Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Ulm Fläche: 640.4 km² Gliederung: 24 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 23.000 (2023) Adresse desDekanatamtes: Karlstr. 5689143 Blaubeuren Dekan: Frithjof Schwesig Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Blaubeuren innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg

Der Evangelische Kirchenbezirk Blaubeuren war ein Kirchenbezirk der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet war deckungsgleich mit dem Dekanat Blaubeuren. Zum 1. Januar 2026 fusionierte er mit dem Kirchenbezirk Ulm zum Kirchenbezirk Ulm/Alb-Donau.

Geografie Der Kirchenbezirk Blaubeuren lag im Südosten der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasste überwiegend den Osten der Schwäbischen Alb. Seine Kirchengemeinden gehören zu den politischen Städten und Gemeinden Allmendingen, Altheim, Blaubeuren, Berghülen, Blaustein, Dornstadt (nur Ortsteile Scharenstetten, Temmenhausen und Tomerdingen), Ehingen (Donau) (ohne Stadtteile Dächingen, Erbstetten, Frankenhofen, Granheim, Herbertshofen, Kirchbierlingen, Kirchen, Mundingen, Rißtissen und Volkersheim), Emeringen, Emerkingen, Erbach (nur Stadtteil Ringingen), Griesingen, Hausen am Bussen, Grundsheim, Laichingen (nur Stadtteile Machtolsheim und Suppingen), Lonsee (nur Ortsteil Radelstetten), Merklingen, Munderkingen, Nellingen, Obermarchtal, Oberstadion (ohne Ortsteil Moosbeuren), Rechtenstein, Rottenacker, Schelklingen (nur Hauptort und Ortsteile Hausen ob Urspring und Schmiechen), Untermarchtal, Unterstadion und Unterwachingen im Alb-Donau-Kreis sowie zur Gemeinde Uttenweiler (nur die Ortsteile Dietershausen, Dieterskirch, Dobel, Herlighof, Oberwachingen und Schupfenberg) im Landkreis Biberach.

Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Blaubeuren grenzte zuletzt an folgende Kirchenbezirke (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Geislingen-Göppingen, Ulm, Biberach (alle Prälatur Ulm) sowie Bad Urach-Münsingen (Prälatur Reutlingen).

Geschichte Das Gebiet um Blaubeuren ist zweigeteilt. Der Norden gehört zum alten Kernland Württemberg, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Blaubeuren wurde daher schon sehr früh (1556) Sitz eines Oberamts und ab etwa 1563 einer Superintendentur bzw. eines Dekanats. Dieses Gebiet ist daher überwiegend evangelisch geprägt. Das Amt des Dekans war ab 1579 mit der Stadtpfarrei Blaubeuren verbunden, zuvor war der Sitz des Dekans in Laichingen. Das Dekanat gehörte zunächst zum Generalat Urach und seit 1810 zur Generalsuperintendentur Ulm, aus der 1924 die heutige Prälatur Ulm hervorging. 1817 wurde das Dekanat Blaubeuren verkleinert, als aus sieben Pfarreien zusammen mit einigen Pfarreien des Dekanats Urach das neue Dekanat Münsingen errichtet wurde.

Der Süden des Kirchenbezirks Blaubeuren, der Raum Ehingen (Donau), gehörte bis 1806 zu Vorderösterreich und blieb nach der Reformation katholisch. Hier wurden evangelische Kirchengemeinden erst ab dem 19. Jahrhundert bzw. vermehrt nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Die dortigen Kirchengemeinden befinden sich somit in der Diaspora.

Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks oblag der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Der letzte Blaubeurer Dekan war bis Mai 2025 Frithjof Schwesig, der zugleich einer der Pfarrer an der Stadtkirche St. Peter und Paul in Blaubeuren ist.

Dekane des Kirchenbezirks Blaubeuren seit 1800 1800–1817: Christian Jakob Baur 1818–1844: Ludwig Ernst Karl Bockshammer 1844–1853: Gottlieb Benjamin Friedrich Haas 1853–1871: Christian Friedrich Lempp (1808–1885) 1871–1882: Johann Georg Christian Karl Sigel 1882–1892: Paul Ernst Wurm (1829–1911, Vater von Theophil Wurm) 1892–1903: Karl Ludwig Findeisen 1903: Paul Wurster (1860–1923) 1904–1931: Alexander Friedrich Pfahler (1862–1937) 1931–1947: Theodor Hermann 1947–1953: Immanuel Mann 1954–1964: Erwin Bosler (1899–1989) 1964–1975: Fritz Schrägle (1910–1992) 1975–1994: Hartmut Dehlinger (1931–2021) 1995–2002: Franz Härle (1944–2002) 2002–2015: Klaus Schwarz (* 1949) 2015–2025: Frithjof Schwesig (* 1960)

Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Blaubeuren gab es zuletzt 24 Kirchengemeinden. Dabei haben sich vier Kirchengemeinden zu insgesamt zwei Gesamtkirchengemeinden zusammengeschlossen, bleiben aber weiterhin eigenständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Ein Teil des Kirchenbezirks Blaubeuren gehörte schon vor 1800 überwiegend zu Württemberg, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. In fast jedem Dorf gibt es somit dort eine meist alte evangelische Kirche und eine eigene Kirchengemeinde. In den anderen Gebieten sind die evangelischen Kirchengemeinden jüngeren Datums. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf die Jahre zwischen 2005 und 2017 und sind gerundet.

