Synonyme oder Synonyma (von ‚von gleichem Namen‘ zu ‚gemeinsam‘ und ‚Name, Begriff‘) sind sprachliche Ausdrücke oder Zeichen, die zueinander in der Beziehung der Synonymie stehen – einer der grundlegenden Typen von Bedeutungsbeziehungen bzw. Sinnrelationen.
Synonymie im strengen Sinn ist eine Bedeutungsgleichheit zwischen Zeichen, also nicht nur gleicher Bezug in einem bestimmten Kontext, sondern systematische Deckungsgleichheit hinsichtlich der Bedeutung (Semantik). Eine perfekte Synonymie ist im Wortschatz einer natürlichen Sprache (Sprache, die sich natürlich entwickelt hat, von Menschen gesprochen wird und nicht konstruiert ist) jedoch selten. Tatsächlich vorkommende Synonyme unterscheiden sich daher oft in untergeordneten Aspekten der Bedeutung wie etwa den Konnotationen, den transportierten Bewertungen und der Zuordnung zu regional verschiedenem Sprachgebrauch etc.Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4. Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart 2010, S. 693, Lemma Synonymie.
In einem weiten Sinn werden auch sinnverwandte Wörter als Synonyme bezeichnet, auch wenn sie lediglich ähnliche oder verwandte Bedeutungen haben, so z. B. in Synonymwörterbüchern.Der Dudenverlag bewirbt sein Synonymwörterbuch so: „Die umfangreichste Darstellung der sinnverwandten Wörter des Deutschen: mehr als 300.000 Synonyme. Differenzierte stilistische, regionale und fachsprachliche Angaben, die dabei helfen, in jeder Situation das passendste Wort auszuwählen.“ Duden Onlineshop
Zwei Wörter sind zueinander immer wechselseitig synonym und bilden somit eine semantische Dublette. Allerdings besteht diese Beziehung auf der Wortebene genaugenommen nur zwischen zwei bestimmten begrifflichen Lesarten dieser Wörter, denn jedes für sich ist oft mehrdeutig.Volker Harm: Einführung in die Lexikologie. WBG, Darmstadt 2015, ISBN 978-3-534-26384-4, S. 67 (Einführung Germanistik).
Wörter mit gegensätzlicher Bedeutung sind Antonyme.
Begriff der Synonymie Voraussetzung für den Begriff der Synonymie ist die Unterscheidung zwischen Wort und Begriff oder, allgemeiner, zwischen dem Zeichen (oder Bezeichner) und der Bedeutung (oder dem Konzept) des Zeichens. Im Folgenden ist vor allem von sprachlichen Bezeichnungen oder Benennungen die Rede und so von Wort und Begriff. Ein Wort kann für mehrere Begriffe stehen – als Homonym –, und ebenso kann es für einen Begriff mehrere Wörter geben – als Synonyme. Wörter sind Synonyme zueinander, wenn sie für den gleichen Begriff stehen.
Bei einem Begriff (im weiteren Sinn) kann unterschieden werden zwischen seinem Inhalt (seiner Intension bzw. der mit dem Begriff verbundenen Idee) und seinem Umfang (seiner Extension, also der Menge der Objekte, die so bezeichnet werden können) bzw. dem mit dem Begriff gefassten Gegenstand. Mit dieser Unterscheidung ist der Ausdruck „Bedeutung“ mehrdeutig, bezeichnet er doch sowohl die Intension eines Begriffs als auch die Extension oder beides.
Synonymie im Sinne von Bedeutungsgleichheit oder Bedeutungsähnlichkeit kann sich daher auf die intensionale oder die extensionale Bedeutung beziehen. Da aus intensionaler Gleichheit extensionale Gleichheit folgt, nicht aber aus extensionaler Gleichheit eine intensionale, bestehen hier zwei Kombinationsmöglichkeiten: (a) intensionale und extensionale Bedeutungsgleichheit (oder -ähnlichkeit), und (b) intensionale Verschiedenheit und extensionale Bedeutungsgleichheit (oder -ähnlichkeit).
Der Fall intensionaler und extensionaler Identität ist selten. Zu denken wäre etwa an: „zwölf“ = „12“ = „XII“ = „twelve“. In allen Fällen bedeuten die genannten Ausdrücke in identischer Weise den Begriff der Zahl 12 in intensionaler und damit in extensionaler Hinsicht.
Als Fall intensionaler Verschiedenheit und extensionaler Gleichheit kann das Beispiel von Gottlob Frege „Abendstern“ – „Morgenstern“ angeführt werden. Beide Wörter bezeichnen die Venus, allerdings über einen je unterschiedlichen Begriffsinhalt.
