Logo Deutschlandkarte rahmenlos|123x123px|class=skin-invert-image alternativtext=Lage in Deutschland|166x166px Basisdaten Staat: Deutschland Land: Nordrhein-Westfalen Fläche: 4.438,72 km² Gliederung: 4 Kreise,11 kreisfreie Städte Bevölkerung Einwohner: () Bevölkerungsdichte: Einwohner/km² Ausländeranteil: 20 % (31. Dezember 2023) Arbeitslosenquote: 10,3 % (Februar 2025)Regionalverband Ruhr: Statistikportal Ruhr. Arbeitsmarkt, abgerufen am 20. Mai 2025. Lage und Städte des Ruhrgebiets in Nordrhein-Westfalen

Das Ruhrgebiet ist mit rund 5,1 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 4.439 Quadratkilometern der größte Ballungsraum Deutschlands und der fünftgrößte der Europäischen Union. Namensgebend für diese dicht besiedelte, zentrale nordrhein-westfälische Region ist der am südlichen Rand verlaufende Fluss Ruhr. Mit seinem ebenfalls dicht besiedelten Umland und den Ballungsräumen an der Rheinschiene, die weit in die Kölner Bucht reichen, bildet es die Metropolregion Rhein-Ruhr, in der auf einem Gebiet von über 7.100 Quadratkilometern etwa zehn Millionen Menschen leben. Sie liegt im Zentrum der prosperitären (europäischen) „Blauen Banane“. Pläne zur Bildung einer Metropole Ruhr werden oft unter dem Begriff Ruhrstadt zusammengefasst. Das Ruhrgebiet war im Jahr 2010 unter der Kurzbezeichnung RUHR.2010 Kulturhauptstadt Europas (neben Pécs und Istanbul).

Die Städte und Kreise des Ruhrgebiets gehören den Landesteilen Rheinland und Westfalen-Lippe an. Das Ruhrgebiet wird im Wesentlichen von mehreren zusammengewachsenen Großstädten gebildet. Von den Ansiedlungen am mittleren Niederrhein geht die Städtelandschaft nach Osten nahtlos in den Rhein-Ruhr-Raum und nach Süden in die Rheinschiene über. Die Oberzentren und Kernstädte des Ruhrgebiets Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund entstanden bereits im Mittelalter entlang des westfälischen Hellwegs und erreichten ihre heutige Struktur mit der Industrialisierung und dem Bergbau im 19. und 20. Jahrhundert. Das fünfte Oberzentrum Hagen entstand erst im 18. Jahrhundert.

Geografie

mini|hochkant|Mittelpunkt der „Metropole Ruhr“ in Höhe der Rolandstraße 49 in Röhlinghausen

Der Regionalverband Ruhr hat im Jahre 2012 die räumliche Ausdehnung und die Grenzen des Ruhrgebiets bestimmt. In diesem Zusammenhang wurde der Mittelpunkt des Ruhrgebiets rechnerisch zwischen den westlichsten und östlichsten sowie den nördlichsten und südlichsten Punkten ermittelt. Der Schnittpunkt und somit der Mittelpunkt der „Metropole Ruhr“ liegt im Herner Stadtteil Röhlinghausen an der Rolandstr. 49 in . An dieser Stelle wurde am Rand des Gehwegs ein Granitstein mit der Aufschrift „Sie befinden sich am geografischen Mittelpunkt des Ruhrgebiets in Herne-Röhlinghausen“ aufgestellt.Regionalverband Ruhr: Der Mittelpunkt der Metropole Ruhr, abgerufen am 16. Mai 2013.

Naturraum Das Ruhrgebiet hat an mehreren naturräumlichen Einheiten einen Anteil. Die Städtelandschaft liegt im Schnittpunkt der Westfälischen Tieflandebene, der Niederrheinischen Ebene und des Rheinischen Schiefergebirges. Nördlich der Lippe schließen die naturräumlichen Einheiten des Westmünsterlands und des Kernmünsterlands an. Südlich der Ruhr reicht es ins Bergische und Märkische Hügelland. Nördlich der Ruhr schließen sich die Lößebenen des Naturraums Westenhellweg an. Zwischen der Lippe und dem Westenhellweg liegt das Emscherland. Die Emscher trennt die Westfälische Bucht vom Rheinischen Schiefergebirge. Eckpunkte sind im Nordwesten Wesel (Kreis Wesel), im Südwesten Duisburg, im Südosten Hagen und im Nordosten Hamm. Die West-Ost-Ausdehnung von Sonsbeck bis Hamm beträgt 116 Kilometer, die Nord-Süd-Ausdehnung von Haltern am See bis Breckerfeld 67 Kilometer.

