berlin (1932–1981), 44. Ausgabe (= 261. Auflage) unter Leitung von Martina Bach, Berlin/New York 2007. auch heraus.Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch, 19. und 20. Auflage, in der Bearbeitung von Emil Bannwarth, neu durchgesehen und ergänzt von Willibald Pschyrembel, Walter de Gruyter & Co. Berlin und Leipzig 1932; Zitat aus dem Vorwort auf Seite VI: "Als ich im Vorjahr die Herausgabe des Werkes übernahm ..." An der 185. bis 250. Auflage wirkten 17 namentlich genannte Fachärzte mit, darunter zum Beispiel sein Neffe Joachim Wolfram Dudenhausen für das Fachgebiet Biochemie.Vorwort abgedruckt in der 251. Auflage 1972.

Seit 1932 erscheint dieses Wörterbuch im Berliner Verlag Walter de Gruyter. Der Pschyrembel gilt als Standardwerk. Bis 2026 sind (seit 1894) 53 Ausgaben in 270 Auflagen erschienen. Schon 1982 wurde das zweimillionste Exemplar verkauft.

Seit Ende der 1990er Jahre verwendet der Verlag den Namen Pschyrembel auch als Marke für neue, das Klinische Wörterbuch ergänzende medizinische Wörterbücher.

Zitate „Man muss in der Geburtshilfe viel wissen, um wenig zu tun.“ Dieser Satz Pschyrembels kennzeichnet seine klinische Tätigkeit und ist, nicht nur auf die Geburtshilfe beschränkt, als wegweisend für die ganze Medizin anzusehen.Hans Ludwig: Der „Pschyrembel“. In: Der Gynäkologe. Jahrgang 39, Springer Medizin, S. 262–263 (2006).

„Alle Begriffe, ja selbst die schwierigsten Zusammenhänge müssen von jeder Schwesternschülerin verstanden werden“, lautete die Devise des neuen Herausgebers und vorbildlichen Didaktikers an alle Mitautoren des Klinischen Wörterbuches.

„Das Gespräch mit Ihrem Patienten führen Sie im Sitzen und nicht im Stehen und schon gar nicht zwischen Tür und Angel.“ „Niemals mit einer Schwangeren oder Kreißenden im Stehen verhandeln. Hinsetzen!“

„Es nutzt Ihrem Patienten nichts, wenn Sie an eine notwendige Untersuchung denken, Sie müssen sie auch veranlassen.“ „Denken Sie im Interesse Ihres Patienten stets an die jeweils gefährlichere Alternative, und verfolgen Sie diese mit allen diagnostischen Mitteln, aber teilen Sie es Ihrem Patienten nicht gleich mit.“ „Hochschullehrer versuchen stets richtige Antworten zu geben, und dabei ist es viel wichtiger, dass sie die richtigen Fragen stellen.“ „Warum wundern Sie sich so sehr, Sie zeigen damit nur, dass Sie keine Menschenkenntnis besitzen.“ „Volle Blase – Wehenbremse.“ „Jede Blutung in der Menopause ist so lange Krebs, bis das Gegenteil bewiesen ist.“

Veröffentlichungen

Willibald Pschyrembel: Einführung in die Elektrotechnik. Verlag Otto Walter, Berlin S 14 [Kommandantenstraße 44a], Berlin 1929, 297 Seiten.