Verbreitet wird als Synonymiekriterium eine extensionale Gleichheit für ausreichend angesehen. Synonymie lässt sich dann als extensionale Deckungsgleichheit definierenDieter Wunderlich: Arbeitsbuch Semantik. 2. Auflage. Hain, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-445-03051-0, S. 348 f. oder als partielle oder vollständige „Referenzgleichheit“ unterschiedlicher Zeichen.Dietrich Homberger: Sachwörterbuch zur Sprachwissenschaft. Reclam, Stuttgart 2000, ISBN 3-15-010471-8 (Stichwort Synonym). Der Wahrheitswert eines Aussagesatzes ändert sich nicht, wenn sich zwar ein Prädikat, nicht aber die durch das Prädikat bezeichnete Extension ändert. So gilt als Kriterium für Synonymie die Austauschbarkeit, ohne dass sich der Wahrheitswert eines Satzes ändert, mit anderen Worten salva veritate.Heike Krüger, Willi Krüger: Schülerduden Philosophie. Dudenverlag, Mannheim 2002, ISBN 3-411-71262-7 (Stichwort synonym). In einem ähnlichen Sinn wird eine „Austauschbarkeit in Kontexten ohne einen Bedeutungsunterschied hervorzurufen“ als Kriterium verlangt.Ingrid Kühn: Lexikologie. Niemeyer, Tübingen 1994, ISBN 3-484-25135-2, S. 53 (zusätzlich eine „Übereinstimmung in der Semstruktur“ fordernd).
Das Salva-veritate-Kriterium wird von Willard Van Orman Quine als nicht ausreichend kritisiert, da es in Modalkontexten zu großen Schwierigkeiten führe.Herbert E. Brekle: Semantik. 2. Auflage. Fink, München 1972, ISBN 3-7705-1181-6, S. 90. Aber auch Frege waren diese Probleme opaker Kontexte bereits bekannt.
Im Gegensatz zur Annahme, dass Synonymie schon dann vorliegt, wenn extensional dasselbe bezeichnet wird, grenzt man diesen Fall der Referenzidentität mitunter von der Synonymie abSo Monika Schwarz, Jeanette Chur: Semantik. 5. Auflage. G. Narr, Tübingen 2007, S. 55. und versteht darunter eine intensionale Identität bzw. Ähnlichkeit.
Das Synonymieverhältnis wird in aller Regel von Unterschieden auf der Ebene der Konnotation getrennt, das heißt von Unterschieden bei Begleitvorstellungen wird abgesehen. Im oben angeführten Beispiel der Zahlbezeichnungen besteht zwischen „zwölf“ und „12“ auch in konnotativer Hinsicht kein nennenswerter Unterschied; hingegen kann der Gebrauch der römischen Ziffern „XII“ mit höherer Bildung konnotiert sein. + Übersicht über mögliche Formen der Synonymie Intension Extension Konnotation Beispiel = = = „Apfelsine“ = „Orange“ = = ≠ „Pferd“ = „Gaul“ ≠ = … „Abendstern“ = „Morgenstern“Monika Schwarz, Jeanette Chur: Semantik. – 5. Aufl. – G. Narr, Tübingen 2007, S. 55 sehen dies nicht als Fall der Synonymie und sprechen stattdessen von Referenzidentität = ≠ … nicht möglich+ Alternative Beispiele nach G. Frege Intension Extension Konnotation Beispiel = = = „12“ = „Zwölf“Geht man von der Regel aus, dass Zahlen bis einschließlich 12 auszuschreiben sind, unterscheiden sich beide Ausdrücke in einem Text in dem Grad ihrer Grammatikalität und damit evtl. in ihrer Stilebene. Dann wird hier davon ausgegangen, dass dies kein Fall der Konnotation ist. = = ≠ „12“ = „XII“Hier wird unterstellt, dass schon der Gebrauch der römischen Ziffer „XII“ mit höherer, klassischer oder altertümelnder etc. Bildung konnotiert ist. ≠ = … „12“ = „2 × 6“ = ≠ … nicht möglich
Grundsätzlich könnte die Auffassung vertreten werden, dass es für Wörter, die hinreichend genaue sprachliche Abbilder von Begriffen sein sollen, schon objektiv keine Synonyme im Sinne einer Bedeutungsgleichheit geben könne, da dann auch die Wörter gleich sein müssten. Entsprechend müsste ein Wort, welches einem anderen seiner Gestalt nach nicht gleicht, allein deswegen einen anderen Bedeutungsgehalt haben, weil es nicht dasselbe Wort ist. In der deutschsprachigen Rechtsförmlichkeit heißt dieses Prinzip Synonymverbot: Gleiches darf nicht mit unterschiedlichen Wörtern bezeichnet werden, Gleiches muss stets mit dem gleichen Worte bezeichnet werden.
