Das Minidoka War Relocation Center war ein Internierungslager im Süden des US-Bundesstaats Idaho, in das bei der Internierung japanischstämmiger Amerikaner im Zweiten Weltkrieg zwischen August 1942 und Oktober 1945 bis zu 7318 Personen abgeschoben wurden. Der Name Minidoka stammt aus der Sprache der Dakota und bedeutet „Quelle“. Er wurde von einem Bewässerungsprojekt des Bureau of Reclamation im südlichen Idaho von Anfang des 20. Jahrhunderts auf das Lager übertragen.

Das ehemalige Lager wurde im Januar 2001 durch Präsident Bill Clinton als Gedenkstätte des Bundes gewidmet und im Mai 2008 durch den Kongress der Vereinigten Staaten in die Minidoka National Historic Site umgewandelt. 2006 wurden Planungen für die Gestaltung der Einrichtung vorgelegt und die Finanzierung autorisiert. Der National Park Service betreibt die Gedenkstätte mit Besucherzentrum, zwei Original-Baracken, Ruinen und einem Lehrpfad. Der Ausbau der Einrichtung geht weiter.

Die Internierung japanischstämmiger Amerikaner mini|links|Befehl vom 1. April 1942 an alle Einwohner San Franciscos mit japanischen Vorfahren, sich innerhalb einer Woche an Sammelpunkten zum Transport in Umsiedlungszentren (relocation centers) einzufinden → Hauptartikel: Internierung japanischstämmiger Amerikaner

Nach dem Angriff auf Pearl Harbor und dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg vom Dezember 1941 wurden auf der Grundlage weitverbreiteter rassistischer Vorurteile und in Fortsetzung verschiedener diskriminierender Einschränkungen nicht nur japanische Staatsangehörige in den Vereinigten Staaten, sondern auch alle amerikanischen Staatsbürger japanischer Abstammung als Sicherheitsrisiko eingestuft (Enemy Alien, „feindlicher Ausländer“). Am 19. Februar 1942 unterzeichnete Präsident Franklin D. Roosevelt die Executive Order 9066, auf deren Grundlage große Teile der Pazifik-Anrainerstaaten zum Sperrgebiet erklärt wurden. Alle Bewohner Kaliforniens, des westlichen Oregons und Washingtons, eines kleinen Streifens im Süden Arizonas sowie Hawaiis und Alaskas mit japanischen Vorfahren wurden durch die War Relocation Authority (Kriegs-Umsiedelungs-Behörde) in Internierungslager östlich der Pazifik-Region eingewiesen. Eine vergleichbare Ermächtigung zur vollständigen Internierung von deutsch- und italienischstämmigen Bewohnern der Ostküste wurde nur nach Einzelfallprüfung umgesetzt. Die Internierten wurden unter anderem auf Ellis Island festgehalten.

Im Dezember 1944 entschied der Supreme Court in zwei Urteilen, dass die Internierung im Grundsatz rechtmäßig ist,„Korematsu v. United States“ – 323 U.S. 214 (1944) allerdings die Internierung eines japanischstämmigen amerikanischen Staatsbürgers, dessen Loyalität unbestritten ist, nach dem Habeas-Corpus-Grundsatz unzulässig war.„Ex parte Endo“ – 323 U.S. 283 (1944), Meger: Historic Resource Study, Seite 144 Daraufhin erklärte die Bundesregierung, die Internierung bis Jahresende 1945 beenden zu wollen. Das Ende des Zweiten Weltkriegs kam dem zuvor.

Insgesamt waren von den Zwangsmaßnahmen gegen die japanischstämmige Bevölkerung 116.000 Menschen betroffen, sie lebten bis 1945 in zehn Barackensiedlungen weit abseits größerer Ortschaften und unter Bewachung durch das US-Militär. Nach dem Ende des Krieges wurden ihnen unter engen Voraussetzungen einige nachgewiesene Schäden erstattet.

