Die DGB-Jugend ist ein eigenständiger Jugendverband mit demokratischen Entscheidungsstrukturen von unten nach oben. Als anerkannte freie Trägerin der Jugendhilfe erfüllt sie einen eigenständigen Erziehungs- und Bildungsauftrag in der Gesellschaft. Zugleich ist die DGB-Jugend Teil des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Sie ist gleich dem DGB ein Dachverband und föderativ gegliedert in (Landes-)Bezirke und Kreise bzw. Regionen. Mitglieder der DGB-Jugend sind alle jugendlichen Mitglieder einer DGB-Gewerkschaft gemäß den Satzungen der Mitgliedsgewerkschaften. Bis 2004 diente die Villa Gans als Bildungszentrum der DGB-Jugend.
Mitgliedsorganisationen Mitgliedsorganisationen der DGB-Jugend sind die Jugendorganisationen der momentan acht DGB-Mitgliedsgewerkschaften. Dies sind:
IG Metall (IGM) Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Gewerkschaft der Polizei (GdP) Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
(Reihenfolge: absteigend nach Zahl der Mitglieder bis einschl. 27 Jahre)
Historische Einordnung der DGB‑Jugend Die DGB‑Jugend entstand im Zuge des Neuaufbaus der Gewerkschaften nach dem Zweiten Weltkrieg und entwickelte sich seit 1949 zur Jugendorganisation des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Ihre Wurzeln liegen in den gewerkschaftlichen Jugendaktivitäten der Nachkriegsjahre, die zunächst ohne eigenständige Struktur organisiert wurden. Bereits 1948 formulierte die erste interzonale Gewerkschaftsjugendkonferenz zentrale Forderungen zur Jugendarbeit, darunter den Ausbau von Berufs- und Fachschulen sowie die Einrichtung von Jugendsekretariaten in allen Gewerkschaftsbünden. Diese Forderungen wurden der VII. Interzonenkonferenz der Gewerkschaften übergeben, um sie in die Neugestaltung der Gesetzgebung einzubringen.
Mit der Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes im Oktober 1949 wurde die Jugendarbeit erstmals institutionell verankert. Auf dem Gründungskongress wurde Willi Ginhold als Vertreter der Jugend in den Geschäftsführenden Bundesvorstand gewählt – ein Novum in der Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Im Januar 1950 richtete der DGB eine „Hauptabteilung Jugend“ ein, die die Jugendarbeit organisatorisch bündelte und professionalisierte.
Die DGB‑Jugend verstand sich in dieser frühen Phase ausdrücklich nicht als eigenständiger Verband, sondern als integraler Teil der Gewerkschaftsbewegung. In einem Beitrag des Gründungskongresses heißt es: „Wir haben keine eigene Jugend und wir wollen auch keine eigene Jugend.“ Gleichzeitig betonte das „Manifest der Jugend“, dass die Gewerkschaftsjugend ihre Aufgaben als Teil der Gesamtorganisation wahrnehme.
In den 1950er Jahren wurde die Jugendarbeit weiter ausgebaut. 1950 fand die erste Bundesjugendkonferenz statt, an der auch internationale Gewerkschaftsbünde teilnahmen. 1954 eröffnete der DGB das Haus der Gewerkschaftsjugend in Oberursel, das sich zu einem zentralen Ort der Jugendbildungsarbeit entwickelte. Die Einrichtung spiegelte den Wandel der Jugendarbeit wider: von kulturellen und freizeitpädagogischen Angeboten hin zu politischer Bildung, Jugendgruppenarbeit und gewerkschaftlicher Qualifizierung.
In den 1960er und 1970er Jahren gewann die DGB‑Jugend zunehmend politische Eigenständigkeit. Die Lehrlingsbewegung dieser Zeit prägte die jugendpolitische Ausrichtung nachhaltig. Lehrlinge und junge Beschäftigte organisierten Demonstrationen, kritisierten Missstände in der Berufsausbildung und forderten Reformen. Die DGB‑Jugend reagierte mit neuen Bildungsansätzen, Kampagnen und einer stärkeren politischen Positionierung innerhalb des DGB.
Seit den 1980er Jahren entwickelte sich die DGB‑Jugend zu einer modernen Jugendorganisation mit eigenen Kampagnen, Publikationen und internationalen Programmen. Trotz dieser zunehmenden Profilierung blieb sie organisatorisch Teil des DGB und fungiert bis heute als dessen Jugendverband, der die Interessen von Auszubildenden, jungen Beschäftigten, Studierenden und jungen Erwerbslosen vertritt.
Aufgaben und Ziele Die Schwerpunkte der Arbeit der DGB-Jugend liegen insbesondere in der politischen Bildung, in der gewerkschaftlichen Vorfeldarbeit an Schulen und Hochschulen, in der Vernetzung der Mitgliedsgewerkschaftsjugenden sowie in der politischen Außenvertretung der Gewerkschaftsjugenden. Darüber hinaus hat die DGB-Jugend eigene Angebote zur arbeits- und sozialrechtlichen Anfangsberatung für Auszubildende, Studierende sowie Seminare oder prekär Beschäftigte/Praktikanten.
Die DGB-Jugend tritt für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen insbesondere junger Menschen und für die Demokratisierung in Gesellschaft, Wirtschaft und Staat ein. Dies setzt die Überwindung der Diskriminierung von Frauen und jeglicher rassistischer Benachteiligung voraus. Weitere Ziele der inhaltlichen Arbeit sind der ökologische Umbau der Gesellschaft, die internationale Solidarität und der Einsatz für Frieden und Abrüstung.
Das aktuelle Motto der DGB-Jugend lautet MACH DOCH MIT UNS ZUKUNFT.
Die DGB-Jugend nimmt häufig an Demonstrationen gegen die AfD teil oder organisiert diese.
Entscheidungsgremien Das höchste Entscheidungsgremium der DGB-Jugend ist die DGB-Bundesjugendkonferenz. Sie findet alle vier Jahre statt und setzt sich zusammen aus gewählten stimmberechtigten Delegierten der Jugend der Mitgliedsgewerkschaften sowie aus beratenden Delegierten der DGB-Bezirke. Die letzte DGB-Bundesjugendkonferenz fand im November 2025 in Berlin statt.
Zwischen den DGB-Bundesjugendkonferenzen ist der DGB-Bundesjugendausschuss das höchste Gremium. Er setzt sich zusammen aus ein bis drei gewählten Vertretern jeder DGB-Mitgliedsgewerkschaft (je nach Zahl der jugendlichen Mitglieder), jeweils einem gewählten Vertreter der DGB-Bezirksjugendausschüsse, dem DGB-Bundesjugendsekretär und dem für Jugendarbeit zuständigen Vorstandsmitglied des DGB (derzeit Elke Hannack).
Mitgliedschaften mini|Fahne der DGB-Jugend Die DGB-Jugend ist unter anderem Mitglied im Deutschen Bundesjugendring (DBJR) und darüber im Deutschen Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit (DNK) in der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) in der EGB-Jugend (Jugendkomitee des Europäischen Gewerkschaftsbundes) im Netzwerk für Demokratie und Courage e. V. (NDC) im Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V. (IDA) bei attac in der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen
Einzelnachweise
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