Den Angaben des Regionalverbandes Ruhr (RVR) zufolge sind 37,6 Prozent der Fläche des Ruhrgebiets bebaut. 40,7 Prozent der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt. Der Waldanteil beträgt 17,6 Prozent. Die übrigen Anteile entfallen auf Wasserflächen und sonstige Flächen. Der für eine Industrieregion relativ hohe Anteil an Wald- und Landwirtschaftsflächen erklärt sich zunächst durch die ebenfalls zum RVR gehörigen vier überwiegend ländlich geprägten Kreise. Außerdem besitzen auch die kreisfreien Städte des Ruhrgebiets in ihren Außenbezirken ländlichen Charakter. Dazu gehört die Siepentallandschaft, die schon die zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschlossenen Eingemeindungsverträge als schützenswerte „Talmulden“ eingestuft hatten.Eingemeindungs-Verträge zwischen der Stadt Essen und den Gemeinden Borbeck, Altenessen, Bredeney, Haarzopf mit Nebenverträgen. Essen 1915, S. 21. Auch der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk hatte das Ziel, das Zusammenwachsen der einzelnen Städte und eine Zersiedelung zu verhindern. Dazu kaufte er ab 1923 Grundstücke auf, hielt sie von Bebauungen jeder Art frei und legte sie als Regionale Grünzüge planerisch fest. Ihr Nord-Süd-Verlauf ist bis heute zwischen den Städten im Ballungsraum des Ruhrgebietes trotz grundsätzlicher Zielkonflikte erhalten geblieben.Wolfgang Sykorra: Von den Talmulden zum Regionalen Grünzug B. In: Essener Beiträge. Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen. 2015. 2016, ISBN 978-3-8375-1347-9, S. 261–296.

Die Entwicklung des Ruhrgebiets vom ursprünglichen Naturraum zum Standort der Montanindustrie und die rasante Besiedlung während der Industrialisierung ist ein häufig gewählter Forschungsgegenstand der Anthropogeografie. So wird aktuell beispielsweise die Siedlungsgeschichte des Ruhrgebiets in Bezug auf das klassische System der zentralen Orte untersucht.

Im Zuge der Rekultivierung von Industriebrachen entstehen neue Parklandschaften und Naherholungsgebiete wie etwa der Landschaftspark Hoheward im nördlichen Ruhrgebiet. Entlang der seit 2022 komplett renaturierten Emscher bildet der Emscher Landschaftspark, der die durch den SVR in Nord-Süd-Richtung angelegten regionalen Grünzüge verbindet, einen in Ost-West-Richtung verlaufenden Grüngürtel zwischen den Städten. Die zahlreichen Garten- und Parkanlagen der Region sind in das European Garden Heritage Network eingebunden.

Verstädterung mini|310px|Karte der Siedlungsstruktur des Ruhrgebiets mini|Skyline von Dortmund

Auf einer Karte betrachtet könnte man das Ruhrgebiet für eine einzige Großstadt halten, da es, zumindest in der West-Ost-Ausdehnung, keine erkennbaren Grenzen zwischen den einzelnen Städten gibt. So ist das Ruhrgebiet als polyzentrische Städtelandschaft zu bezeichnen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Ruhrstadt oder „Metropole Ruhr“. Der Raum ist gekennzeichnet durch seine ähnliche stadt- und wirtschaftsgeografische Entwicklung.

Das Ruhrgebiet ist aufgrund seiner Geschichte anders strukturiert als monozentrische Agglomerationen wie Paris, die durch das rasche Zusammenwachsen kleinerer Orte und Städte mit einer Kernstadt entstanden sind. Die einzelnen Städte und Stadtteile des Ruhrgebiets sind während der Industrialisierung unabhängig voneinander gewachsen.

Die Übergänge zwischen den Städten sind in den Randbereichen durch eine lockere Vorortbebauung, unbebaute Gebiete und mitunter sogar durch landwirtschaftlich genutzte Flächen geprägt. In der Kernzone des Ruhrgebiets verlaufen die Stadtgrenzen teilweise quer durch dicht bebaute Außenbezirke und sind nur schwer zu erkennen. Häufig ist der Wechsel des Stadtgebiets nicht einmal an einem Wechsel der Straßennamen zu ersehen, da die Straßen in Randlage die Stadtgrenzen mehrfach überschreiten können und, um Verwirrung zu vermeiden, durchgängig benannt und nummeriert sind.