In den 1960er Jahren begann unter dem Eindruck der Bürgerrechtsbewegung Kritik an den Maßnahmen laut zu werden, die Diskussion führte in den 1980er Jahren zu umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen und einer politischen Debatte. Nachdem eine vom US-Kongress eingesetzte Kommission zu dem Schluss kam, dass die Maßnahmen nicht durch militärische Notwendigkeit gerechtfertigt werden konnten und die Entscheidung vielmehr durch „rassistische Vorurteile, kriegsbedingte Hysterie und das Versagen der politischen Führung“ geprägt wurde,Commission on Wartime Relocation and Internment of Civilians, Personal Justice Denied, Summary sprach der Civil Liberties Act of 1988 jedem noch lebenden Opfer der Zwangsumsiedelung 20.000 Dollar Entschädigung zu. 1992 wurden in einer Gesetzesänderung weitere Mittel bereitgestellt, um die Verpflichtung erfüllen zu können, und Präsident George H. W. Bush sprach eine formelle Bitte um Entschuldigung aus.

mini|hochkant=2|Karte des Lagers: Im Westen der Lagerbereich mit den anschließenden landwirtschaftlichen Flächen mini|Baracken in Minidoka mini|Luftaufnahme des Lagers, Blick nach Osten, 1943

Minidoka War Relocation Center Die War Relocation Authority suchte nach Standorten für die Lager, die abseits der Pazifikküste und größerer Bevölkerungszentren liegen mussten. Der Süden Idahos bot sich für eines der Camps an. Die Region liegt in der Ebene des Snake Rivers. Sie ist geologisch durch Vulkanismus geprägt. Klimatisch handelt es sich um eine Halbwüste, gekennzeichnet durch lange harte Winter mit fünf Frost-Monaten und trockene, staubige Sommer.Western Regional Climate Center: Twin Falls KMVT, Idaho (109293) Vor rund 15.000 Jahren wurde die Region beim Durchbruch des Lake Bonneville überflutet, der vulkanische Untergrund wurde teilweise freigelegt und das heutige Bett des Snake Rivers entstand. Ohne künstliche Bewässerung ist das Gebiet nahezu unfruchtbar und wurde daher nur sporadisch von Indianern besucht. In historischer Zeit nutzten die Völker der Nördlichen Shoshone und Bannock die Region. Eine archäologische Untersuchung fand 2001 jedoch auf dem Boden des ehemaligen Lagers keinerlei Artefakte aus der Zeit vor dem Bau des Bewässerungskanals.Meger: Historic Resource Study, Seite 5 Die natürliche Vegetation wird vom Wüsten-Beifuß bestimmt und als Beifuß-Steppe bezeichnet.

Lage und Einrichtung Das sogenannte Minidoka War Relocation Center („Minidoka-Kriegs-Umsiedelungszentrum“) lag im Jerome County im Süden des Bundesstaates Idaho. Nach dem Postzustellbezirk wurde es auch als „Hunt Relocation Center“ bezeichnet, da es einen anderen Ort namens Minidoka rund 80 km östlich im gleichnamigen Minidoka County gibt. Grund und Boden gehörten der Bundesregierung, waren unbewohnt und für ein Bewässerungsprojekt vorgesehen.

Das gesamte Gelände des Lagers war etwas über 130 km² groß und lag östlich des North Side Canals, einem Bewässerungskanal. Knapp 4 km² dienten als Verwaltungs- und Wohnbereich, der mit rund 8 km Stacheldrahtzaun und 8 Wachtürmen gesichert war. Zaun und Türme hatten jedoch überwiegend psychologische Wirkung, da die Internierten oft Gelegenheit hatten, den eingezäunten Bereich zu verlassen, um etwa im Sommer im Kanal zu baden. Zudem gab es rund 20 km im Umkreis des Lagers nur menschenleere Steppe. Die Türme waren zumeist unbesetzt, die Wachmannschaften unbewaffnet. In Minidoka gab es keinen Fall der militärischen Gewaltanwendung gegen Internierte, in einem der neun anderen Lager wurde ein Internierter am Zaun erschossen. Das Minidoka War Relocation Center wurde am 10. August 1942 in Betrieb genommen und am 28. Oktober 1945 aufgelöst.