Kirchengemeinde Asch-Sonderbuch-Wippingen mini|links|120px|Evangelische Kirche in Asch Die Kirchengemeinde Asch (ca. 1.050) umfasste den Stadtteil Asch der Stadt Blaubeuren. Eine Kirche wurde in Asch bereits 1236 erwähnt. 1477 wird sie zu Unserer Lieben Frau genannt. Das Patronat hatten seit dem 13. Jahrhundert die Grafen von Helfenstein, die es 1447 an Württemberg verkauften. Von dort wurde sie 1477 der Universität Tübingen inkorporiert. Durch Württemberg wurde die Reformation eingeführt. Die heutige Pfarrkirche 'Zu Unserer Lieben Frau' wurde um 1474 erbaut. Sie hat einen netzgewölbten Chor. 1960 wurde die Kirche innen renoviert. Dabei legte man spätgotische Wandmalereien aus dem Jahr 1510 frei.

mini|120px|Evangelische Kirche in Sonderbuch Die Kirchengemeinde Sonderbuch (ca. ) umfasste den Stadtteil Sonderbuch der Stadt Blaubeuren. Kirchlich war Sonderbuch stets eine Filiale von Asch, von wo die Kirchengemeinde bis heute betreut wird. Der Ort besitzt jedoch eine eigene Kirche, die 1780 im klassizistischen Stil erbaut wurde.

mini|links|120px|Evangelische Kirche in Wippingen Die Kirchengemeinde Wippingen (ca. 570) umfasste die Ortsteile Wippingen und Lautern der Gemeinde Blaustein. Kirchlich war Wippingen zunächst Filiale von Herrlingen. 1417 wurde eine Kapelle zu Unserer Lieben Frau erwähnt. Da der Ort politisch teilweise zu Ulm, aber auch zu Württemberg gehörte, wurde überwiegend die Reformation eingeführt. Einige Teile von Wippingen blieben aber auch katholisch. Zunächst betreute der Pfarrer aus Asch den Ort. 1579 wurde die Pfarrei des benachbarten Ortes Lautern, das ebenfalls evangelisch geworden war, nach Wippingen verlegt. Die heutige Kirche in Wippingen wurde 1472 erbaut, 1703 barockisiert und 1950 erneuert. Sie hat noch einen spätgotischen Turm und Chor.

mini|120px|Evangelische Kirche in Lautern Obwohl Lautern nach 1579 keinen eigenen Pfarrer mehr hatte, blieb die romanische Chorturmkirche des Ortes, die 1587 und 1722 verändert worden war, noch Pfarrkirche und Lautern eine eigene Kirchengemeinde. Am 5. Dezember 1971 wurde die Kirchengemeinde Lautern mit der Kirchengemeinde Wippingen vereinigt. Das Schiff der Kirche Unserer Lieben Frau in Lautern stammt aus dem 15. Jahrhundert. Im Chor ist ein Flügelaltar von 1509 zu sehen.

Bis 1928 bildete der Nachbarort Klingenstein eine Filialkirchengemeinde von Wippingen. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 2. August 1928 wurde die Filialkirchengemeinde Klingenstein von der Muttergemeinde Wippingen losgelöst und zur selbständigen Kirchengemeinde erhoben. 1973 wurde sie in Kirchengemeinde Blaustein umbenannt.

Kirchengemeinde Berghülen mini|links|120px|Evangelische Kirche in Berghülen Die Kirchengemeinde Berghülen (ca. 1.350) umfasst den Hauptort der Gemeinde Berghülen; die Ortsteile Bühlenhausen und Treffensbuch bilden eigene Kirchengemeinden, werden jedoch vom Pfarramt Berghülen mit betreut. Kirchlich war Berghülen zunächst Filiale von Seißen. Doch hatte der Ort schon im 14. Jahrhundert eine Kapelle St. Laurentius, an der Staimar und die Gemeinde Seißen 1364 eine Frühmesse stifteten. 1456 erhob Württemberg Berghülen zur eigenen Pfarrei. Anstelle der alten Laurentiuskapelle wurde 1504 die heutige Kirche erbaut. Es handelt sich um einen Saalbau mit Flachdecke und netzgewölbtem Chor. Im Innern sind spätgotische Wandmalereien zu sehen.