Städte und Kreise +Einwohnerzahl, Fläche und Bevölkerungsdichte im Ruhrgebiet am Stadt/Kreis Einwohner Fläche Bev.-DichteEinw. je km² Bochum Bottrop Dortmund Duisburg Essen Gelsenkirchen Hagen Hamm Herne Mülheim an der Ruhr Oberhausen Ennepe-Ruhr-Kreis Kreis Recklinghausen Kreis Unna Kreis Wesel Kreisfreie Städte Kreise Ruhrgebiet (Gesamt)

Der Begriff Ruhrgebiet orientiert sich üblicherweise an den Grenzen des 1920 gegründeten Siedlungsverbands Ruhrkohlenbezirk, dem heutigen Regionalverband Ruhr (RVR). Zum RVR gehören die kreisfreien Städte Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen sowie die Kreise Recklinghausen, Unna, Wesel und der Ennepe-Ruhr-Kreis. Die Daten im Folgenden beziehen sich auf das Verwaltungsgebiet des RVR. Ein eigener Regierungsbezirk für den Ballungsraum Ruhr besteht bislang nicht, er teilt sich auf die drei Bezirke Arnsberg, Düsseldorf und Münster auf.

Bevölkerung Das Ruhrgebiet ist mit einer Bevölkerung von über 5,1 Millionen Einwohnern die größte und dichtest besiedelte Agglomeration Deutschlands, sowie eine polyzentrische Metropolregion, d. h. sie besteht aus mehreren Oberzentren und ihren Umgebungen. Die Dichte ist im Kern-Ruhrgebiet, wo sich die meiste Industrie befand bzw. heute noch befindet, am höchsten und die Großstädte fließen ineinander. Es gibt 5 Großstädte, die mehr als 250.000 Einwohner haben. Im nördlichen Teil des Ruhrgebiets hingegen ist die Dichte geringer.

Ähnlich wie bei anderen Metropolregionen kann genauso von einem dicht besiedelten Kern, den Städten im Kern-Ruhrgebiet, welche zusammengefasst auch als Ruhrstadt angesehen wird, und den kleineren und dünn besiedelten Städten in dessen Umgebung gesprochen werden.

Bevölkerungsstruktur mini|Persisches Restaurant in Dortmund

Die Bevölkerung des Ruhrgebiets ist multikulturell. Der Migrantenanteil liegt in Duisburg bei 46,5 %, in Dortmund bei 42,9 %, in Essen bei 38,3 % (2022), in Gelsenkirchen bei 34,0 % (2021) und in Mülheim an der Ruhr bei 35,9 % . 2022 hatte die Hälfte der Schüler in den Kernstädten des Ruhrgebiets einen Migrationshintergrund.

Bevölkerungsentwicklung JahrEinwohner Zensus 201120185.111.53020195.112.05020205.102.48420215.094.81720225.147.820 Zensus 202205/20225.093.78420225.111.53420235.126.153Quelle

Geologie mini|Geringmächtige Kohleflöze (Namur C, Oberkarbon) in einem Steinbruch in Wetter (Ruhr)

Geologisch wird das Ruhrgebiet regelmäßig über das Vorkommen von kohleführenden Schichten des Oberkarbon definiert, mehr oder weniger unabhängig von deren Tiefenlage. Die Kohlenflöze streifen entlang der Ruhr die Oberfläche und senken sich nach Norden ab. In Höhe der Lippe liegen sie in einer Tiefe von 600 bis 800 Meter. Die Mächtigkeit der Schichten liegt durchschnittlich bei 1–3 Meter. Die Geologie des Untergrundes war entscheidend für die Entwicklung des Kohlebergbaus im Ruhrgebiet. Sie hängt mit der Entstehung des Superkontinentes Pangaea zusammen.

Entstehung der Steinkohlelagerstätten Zu Beginn der variszischen Gebirgsbildung vor 400 bis 300 Millionen Jahren in den Zeitabschnitten Devon und Karbon (der Name bedeutet Kohlezeit) begann im Zuge der Gebirgsbildung an tektonischen Störungslinien der Aufstieg von Erzlösungen und es entstanden einige Erzlagerstätten.

Gleichzeitig mit dem Aufstieg des Rheinischen Schiefergebirges im Oberkarbon setzte eine Absenkung des nördlichen Vorlandes ein, in das periodisch Sedimente geschüttet wurden. Das Ablagerungsmilieu wechselte über Jahrmillionen hinweg zwischen einem Flachmeer, der Entstehung von Flussdeltas und der Verlandung durch erodierte Sedimente aus dem neuen Gebirge. Im damals feucht-warmen Klima konnten sich große Moore bilden, die häufig von mächtigen sandigen Sedimenten überschichtet wurden, was die Inkohlung des pflanzlichen Materials bewirkte. So entstanden im Untergrund hunderte von kohleführenden Schichten. Von ihnen waren und sind allerdings nur jene 70–80 Flöze abbauwürdig, die eine ausreichende Mächtigkeit erreichen. Die großräumige Absenkung bewirkte, dass heute bei Witten (Südrand des Ruhrgebietes) die Kohle bis zur Erdoberfläche heraufreicht, aber am Nordrand (zum Beispiel bei Marl) etwa 1500 Meter tief liegt.

Steinkohlenbergbau und Entwässerung