Das Lager war auf die Standard-Kapazität der Internierungslager von maximal 10.000 Personen ausgelegt und bestand aus 35 Blöcken mit jeweils 12 Baracken. Sie waren bogenförmig an die Geländestruktur und eine Windung des Kanals ausgerichtet und wurden von einem zivilen Bauunternehmen nach den Normen für ein Militärlager aus Holz in Skelettbauweise und mit Teerpappe abgedichtet errichtet. In jedem Block lebten 275 bis 300 Personen. Es gab pro Baracke sechs Räume in drei Größen zwischen 4,50 × 6 m und 6 × 7 m, die mit Familien je nach Zahl der Angehörigen oder Gruppen von Einzelpersonen belegt wurden. Als einzige Einrichtung wurden zunächst ein Einbauschrank, Feldbetten und ein Kanonenofen gestellt. Zu jedem der Blöcke gehörten ein Speisesaal, ein Aufenthaltsgebäude sowie ein Bau mit gemeinsamen sanitären Anlagen.Burton, Kapitel 9, Seite 2 Beim Bezug des Lagers waren die Bauten und die Infrastruktur noch nicht fertiggestellt und die Bauausführung vielfach mangelhaft. So mussten die Insassen die ersten Monate ohne Toiletten und Abwassersystem auskommen.Commission on Wartime Relocation and Internment of Civilians, Personal Justice Denied, Kapitel 6 In weiteren Gebäuden waren die Büros der Verwaltung, die Wohnungen der zivilen Angehörigen der Verwaltung, Lager und Werkstätten, ein Krankenhaus und die Unterkünfte der Militärpolizei untergebracht. mini|Henry Tambora, Radiotechniker aus Portland, Oregon, in der Elektrowerkstatt des Lagers

Die Internierten Mit bis zu 7318 Personen, überwiegend aus Oregon, Washington und Alaska, war das Minidoka-Lager nie voll ausgelastet.Burton, Kapitel 9, Seite 1 Viele der Internierten kamen aus der Landwirtschaft, insbesondere in Washington hatten viele Japaner Gemüseanbau betrieben. Sie erweiterten zunächst das vorhandene Bewässerungssystem und bauten danach Gemüse und Kartoffeln für die Eigenversorgung an und hielten Schweine und Hühner. Es gab ein mit Kohle befeuertes Elektrizitäts- und Heizkraftwerk, Friseure, Metzger, Köche und alle anderen für das Leben im Lager nötigen Berufe. Werkstätten fertigten Stühle, Tische und andere Möbelstücke.Meger: Historic Resource Study, Seite 141 Eine kleine Textilfabrik sollte ursprünglich für externe Auftraggeber arbeiten, diente aber nur dem Bedarf des Lagers selbst. Einige Internierte arbeiteten außerhalb des Lagers für Farmer. Die arbeitenden Insassen wurden mit 12 bis 19 $ pro Monat entlohnt, weit unter ihrem vorherigen Einkommen.

Daneben bauten und betrieben die Insassen unter primitiven Bedingungen mehrere Schulen für die Kinder. Qualifizierte Lehrer, Schulbücher und sonstige Ausstattungen waren schwer zu bekommen. Trotzdem bekamen die vier Schulen des Lagers eine Anerkennung durch den Bundesstaat und die Ausbildung der Schüler und ihre Abschlüsse wurden ihnen später angerechnet. Im Laufe der Zeit legten die Internierten Gärten, Freizeiteinrichtungen und Sportplätze an, sie organisierten Feste, Pfadfinder-Gruppen und sportliche Wettkämpfe auch gegen Mannschaften außerhalb des Lagers.Meger: Historic Resource Study, Seite 123 Es gab eine Zeitung, den Minidoka Irrigator. Die Ernährung im Lager entsprach der Versorgung der allgemeinen Bevölkerung der Vereinigten Staaten, die Rationen waren identisch bemessen. Trotz der vorhandenen Gesundheitsversorgung brach mehrfach Ruhr aus und eine Typhus-Epidemie.

Die Internierung war nicht nur ein schwerwiegender Eingriff in die Freiheit der Insassen, sie hatte auch weitreichende kulturelle Auswirkungen. Da die Kommunikation mit der Wartime Relocation Authority in englischer Sprache erfolgen musste, verschob sich entgegen japanischer Tradition der Einfluss in den Familien von den Ältesten, den Einwanderern der ersten Generation (Issei), auf ihre in Amerika geborenen und dort zur Schule gegangenen Kinder der zweiten Generation (Nisei), die im Gegensatz zu ihren Eltern die US-Staatsangehörigkeit hatten. Die Grundschüler, die oft schon der dritten Generation angehörten, waren ganztags in der Schule und wurden auch zusammen bekocht, was die Familienbindung und die traditionellen Werte weiter schwächte. In den Lagerrat mit einem Vorstand und einem Schiedsgericht durften aus Misstrauen gegenüber den Einwanderern nur Angehörige der zweiten Generation gewählt werden.Burton, Kapitel 3, Seite 10

mini|Die Honor Roll. Die 20-jährige Fumi Onodera aus Seattle deutet auf die Namen ihrer drei Brüder, die gerade ihre Armeeausbildung machen.