Kirchengemeinde Bermaringen-Temmenhausen-Tomerdingen Die Kirchengemeinde Bermaringen-Temmenhausen-Tomerdingen wurde zum 1. Januar 2023 durch Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Kirchengemeinden Bermaringen und Temmenhausen-Tomerdingen gebildet, die jedoch schon zuvor von einem gemeinsamen Pfarramt betreut wurden.Website der Kirchengemeinde .

mini|120px|Kirche St. Martin in Bermaringen Die Kirchengemeinde Bermaringen (ca. 1.650) umfasste den Ortsteil Bermaringen der Gemeinde Blaustein. Eine Kirche und Pfarrei wurde 1275 erstmals erwähnt. 1462 wird sie St. Martin genannt. Die Kirche war aber nicht für den ganzen Ort zuständig. Vielmehr gehörte ein Teil des Ortes Bermaringen mit der Kapelle St. Bernhard zur Pfarrei Lautern, die jedoch später aufgehoben wurde. Das Patronat der Dorfkirche St. Martin hatten die Herren von Stein zu Klingenstein, welche es an das Kloster Urspring und diese dann an die Reichsstadt Ulm gaben. Von dort wurde die Reformation eingeführt. Schon 1461 wurde die Kirche vergrößert und mehrmals umgebaut. Die überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogenen evangelischen Bewohner von Tomerdingen wurden zunächst der Kirchengemeinde Bermaringen zugeordnet, später wurden sie dann der Kirchengemeinde Temmenhausen (heute Temmenhausen-Tomerdingen) zugeordnet.

mini|links|120px|Nikolauskirche in Temmenhausen Die Kirchengemeinde Temmenhausen-Tomerdingen (ca. ) umfasste die Ortsteile Temmenhausen und Tomerdingen der Gemeinde Dornstadt. 1324 wurde in Temmenhausen eine Kapelle St. Nikolaus erwähnt. Sie war Filiale von Tomerdingen. 1436 wurde dort eine Kaplanei gestiftet. Ulm führte die Reformation ein und erwarb die andere Hälfte des Patronatsrechts vom Deutschen Orden. Danach war Temmenhausen evangelische Pfarrei, doch wird die Kirchengemeinde Temmenhausen heute vom Pfarramt Bermaringen betreut. Die Kirche wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Der spätgotische Chor hat ein Netzgewölbe. Der Altar ist hochbarock. Im Innern wurde Wandmalereien freigelegt. 1908 und 1955 wurde die Kirche restauriert.

Tomerdingen blieb nach der Reformation katholisch. Die überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogenen evangelischen Bewohner wurden zunächst der Kirchengemeinde Bermaringen zugeordnet, später wurden sie der Kirchengemeinde Temmenhausen zugeordnet. Gottesdienste finden in der Friedhofskapelle St. Martin statt.

Die Kirchengemeinde Temmenhausen wurde mit Wirkung vom 30. Oktober 2008 in Kirchengemeinde Temmenhausen-Tomerdingen umbenannt.Amtsblatt, Bd. 63, Nr. 15 vom 31. März 2009, S. 352

Kirchengemeinde Blaubeuren mini|120px|Klosterkirche Blaubeuren Die Kirchengemeinde Blaubeuren (ca. 2.100) umfasst die Kernstadt und die Gleißenburger Höfe von Blaubeuren, wobei letztere bis 1934 noch zur Kirchengemeinde Pappelau gehörten und durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 7. März 1934 der Kirchengemeinde Blaubeuren zugeordnet wurden. Die Stadtteile Asch, Gerhausen, Pappelau (mit Beiningen), Seißen, Sonderbuch und Weiler bilden eigenständige Kirchengemeinden. Das kirchliche Leben in Blaubeuren begann mit der Gründung des Klosters durch die Grafen Sigiboto, Anselm und Hugo von Tübingen um 1080. Die zugehörige Klosterkirche wurde 1108 erstmals erwähnt. In der nahe dem Kloster gegründeten Stadt wurde 1182 eine Pfarrei und Kirche St. Peter und Paul erwähnt. Württemberg führte die Reformation ein und löste das Kloster 1536 auf. Nach 1561 wurde eine Klosterschule eingerichtet, aus der das heutige Seminar hervorging. Erster Abt der Klosterschule war Matthäus Alber. Die Klosterkirche wurde später profaniert, dient aber heute aber auch wieder für kirchliche Zwecke. So finden dort im Sommer, zusätzlich zu den Gottesdiensten in der Stadtkirche, Frühgottesdienste statt.

mini|links|120px|Evang. Stadtkirche Blaubeuren