Strikte und partielle Synonymie Man unterscheidet strikte oder partielle Synonymie (Bedeutungsähnlichkeit).
Strikte Synonymie (Bedeutungsgleichheit) Strikte Synonymie (Bedeutungsgleichheit, Synonymie im strengen, engeren Sinn) setzt nicht nur voraus, dass zwei lexikalische Zeichen die gleiche denotative Bedeutung haben, sondern auch, dass sie in allen Kontexten austauschbar sind und in allen Kontexten die gleiche Wirkung haben.
Beispiele für strikte Synonymenpaare im Deutschen sind nach allgemeiner Anschauung: Orange – Apfelsine; Streichholz – Zündholz.
Allerdings ist hier bereits einzuwenden, dass diese Art von Synonymie beim Paar Orange – Apfelsine nur für die Nordhälfte des deutschen Sprachgebiets gilt. In der Deutschschweiz etwa und in Österreich ist Apfelsine klar als Teutonismus markiert. Dieses Wort als Bestandteil eines Textes würde ihn klar als in Norddeutschland handelnd situieren. In Texten, die in der Schweiz oder Österreich spielen, würde das Wort befremdlich klingen und auch in Bayern würde der Gebrauch einen „Zugereisten“ oder Urlauber kennzeichnen. Dieses Beispiel kann demnach auch nur als Bedeutungsähnlichkeit gewertet werden.
Selbst bei Referenzgleichheit können somit „Bedeutungsdifferenzen“ auftreten: „Wertung durch den Sprecher (Pferd – Klepper), Soziolekt (Geld – Piepen), Dialekt (Mädchen – Dirn), stilistische Sprachebenen (Zimmer – Gemach), politischer Sprachgebrauch (Angriff – Präventivschlag), Euphemismus (sterben – heimgehen), Fremdwortgebrauch (Innenstadt – City).“
Dass insgesamt nur wenige unstrittige Beispiele für strikte Synonymie gefunden werden, ist aus sprachökonomischer Sicht nachvollziehbar. Die Tendenz zur Vermeidung von Redundanzen bei der Strukturierung des Lexikons lässt im Wortschatz natürlicher Sprachen keine größere Menge an strikten Synonymen entstehen. Dennoch kann das Konzept der strikten Synonymie in methodischer Hinsicht sinnvoll sein, um einen idealen Referenzpunkt auf einer gedachten Skala der Bedeutungsgleichheit zu markieren.Alan Cruse: Meaning in Language. An Introducation to Semantics and Pragmatics. 2. Auflage. Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-926306-X, S. 155.
Partielle Synonymie (Bedeutungsähnlichkeit)
Partielle vs. strikte Synonymie Partielle Synonyme werden auch Homoionyme genannt. Folgende Aspekte der konnotativen Bedeutung bewirken, dass zwei lexikalische Zeichen bei gleicher denotativer Bedeutung nicht den strengen Anforderungen strikter Synonymie genügen:
regionale Differenzierung: Metzger – Fleischer; Brötchen – Weckle – Semmel – Schrippe natives Wort gegenüber Fremdwort: Fahrstuhl/Aufzug – Lift lateinischer Ursprung gegenüber germanischer Ursprung: vertikal – senkrecht (siehe auch deutsche Sprachgeschichte)
In den meisten alltäglichen Verwendungssituationen genügt das weniger strikte Kriterium der Ersetzbarkeit salva veritate in typischen Kontexten, um ein Paar lexikalischer Zeichen als Synonyme zu identifizieren:
(a) „Er benutzt schon wieder nicht den Genitiv.“ ↔ (b) „Er benutzt schon wieder nicht den Wesfall.“
Aus dem in diesem Satz (a) beschriebenen Sachverhalt folgt notwendigerweise der in Satz (b) beschriebene Sachverhalt und umgekehrt.
Abstufungen und Grenzziehungen bei partieller Synonymie Weitere, weniger minimale Beispiele für nicht-strikte Synonymenpaare sind Fluss – Wasserstraße oder Wasserstraße – Kanal. Nicht jede Wasserstraße ist ein Fluss und nicht jede Wasserstraße ist ein Kanal; die Wörter werden jedoch als Synonyme z. B. im Duden Synonymwörterbuch angegeben.